Drei mögliche Ethikverstöße zum Nachdenken

Neulich hat ein Student in einem Forum erwähnt, dass ein von Studenten gekränkter Professor sich später durch eine besonders schwere Prüfung rächen würde. Das ist ein guter Anlass, ein bisschen über Ethikverstöße nachzudenken, die begangen werden können.

Es ist gut, sich zunächst daran zu erinnern, worum es mit der Ethik eigentlich geht – und nicht geht. Ein Imperativ der Vernunft ist nicht notwendigerweise ein Imperativ der Ethik und ein Imperativ der Ethik ist nicht notwendigerweise ein Imperativ des Gesetzes. Manche Handlungen können sogar ethisch geboten aber – auch einem Rechtsstaat – gesetzwidrig sein. So zumindest meine Überzeugung.

Zur Professorenrache. Ein Professor, der aus Rache Studenten in einer Prüfung durchfallen ließe, würde einen schweren Ethikverstoß begehen. So etwas, wenn es vorkommt, gehört offen gelegt und aufgeklärt. Die Untersuchung eines solchen Ethikverstoßes musste unter anderem klären, ob ebenfalls ein Rechtsverstoß vorliegt. Sie müsste auch die Wiedererstellung von von Vernunft geprägten Beziehungen zwischen Studenten und Dozenten erzielen. Es ist nämlich für Professoren ein Imperativ der Vernunft, sich nicht all zu schnell als von Studenten gekränkt zu fühlen und über Kränkungen von Studenten schnell hinweg zu sehen.

Zum Forum-Eintrag. Liegt keinen konkreten Grund vor, von einem bestimmten Professor oder von einer Gruppe von Professoren zu fürchten, dass sie aus Rache Studenten in Prüfungen durchfallen lassen, so ist es ein Ethikverstoß, ein solches Verhalten als durchaus möglich oder gar wahrscheinlich öffentlich zu schildern.Es ist allerdings ein imperativ der Vernunft, einen solchen Ethikverstoß nicht zu überbewerten.

Zu möglichen Folgen des Forum-Eintrags. Ein Eintrag in einem Forum mag lange im Web sichtbar bleiben und irgend wann von Personen gefunden werden, die sich – etwa wegen einer möglichen Einstellung –  eine Meinung über den Autor des Eintrags bilden möchten. Die Identität des Autors mag irgend wann bekannt werden: Verfahren dazu werden zweifelsohne nach und nach entwickelt werden. Einen solchen Eintrag zu Ungunsten seines Autors zu verwenden wäre aus meiner Sicht ein Ethikverstoß. Der Eintrag wurde ja im Mitten einer schwierigen Prüfung veröffentlicht, was jedem Leser ersichtlich ist. Ein solcher Forum-Eintrag ist folglich genauso Stress- und Adrenalin-geladen wie die Aussage eines Sportlers nach einem schwierigen Wettbewerb. Nicht nur die Ethik verbietet, einen solchen Forum-Eintrag wie einen Bewerbungsbrief zu bewerten, sondern auch die Vernunft. Darüber aber schweigt vermutlich noch das Gesetz.

FB

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