Was wird denn mit Studenten besprochen?

Ich erhalte heute  eine Rechnung in Höhe von 72 Euro für eine „telefonische Bestellung von Chat-Diensten“ vor einem Jahr. Mich wundert die Rechnung: Was mag ich wohl vor so langer Zeit bestellt haben? „Chat“ erinnert mich nur an die Verwendung des IRC (Internet Relay Chat) vom W3C für Besprechungen mit Kollegen aus verschiedenen Länder. Der Zugang ging aber immer über das Internet je nach Uhrzeit vom Büro an der Universität oder von Zu Hause: Ein Drittanbieter, zudem ein Deutscher, war nie involviert.

Was habe ich denn zum Zeitpunkt der angeblichen telefonischen Bestellung getan, die in der Rechnung mit Tag und Uhrzeit angegeben ist? Ich werfe einen Blick in meinem Kalendar: Zu diesem Zeitpunkt fand die erste Besprechung der Abschlussarbeit eines Students. An der Besprechung erinnere ich mich sehr gut, weil mir der mitbetreunde Doktorand und der Student eine sehr vielversprechende Idee vorgestellt haben, die sich später als erfolgreich erwiesen hat.

Ich google nach dem Namen des Unternehmens, Vision Communication GmbH, das mir die Rechnung gestellt hat und finde mehrere Berichte über Abzocke:  „Chat-Dienste“ ist als Sex-Telefon zu verstehen; viele Empfänger solcher Rechnungen zahlen, weil sie sich schämmen, als Nutzer von Telefon-Sex gebrandmarkt zu werden.

Ich prüfe die Rechnung weiter und stelle fest, dass die Mobil-Telefonnummer, aus der ich angeblich „Chat-Dienste“ bestellt habe, mir unbekannt ist. Sie befindet sich auch nirgandwo in meinem Adressbuch.

Ich verfasse eine Anforderung an das Unternehmen, welche mir die Rechnung geschickt hat, innerhalb von zwei Wochen mir schriftlich zu bestätigen, dass es keine Forderungen mir gegenüber hat. Ich warne, dass ich eine Strafanzeige wegen Betrug erstatten werde, sollte ich diese Bestätigung nicht fristgemäß erhalten oder durch weitere Forderungen belästigt werden. Auf dem Weg zu meiner Vorlesung werde ich den Brief sowolh als Einschreiben wie auch als Einschreiben mit Antwortschein schicken – ein Antwortschein zu erhalten wäre gut aber möglicherweise wird niemand mein Schreiben in Empfang nehmen.

Warum gebe ich mir so viel Mühe, wenn ich einfach die Rechnung ignorieren könnte? Weil es viele Menschen gibt, die sich weniger gut wehren können als wir, Akademiker. Und warum berichte ich hier über dieses Erlebnis? Weil es um die Ethik geht.

FB

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2 Responses to “Was wird denn mit Studenten besprochen?”

  1. Mal schauen, ob (schnell) eine Antwort kommt. Ich glaube ja nicht dran, bei mir kam jedenfalls bei so Abzocker noch nie was zurück. Wenn 50 von 1000 sich nicht wehren und zahlen, haben die dubiosen Firmen ihr Ziel erreicht. Ich würde das Unternehmen aber vielleicht noch melden, dann wird die Liste wenigstens erweitert ^^

  2. […] einem Jahr habe ich im Artikel “Was wird denn mit Studenten besprochen?” darüber berichtet, wie ich eine Rechnung des Inkasso-Unternehmen BillVision für eine […]

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