„Es geht um die Menschen!“

In den letzten Wochen habe ich immer wieder von Mitarbeitern, Kollegen, Studenten und Freunde eine ähnliche Erklärung für ihr Handeln erhalten: „Es geht um die Menschen!“ wie einer von ihnen sich ausdrückte.

Die Mitglieder der Gruppe, in der ich arbeite, engagieren sich sehr viel für die Lehre, für die Betreuung von Studienarbeite. Nicht selten verbringen sie viel Zeit mit Studenten, die Probleme haben – oder sogar Probleme machen! Eigentlich ist dieses Engagement schwer zu verstehen und vielleicht nach den Maßstäben ihres Berufes und ihres Arbeitgebers kontraproduktiv: Damit lassen sich ihre Leistungen in der Lehre und in der Forschung nicht verbessern – zumindest bei den geltenden Maßstäben.

Ein Kollege arbeitet seit nun Jahren daran, die Bologna-Reform – die an unserer Universität bisher ziemlich problematisch umgesetzt wurde – zu verbessern. Karriere wird er damit nicht machen. Anerkennung dafür wird er wohl kaum erhalten. „Jemand muss sich darum kümmern,“ sagte er mir einmal, „wir können die Studenten nicht im Stich lassen.

Ein ähnliches Engagement beobachte ich auch bei Studenten. So sagte mir neulich ein Student, der dank eines bescheidenen Familienwohlstandes viel berufliche Erfahrung gesammelt hat, dass er Stellenangebote in London, in Kalifornien und in München hat. Auf meine Frage, was er denn vorziehe, antwortete er, dass für ihn nur München in Frage kommt. Als ich mich wunderte, erklärte er ir zögerlich, dass er in München einen behinderten Verwandten mitbetreuen möchte.

Vor wenigen Tagen teilte mir ein Schulfreund mit, der Spitzenbeamter ist, dass er sich in die Leitung der Justizvollzugsanstalten seines Landes versetzen lassen hat. Der Versetzungantrag wurde schnell bewilligt, weil niemand hin will. Er aber wollte diese Versetzung, weil die Lage dort – für die Menschen – besonders schlimm ist.

Es geht im die Menschen!“ Ein schöner Grundsatz, um seine Karriere zu gestalten. Ich fühle mich sehr glücklich, von Menschen umgeben zu sein, die einem solchen Grundsatz  folgen!

FB

Tags:

One Response to “„Es geht um die Menschen!“”

  1. Achim sagt:

    Ja, wunderbar, dass es solche Menschen noch gibt. Bei sehr vielen geht es ja leider nur um den einen Menschen und zwar sich selbst.

    Das erinnert mich an einen der Mannheimer Marketing Professoren aus meinem Studium. Leider hatte ich nicht das Vergnügen mit ihm. Er ist regelmäßig mit seinen Studierenden in Ausstellungen, Museen, Konzerte und sonstige kulturelle Veranstaltungen gegangen, um zu verdeutlichen, dass es an der Hochschule um die Persönlichkeitsbildung und nicht um die Ausbildung zum Marketingexperten/-in geht.

    Vielleicht sollte ich mir davon eine Scheibe abschneiden, obwohl es wahrscheinlich gar nicht so einfach sein wird, die Studierenden zu einem Museumsbesuch oder einem klassischen Konzert zu bewegen. Aber es wäre sicherlich für viele eine sinnvolle Erfahrung.

Leave a Reply