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„Es ist ja ein feudales System“

Dienstag, April 19th, 2011

Gestern nahm ich an einer Sitzung des Vorstandes meines Instituts für Informatik statt. Es wurde dabei berichtet, dass die schon seit drei Monaten verabschiedete Berufungsliste für eine Junior-Professur immer noch zu keiner Berufung geführt hat.

Eine Junior-Professur ist die erste Stufe des Verbleibes im akademischen System. Es handelt sich um eine schlecht bezahlte Zeitstelle, die allerdings kaum umgegangen werden will, wenn man als Wissenschaftler an einer Universität dauerhaft arbeiten möchte. Nachdem die Universitätsleitung die Besetzung der Stelle beschlossen hat, wählt die ie Fakultät die Kandidaten aus und erstellt eine Berufungsliste, die an den Präsidenten der Universität überreicht wird. Ihm obliegt die Berufung. Daher ist es überhaupt nicht nachvollziehbar, dass dieser letzte, formale Schritt ohne jegliche Erklärung verzögert wird.

Die Gründe fürs Nicht-Tun des Präsidenten wurden kurz diskutiert. Am Wahrscheinlichsten ist, dass er überlegt, keine Berufung vorzunehmen und die Stelle zu sparen.

Diskutiert wurde auch, wieso auch auf Anfragen keine Antwort über das Berufungsverfahren gegeben werden. In zwei Wochen fängt die Vorlesungszeit an, die Kandidaten warten schon seit Monaten auf Antworte auf ihre Bewerbungen. Die Auslegung eines (erfahrenen) Kollegen war wie folgt: „Es ist ja ein feudales System…

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Nebenläufiges und Anales

Freitag, April 8th, 2011

Vor hundert Jahren meinte ein Wiener Arzt, dass das Interesse fürs Anale eine Entwicklungsstuffe des Menschen sei. Das Interesse lässt, meinte er, mit fortschreitender Entwicklung nach. Von der großen Resonanz des Themas einer meiner letzten Artikeln schließe ich, dass meine Universität unterentwickelt ist. Bleiben wir also beim Thema, das an meiner Universität so viele beschäftigt.

Gestern lass ich auf die Türen mehreren Toiletten meiner Universität „KW“. Unsicher, ob ich am richtigen Ort war, prüfte ich die weiteren Beschriftungen. sie waren alle wie üblich im deutschsprachigen Raum: WC und H. (Manchmal besuche ich auch D aber nun dann, wenn H nicht ausfindbar ist und niemand in der Nähe ist. Ersteres kommt an der Universität oft vor, letzteres aber leider nie.)

Was wohl die neue Kürzel bedeutet, fragte ich mich in einem nebenläufigen Prozess. Nebenläufig war der Prozess eigentlich nicht: Als der Hauptprozess, ich meine den, weswegen ich an diesem Ort war, fast beendet war, schicke dieser die Antwort zum fragenden Prozess: „Kein Wasser“. Der Hauptprozess war nun aber gestoppt, eben weil es kein Wasser gab. Er schickte also zum fragenden Prozess die Frage: „Was tun?“, worauf der fragende Prozess (der nun ein antwortender Prozess geworden war) die Botschaft „Nichts!“ schicke. Damit konnte der Hauptprozess enden und die Kontrolle dem anderen Prozess übergeben.

Auf meinem Weg zurück ins Büro beschäftigte sich der übrig bleibende Prozess mit einem Vergleich mit Fukushima, der sehr günstig ausfiel: An diesen Orten meiner Universität muss der Müll nicht gekühlt werden (wenn auch es an einem warmen Tag wie gestern nicht schaden würde), er ist leicht erkennbar (sogar aus ziemlich großer Entfernung und hinter geschlossenen Türen), die Gefahr, die aus diesem Müll ausgeht, hat eine Halbwertzeit von nicht mehr als ein paar Wochen (Darmgrippen sind nach dieser Zeit gut geheilt) und er auch könnte bei Bedarf ins Meer entsorgt werden (wenn auch die Österreicher, die sich zwischen uns und das Meer entlang der noch schönen und noch blauen Donau befinden, sich zweifelsohne über diese neue braune Pest aus München laut beklagen würden).

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„Wehe du bloggst das!“

Dienstag, April 5th, 2011

Einem Bekannten der universitären Welt habe ich neulich mitgeteilt, dass ich noch auf eine Entscheidung aus einem Ministerium warte. „So sind die eben in den Ministerien. wenn sie mal ihr Däumchendrehen unterbrechen müssen, blocken sie!“ antwortete er mir.

Es ist nichts besonders, dass zwei verschiedene Zünfte, die Zunft der Wissenschaftler und die Zunft  Ministerialbeamter, dazu neigen, sich schräg anzusehen. Muss es aber sein, dass das Personal von Ministerien, welches über so viel entscheidet, was für so viele Menschen von Bedeutung ist, so negativ angesehen wird? Was tun wir, damit das sich ändert? Kann denn die Arbeit in den Ministerien den Bürger nicht nachvollziehbar vermittelt werden? Wäre es denn nicht möglich, dass Wissenschaftler sich eher unterstützt als gebremst von „ihrem“ Ministerium fühlen?

Der Bekannte fügte hinzu, was ich als Aufforderung verstand: „Wehe du bloggst das!

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„Niemand interessiert sich für Didaktik“

Dienstag, April 5th, 2011

Heute traf ich jemanden auf dem Flur, der bei der Terminierung von Klausuren mitwirkt. Ich nutze die Gelegenheit um eine Überlegung meiner Arbeitsgruppe mitzuteilen: Klausuren sollen nicht am Ende der Vorlesungszeit sondern gegen Ende des Semesters stattfinden, damit sich darauf die Studenten besser vorbereiten können und der Notenspiegel besser wird.

Er nannte mir ein paar Einwände gegen diese Vorstellung, die alle die Verwaltung, nicht die Didaktik betreffen. Die Noten müssen früher dem Dekanat mitgeteilt werden, war eine dieser Einwände. Ich argumentiere, dass nicht nur die Verwaltung sondern vielleicht auch die Didaktik berücksichtigt werden könnte. „Niemand interessiert sich hier für Didaktik“ sagte dann pessimistisch, „die Studenten nicht, die Verwaltung nicht, …“ Über Dozenten sagte er rücksichtsvoll nichts.  „Ich bleibe bei meiner Vorstellung„, erwiderte ich. „Dann wird es Gesprächsstoff geben“ war sein Fazit. Das ist sicherlich nicht zu widersprechen.

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Unbeantwortete Gewissensfrage

Donnerstag, Februar 11th, 2010

Seit nun zwei Jahre beschäftigt mich eine unbeantwortete Gewissensfrage.

In der Vergangenheit habe ich immer wieder der Hausverwaltung der Universität darauf aufmerksam gemacht, dass einige Toiletten immer wieder sehr schmutzig sind und offenbar nicht ihrer Nutzung entsprechend häufig genug gereinigt werden. Die Hausverwaltung hat in einigen Fälle festgestellt, dass manche Toiletten nicht so häufig sauber gemacht wurden wie es sein sollte.

Zuerst kam zu mir ein leitender Angestellter der Reinigungfirma, um mir zu erklären, dass zu den mit der Universität vereinbarten Preise die vereinbarte Arbeit nicht geleistet werden kann. Die Universität vergibt die Reinigung ihrer Gebäude Unternehmen der freien Wirtschaft. Den Vorschriften für öffentlichen Einrichtungen folgend muss die Universität das billigste Angebot annehmen. In einem Fall teilte mir ein enttäuschte leitender Angestellter einer Reinigungfirma unserer Universität, die überboten wurde und folglich den Auftrag verlor, dass seiner Meinung nach die Arbeit zum neuen Preis gar nicht  durchzuführen sei.

Vor drei Jahren teilte mir die Person mit, die mein Arbeitzimmer seit einigen Jahren sauber gemacht hatte: „Mein Chef sagte mir, wenn Sie sich über die Reinigung der Toiletten wieder einmal beklagen, dann verliere ich meine Stelle.“ Dies war ein sehr kluger Zug von diesem Chef: Ein reines – wenn man es so nennen kann – Verwaltungproblem wurde für mich zu eine schwierige Gewissensfrage: Die Gefahr, jemanden in die Arbeitslosigkeit zu schicken, führte dazu, dass ich mich nicht mehr über Toiletten beklagte, die nach wie vor immer wieder sehr schmutzig sind. Die betroffene Person arbeitet  seit mehr als zwei Jahren nicht länger in Gebäude, wo sich mein Büro befindet. So wage ich, meine Geissensfrage zu offenbaren.

Ist denn Ethik in der Wissenschaft und in der Lehre, die wir Dozenten einzuhalten und zu ermitteln verpflichtet sind, von der Ethik im Allgemeinen zu trennen?

Sollten denn für eine Ausbildungsstätte nicht höhere ethische Maßstäben als zum Beispiel für eine Behörde gelten?

Würde die Reinigungarbeit nach China auswandern, wenn in dieser Branche Gehälter bezahlt werden würden, die keiner Aufstockung mit Sozialhilfe bedürfen würden?

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Geld aus Luxemburg holen

Samstag, Februar 6th, 2010

Für einen Wissenschaftler wie für jeden auch spielt Geld ein wichtige Rolle: Forschung kostet sehr viel: Die Anstellung eines jungen Wissenschaftler ungefähr 65.000 € pro Jahr. Hinzu kommen die Kosten für einen Arbeitplatz (Raum und Technik). Ein kleines Forschungsprojekt in der Informatik kostet schnell beinahe eine halbe Million Euro, ein größeres Projekt, über eine Million Euro.

Die Europäische Kommission mit ihren so-genannten Rahmenprogrammen – dertzeit läuft der 7. – ist ein der Forschungförderer. Der Bereich ICT (für „Information und Communication Technologies„) der Europäischen Kommission wird aus Luxemburg geleitet. So fahren Informatik-Forscher immer wieder nach Luxemburg, um Forschunggelder zu beantragen, das heißt, um Geld zu holen.

Einmal wurde ich gefragt, was mich denn nach Luxemburg geführt hatte. Meine Antwort „Geld holen“ machte mein Gesprächpartner misstrauisch. Ich musste klarstellen, dass ich nicht im Besitz eines illegalen Konto bei einer  luxemburgischen Bank war!

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Mit Hochdruck arbeiten

Freitag, Februar 5th, 2010

Wissenschaftler müssen besonders anpassungsfähig sein, weil sie an der Vangarde der Forschung bleiben sollten. An meiner Universität müssen sie zudem sehr anpassungsfähig sein, was ihre Arbeitsbedingungen angeht.

Am Anfang der Woche mussten einige Mitglieder meiner Arbeitsgruppe ihre Arbeit zu Hause fortsetzen, weil große Löcher durch die Wände ihrer Arbeitszimmer an der Universität gebocht wurden. Seit gestern funktioniert die Telefonanlage nur noch teilweise.Ich frage mich, was noch auf uns zukommt.Vermutlich werden wir bald mit Hochdruck arbeiten müssen: Mit dem Hochdruck eines nahe stehenden Presslufthammers.

Eine  Ankündigung der Umbauarbeiten in unswren Arbeitszimmern und der daraus zu erwartenden Störungen hat es nicht gegeben.

In zwei Wochen endet die Vorlesungszeit, so dass wir uns in einer besonders arbeitsintensive Phase befinden. Die Störungen sind folglich besonders belastend. Unsere Sekretärin hat versucht zu erfahren, was die Umbaupläne in unserem Gebäude sind und vor allem wann mit Lärm oder mit sonstigen Störungen zu rechnen ist. Es ist leider unmöglich, irgendeine für uns brauchbare Auskunft zu erhalten.

Sehr gerne passen wir schwierigen Arbeitsbedingungen an – auch solchen, die uns grenzwertig erscheinen. Die Hoffnung auf eine rücksichtsvolle Behandlung haben wir noch nicht aufgegeben.

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Lost connectivity

Montag, November 30th, 2009

Die Frust, weil das Telefon nicht funktioniert, habe ich seit meiner Jugend nicht mehr erlebt. Dafür habe ich in den letzten Jahren ab und zu eine ähnliche Frust erlebt, wenn der Anschluss zum Internet vorübergehend fehlte.

Heute erlebe ich die selbe Frust mit Twitter:

Twitter is over capacity. Too many tweets! Please wait a moment and try again.

Womit werde ich in Zukunft Ähnliches erleben?

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Linguistik-Feldforschung auf Twitter?

Donnerstag, November 19th, 2009

Ich lese die Twitts der letzten Stunden aus meiner Universität und finde:

Ich fordere eine Abstimmung über den „offiziellen“ #Hashtag #unserelmu oder #lmubrennt

Es ist interessant in Echtzeit beobachten zu können, wie ein Vokabular entsteht. Haben Linguisten schon überlegt, Feldforschung auf Twitter durchzufuhren? Wer hätte da Interesse an ein interdisziplinäres Forschungsprojekt dazu?

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Mein 9. November 1989

Montag, November 9th, 2009

Am Frühmorgen des 9. November 1989 war ich Kreisverwaltungreferat, um mein Aufenthaltserlaubnis zu verlängern. Obwohl ich nicht daran gedacht hatte, mein Mietvertrag mitzubringen, zeigte sich der Beamter gnädig: „Ich gehe davon aus, dass ein Wissenschaftler wie Sie nicht in inakzeptablen Verhältnisse wohnt.“ Ich hatte ja für alle Fälle eine Bestätigung meines Arbeitgebers, eines industriellen Forschungzentrums, über meinen Arbeitsvertrag … und über mein Gehalt.

Ich verlängere Ihr Aufenthaltserlaubnis um zwei Jahre.“ Sagte mir der Beamter, „Ihr Arbeitsvertrag läuft  ja in zwei Jahre aus.“ „Darf ich auch länger bekommen?“ fragte ich. „Wollen Sie denn in Deutschland bleiben?“ Ich hatte damals keine Ahnung, was ich in Zukunft beruflich machen würde. „Vielleicht“ antworte ich. Und so bekam ich am 9. November 1989 ein dauerhaftes Aufenthaltserlaubnis für Deutschland.

Dann ging ich in die Arbeit. Schon in der UBahn nahm ich die Ereignisse des Tages wahr. Im Büro angekommen konnte ich von Kollegen und über das Internet näheres erfahren. Über Email trat ich in Kontakt mit mir bekannten Informatikern der DDR und erfuhr einiges mehr. Der Tag verlief in großer Aufregung.

Ein paar Wochen danach war ich Kyoto auf der Tagung DOOD 2009. In den Pausen waren alle, Deutsche und Nicht-Deutsche, in Deutschland  lebenden sowie die woanders lebenden Wissenschaftler vor den Fernsehern. Diejenige, die Deutsch konnten, versuchten hinter den Kommentaren auf Japanisch über die Nachrichten aus Deutschland, die Originalkommentare zu verstehen. Ein Motto der Objekt-Orientierung, „Zusammenfügen, was zusammen gehört„, das bei der Tagung DOOD 2009 immer wieder erwähnt wurde, bekam eine neue Bedeutung.

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Board pass lost in cyberspace

Freitag, Oktober 9th, 2009

Gestern bin ich von einer wissenschaftlichen Tagung zurückgeflogen. Am Abend zuvor hatte ich mich online eingecheckt. Die Bordkarte habe ich in einer Email (als Text mit einem Bar-Code als Bild-Anhang) erhalten. Die Email enthielt ein paar Links die besonders lang waren: Insgesamt so lang wie ein ganzer Handy-Bildschirm.

An der Sicherheitkontrolle nahm ein Polizist mein Handy, um die Email-Bordkarte zu lesen. Beim Scrollen stolperte er über ein Link: Die Email war weg vom Bildschirm. Als er das Handy wieder in der Hand nahm, nachdem ich die Bordkarte am Bildschirm wieder angezeigt hatte, berührte er die Bildschirmfläche „löschen“. Die Email war wieder weg!

Was lernt der Informatiker, der ich bin, daraus? Das Folgende:

  • Für eine Anzeige auf Handy unbedingt URL-Shortener verwenden.
  • Für Anzeigen auf Handy die Links möglich am Ende der Anzeige und nicht zwischen Textteile oder – im Falle einer Bordkarte – vor dem Bar-Code setzen.

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Würdigendes Recycling

Mittwoch, Oktober 7th, 2009

Ein Kollege hat mir erzählt, wie vor ein paar Monaten zwei äußerst ähnliche Artikeln – mit unterschiedlichen Titeln und Autoren – aus einem großen östlichen Land zu einer internationalen Tagung eingereicht wurden. Besonders auffällig waren die selben Schreib- und Sprachfehler in den beiden Einreichungen.

Ein Gutachter googelte nach und fand eine dritte Fassung: einen bereits veröffentlichten Artikeln aus einem großen westlichen Land. Sogar die Schreib- und Sprachfehler der beiden Einreichungen waren bereits in dieser dritten Fassung.

Da die „Autoren“ beider Plagiate am selben bekannten Forschungszentrum tätig waren, haben sich die Tagungsveranstalter an dessen Direktor gewandt. Er antwortete, sagte mir mein Kollege, dass man froh sein sollte, dass Wissenschaftler seines Landes eine Arbeit aus dem Westen in dieser Weise würdigen.

Nun bin ich hingerissen: Einerseits erscheint mir die obigen Erzählung schwer glaublich, so sehr sie die Gepflogeheiten widerspricht. Anderserseits kann ich noch weniger an der Vertrauenswürdigkeit meines Informants zweifeln…

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Post Scriptum: Die Plagiate sind selbstverständlich vom Programmkomitee der Tagung abgelehnt worden.

Wann werden wir Chinesisch lernen müssen?

Dienstag, Oktober 6th, 2009

In einem – guten – Vortrag teilt der Wissenschaftler mit: „Ich habe viele chinesischen Zeichen auf der Folie gelassen, weil sie selbsterklärend sind.

Wann werden wir, Wissenschaftler, ein bisschen Chinesisch verstehen müssen? Wenn die chinesischen Kollegen weiter so arbeiten und ihre Länder – Taiewan und China – weiter in Bildung und Wissenschaft so investieren, wie sie jetzt tun: Bald, sehr bald.

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Weiner Melange in Budapest

Sonntag, Oktober 4th, 2009

Heute bin ich nach Posen (Poznan) geflogen, um morgen mit einer Doktorandin einen Vortrag auf der Tagung WISE zu halten.

Am Lufthansa-Terminal des Münchner Flughafens finden sich neue Getränke-Maschinen, die „Weiner Melange“ anbieten – „Weiner“ mit E-I und nicht „Wiener“ mit I-E.

Und auf mein Handy teilte mir Google Maps mit, dass ich in Budapest war, wo mein Handy nie gewesen ist und ich seit Jahren nicht mehr gewesen bin.

Hoffentlich setze ich die Reihe von Peinlichkeiten morgen beim vortragen nicht fort!

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Prüflinge, zieht Euch warm an!

Sonntag, Oktober 4th, 2009

Am letzten Freitag war es in München ziemlich kalt. Es war ungünstig, weil meine Arbeitsgruppe eine Klausur in einem Raum veranstaltete, der nicht geheizt ist und wo es aus den undichten Fenstern zieht. Das wussten wir nicht und hatten folglich die Prüflinge nicht vorgewarnt. Die Raumvergabestelle informiert über den Zustand der Raumes nicht.

Meine Frau, die an der LMU studiert hat, sagte mir, dass es schon vor 20 Jahren so war.

Die nächsten Klausuren veranstalten wir in Februar. Ich mache mir schon Sorgen über die Kälte…

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Unter Gymnasiasten

Mittwoch, September 16th, 2009

Am letzten Wochenende war ich auf einer Familienfeier. So traff ich fünf Jugendlichen von 15 bis 18 Jahren, die alle Gymnasien besuchen. Ich fragte über die Nutzung von Computer, Suchmaschinen, elektronischen Bücher, Wikipedia und Software im Gymnasium oder für Hausaufgaben. Die Antworte, die ich erhielt, lassen mich denken, dass diese Jugendliche noch nicht in die Welt angekommen sind, in der ich selbst arbeite.

Computer werden sehr beschränkt benutzt, zudem fast ausschließlich für Hilfstätigkeiten. Ein dieser Jugendliche hat gelegentlich im Mathematik-Unterricht Excel verwendet.

Elektronische Bücher sind an den betroffenen Gymnasien völlig unbekannt.
Suchmaschinen werden kaum oder überhaupt verwendet. Sie werden überhaupt nicht verwendet, um festzustellen oder überprüfen, welche Ausdrücke in welchem Kontext in einer Fremdsprache verwendet werden.

Algorithmen geschweige denn ihre Eigenschaften und Einsatzmöglichkeiten scheinen kaum einen Platz im Mathematik-Unterricht zu haben.

Wikipedia steht im Verruf bei fast allen Lehrer dieser fünf Jugendlichen. Ob Lehrer sich aktiv am Wikipedia beteiligen, glauben diese Jugendlichen nicht. Könnte es sein, dass sie ihre eigenen Lehrer falsch einschätzen?

Klassen und Schulen setzen keine soziale Medien ein. Weder digitale Netzwerke, noch Wikis gehören zu den verwendeten Werkzeugen. Elektronische Zetpläne zum Download bieten die Gymnasien nicht an.

Außerhalb der Schule jedoch, leben die fünf Jugendlichen in der Gegenwart: Sie wissen sehr gut, dass der Tausch von Musik wenn überhaupt nur aus dem Memory-Stick infrage kommt, dass Musik-Tausch-Börsen illegal sein können, sie sind auf StudiVZ und facebook aktiv und setzen die Grammatik- und Schreibprüfung von Word ein, bevor sie Hausaufgaben in ihrer Muttersoprache oder in Fremdsprachen abgeben.

Während des Unterrichts setzen sie gelegentlich – und unerlaubterweise – SMS zur Zusammenarbeit ein: Bei dringender Gefahr, eine Frage nicht beantworten zu können!

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Wenn die LMU die TUM stärkt

Dienstag, September 15th, 2009

Im Wettbewerb der Universitäten spielt die Einwerbung von Studenten eine zentralle Rolle: Motivierste und folglich erfolgreiche Studenten tragen wesentlich zum Erfolg einer Universität bei.

Die Einwerbung von motivierten Studenten hängt wiederum vom Lehrangebot ab. Da die Informatiksich explosionsartig auf beinahe alle Bereiche der Wissenschaft und Gesellschaft  –wie etwa vor zwanzig Jahren auf die Lebenswissenschaften und die Medien und seit zehn Jahren auf die Sozialwissenschaft – ausbreitet zieht ein breites  Nebenfachangebot gute Informatik-Studenten an.

Die Technische Universität München (TUM) hat es verstanden. Weil sie als technische Universität verfügt sie nicht über die nötigen Fächer verfügt, läßt sie ihre Informatik-Studenten ihre Nebenfächer – bei ihr „Anwendungsfächer“ genannt – an der Nachbachuniversität, der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU), frei auswählen: siehe Anwendungsfächer

In der Tat bewilligt auf Antrag das Studienamt der TUM-Informatik jedes mögliche „Anwendungsfach“, das an der LMU studiert werden kann. Im Forum http://informatik.heindlnet.de/viewforum.php?f=10 tauschen sich Studenten darüber aus. An meiner Universität, der LMU, werden aber Nebenfächer zum Informatik-Studium durch die Universitätsleitung und/oder -Verwaltung stark eingeschränkt.

Wieso läßt die LMU ihr Reichtum an Fächer zum Erfolg der TUM beitragen und gleichzeitig verhindert, es zum eigenen Erfolg zu nutzen?

Wie könnten endlich LMU Dozenten gehört werden, die seit nun mehreren Jahren auf diesen unglücklichen Umstand hinweisen?

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Steht Google Maps auf Autostraßen?

Freitag, September 11th, 2009

Zu Fuß auf dem Weg zur Arbeit und im Zug habe ich neulich das Positionierungssystem von Google Maps erprobt. Dabei habe ich erlebt, dass es immer wieder mich auf einer nächstgelegenen Straße platzierte statt auf Fußgängerwege oder Bahngleisen.

Ist also das Positionierungssystem von Google Maps für Auto optimiert?

Falls ja, wird sich mit den Routen-Empfehlungen für Fußgänger, die es seit kurzem gibt, ändern?

Angekommen im Büro, platziert mich Google Maps immer vor dem Gebäude. Bin ich aber zu Hause, so ist Platzierung ziemlich richtig auf dem Gebäude zwischen den Straßen. Soll ist das als Empfehlung verstehen, nicht zu viel im Büro zu weilen?

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Vor acht Jahren

Freitag, September 11th, 2009

Vor acht Jahren war ich in Rom auf der Tagung VLDB. Während eines Vortrags am ersten Nachmittag wurde durch den Hörsaal geflüstert, es gäbe etwas merkwürdiges im Internet zu sehen: Schlechter Witz oder Katastrophe?

Wie viele andere ging ich zu den Rechner in einem Nebenraum und sah die unglaublichen Bilder eines Flugzeuges, das in ein Hochhaus flog. Egal, was passiert ist, unsere Tagung soll weiter gehen, teilten die Veranstalter mit. Ich aber konnte weder am Festessen teilnehmen, noch aufmerksam die Vorträge der nächsten Tagen zuhören.

In den darauf folgenden Wochen verbreitete sich via Email, wer in der Scientific Community Bekannte oder Verwandete in den Anschlägen verloren hatte. Das Small World lies sich schmerzhaft fühlen: Ziemlich viele unweit von mir.

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Dr. h.c. wofür?

Freitag, September 11th, 2009

Neulich hat mich ein Dekan im Namen seines Fakultätrats gebeten, ein Gutachten über jemanden zu verfassen, dem die Fakultät einen Doktortitel honoris causa verleihen möchte.

Ich schaue mir die Unterlagen – Lebenslauf, Veröffentlichungsliste, Vermerke des Betroffenen darüber, dass eine hohe Anzahl von seiner Doktoranden Lehrstühle bekommen haben, dass er Träger von Verdienstskreuze ist, und dass er hohe Ämter des Wissenschaftsbetriebs (wie etwa Wissenschaftsrat eines Bundeslandes und Mitgliedschaft in Kommissionen der Deutschen Forschungsgemeinschaft) bekleidet hat.

Ich staune: Zum einen erkenne ich keinen Bezug des Betroffenen zu der Fakultät, die ihn ehren möchte. Zudem besteht – am Karriereende – die Veröffentlichungsliste des Betrffenen aus circa 10 Artikeln – die meisten davon auf Deutsch. Ich schaue in DBLP nach, wo die Veröffentlichungen von (insbesondere deutschen) Informatiker ziemlich vollständig aufgelistet sind, und finde dort keine weitere Arbeiten. Ich vermute dann, dass mindestens einer dieser Artikel weltweit auf eine sehr große Resonanz gestoßen ist. Weit gefehlt! Google scholar meldet lediglich die sehr bescheidene Zahl von 10 Zitaten für ein einziges Werk – sogar erst nachdem ich den Suchdienst auf deutschsprachigen Dokumenten eingeschränkt habe. Das Werk ist ein Plädoyer für mehr Fördermittel für die Informatik. Schon seit Jahrzehnten wird niemand mehr mit so wenig wissenschaftlichen Leistungen auf eine Informatik-Professur berufen.

Ich melde meine Bedenken in eine persönliche Email an den mir bekannten Dekan. Seine Antwort erhöht noch meine Verlegenheit: Es ginge gar nicht um wissenschaftliche Leistungen: In verschiedenen seiner Ämter hat der Betroffene der Fakultät sehr, sehr geholfen. Außerdem soll nicht ich sondern jemand anderer – der Mitautor des oben erwähnten Artikels – soll das Gutachten schreiben.

Der Vorfall bringt aus meiner Sicht zwei Probleme ans Licht:

  • Wofür Ehrendoktortiteln verliehen werden.
  • Wem Schlüßelpositionen im Wissenschaftsbetrieb vergeben werden.

Sollen die deutschen Universitäten im internationalen Wettbewerb einen guten Platz haben und für erfolgreiche Wissenschaftler – auch mit ungewöhnlichen Lebensläufe, auch für kreative Querdenker, auch aus dem Ausland – attraktiv sein und überhaupt in Frage kommen, dann muss das zweite Problem ernsthaft begegnet werden. Die nach außen angekündigten Werte – wie etwa Anerkennung nach wissenschaftlichen Leistungen und Demokratie –, die die Werte der internationalen wissenschaftlichen Gemeinschaft sind, sollen innen bestimmend sein.

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