Zwei verbreitete Missverständnisse um die Programmierung

Viele Menschen studieren Informatik als Haupt oder Nebenfach in der Hoffnung, einen interessanten, einstellungssicheren und gut bezahlten Beruf ausüben zu können. So ist es tatsächlich. Wer heute Informatik und programmieren lernt, wird zweifelsohne diese Hoffnung erfüllen – in Deutschland, anderswo in Europa oder in jedem entwickeltem Land. Informatiker, die programmieren können, sind überall willkommen.

Ein erstes verbreitetes Missverständnis um die Programmierung betrifft den Aufwand, der nötig ist, um Programmieren zu lernen. Programmieren und programmieren lernen ist nicht zeitaufwändig, sondern sehr zeitaufwändig. Schwierig ist es nicht wirklich. Bei jeder Programmiersprache gibt es Abstraktionen, wie die Informatiker es nennen, das heißt Sichtweisen, woran man sich gewöhnen muss, um sie einsetzen zu können. Das kostet Zeit, manchmal sogar viel Zeit. Im Unterricht wird meist alles nötige vermittelt. Das bringt aber wenig, wenn die Lernende nicht viel Zeit damit verbringen, das Vermittelte umzusetzen, was heißt, viel sehr viel zu programmieren. Das gilt für alle, junge, ältere, erprobte Programmierer und Anfänger – ohne Ausnahme.

Ein zweites verbreitetes Missverständnis um die Programmierung betrifft die Nachhaltigkeit des Erlernten. Die Welt der Informatiker ist wie eine Reise durch eine viel multikulturellen Galaxie, wo auf jedem Planet ein anderer Dialekt oder eine andere Sprache gesprochen wird. Das bisher erlernte hilft der neue Dialekt oder neue Sprache nur insofern, dass man erstens Erfahrung darin hat, Sprachen zu lernen, und zweitens, dass einiges immer wieder ähnlich erscheinen mag. Der Reisende in der Programmier-Galaxie muss aber ständig lernen, wenn er möchte seine Reise fortsetzen können – ein Leben lang.

Was dazu nicht bereit ist, viel Zeit – gelegentlich mehr oder sogar viel mehr als die ECTS-Normierung – vorsieht, ins Erlernen von Programmiersprachen zu investieren, sollte auf keinen Fall Informatik als Haupt- oder Nebenfach auswählen. Wer dazu aber bereit ist, wird eine schöne Lebensreise zur sich ständig weiter entwickelnder Programmiergalaxie anfangen – mit viel Überraschungen, keine Langweile, sehr interessante Tätigkeiten und keinerlei Sorgen um ein sicheres und ausreichendes Einkommen.

FB

2 Responses to “Zwei verbreitete Missverständnisse um die Programmierung”

  1. Sebastian Schaffert sagt:

    Ich möchte noch ein drittes häufiges Mißverständnis hinzufügen: Programmieren ist nicht Software Entwicklung. Es ist zwar eine Voraussetzung, aber die Entwicklung eines komplexen Systems erfordert erheblich mehr als „nur“ Programmieren. Leider vermittelt die Uni diesen Teil nur sehr eingeschränkt in Form von Methodologie und ein paar kleineren Praktika. Aber komplexe Systeme brauchen jahrelange Erfahrung. Aber wenn man sich darauf einlässt wird die Reise nochmal viel spannender… 😉

  2. FB sagt:

    @Sebastian Schaffert: Vielen Dank für die wichtige Bemerkung!

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