Gefahren fremdfinanzierter Professuren

In Zeiten knapper Kassen sind fremdfinanzierte Professuren für eine Hochschule verlockend. Unproblematisch sind sie aber nicht immer.

Private Stiftungen, öffentliche Förderprogramme, Forschungseinrichtungen und Unternehmen finanzieren gelegentlich Professuren. Damit ist immer eine Erwartung verbunden, die die Hochschule gründlich überprüfen sollte, bevor sie die Fremdfinanzierung annimmt.

Die Erwartung von privaten Stiftungen oder öffentlichen Förderprogrammen ist meist, dass nach einer Anfangsfinanzierung – typischerweise für fünf Jahre – der Professur durch die Stiftung oder das Förderprogramm die Hochschule aus eigenen Mitteln die Professur dauerhaft unterhält. Da aber die Hochschule – in Deutschland und Europa – finanziell nicht selbständig sind, sondern von lang- und kurzfristigen Entscheidungen der Regierungen abhängig sind, können sie kaum planen. Anfangsfinanzierungen führen folglich zu hochschulinternen Mittelumschichtungen, die nicht unbedingt sinnvoll sind. So derzeit an einigen Hochschulen, die von Exzellenzinitiative beglückt worden sind.

Forschungseinrichtungen wie etwa die Fraunhofer Gesellschaft finanzieren gelegentlich Professuren an Hochschulen mit dem Zeil, dass ein ihrer Mitarbeiter berufen wird und in Zukunft neben seiner Tätigkeit an der Hochschule weiterhin an der Forschungseinrichtung tätig bleibt. Die Erwartungen sind meist sowohl persönlicher wie nicht-persönlicher Art. Für einen Abteilungsleiter einer Forschungseinrichtung stellt die Berufung auf eine Professur eine Beförderung. Der Professorentitel mag auch das Ego schmeicheln. Vor allem lindert die Professur vom oft den hohen Erfolgszwang vor allem beim Drittmittelerwerb: Wer zum Professor berufen wurde genießt mehr Ansehen und kann leichter gehen. So die persönliche Vorteile. Auch für die Forschungseinrichtung ist die Berufung einer seiner Abteilungsleiter auf eine Professur nicht ohne Vorteile. Die Professur schafft den Kontakt zu Studenten und somit zum Nachwuchs, vermittelt Ansehen und Kontakten und somit erleichtert den Erwerb von Drittmitteln. Für die Hochschule kann sich eine solche fremdfinanzierte Professur als sehr problematisch erweisen, falls de facto wenn nicht de jure die Forschungseinrichtung die zu berufenden Person im Voraus bestimmt. Ein Ethikverstoß oder zumindest eine Aufgabe der Selbständigkeit ist in solchen Fällen schwer zu vermeiden. Eine Hochschule ist also gut beraten, sich auf keine fremdfinanzierte Professur einzulassen, wenn der Fremdfinanzierer eine bestimmte Besetzung der Professur erwartet.

Gelegentlich finanzieren auch Unternehmen Professuren „im Pack“, wobei ein ganzes Institut mit mehreren Professuren und Wissenschaftlerstellen werden finanziert, oder als „Einzelstück“. Bisher habe ich wenig Einblick in solchen Fremdfinanzierungen von Professurem gehabt. Es ist davon auszugehen, dass sie für eine Hochschule mit den selben Gefahren verbunden sind wie Fremdfinanzierungen von Professuren durch öffentliche Forschungseinrichtungen.

Was tun? Die Ablehnung von fremdfinanzierten Professuren wegen den Gefahren, die damit verbunden sind, wäre naiv und unangebracht. Gefahren gehören gesehen und gemieden, was durchaus möglich ist, wenn die Hochschulen – und ihre Berufungskommissionen – ethisch und sachlich handeln. Wo denn sonst darf man ein solches Verhalten erwarten wenn nicht an Hochschulen?

FB

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