Posts Tagged ‘Ethik in der Wissenschaft’

Forschungsförderung und Wissenschaftsethik

Donnerstag, Februar 19th, 2015

Ein Teil der Arbeit eines Wissenschaftlers ist die Begutachtung von Anträgen, die andere Wissenschaftler bei Forschungsförderungsorganisationen stellen. Die Begutachtung solcher Anträge kostet Zeit und bringt dem Gutachter insofern etwas, dass er auf seinem Gebiet einiges interessantes erfährt. Ansonsten ist es keine besonders angenehme Tätigkeit.

Neulich nahm ich an einem Arbeitstreffen der Gutachter einer Forschungsförderungsorganisation in Räumen dieser Organisation statt. Das Gebäude im Mitten eines kleinen Parks, die Räumen und ihre Ausstattung waren viel schöner als die Arbeitsumgebung der Wissenschaftler, die bei der Forschungsförderungsorganisation Mittel beantragen. „Wieso?“, habe ich mich gefragt.

In einer Pause sprach ich mit einer der Funktionsträger dieser Forschungsförderungsorganisation und erfuhr von ihm, erstens dass die Anmietung dieses sehr schönes Gebäude sehr teuer ist, zweitens dass 30% der Mittel, die diese Forschungsförderungsorganisation erhält, für Gebäude und Verwaltung dieser Organisation verbraucht werden. „Das ist viel!“ habe ich dabei gedacht.

Es ist nicht nur viel. Es ist auch zu viel, viel zu viel. So drängt sich der Gedanke auf, dass diese Forschungsförderungsorganisation, die ihre Mittel ausschließlich von Staaten erhält, nicht nur der Wissenschaft dient, sondern auch ihre Funktionsträger und ihr Personal bedient. Vermutlich zutreffender kann man vermuten, dass diese Funktionsträger und dieses Personal sich aus Gelder bedient, die von Staaten zur Förderung der Forschung gegeben werden. Eine solche Selbstbedienung verstoßt gegen die Ethik.

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Dreistes Plagiat, lähmende Angst

Donnerstag, Dezember 11th, 2014

Zwei wissenschaftliche Mitarbeiter einer Universität wurden einem Plagiat beschuldigt. Erst ein halbes Jahr, nachdem der Plagiatsvorwurf öffentlich erhoben wurde, konnten die Beschuldigten erfahren, worum es mit dem Vorwurf eigentlich geht. Zu diesem Zeitpunkt hatte der eine die Universität bereits verlassen; der andere kämpfte noch mit einer langen Krankheit, die der Plagiatsvorwurf verursacht hatte. Zum Plagiatsvorwurf schweigen sowohl die Beschuldigten wie die meisten Fakultätsmitglieder – jedoch nicht alle.

Worum ging es also mit dem Plagiatsvorwurf? Um einen Text, der kürzer ist als drei Tweets. Das plagiierte Erkenntnis muss eine gewaltige Tragweite haben, wenn es sich so kurz vermitteln lässt! In der Tat. Es handelt sich um die folgenden Ratschläge, um Texte für Kinder verständlicher zu gestalten:

  • Präsens statt Imperfekt
  • Direkte statt indirekte Rede
  • Aktiv statt Passiv
  • Dativ statt Genitiv
  • Keine Nebensätze
  • Mar|kier|te Sil|ben und Gra|(ph)e|me
  • Eigennamen statt Personalpronomen
  • Bekannte statt unbekannte Wörter
  • Bilder statt schwer zu lesende Wörter

Die zwei Wissenschaftler waren besonders dreist: Das bahnbrechende Erkenntnis, welches laut Plagiatsvorwurf erst vor acht Jahren entdeckt und nicht veröffentlicht wurde, haben sie schon vor sechs Jahren in einem mehrere zehn Seiten langen Werk ohne Erwähnung des Entdeckers und rechtmäßigen Besitzers des geistigen Eigentums erwähnt!

Der Fall darf nicht ohne Folgen bleiben. Universität und Ministerium müssen handeln. Ein paar Vorschläge dazu:

  • Den zwei Wissenschaftlern die Aberkennung des Doktortitels und die Entlassung aus dem öffentlichen Dienst.
  • Dem Professor, der im Plagiatsvorwurf eine neue Form der Mitarbeiterführung erkannte, die Goldmedaille für besondere Verdienste um Universität und Wissenschaft.
  • Den schweigenden Eingeweihten, die den Beschuldigten nicht beigestanden sind, das Abzeichen „Meine Karriere und meine Ruhe“.
  • Denjenigen, die aus einem seltenen Ethikverstand den Fall bekannt gemacht haben, eine Verwarnung.

Dieser Artikel ist ein Aufruf gegen die Angst – die Angst von Nachwuchswissenschaftlern vor einem Mobbing, das als Bewahrung der Wissenschaftsethik getarnt wird, und die lähmende Angst von Wissenschaftlern und Professoren, ausgegrenzt oder Repressalien ausgesetzt zu werden, wenn sie bedenkliche Praktiken infrage stellen.

Die Angst lähmt. Die Angst erniedrigt. Die Angst ist mit Lehre, Forschung und jeder sonstigen Tätigkeit unverträglich. Die Angst ist in jeder Arbeitsumgebung, insbesondere jeder Hochschule, inakzeptabel. Die Ursachen der Angst gehören offengelegt, weil nur so die Angst überwunden wird.

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Post Scriptum (am 2.2.2015): Der Beauftragte der Universität für die Selbstkontrolle in der Wissenschaft hat im Januar 2015 mitgeteilt,den Plagiatvorwurf für unbegründet anzusehen.

Peinliches Streben nach Anerkennung

Donnerstag, Dezember 22nd, 2011

Zum Leben benötigt jeder Mensch Anerkennung genau so wie Nahrung und Wasser. Wissenschaftler sind keine Ausnahme. Oder doch?

Einige scheinen, mehr Anerkennung zu benötigen als ihnen schon gegeben wurde und arbeiten zielstrebig daran, möglich viel vom Brimborium eines erfolgreichen Berufslebens zu sammeln: Einfluss, Mitarbeiter und Fördergelder, Ehrungen.

Muss das sein? Es gibt nichts dagegen einzuwenden, dass Menschen, die besonders viel können, besonders viel leisten können. Bei Wissenschaftler sollte man aber ein bisschen vorsichtig sein. Was ist den ein erfolgreicher Wissenschaftler? Abgesehen von sehr wenigen Ausnahmen wie Newton, sind erfolgreiche Wissenschaftler solche, die wertvolle Beiträge geliefert haben und jüngere Wissenschaftler den Weg zur guten wissenschaftlichen Forschung gezeigt haben. Ob die Beiträge eines Wissenschaftlers  nur gut oder wichtig oder sogar sehr wichtig sind, wird nicht selten lange nach seinem Tod erkannt.

Diese Tatsache sollte, meine ich, uns zu einer gesunden Bescheidenheit verhelfen und unseres peinliche Streben nach Anerkennung eindämmen.

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Spreu und Weizen unter wissenschaftlichen Tagungen

Montag, September 19th, 2011

Eine der beruflichen Freude eines Wissenschaftlers ist die Einladung durch die Veranstalter einer wissenschaftlichen Tagung, einen Vortrag über die eigene Arbeit zu halten. Solche Einladung sind ein Beleg des beruflichen Erfolg. Sie lassen junge Wissenschaftler hoffen, eine Dauerstelle in der wissenschaftlichen Forschung erhalten zu können.

Neulich habe ich die folgende Einladung erhalten:

On behalf of the conference Committee Members and Chairs, We are honored to invite you as an Invited Speaker of the collaborative conference on 3D Research (CC3DR) 2012.

Es handelt sich um die „Collaborative Conference on 3D & Materials Research (3DMR) 2011„.

Über diese Einladung  habe ich mich nicht gefreut, sondern geärgert, weil ich nicht auf dem Gebiet der Tagung arbeite.

Eine solche Einladung wirkt auf mich  betrügerisch. Wozu sonst soll sie dienen, als Wissenschaftler zu Veröffentlichungen zu verführen? Wofür denn sonst, als eine Tagung am Leben zu halten, die sonst zu wenig Einreichungen oder zu wenig Publikum hätte.

Wegen der sehr großen Anzahl an wissenschaftlichen Tagungen und der sehr großen Vielfalt an wissenschaftlichen Gebieten, kann kaum jemand das Spreu solcher Tagungen vom Weizen der ehrlich arbeitenden Tagungen halten!

Gibt es ein Wiki für die Meldung der Tagung-Spreu? Es wäre an der Zeit, eins ans Leben zu rufen!

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Die Pippi Langstrumpf-Doktoranden

Samstag, Juni 18th, 2011

Pippi Langstrumpf ist eine wichtige Identifikationsfigur für Kinder, weil das imaginäre Mädchen ohne Mutter und mit einem Vater, der von der sowohl physischen wie realen Welt fern ist,  ihnen zeigt, dass ein glückliches und abenteuerreiches Großwerden auch Kindern möglich ist, die alleine auf sich gestellt sind.

Neulich habe ich zwei Doktoranden getroffen, denen eine ähnliche Identifikationsfigur gut täte. Ich nenne sie „Pippi Langstrumpf-Doktoranden“, weil sie manchmal zu viel auf sich gestellt sind und meist Gruppenleiter und/oder Promotionsbetreuer haben, die von ihrer Promotionsforschungen physisch wie ideell nicht immer nahe genug sind.

Der eine Doktorand arbeitet an einem großen öffentlichen deutschen Forschungszentrum in einer Arbeitsgruppe, die nicht von einem Professor geleitet ist. Er teilte mir mit, in den letzten Monaten an 12 Förderanträge für Europäische Forschungsprojekten mitgewirkt zu haben, wovon er für 10 keine Unterstützung aus seiner Arbeitsgruppe bekam. Zeit für das Forschungsprojekt, wodurch seine Stelle bezahlt wird, hatte er „zu wenig„, wie er sagte, was ein Euphemismus ist. Erstens kann ein Doktorand höchstens ein paar guten Ideen zur Gestaltung von Förderanträge bringen. Er ist aber in der Regel noch lange nicht erfahren genug, um maßgeblich an solchen Anträgen in sinnvoller Weise beizutragen. Zweitens kann mein Meinung nach ein erfahrener Wissenschaftler höchtens zwei oder drei Förderanträge gleichzeitig mit-gestalten. Für seine Promotion hatte der Doktorand, wie er mir sagte, „momentan leider keine Zeit„. Der Fall ist aus zwei Gründen ein Verstoß gegen die Ethik: Erstens wurde dem Doktorand bei seiner Einstellung das Versprechen gemacht, er könnte auf dieser Stelle promovieren, was offenbar nicht der Fall ist. Zweitens wurde der Europäischen Kommission gegenüber versprochen, die von ihr beszahlte Stelle würde vollzeit für Forschungsarbeiten eingebracht.

Der andere Doktorand arbeitet an einer deutschen Universität. „Bei uns am Lehrstuhl arbeitet jeder zehn Stunde pro Tag fünf Tage der Woche – die Arbeit für die Promotion nicht einberechnet, dafür gibt es ja die Wochenende“ sagte er mir. Er ist mir als glaubwürdig bekannt und seine Arbeitsgruppe gilt als fleißig und erfolgreich. „Für Gespräche über die Promotionsvorhaben mit dem Professor gibt es höchstens eine Stunde pro Monat, die leider oft mit Verwaltungsfragen vollständig verbracht wird.“ Die Verwaltung ist an Universitäten etwas, was Wissenschaftler nebenbei erledigen müssen. In Unternehmen gibt es Personal für Aufgaben, die an Universitäten Wissenschaftler ohne die dafür nötige Zeit und die dafür nötige Ausbildung erledigen müssen. Der Professor widmet sich sehr engagiert der Selbstverwaltung der Universität.

In dieser Weise, wie die beiden oben erwähnten Doktoranden arbeiten, kann niemand auf Dauer in der Lehre oder in der Forschung gut arbeiten. Allenfalls Verwaltungsaufgaben lassen sich unter solchen Umstände noch ordentlich durchführen. Ich persönlich kann nicht auf Dauer zehn Stunden an jedem Arbeitstag arbeiten und noch Kreatives und Schwieriges leisten. Und wie ich um mich beobachte, kann es kaum jemand anderer, was auch manche von sich behaupten mögen. Meine Überzeugung ist, dass ein zu hohes Arbeitspensum einer kreativen Arbeit hinderlich ist – für mich und, wie ich meine zu beobachten, für die meisten Menschen.

Ohne den dezidierten Einsatz des Gruppenleiters und der Leitung des Forschungszentrum oder der Universität können Doktoranden (auf Landes- oder Drittmittel-Stellen) an ihrer Promotion nicht ordentlich und nicht ausreichend arbeiten. Dieser Einsatz umfasst erstens und vor allem eine sehr genaue Überlegung der Forschungszielen von Drittmittel-Projekten und der Themen der Studienarbeiten, die von den wissenschaftlichen Mitarbeitern mit-betreut werden, damit sie deckungsgleich mit Zielen und Themen der Promotionsprojekten sind. Nebenbei wird nämlich wenn überhaupt nur schlecht promoviert.

Damit einem diesen Einsatz möglich ist, ganz egal, ob man Professor ist oder nicht, ob man Inhaber eines Lehrstuhls ist oder nicht, muss man auf vieles verzichteten: Artikeln, die man gerne schreiben würde, Forschungen, die man gerne durchführen würde, Freizeitaktivitäten, die einem gerne hätte, persönliches Fortkommen  in der universitätsinternen und internationalen Hackordnung und oft genug, die  Verwaltung vernachläßigen. Man muss sehr dezidiert Prioritäten setzen. Den Pippi Langstrumpf-Promotionsbetreuer mit übermenschlichen Kräften gibt es eben nicht!

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Wissenschaftsethik: Treten wir ins Fettnäpfchen

Mittwoch, Juni 8th, 2011

Immer wieder erfährt man über die Presse über Verstoße an Hochschulen gegen die Wissenschaftsethik. Ist die Aufregung groß, so werden neue Regeln erlassen, Berichte verfasst und gute Vorsätze angekündigt. Ein Kernproblem bleibt aber bestehend: An Hochschulen in Deutschland wird über Wissenschaftsethik so gut wie nie gesprochen.

Die Wissenschaftsethik an Hochschulen ist wie in der Vergangenheit der Sex in den meisten Klosterschule: Ein unterdrücktes Thema, das drückt und bedrückt. Die Denkschrift vom 1998 der DFGSicherung guter wissenschaftlicher Praxis – Vorschläge zur Sicherung guter wissenschaftlicher Praxis – Empfehlungen der Kommission ‚Selbstkontrolle in der Wissenschaft‘“ wird immer wieder beschwört; ein Jura-Professor wird als Anlaufstele von Problemen ernannt – und das bleibt dabei. Ein Durchdringen von Thematik und Problematik in das tagtägliche Arbeitsleben an Hochschulen findet nicht statt.

Die Wissenschaftsethik ist aber keine Straßenverkehrsordnung und kein Steuerrecht mit Regeln, die relativ leicht zu verfolgen sind. Die Wissenschaftsethik stellt Fragen, die nicht immer einfach zu beantworten sind. Wie eine Sexualethik betrifft sie die Menschen tief, weil es um ihre Kreativität und folglich um ihre Person geht. Die Wahrnehmung der Betroffenen ist meist sehr subjektiv, wie meine eigene Erfahrung zeigt: Als Doktorand war ich sehr davon überzeugt, besonders selbständig geforscht zu haben. Nach und nach sah ich ein, wie mein Betreuer und die Arbeitsgruppe, wo ich für meine Promotion geforscht hatte, mich mitgetragen haben. Zudem ist heutzutage an einer Hochschule für alle der Druck groß, erfolgreich zu sein: Der Student muss rechtzeitig seine Studienarbeit fertig stellen, der Doktorand muss Erfolge nachweisen können, der Professor muss immer wieder belegen, dass er noch nützlich ist.

Was tun? Ins Fettnäpfchen treten! Offen über das Unansprechbare sprechen!

An meiner Hochschule bemängle ich erstens, dass die Forschungsmitteln vergebende Gremien  – u.a. aus der dritten Förderlinie der Exzellenzinitiative – wenig bekannt sind: Die Zusammensetzung der Gremien ist weitgehend unbekannt und wird im Web nicht veröffentlicht. Ich bemängle ferner, das kein aus Studenten, wissenschaftliche Mitarbeiter und Professoren bestehende Gremium vorhanden ist, an das jeder sich in Fragen der Wissenschaftsethik– einschließlich mögliche Verstoße – wenden könnte, öffentlich über seine Tätigkeiten berichten würde und ein Forum – ein Wiki? – für einen kontroversen Austausch zu Fragen der Wissenschaftsethik moderieren würde.

Der Bedarf ist so groß wie der Ärger, den man immer wieder wegen vermeintlichen Verstoße gegen die Wissenschaftsethik wahrnimmt. Nur mit Offenheit kann die nötige Umkehr eingeleitet werden

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Muss ein Arzt ein Doktor sein?

Samstag, Mai 28th, 2011

In vielen Länder – u.a. Frankreich, Deutschland, Österreich – ist ein Arzt ein Doktor. Muss es sein?

Nein. Ein guter Arzt muss überhaupt nicht sich einen wissenschaftlichen Beitrag geleistet haben. Neulich wurde mir von Bekannten einen Wiener Arzt aus Spanien empfohlen, der kein Doktortitel hat. Das war ein Arztbesuch wie in meiner Kindheit: Der Arzt nahm sich Zeit und half auch nach dem Besuch – ohne das Telefongespräch und die E-Mail, womit er mir Laborergebnisse weiterleitete,  in Rechnung zu stellen. So einen Arztbesuch habe ich in den letzten Jahrzehnten mit (promovierten) Ärzte selten erlebt.

Die meisten der Doktortitel, die in der Medizin vergeben werden, beruhen auf wissenschaftliche Studien, die in anderen Fächer gerade wenn  überhaupt für Studienarbeiten ausreichen würden. Das ist für keine Universität gut. Die Patienten haben nichts davon. Wenn man noch dazu erfährt, dass einige der Doktorarbeiten der Medizin sogar dieses Niveau nicht haben – wie heute aus der Universität Würzburg (siehe den Artikel „Die Doktorfabrik“ in der heutigen Süddeutschen Zeitung)  und vor einem Jahr auch aus meiner eigenen Universität (siehe den Artikel „Hum, hum, da läuft ein Dr. hum!“ aus diesem Blog), dann drängt sich die Überzeugung, dass endlich gehandelt werden muss.

Was hindert daran, ein überholtes System zu ändern, das Doktortiteln verleiht, wo keine nötig und verdient werden? Nur den fehlenden Willen und die fehlende Verantwortung. Für eine Arztausbildung ohne Doktortitel kann sich jede Universität, jede Medizinfakultät stark machen, die gut geleitet und gut bestellt sind.

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Ein Schweigegesetz brechen

Donnerstag, März 24th, 2011

Über Notfälle sprechen tut man nur dann, wenn man dafür zuständig ist. So ein unausgesprochener gesellschaftlicher Konsens, der selten gebrochen wird. Niemand möchte sich nämlich anmaßen, seine Kompetenzen zu überschreiten oder sich der Kritik aussetzen, Angst zu verbreiten. Es herrscht also eine Art Schweigegesetz, was mögliche Notfälle angeht.

So kommt es in unserer hoch-technologisierte Welt, in unserer immer komplexeren Umgebung zu Katastrophen – ein Großteil der Atomkatastrophe von Fukushima ist auf dieses Schweigegesetz zurückzuführen.

Das Schweigen über mögliche Notfälle widerspricht völlig das Berufsethos eines Wissenschaftlers und eines Hochschullehrers. Konsequenzen systematisch zu überlegen, mögliche Fortschritte  bekannt zu machen und eine solche Einstellung zu verbreiten sind in der Tat Grundwerte wissenschaftlicher Arbeit.

Sprechen wir also über Notfälle.

Erstens ist heute dank der Informatik vieles möglich, was vor noch einem Jahrzehnt kaum denkbar gewesen wäre. Darüber habe ich neulich im Artikel „Emergency Management“ berichtet. Es ist davon auszugehen, dass eine – positive – Folge der Fukushima-Katastrophe die Verstärkung der Forschung auf diesem Gebiet sein wird. Je früher werden Förderprogrammen dazu gestartet desto besser.

Zweitens sind große Organisationen, insbesondere öffentliche, extrem träge, wenn es um Notfälle geht. Ihnen scheint sowohl das Vorbeugen von Notfällen  wie die Reaktion nach Notfällen sehr schwer zu fallen. Seit nun zwei Wochen beobachtet die Welt, wie hilflos die japanische Regierung wirkt. An meiner Universität scheint es kaum möglich zu sein, einen Mindestmaß an Vorbeugung einzuleiten. Die Gründe sind die selben in der japanischen Regierung und an meiner Universität: Kein Politiker macht sich durch das Brechen des oben erwähnten Schweigegesetzes beliebt, folglich mach sich auch kein Beamter bei seinen Vorgesetzten beliebt, der selbst dieses Schweigegesetz bricht. Zwei Beispiele – unter vielen – zeigen, wie bedenklich die Lage an einer Hochschule sein kann:

  • In 17 Jahren an einer Universität bin ich kein einziges Mal über Notmaßnahmen im Brandfall unterrichtet worden. Dabei halte ich immer wieder Vorlesungen vor ein paar hundert Studenten in Hörsäle mit mir und zweifelsohne meinen Studenten auch völlig unbekannten Notwege.
  • Seit einem Jahr ist das Gebäude, wo meine Mitarbeiter und ich lehren und forschen, eine Baustelle mit immer wieder für Studenten und Personal zugänglichen ungesicherten Stellen. Von der städtischen Verwaltung habe ich sogar erfahren, dass sich die Münchner Feuerwehr darüber beklagt hat, wegen der Baustelle einen unzureichenden Zugang zum Gebäude zu haben. Diese Klage blieb deswegen ohne Folgen, sagte man mir, weil die Universität nicht der Stadt sondern dem Staat unterstellt ist.

Das Brechen des Schweigegesetzes über Notfälle ist notwendig. In unserer hoch-komplizierten hoch-technologisierten Welt kann niemand – darf niemand! – sich darauf verlassen, dass die zuständigen Behörden oder Unternehmen alles rechtzeitig merken und immer das richtige tun. Die Technik entwickelt sich dafür zu schnell, die Interesse sind zu vielseitig, die Kostenfrage droht immer, das Nötige überflüssig erscheinen zu lassen. Fukushima ist wegen der atomaren Gefahr besonders tragisch. Was dazu geführt hat, muss aber überall aufgedeckt werden – auch dort, wo die Gefahr geringer ist.

Das Brechen des Schweigegesetzes über Notfälle ist nicht nur eine Frage des Menschenverstands sondern auch der Ethik. Tun es diejenigen nicht, die etwas bedenkliches beobachten oder über das nötige Wissen verfügen,  so handeln sie unethisch. Besonders Wissenschaftler stehen diesbezüglich in einer großen Pflicht. Sind sie Hochschullehrer, so stehen sie auch in der Pflicht, das Brechen des Schweigegesetzes über Notfälle ihren Studenten zu vermitteln.

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Hum, hum, da läuft ein Dr. hum!

Samstag, Juni 26th, 2010

Die FAZ berichtet heute im Artikel „Was ist ein Dr. biol. hum. denn wert?“ über eine bemerkenswerte Leistung von Medizinern meiner Universität: Sie haben nicht nur einen Mitarbeiter ihrer Fakultät mit einer Dissertation im Fach Informatik promoviert, sie haben auch die Dissertation gar nicht gelesen.

Hätten sie die Dissertation gelesen, so hätten sie erkannt, dass die Dissertation von der Gebrauchsnweisung einer Software (zur Bildverarbeitung) abgeschrieben worden war – und zudem  in äußerst naive Weise: „den Button“ wurde zum Beispiel“ in „den Schaltfäche“ übersetzt.

Der Doktor-Titel soll nun entzogen werden. Der Artikel erwähnt jedoch keine Maßnahme gegen die Mitglieder der Promotionsprüfungskommission und -ausschuss. Wird es überhaupt manche geben?

Dieser Fall  verhärtet meinen Verdacht, dass man intern von einer Universität zu wenig erfährt – zumindest hier…

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Ethik in der Wissenschaft: Eine ungewöhnliche Erfahrung

Samstag, Juni 26th, 2010

Vor einigen Jahren habe ich mit einem Kollegen einen Artikel bei einer Tagung veröffentlicht. Der Mitautor und ich sind gebeten worden, eine Langfassung des Artikels – eine Fassung ohne die für eine Tagung unerlässliche Kürzungen – für eine Sonderausgabe über die Tagung einer – übrigens beim Springer Verlag – veröffentlichen Zeitschrift einzureichen.

Das taten wir, der Artikel wurde von unabhängigen Wissenschaftler begutachtet, die in paar Fragen zum Inhalt stellten und Umformulierungen vorschlugen. Mit den Berichten der Gutachter kam auch den Vorschlag, relevante Artikeln der selben Zeitschrift zu zitieren. Nach Überprüfung konnten wir keinen solchen Artikel finden, was wohl daran lag, dass unser Thema erst neulich untersucht wurde. Wir meldeten des, der Herausgeber der Sonderausgabe teilte uns bei Gelegenheit mit, dass der Herausgeber der Zeitschrift mit mehr Nachdruck als zu erwarten war, ihn dazu bewegen wollte, uns bei der Suche von zu zitierenden Artikeln zur Seite zu stehen. Na ja, dachten wir, jedem kann mal sich im Arbeitsstress ein bisschen daneben benehmen. Und es passierte zwei Jahre lang nichts, was völlig ungewöhnlich ist. In der Informatik werden Einreichungen – auch an Zeitschriften – innerhalb von höchsten ein paar Monaten bearbeitet. Letztendlich wendete ich mich an das Leitunggremium der Tagung mit der Bitte, sich zu vermitteln, was auch geschah. Mein Mitautor und ich wurden vom Herausgeber der Zeitschrift aufgefordert, noch einmal unsere Antworte an die Gutachter und eine entsprechend revidierte Fassung des Artikels an die Zeitschriftredaktion zu übersenden, was wir taten.

Die Antwort haben wir gestern erhalten, wobei „our“ sich die Zeitschriftherausgeber – nicht die Gutachter – bezieht und XXXX den Namen der Zeitschrift ersetzt:

The authors ignored our request for citations to recent XXXX papers. I suggest to give them another chance to further establish the paper’s relevance to recent papers in the journal. If they still cannot do it in their second revision, I will recommend to reject the paper.

Darauf haben wir unser Entsetzen bekundet und unsere Antwort wie folgt beendet, wobei YYYY für den Namen des Ortes steht, wo der Herausgeber lehrt und forscht:

May we kindly ask you to reconsider you decision or provide us within a week’s time with a list of papers that we omitted and detailed explanations why they would be vital for our paper.  Should we not receive an appropriate and timely reply, we consider our article to be free to be submitted to other venues.  We will then also consider to discuss this incident, which in our opinion represents unethical behavior and scientific misconduct, with the program directors of Springer and ethics commissions of relevant institutions such as ACM, IEEE, and University of YYYY.

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Würdigendes Recycling

Mittwoch, Oktober 7th, 2009

Ein Kollege hat mir erzählt, wie vor ein paar Monaten zwei äußerst ähnliche Artikeln – mit unterschiedlichen Titeln und Autoren – aus einem großen östlichen Land zu einer internationalen Tagung eingereicht wurden. Besonders auffällig waren die selben Schreib- und Sprachfehler in den beiden Einreichungen.

Ein Gutachter googelte nach und fand eine dritte Fassung: einen bereits veröffentlichten Artikeln aus einem großen westlichen Land. Sogar die Schreib- und Sprachfehler der beiden Einreichungen waren bereits in dieser dritten Fassung.

Da die „Autoren“ beider Plagiate am selben bekannten Forschungszentrum tätig waren, haben sich die Tagungsveranstalter an dessen Direktor gewandt. Er antwortete, sagte mir mein Kollege, dass man froh sein sollte, dass Wissenschaftler seines Landes eine Arbeit aus dem Westen in dieser Weise würdigen.

Nun bin ich hingerissen: Einerseits erscheint mir die obigen Erzählung schwer glaublich, so sehr sie die Gepflogeheiten widerspricht. Anderserseits kann ich noch weniger an der Vertrauenswürdigkeit meines Informants zweifeln…

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Post Scriptum: Die Plagiate sind selbstverständlich vom Programmkomitee der Tagung abgelehnt worden.

Dr. h.c. wofür?

Freitag, September 11th, 2009

Neulich hat mich ein Dekan im Namen seines Fakultätrats gebeten, ein Gutachten über jemanden zu verfassen, dem die Fakultät einen Doktortitel honoris causa verleihen möchte.

Ich schaue mir die Unterlagen – Lebenslauf, Veröffentlichungsliste, Vermerke des Betroffenen darüber, dass eine hohe Anzahl von seiner Doktoranden Lehrstühle bekommen haben, dass er Träger von Verdienstskreuze ist, und dass er hohe Ämter des Wissenschaftsbetriebs (wie etwa Wissenschaftsrat eines Bundeslandes und Mitgliedschaft in Kommissionen der Deutschen Forschungsgemeinschaft) bekleidet hat.

Ich staune: Zum einen erkenne ich keinen Bezug des Betroffenen zu der Fakultät, die ihn ehren möchte. Zudem besteht – am Karriereende – die Veröffentlichungsliste des Betrffenen aus circa 10 Artikeln – die meisten davon auf Deutsch. Ich schaue in DBLP nach, wo die Veröffentlichungen von (insbesondere deutschen) Informatiker ziemlich vollständig aufgelistet sind, und finde dort keine weitere Arbeiten. Ich vermute dann, dass mindestens einer dieser Artikel weltweit auf eine sehr große Resonanz gestoßen ist. Weit gefehlt! Google scholar meldet lediglich die sehr bescheidene Zahl von 10 Zitaten für ein einziges Werk – sogar erst nachdem ich den Suchdienst auf deutschsprachigen Dokumenten eingeschränkt habe. Das Werk ist ein Plädoyer für mehr Fördermittel für die Informatik. Schon seit Jahrzehnten wird niemand mehr mit so wenig wissenschaftlichen Leistungen auf eine Informatik-Professur berufen.

Ich melde meine Bedenken in eine persönliche Email an den mir bekannten Dekan. Seine Antwort erhöht noch meine Verlegenheit: Es ginge gar nicht um wissenschaftliche Leistungen: In verschiedenen seiner Ämter hat der Betroffene der Fakultät sehr, sehr geholfen. Außerdem soll nicht ich sondern jemand anderer – der Mitautor des oben erwähnten Artikels – soll das Gutachten schreiben.

Der Vorfall bringt aus meiner Sicht zwei Probleme ans Licht:

  • Wofür Ehrendoktortiteln verliehen werden.
  • Wem Schlüßelpositionen im Wissenschaftsbetrieb vergeben werden.

Sollen die deutschen Universitäten im internationalen Wettbewerb einen guten Platz haben und für erfolgreiche Wissenschaftler – auch mit ungewöhnlichen Lebensläufe, auch für kreative Querdenker, auch aus dem Ausland – attraktiv sein und überhaupt in Frage kommen, dann muss das zweite Problem ernsthaft begegnet werden. Die nach außen angekündigten Werte – wie etwa Anerkennung nach wissenschaftlichen Leistungen und Demokratie –, die die Werte der internationalen wissenschaftlichen Gemeinschaft sind, sollen innen bestimmend sein.

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„Ethik? Ich kenne mich nicht aus“

Dienstag, August 25th, 2009

Bestochene Prüfer unter Lehrer und Fälscher unter Wissenschaftler gefährden Universitäten wie Doping den Sport. Wieder einmal erschüttert das Vertrauen  in Universitäten ein Bestechungskandal: um 100 Lehrer aus verschiedenen deutschen Universitäten hätten unzureichend fähigen Person für Geld zu Promotionen geholfen. Vor einigen Jahren wurden Fälscher unter angesehenen Wissenschaftler entdeckt.

Solche Fälle wird es sicherlich immer geben. Die Frage stellt sich aber, was dagegen unternommen wird. Wie ich seit 15 Jahren an einer Universität feststellen kann: Nicht viel.

Es werden Arbeitsgruppen gegründet, die Empfehlungen und Richtlinien verfassen. Diese werden veröffentlicht – und alles bleibt weitgehend beim Alten.

Worum liegt es?

Ein erstes Problem ist, meine ich, dass niemand sich zuständig fühlt. Überlegt man, eine Lehrveranstaltung zum Thema Ethik einzuführen, so kennt sich niemand – ich mich auch nicht – ausreichend aus, um sie zu abzuhalten. Philosophie ist in der heutigen Bildung ein Randthema keine Leitwissenschaft mehr. An bayerische Gymnasien gibt es, wenn ich gut informiert bin, keinen Philosophieunterricht.

Das Kernproblem scheint mir, das  Bildungbild unserer Zeit zu sein, die unter anderem die Hochschulpolitik prägt: Es geht primär um wirtschaftlich unmittelbar umsetzbare Erfolge, wenig um langfristige Ziele und wohl kaum um morale Werte.

Als Informatiker sind mir in der Praxis umsetzbare Forschungergebnisse besonders wichtig. Die Gestaltung einer von der Informatik besonders viel geprägten Zukunft interessiert mich aber nicht weniger. Dafür sind Philosophie im Allgemeinen und Ethik insbesondere unabdingbar. Sollten sie denn nicht als Bestandteile des Informatik-Lehre werden? Könnte man mehr als Debatierklubs und oberflächige Lehrveranstatlungen anbieten? Würde man die Studenten dafür gewinnen?

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Ihre Publikationstätigkeit ist etwas unregelmäßig…

Donnerstag, Mai 28th, 2009

Ich nehme an einem Berufungsverfahren – für ein anderes Fach als die Informatik – teil. Ein paar Bewerber, die Besten, sind  eingeladen worden, Vorträge zu halten. Nach den Vorträgen sind angesehene Wissenschaftler um Gutachten über einige dieser Bewerber gebeten worden, deren Vorträge überzeugt haben.

Über die einzige Frau unter diesen ausgewählten Bewerber schreibt ein – männlicher – Gutachter:

Ihre Publikationstätigkeit ist etwas unregelmäßig. Nach zwei Arbeite in 2003, sind im Zeitraum 2004–2007 nur zwei Arbeite erschienen. Die vier Arbeite in 2008 lassen aber eine intensivere Veröffentlichungsaktivität erhoffen.

Ich google ein bisschen nach dem Namen der Bewerberin und stelle nach fünf Minuten – aus einem Pressebericht über eine Informationsveranstaltung an ihrer Universität – fest, dass sie gerade in der Zeit der ihr angelasteten „unregelmäßigen Publikationstätigkeit“ Mutter geworden ist.

Mein Fazit

  • Ich bin beeindruckt, dass die Wissenschaftlerin während der Schwangerschaft und den ersten Lebensjahren eines Kindes so viel und so erfolgreich geforscht hat. Die vier Veröffentlichungen von 2008 sind ja in den Jahren zuvor entstanden.
  • Ich bin davon schockiert, dass ein Gutachter nicht selbst dazu kommt, dass eine Frau von ungefähr 35 Jahre ein Kind gehabt haben könnte und danach nicht recherchiert hat. Es gibt also noch Wissenschaftler, die keinen Raum für Kinder und Kinderbetreuung in einer wissenschaftlichen Karriere einräumen – oder keinen Platz für Frauen in der Wissenschaft sehen.

Ich werfe einen Blick auf den Kalendar: Wir sind doch im Jahre 2009. Dessen war ich nicht mehr sicher gewesen…

Zum Glück gibt es weitere Gutachter, die so wie ich von einer Wissenschaftlerin beeindruckt sind, die hervorragend forscht und Kinder hat.

FB

Post Scriptum: Der Gutachter wusste, dass die Wissenschaftlerin nicht nur ein Kind, sondern zwei hat – beide in der der Zeit der „unregelmäßigen Publikationstätigkeit“ geboren. Dies stand in den ihm übermittelten Bewerbungsunterlagen.

Regierungskritik, Staatstreue und Ethik

Samstag, Mai 16th, 2009

N.N.: In  Ihrem Post „Nackte Tatsachen zum Bachelor“ kritisieren sie die bayerische Regierung.

FB: Es stimmt. Ich kritisiere, dass Webseiten eines bayerischen Ministeriums Ziele einer Reform als erwiesene Tatsachen darstellen.

N.N.: Dürfen Sie das?

FB: Wieso denn nicht?

N.N.: Ein Beamter – Professoren sind ja Beamte – muss doch regierungstreu sein, oder?

FB: Nicht regierungstreu, staatstreu.

N.N.: Ist das nicht mehr oder weniger das Selbe?

FB: Überhaupt nicht – zumindest in einem Rechtsstaat. Die Gewaltenteilung sorgt dafür, dass Legislativ (das Parlament) und Judikativ (die Gerichte) das Exekutiv (die Regierung) kritisieren können. Auch Bürger dürfen die Regierung kritisieren;  Beamte auch, insbesondere wenn diese Kritik zur Ausübung ihrer Ämter gehört. Die Regierungstreue zu verlangen  würde den Weg  zur Treuepflicht zur Regierungpartei ebnen, die wiederum eine Vorstufe einer Gleichstellung – sie hieß mal „Gleichschaltung“ – von Staatsorganen und Parteistellen wäre.

Im Fall der Webseiten, die mir bedenklich erscheinen, muss ich sogar die bayerische Regierung kritisieren.

N.N.: Sie müssen?

FB: Als ich zu Professor berufen wurde, habe ich das Eid abgelegt, mein Amt – also mein Beruf als Hochschullehrer und Wissenschaftler – gewissenhaft auszuüben, was sicherlich nicht zulässt, über eine Verwechslung von Zielen und Tatsachen hinwegzuschauen. Insbesondere nicht, wenn jemand mich nach meine Meinung darüber fragt. Ich wäre sonst sowohl als Lehrer wie als Wissenschaftler unglaubwürdig, man könnte sich Fragen, ob ich auch dann, wenn ich lehre, prüfe, Artikeln veröffentliche oder bewerte aus welchem Grund auch solche Verwechslungen annehmen könnte.

N.N.: Sind Sie sicher, dass alle es so sehen?

FB: Nein. Deswegen werde ich unser Gespräch veröffentlichen, damit jede und jeder meine Meinung erfährt und kritisieren kann. Wo denn sonst wenn nicht an einer Universität sollten solche Debatte stattfinden?

FB