Strafanzeige gegen VisionBill, DPSOF und Softcom Ltd

Vor einem Jahr habe ich im Artikel „Was wird denn mit Studenten besprochen?“ darüber berichtet, wie ich eine Rechnung des Inkasso-Unternehmen VisionBill, das sich auch VisionCommunication und VisionCom nennt, für eine Anmeldung zum Telefonsex, die ich angeblich während einer Besprechung mit Studenten getätigt hatte.  Bemerkenswert war, dass die Handy-Nummer, aus dem die Bestellung angeblich stattgefunden hatte, mir nie gehört hatte. Statt die Anforderung zu ignorieren, wozu einige Bekannte mich geraten hatten, antwortete ich in einem Einschreiben sowie in einem Einschreiben mit Antwortschein. Ich wollte die offensichtliche Telefon-Abzocke, wovon nicht wenige Bürger Opfer sind, untätig an mich vorbei gehen lassen.

Meine Schreiben kümmerten das Inkasso-Unternehmen VisionBill natürlich nicht. Es antworte darauf nicht und, wie bei solchen Abzocke üblich, die Rechnungen nach und nach erhöhte. Ich ging also zu nächsten Polizei-Wache, um Strafanzeige gegen den Betrugsversuch zu erstatten. Die Polizistin, die mich empfing, wollte partout mich klar machen, dass eine Strafanzeige gegen einen nicht gelungenen Betrugsversuch unzulässig sei. Ich antwortete ihr, dass ich mich bei einem Rechtsanwalt erkundigt hatte, und dass meine Strafanzeige sehr wohl anzunehmen war. Die Frage, ob auch ein nicht gelungenen Banküberfall ebenfalls aus ihrer Sicht kein Anlass zu einer Strafanzeige bietet, sowie meine Bewunderung über den offensichtlich mangelhaften Rechtssinn einer Polizistin behielt ich diplomatisch für mich. Widerwillig bat die Polizistin mich in einem luftigen und kalten Gang zu warten. Nach zwei Stunden fragte sie, ob ich immer noch bei meiner Absicht geblieben war, Strafanzeige zu erstatten. Das bejahte ich, und sie ging langsam und widerwillig an ihre Arbeit, die sie ständig mit Gespräche mit Kollegen unterbrach. Das Vernehmungsprotokoll musste zwei Mal korrigiert werden. So ist es, dachte ich, wenn man seine Arbeit widerwillig erledigt. Nach meiner Strafanzeige bekam ich keine Rechnungen mehr von der VisionBill.

Nach zehn Monaten erhielt ich einen Beschied der Staatsanwaltschaft Kleve. Sie hatte das Ermittlungsverfahren mit dem Grund eingestellt, dass nichts zu tun war, wenn jemand sich am Telefon für mich ausgegeben hat und meine Handy-Nummer dem Telefondienst-Anbieter angegeben hatte. Der Bescheid war zudem so spät verschickt worden, dass bei seinem Erhalt die Frist für einen Einspruch gegen den Bescheid abgelaufen war.

Ich erhob Einspruch bei der Generalstaatsanwaltschaft in Düsseldorf gegen die amateurhaft begründete Verfahrenseinstellung: Persönliche Daten und Telefonnummer von Telefondienst-Kunden werden nicht mündlich übertragen, sondern elektronisch bei den Telefongesellschaften angefragt. Zudem die in der Rechnung angegebene Dauer des Gespräches hätte die Zeit nicht ausgereicht, um Namen, Anschrift und Telefonnummer mündlich mitzuteilen – insbesondere nicht bei einem Kunden, der mit einem Fremden Akzent spricht und einen Fremden Namen hat. In meinem Schreiben monierte ich die Zusendung nach Ablauf der Einspruchsfrist gar nicht, sondern stellte einfach fest, wenn ein Bescheid nach der Einspruchsfrist zugesandt wird, dann gilt gar keine Einspruchsfrist.

Damit wurde endlich ermittelt. Die Polizei fand auf den Computer des Inkasso-Unternehmens unter der Handy-Nummer, die auf der Rechnung stand, einen ganz anderen Namen und eine ganz andere Adresse als meine: Den Namen und die Adresse einer nicht existierenden Person! Ich wurde als Zeuge zu einer Münchner Polizei-Stelle geladen. Dort erfuhr ich von einem Kriminaloberkommissar, der darüber sehr erfreut war, dass in einem solchen Fall „die Justiz“ tätig war, dass die Staatsanwaltschaft Kleve schon entschieden hatte, dass kein Datenschutz-Verstoß zu fürchten war. Ich erfuhr auch, welche Unternehmen neben der VisionBill hinter der Abzocke stehen:  Die DPSOF und die Softcom Ltd aus Malta. Ich ergänzte also meine Strafanzeige des Vorjahres um eine Strafanzeige gegen die VisionBill, die DPSOF und die Softcom Ltd, weil sie ohne meine Zustimmung Daten über mich auf ihre Computer gehalten hatten.

Ich bin zuversichtlich, dass mit dem nötigen Druck die Staatsanwaltschaft Kleve ihre Arbeit erledigen wird. Außerdem hat neulich die Bundesjustizministerin die Absicht angekündigt, gegen die Telefon-Anzocke vorzugehen.

Warum kümmere ich mich um eine Telefon-Abzocke, die ich einfach ignorieren könnte? Aus ethischen Gründen: Wenn diejenigen, die etwas bewegen können, sich nicht einsetzen, dann leiden andere, die sich nicht wehren können.

FB

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2 Responses to “Strafanzeige gegen VisionBill, DPSOF und Softcom Ltd”

  1. Achim sagt:

    Super! Vielleicht wäre noch eine Beschwerde über die widerwillige Polizistin notwendig, damit derartige Anzeigen nicht dort abgeblockt werden.

  2. FB sagt:

    @Achim: Eine Beschwerde würde mit dem selben Argument abblockiert werden: Die Plizistin hat letztendlich die Strafanzeige aufgenommen – in der Zwischenzeit habe ich eine ganze Diplomarbeit gelesen und begutachtet. 🙂

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