Verantwortung verpflichtet

Im Lauf mancher Karrieren nimmt die Verantwortung zu. Eine solche Entwicklung ist aus mehreren Gründen angenehm: Berufliche Verantwortung verleiht Ansehen und gibt auch Vorteile. Wer zum Beispiel eine Abteilung leitet oder über die Einstellung von Mitarbeitern massgeblich mit-entscheidet, ist von einigen manchmal unangenehme Zwänge befreit.

Dies ist aber nur die eine Seite der Medaille. Die andere Seite ist, dass Verantwortung in einer Weise verpflichtet, die häufig ziemlich unangenehm ist. Entscheidet einer massgeblich selbst über seine beruflichen Reisen, so muss er viel strengender Privates und Berufliches auseinander halten, als wenn er seine berufliche Reisen von einem Vorgesetzten bewilligen lassen muss. Im ersten Fall muss er sich zum Beispiel fragen, ob ein privater Aufenthalt währen einer beruflichen Reise die Übernahme der Reisekosten durch den Arbeitgeber zulässt. Im zweiten Fall kann er sich darauf freuen, wenn sein Vorgesetzter darüber großzügig – vielleicht als Belohnung – entscheidet. Der Unterschied ist einfach, dass sich selbst belohnen einfach nicht geht.

Menschen, die berufliche Verantwortung tragen, können oft nicht so leicht am Feierabend mit der Arbeit Schluss machen. Oft denken sie abends über Berufliches weiter nach, eben weil sie Verantwortung tragen. Dies führt nicht selten zu einer nicht unproblematischen Verquickung vom Beruflichen und Privaten. Unproblematisch einerseits weil das private Leben beeinträchtigt wird, andererseits weil das Gefühl für Grenzen nachlassen kann. Arbeitet jemand häufig noch abends zu Hause, so wird er auch zwangsläufig immer wieder Privates während der Arbeitszeit erledigen: Einfach, weil es anders zeitlich nicht mehr ginge. Die Gefahr ist dann, dass das Private den Überhang einnimmt, ohne das der Betroffene es merkt. Selbstkritik und Bescheidenheit sind also nötig als Bremse vor Überheblichkeit und ihre mögliche Folgen. Darauf zu achten nicht so einfach, als man meinen könnte.

Informatik-Studenten sind, meine ich, gut beraten sehr früh darüber Gedanken zu machen, wie Verantwortung verpflichtet. Nach dem Studium werden die meisten von ihnen sehr schnell eine große berufliche Verantwortung tragen und dadurch den Genuss und die Belastung, die damit einhergeht, kennen lernen. Es ist besser, wenn sie sich dann nicht so unreif zeigen wie derzeit der Bundespräsident.

FB

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2 Responses to “Verantwortung verpflichtet”

  1. keimelion sagt:

    „Es ist besser, wenn sie sich dann nicht so unreif zeigen wie derzeit der Bundespräsident.“
    Ja!

  2. keimelion sagt:

    Na endlich! Der geht jetzt. Hat schon ziemlich lange gebraucht, uff!

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