Posts Tagged ‘Soziale Medien’

Der Niedergang von Blablacar

Mittwoch, Juni 8th, 2016

Die beliebte Webplattform Blablacar für Mitfahrgelegenheiten schränkt die Absprachemöglichkeiten zwischen Fahrer und Fahrgast ein: Vor  einer festen – und bezahlten Buchung ist die Kommunikation kaum noch möglich und in Zukunft soll nur noch online – über Kreditkarten, Paypal oder ähnliches – bezahlt werden.

Der Sinn der Einschränkung ist klar: Sie sollen sicher stellen, dass Fahrer und Fahrgast nicht länger unter Verwendung der Plattform aber ohne der Plattform einen Anteil abzugeben eine Fahrvereinbarung abschließen.

Wie verständlich es ist, dass Blablacar an seiner Webplattform verdienen möchte, mißachtet das Unternehmen eine eiserne Regel der Mitmachökonomie: Am wertvollsten sind die Nutzer, nicht die Software. Eine ähnliche Plattform kann schnell entstehen, auf die die derzeitige Blablacar-Nutzer wechseln können.

In der Mitmachökonomie gibt es zwei Geldquellen:

  • Die Nutzer-Daten
  • Zusätzliche Dienste über ein Freemium-Modell

Beide Quellen stehen Blablacar offen – noch. Bleibt  Blablacar bei seiner Entscheidung, dann wird es nur so lange weiterleben, bis ein Konkurrent auftaucht. Der Niedergang von Blablacar ist so also so gut wie sicher.

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Die Universität Leipzig erhält einen Preis für ihre Kommunikation in sozialen Medien

Mittwoch, November 20th, 2013

Die Hochschulrektorenkonferenz (HRK), die ZEIT Verlagsgruppe und die Robert Bosch Stiftung haben den Preis für Hochschulkommunikation für 2013 der Universität Leipzig für ihren „gezielten Einsatz verschiedener sozialer Medien“ vergeben – siehe die Pressemittelung der HRK vom 19.11.2013.

Der HRK-Präsident Prof. Dr. Horst Hippler dazu:

Nie war es möglich, mit Alumni, mit Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftlern, mit Studieninteressentinnen und -interessenten aus aller Welt so leicht, schnell und direkt zu kommunizieren. Nie konnten wir in Zeiten der Massenhochschule mit so vielen Mitgliedern unserer Hochschulen in einen direkten Austausch treten.

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Bahn-Gesellschaften noch nicht ins 21. Jahrhundert angekommen

Montag, Juni 3rd, 2013

Gestern befand ich mich mit hunderte Fahrgästen im Salzburger Hauptbahnhof, um nach München zu fahren. Die Lage war ruhig. Es gab eine riesige Schlange vor einem Informationsschalter. Die Anzeigen teilten nur mit, dass Züge (welche?) ausgefallen waren. Aushänge oder Bahn-Personal waren nicht zu finden. Die Auskunft-App der DB teilte nichts nützliches mit.

Da kein Zug nach München angezeigt war und ich heute eine Vorlesung in München zu halten habe, verließ ich den Bahnhof auf der Suche nach einem Taxi nach Freilassing, dem ersten Bahnhof in Deutschland Richtung München nach Salzburg. Auf dem Weg zum Taxistand, der von Taxen leer geräumt war, stieß ich auf einen Bus des Ersatzverkehrs nach Freilassing. Der Ansturm auf diese Busse war so groß, dass ich erste in den dritten Bus einsteigen konnte. Ich erfuhr, dass nur noch eine Brücke über die Salzach offen war und nur für Busse. Eine Taxifahrt nach Freilassing war also unmöglich.

Busfahrer und aus Freilassing mit Bussen ankommenden Reisenden berichteten Widersprüchliches. Die Nachricht ging um, München sei mit der Bahn aus Salzburg über Wels und Passau zu erreichen. Bei Hochwasser nach Passau zu fahren schien mir keine gute Idee. So fuhr ich mit dem ersten zugänglichen Bus nach Freilassing. Nach wie vor hatte die Auskunft-App der DB nichts nützliches mitzuteilen: Züge waren angekündigt, die nicht fuhren konnten. Ein Ersatzverkehr mit Busse war ebenfalls angekündigt, der aber die Lage vor Ort nicht entsprach.

Am Bahnhof Freilassing waren zwei Polizisten da und eine große Menge von Reisenden. Bahnpersonal war nicht zu sehen. Aushänge waren auf den Anzeigen angekündigt aber nirgendwo zu finden. Die Polizisten waren nicht informiert und konnten nichts nützliches Mitteilen. So ging ich den Lokführer des einzigen wartenden Zuges nach Deutschland fragen. Seine Strecke nach Mühldorf sei befahrbar, sagte er mir. Der Bahnhof Mühldorf sein hoch über die Inn. In Mühldorf könnte ich in einen Zug nach München umsteigen. Ich bat ihn, um eine Durchsage im Bahnhof Freilassing zu sorgen, damit Reisende nach München seinen Zug nehmen, statt auf einen Zug über Rosenheim abzuwarten. Trotz Anrufe auf sein Handy, konnte er keine Durchsage bewirken.

Befremdlich ist für mich, erstens, dass die Auskunft-App der DB nichts nützliches mitzuteilen hatte, zweitens dass Polizisten keine Auskunft geben konnten, drittens, dass soziale Medien wie etwa Twitter nicht von den Bahn-Gesellschaften DB und ÖBB verwendet werden, um Auskünfte von den Reisenden und vom Bahnpersonal vor Ort zu sammeln, auswerten, und nützen, um Auskünfte zu erteilen. Die Bahn-Gesellschaften sind, was die soziale Medien angeht, noch nicht ins 21. Jahrhundert angekommen.

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Vermistanzeige auf sozialen Medien

Donnerstag, Mai 16th, 2013

Am 12.5.2013 wurde ein fünfjähriges Mädchen in Clermont-Ferrand verschwunden. Bürger nutzen die sozialen Medien, um nach dem Kind zu suchen – siehe „Avis de Recherche„.

Bemerkenswert weil problematisch ist auch, dass die sozialen Medien eine große Resonanz zu Kritiken der Polizei geben. Nicht wenige Bürger betrachten als erweisen, dass das Kind entführt wurde, und verlangen von der Polizei auf soziale Medien (wie facebook und Twitter ein entsprechendes Handeln.

Bemerkenswert weil nicht mehr zeitgemäß ist auch, dass Polizei und Staatsanwaltschaft auf den sozialen Medien nicht präsent sind.

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Auf sozialen Netzwerken ist mehr denn je Vorsicht geboten

Mittwoch, Februar 13th, 2013

Der Blogger Tom Scott berichtete am 23. Januar 2013 im Artikel „Actual Facebook Graph Searches“ über eine Erprobung der Facebook-Suchmaschine Graph Search, die sich auf die Inhalten stützt, die Facebook-Nutzer auf dem sozialen Medium bewusst oder unbewusst hinterlassen. Graph Search ist derzeit nur für diejenigen nutzbar, die diese Nutzung bei Facebook beantragt haben und denen sie gewährt wurde.

Die Suchergebnisse, worüber Tom Scott berichtet, gingen innerhalb von wenigen Stunden um die Welt, so sehr sie problematisch sind. Darunter finden sich die folgenden Suchanfragen:

  • Arbeitgeber von Personen, die den Rascismus mögen. Interessant ist, dass unter den Suchergebnisse dieser Anfrage die US-Luftwaffe an prominenter Stelle steht.
  • Familienmitglieder von Personen, die in China leben und Falun Gong mögen. Mit einer solchen Suchanfrage können Personen wegen ihrer philosophischen, politischen oder religiösen Sympathien verfolgt werden. 
  • Ehepartner von Personen, die verheiratet sind und Prostituierte mögen. Ob alle Personen, die sich unter solchen Suchergebnisse wiederfinden davon begeistert sind, darf bezweifelt werden. 

Ein Journalist der französischen Zeitung Le Monde verwendete die selbe Anfragetechnik und suchte unter anderem nach Angehörigen der französischen Streitkräften, die in Afghanistan gewesen sind. Den Hinweisen des französischen Verteidigungsministeriums ignorierend haben nicht wenige Angehörigen der französischen Streitkräften ihre Anwesenheiten in Afghanistan auf Facebook kundgetan und können so gefunden werden. Darüber und über ein paar weitere problematische Suche mit Bezug zum Frankreich wird im Artikel „Les résultats « dérangeants » de Graph Search, le nouvel outil de recherche sur Facebook“ berichtet.

Tom Scotts Fazit lautet: „Most of the danger online comes not from strangers making half-assed joke searches: it comes from people who know you. A lot of the public data fails what I call the ‘bitter ex test’: can someone who hates you ruin your life with that information?“

Am 10. Februar 2013 berichtete die britische Zeitung The Guardian im Artikel „Software that tracks people on social media created by defence firm“ über eine ähnlich problematische Unternehmung eines US-Unternehmens. Das Unternehmen, das Software für Geheimdienste, Polizei  und Streitkräfte entwickelt, bietet eine Software an, die die Spurren, die auf sozialen Netzwerken hinterlassen werden, dazu verwendet, Personen und ihre mobilen Computer zu verfolgen und zu lokalisieren.

In diesem Zusammenhang ist die Unterstützung des ehemaligen libyschen Dikatators Gaddafi durch führende französische Unternehmen zur Überwahrung des Internets erwähnenswert, worüber die französische Zeitung Le Monde am 2. Februar 2013 im Artikel „Le PDG de Bull se plante un couteau dans le dos“ berichtet hat.

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Noch nicht gehört von Kakao Talk? Das wird sich bald ändern!

Mittwoch, Dezember 19th, 2012

Am letzten Sonntag bei einem Ausflug saß ich neben einem Bekannten, der auf seinem Smartphone ein App mit auffällig gelben Schnittstelle abrief. Ich frage mich, was für eine Software er benutzte und er antwortete „Kakao Talk. Ich finde es besser als Twitter. Es ist praktischer als Facebook. Und ich kann damit kostenlos telefonieren.“ Der Bekannte, der Koreanist ist, klärte mich weiter auf: „Kakao Talk kommt aus Korea. Das muss ich ja benutzen!
 
Kakao Talk verbindet tatsächlich die Funktionalität eines Backchannel wie Twitter, der Internet-Telefonie wie Skype,  eines digitalen sozialen Netzwerkes wie Facebook. Beim Kakao Talk ist letzteres auf die Dynamik der Kommunikation eingestellt, nicht auf die Statik von im Voraus deklarierten Bekannt- oder Freundschaften. Vor allem ist Kakao Talk für das Smartphone konzipiert.
 
Neben Kakao Talk, das vor allem in Korea verbreitet ist, gibt es seit 2011 WeChat aus China, das ebenfalls Backchannel, Internet-Telefonie und digitales soziales Netzwerk vorwiegend für die Nutzung mit dem Smartphone verbindet.

Ähnlich zu Kakao Talk und weChat ist Line aus Japan.
 
Die Nutzerzahlen sind bereits sehr groß: Kakao Talk hat um die 60 Millionen Nutzer (vor allem in Korea), WeChat 200 (in Südost-Asien, in den USA und in GRoß-Britannien), Line 60 (zur Hälfte in Japan).
 
Die obigen Zahlen sind im Artikel „Une nouvelle génération de médias sociaux pourrait inquiéter Facebook“ vom Blog „winch5 – innovations et média sociaux aux coins du monde“ vorgestern veröffentlicht worden.
 
Kakao Talk, WeChat und Line dürften sich auch in Europa verbreiten. Die Neuigkeiten, de sie bringen, sind zweifelsohne sinnvoll – insbesondere die Fokussierung auf das Smartphone und die Internet-Telefonie.
 
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Schon gehört von Spielifizierung?

Donnerstag, Januar 19th, 2012

Spielifizierung oder Gamification nennt man die Anwendung von Unterhaltungs- oder Belohnungsmechanismen, die für Spiele typisch sind, in Systemen, die keine Spiele sind. Die Spielifizierung ist eine wichtige Technik in sozialen Medien, um die Nutzer an der sozialen Plattform zu binden oder um sie dazu zu bewegen, Sachen zu tun, die für die beabsichtigte Entwicklung der Plattform wünschenswert sind. Eine verbreitete Form der Spielifizierung ist die Vergabe und Anzeige von Auszeichnungen bei den Nutzer-Avataren. So werden Nutzer für ihre Leistungen auf der Plattform öffentlich anerkannt.

Die Spielifizierung ist sehr ernst zu nehmen: Sie wirkt und beim Mensch wie bei jedem Säugetier auch ist der natürliche Zweck – oder die evolutionsbiologische Erklärung – von Spielen das Lernen.

Die Splielifizierung kann ein Mittel unter anderen, um eine Lern-Umgebung – sei sie Computer-gestützt oder nicht – effektiver zu machen. (Ob die Einführung von ECTS-Punkten im Hochschulstudium eine Form von Spielifizierung ist, möchte ich hier und jetzt lieber nicht untersuchen.)

Um mehr über die Spilifizierung zu erfahren , lohnt es sich, das Gamification Blog zu lesen.

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Soziale Medien, Human Computation und Märkte

Mittwoch, Dezember 14th, 2011

Viele erfolgreiche soziale Medien setzendie eine oder andere Form von Human Computation ein, um Probleme zu lösen, die bisher kaum oder nur unzufrieden stellend gelöst wurden, und somit Dienste anbieten, die es vorher nicht gab, und die ohne soziales Medium kaum möglich gewesen wären.

Unter Human Computation versteht man das computergesteuerte Mitwirken von Menschen an einer algorithmischen Lösung von Problemen. Ein eindrucksvolles Beispiel des Ansatzes ist der PageRank-Algorithmus von Google, der die Wichtigkeit von Webseiten algorithmisch durch die Berechnung einer Form von Eigenvektor-Zentralität schätzt, die sich aus der von Menschen erzeugten Verlinkungen aller Webseiten ergibt. Ein weiteres Beispiel der Human Computation sind die Games with a Purpose, kurz GWAPs. Die GWAP-Plattform ARTigo zum Beispiel nutzt den menschlichen Spieltrieb, um Kunstwerke von Menschen in einer Weise beschlagworten zu lassen, die derzeit (und sicherlich noch für lange Zeit) mit keinem Algorithmus möglich ist. Die auf ARTigo gewonnene Beschlagwortung wird zum Aufbau einer Suchmaschine für Kunstwerke verwendet, die sehr gut in der Lage ist, Kunstwerke zu finden, die zum Beispiel „Krieg ohne Toten“ oder „Liebe“ darstellen – es lohnt sich, solche Anfragen auf ARTigo zu stellen!

In diesem Zusammenhang ist es sinnvoll, soziale Medien avant la lettre, Märkte, zu erwähnen. Ein Markt mit seinen Hilfsmitteln wie einer Währung und einem Preisfestlegungsmechanismus, ist nichts anderes als ein soziales Medium, wenn auch eines, welches sich erst neulich Computer bedient. Wer auf einem Markt kauft, gibt durch die Annahme der Marktwährung einen Teil der eigenen Kreditwürdigkeit preis und fügt sich in eine wirtschaftliche Schicksalsgemeinschaft ein. Die derzeitige Schuldenkrise in der Eurozone und in den USA zeigt, wie problematisch eine solche Preisgabe werden kann. Wer auf einem Markt handelt, erhält aber als Gegenleistung für die Preisgabe der eigenen wirtschaftlichen Unabhängigkeit den Zugang zu einem Wirtschafts- und Kreditraum. Bemerkenswert ist, dass Märkte auch vor dem Computer-Zeitalter auf Human Computation angewiesen waren: Ein Preis-Equilibrium ergibt sich nämlich aus den Preisen, die von Menschen angeboten und verlangt werden, und wird von Menschen festgestellt also kollektiv berechnet. Ein Preis-Equilibrium auf einem Markt ist nichts anderes als die Gegenleistung eines Marktes für die Preisgabe ihrer wirtschaftlichen Abhängigkeit durch die Händler. Die „unsichtbare Hand“ von Adam Smith, die für das Preis-Equilibrium sorgt, ist nichts anderes als eine Form von Human Computation.

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Geben und Nehmen: Am Kern sozialer Medien

Dienstag, Dezember 13th, 2011

Die Preisgabe persönlicher Information auf einem sozialen Medium findet deswegen statt, weil das Medium als Gegenleistung wertvolle Information liefert, die es aus persönlichen Nutzerdaten zusammenstellt. Zwei Beispiele, ein Navigationsdienst und ein Warndienst für Menschen mit Herzinsuffizienz, können genannt werden, um das Geben und Nehmen auf sozialen Medien zu illustrieren.

Ein Navigationsdienst für Autofahrer muss wissen, wo sich zu jeder Zeit ein Nutzer des Dienstes befindet. Vorausgesetzt, dass der Dienst jederzeit ausreichend viele Nutzer hat, kann er ermitteln, wo der Verkehr flüssig ist, wo sich Staus bereits gebildet haben und wo sich Staus bald bilden könnten: Diese Auskünfte lassen sich nämlich aus den Positionen und Bewegungen der Nutzer berechnen. Je mehr Nutzer der Navigationsdienst hat, desto zuverlässiger ist er.

Ähnlich kann ein soziales Medium Menschen mit Herzinsuffizienz vor der Gefahr eines plötzlichen Herzversagens warnen. Wenn ausreichend viele potentielle Nutzer dem Warndienst ihre Herzdaten kontinuierlich liefern, dann kann dieser aus den erhaltenen Nutzerdaten Muster ausrechnen, die in den Stunden oder Minuten vor einem Herzversagen auftreten. Die Herzdaten von jedem Nutzer, die dem Dienst übermittelt werden, können wiederum kontinuierlich vom Dienst nach diesen Muster abgefragt werden, was ermöglicht, diese Nutzern vor möglichen Herzversagen zu warnen. In diesem Fall gilt auch: Je mehr Nutzer der Dienst hat, desto zuverlässiger ist er.

Wenn  auch nicht immer in solch offensichtlicher Weisen beruhend alle soziale Medien auf ein ähnliches Geben und Nehmen: Persönliche Daten werden von jedem Nutzer dem Medium Preis gegeben, die dann vom Medium algorithmisch zusammengefügt werden, damit neues nützliches Information ermittelt und den Nutzers des Mediums zur Verfügung gestellt werden kann. In diesem gemeinsamen Prinzip aller sozialen Medien liegt ihren Erfolg und der Grund für ihre schnelle Verbreitung.

In diesem gemeinsamen Prinzip aller sozialen Medien liegt auch der Grund, warum die meisten sozialen Medien eine Monopolstellung scheinen anzustreben und warum in der Regel  auf jedem Gebiet nur wenige soziale Medien sich durchsetzen. Ein wie im Vorangehenden geschildert funktionierender Navigations- oder Warndienst ist eben desto zuverlässiger, dass mehr Nutzer sich daran beteiligen. Den anfänglichen Erfolg eines sozialen Mediums wird mehr oder weniger intuitiv von seinen Nutzern  wahrgenommen, was eine virale Verbreitung des Mediums antreibt – zumindest wenn das Medium sich durchsetzt. Durch diese virale Verbreitung neigt auch ein erfolgreiches soziales Medium, seine Wettbewerber zu verdrängen.

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Die Filterblase von Eli Pariser: Eine wahre Blase

Dienstag, November 29th, 2011

Vom Kommunikationswissenschaftler Christoph Neuberger, der sich so wie ich für die sozialen Medien interessiert, habe ich den Tipp bekommen, das Buch „The Filter Bubble – What the Internet is Hiding from You“ von Eli Pariser zu lesen: „Es wird bei uns ganz heiß diskutiert.

Das Buch behandelt in der Tat hochaktuelle und wichtige Themen: Die Personalisierung der Suche, der Einfluss davon auf die Informationsverbreitung, die sozialen Medien und die Gesellschaft, die Entwicklung des Webs und der Datenschutz im Zeitalter der sozialen Medien.

Die personalisierte Suche, die Google Ende 2009 eingeführt hat, verändert tatsächlich die Suche in einer Weise, die bisher kaum wahrgenommen und wenig untersucht wurde. Die Personalisierung ist auch ein fester Bestandteil von sozialen Medien – allen voran Facebook. Der Einfluss davon auf soziale Beziehungen ist ebenfalls schwer einzuschätzen.

Das Buch war aber für mich eine große Enttäuschung. Der Autor bedient sich eine klischeehafte Vorstellung der Personaliserung. Echte oder vermeintliche Gefahren der Personalisierung werden beinahe 300 Seite lang analysiert, ohne dass irgend wann die Technik ernsthaft betrachtet wird. Das macht das Buch unglaubwürdig. Es macht es auch als sensationslustige Technikkritik erscheinen, die sich den Zeitgeist bedient und Ängste schürt.

Worum geht es bei der Personalisierung? Eine Personalisierung von Suchergebnisse geht immer von zwei Beziehungen aus: eine Ähnlichkeit und eine Komplementarität. Beide Beziehunghen dienen dazu, eine Antwortmenge zu ergänzen. Ihre Rollen sind aber unterschiedlich. Bei einer Suche in einem Möbel-Katalog, dient die Ähnlichkeit dazu, zu einer Suche nach „Stühle“ etwa auch Bänke zu liefern. Die Komplementärität dient dazu, einem Käufer eines Esstisches, Stühle aber keine weitere Esstische anzubieten. Ähnlichkeit und Komplementarität sind zum einen Kontextbezogen: Ob weitere Esstische angeboten werden sollen, hängt natürlich davon ab, ob ein Esstisch bereits gekauft wurde. Ähnlichkeit und Komplementarität können zum anderen sozial, also von Menschen nicht von Algorithmen, bestimmt werden.

Die Personalisierung, die besonders interessant ist und die Eli Pariser im „Filter Bubble„, ohne dessen bewusst zu sein, behandelt, ist die gerade erwähnte soziale Personaliserung: Der Personalisierungs-Algorithmus leistet insofern eine Form von Social Computing, dass die Personalsierungs-Ergebnisse unter der Mitwirkung seiner menschlichen Nutzer ermittelt werden. Der Ausdrücke „Social Computing“ kommt übrigens im Buch „Filter Bubble“ nicht vor.

Die These von Eli Pariser lautet, dass wegen der personalisierten Suche im Web und auf sozialen Medien, das heutige Internet zur Fragmentierung und lokale Homogenität neigt. Wegen der Personalisierung sieht ein Nutzer nur noch, wofür er sich bisher interessiert hat. Daraus entstehen Nutzergemeinschaften mit unterschiedlichen Interesse, die voneinander wenig wissen – Fragmentierung –, deren Mitglieder sich alle für das Selbe interessieren – Homogenität.

Wieso mit der personalisierten Suche ein Nutzer notwendigerweise nur noch sieht, wofür er sich bisher interessiert hat, wieso eine soziale Personalisierung zur Fragmentierung und Homgenität führen muss, ist mir völlig unklar. Mit einer passenden Komplementaritäs-Relation kann eine soziale Personalisierung genau das Gegenteil bewirken! Ich wage sogar zu meinen, dass gut überlegte Formen der algorithmischen sozialen Personalisierung sogar erstmal in der Menschheitsgeschichte die Fragmentierung und Homogeneität zu überwinden verhelfen können, die für menschliche Gesellschaften immer kennzeichnend gewesen sind – und für den traditionellen Journalismus.

Eli Pariser zeigt sich mit seinem zu kurz gedachten These der „Filterblasen“ als der Amerikaner, der er ist: Auf eine einzige Sprache und auf ein einziges Land fixiert. Niemals erwähnt er in seinem Buch, dass eine wertvolle Errungenschaft der Personalisierung ist, einem Nutzer nur Webseiten in Suchergebnissen hoch zu stellen, die in Sprachen verfasst sind, die der Nutzer lesen kann!

Niemals erwähnt Eli Pariser im Buch „Filter Bubble“, dass die Personalisierte Suche in Suchergebnisse Antworte aufnimmt, die Menschen übersehen hätten – dazu eine Geschichte. Vor einigen Jahren haben mir auf einer Tagung Kollegen erzählt, dass die Einführung von Empfehlungen auf Amazon zu einem sehr problematischen Ereignis geführt hat: Suchergebnisse zum Thema Rassismus wurden mit dem Buch und den Filmen „Planet der Affen“ ergänzt. Man war sehr besorgt um den Ruf der Web-Platform, wenn sie zu Martin Luther King Affen hinzufügt – eine uralte Beleidigung von Schwarzen durch Weißen. Die Personalisierung-Experte schauten sich die Sache genauer an und stellten fest, dass nicht die Schwarzen, sondern die Weißen von der Software den Affen gleichgestellt wurden. In der Erzählung der Planten der Affen geht es tatsächlich um Rassismus! Se non è vero è bene trovato.

Niemals erwähnt Eli Pariser im „Filter Bubble„, wie am Anfang der 21. Jahrhunderts die traditionelle Presse auf enge kulturelle Räume immer noch begrenzt ist: Mich wundert, wie viele interessante Nachrichten die Grenze zwischen Deutschland und Frankreich nicht überschreiten – übrigens in beiden Richtungen.

Algorithmen sind in vielen Hinsichten Menschen unterlegen. In einem Punkt sind sie aber Menschen überlegen: Sie führen ihre Anweisungen ohne Ablenkung und ohne Ermüdung durch. Handelt es sich um Algorithmen des Social Computing, so bringen sie zusammen, was Menschen und Software besonders gut können.

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Anonymität, die nicht schützt

Freitag, November 25th, 2011

Zum Schutz der Privatsphäre werden die Daten von Nutzer sozialer Medien meist anonymisiert. Leider haben die folgenden neuere Studien

nachgewiesen, dass dies unzureichend ist.

Der erste Artikel zeigt, dass unter Verwendung ausschließlich der Netwerk-Struktur aus den anonymisierten Netzwerken von flickr und twitter ein Drittel der Nutzer beider Dienste mit einer Fehlerrate von nur 12% erkannt werden kann, obwohl nur 15% der Nutzer beide Netzwerke verwenden.

Der zweite Artikel zeigt, wie die Gruppenmitgliedschaft in anonimisierten Netzwerken genutzt werden kann, um Nutzer eindeutig zu identifizieren: Auf Xing konnten 42% der Nutzer erkannt und in 90% der Fälle vermeintlich gleiche Nutzer auf weniger als drei Personen einschränken.

Der gläserne Nutzer sozialer Medien ist offensichtlch kein Schreckengespenst technischscheuen Bürger, sondern ist Realität!

Verfügt man über ein bisschen Information wie Geburtsdatum über eine Person, was zum Beispiel bei Bewerbern der Fall ist, so sind viel bessere Ergebnisse zu erzielen als in den oben genannten Studien. Die Verwendung von verschiedenen Identitäten auf den verschiedenen Medien schützt offenbar nicht.

Kein soziales Medium verwenden ist einerseits weltfremd, andererseits kann einen schlechten Eindruck vermittelt: Ein Bewerber, der in keinem sozialen Netzwerk zu finden wäre, könnte ein bisschen autistisch erscheinen!

Was tun? Wie in ei er kleinen Dorfgemeinschaft, wo jeder jeden kennt, sollte man auch auf den sozialen Meiden authentisch, ehrlich und offen erscheinen. Man sollte auch nicht scheuen, gelassen und souverän Stellung gegen unvorteilhaften Kritiken zu veröffentlichen, ohne dabei verbittert oder allzu kämpferisch zu erscheinen. Und man sollte überlegt dafür sorgen, dass die eigene Erscheinung im Web auch viel Gutes beinhaltet. Ist es so schwer? Nein. Einfach ist es aber nicht immer.

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Märkte als soziale Medien avant la lettre

Dienstag, November 8th, 2011

Ein Markt mit seinen Hilfsmitteln wie einer Währung und einem Preisfestlegungmechanismus, ist nichts anderes als ein soziales Medium, wenn auch eines, welches sich erst neulich Computer bedient.

Märkte funktionnieren nach dem üblichen Geben und Nehmen der sozialen Medien. Die Nutzer des Mediums geben einiges Preis, erhalten aber aber dafür vom Medium Wertvolles, was daraus ermittelt wird, was alle Nutzer preisgegeben haben.

Wer auf einem Markt kauft, gibt durch die Annahme der Marktwährung einen Teil der eigenen Kreditwürdigkeit Preis und fügt sich in eine Schickschal-Gemeinschaft. Die derzeitige Staatsverschuldungskrise in der Eurozone zeigt, wie problematisch eine solche Preisgabe werden kann. Wer auf einem Markt handelt erhält aber als Gegenleistung für die Preisgabe der eigenen wirtschaftlichen Unabhängigkeit den Zugang zu einem Wirtschafts- und Kreditraum.

Bemerkenswert ist, dass schon vor dem Computer-Zeitalter Märkte auf Human Computation angewiesen waren. Ein Marktequilibrium ergibt sich nämlich aus den Preisen, die von Menschen angeboten und verlangt worden sind und wird von Menschen festgestellt also kollektiv berechnet.

Ein Preisequilibrium ist also nichts anderes als die Gegenleistung eines Marktes für die Preisgabe durch die Händler ihrer wirtschaftlichen Abhängigkeit. Die „unsichtbare Hand“ von Adam Smith, die für das Preisequilibrium sorgt, ist nichts anderes als eine Form von Human Computation.

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Misst Klout Reputation und Einfluss im Web?

Dienstag, November 8th, 2011

Klout ist ein Web-Site, welches seit Herbst 2009 die Aktivität von Nutzer von sozialen Medien misst. Ein Nutzer teilt Klout seine Zugangsdaten (Nutzername und Passwort) auf twitter, facebook, Google+, LinkedIn, foursquare ans/or YouTube Klout mit. Klout ermittelt denn aus der Vernetzung zu weiteren Nutzer der verschiedenen Medien und der Aktivität des Nutzers auf den verschiednen Medien vier Parameter:

  • Ein Klout Score, welches auf eine Scala von 0 bis 100 den Einfluss misst. Je höher die Zahl desto größer der Einfluss.
  • Ein True Reach, welches die Anzahl der Menschen ausdrückt, die der Nutzer beeinflusst.
  • Ein Amplification,  das heißt eine Verstärkung, welches ausdrückt, wie stark ein Nutzer andere Menschen beeinflusst.
  • Ein Network Impact, welches ausdrückt wie einflussreich der Netzwerk des Nutzers ist.

Somit wendet Klout ganz offensichtlich gut etablierten Methoden der Analyse sozialer Netzwerke.

Misst aber Klout tatsächlich Reputation und Einfluss im Web, wie in einigen Berichte zu lesen ist und das Website Klout selbst zu versehen gibt? Das glaube ich nicht. Reputation und Einfluss im Web ist nicht unbedingt mit Vernetzung und Aktivität auf sozialen Medien beschränkt. Es gibt nämlich Blogger, Journalisten und Politiker, die Meinungen veröffentlichen und dadurch viel Einfluss haben, ohne dabei in sozialen Netzwerken aktiv zu sein. Ich wage sogar zu behaupten, dass viele wenn nicht sogar die meisten wirklich einflussreichen Menschen im Web in dieser einseitigen und anscheinend wenig sozialen Weise einflussreich sind.

Eine Reputation lässt sich zudem erst dann einschätzen, wenn auch negative Meinungen aufgespürt und berücksichtigt werden, die irgendwo im Web lauern und jederzeit aufgegriffen und sichtbar gemacht werden könnten. Dieser hoch dynamische Aspekt der Reputation eines Menschens oder eines Unternehmens im Web-Zeitalter ist eigentlich der Wichtigste. Offenbar wird er von Klout nicht berücksichtigt.

Klout ist jedoch sicherlich sehr nützlich, um Produkte zu vermarkten. Wer auf sozialen Netzwerken hohe Klout Score, True Reach, Amplification und Network Impact hat, ist ein guter Kandidat für die Werbung. Und darin scheint das Geschäftsmodell von Klout zu liegen: Abhängig von den Werten seiner vier Klout-Parameter und möglicherweise auch vom Inhalt seiner Einträge auf den sozialen Medien, erhält ein Klout Nutzer Geld in einer Währung, die Perk heißt, und bei verschiedenen Geschäfte gegen ausgewählte Produkte und Dienstleistungen ausgetauscht werden kann.

Wie Perks sowie BitCoins und weitere Gewinne in  Währungen von sozialen Medien auf der Steuererklärung anzugeben sind, ist eine interessante Frage. Die Wechselkurse zum Euro sind ja in der Regel unbekannt. Vielleicht frage ich bei Gelegenheit das Finanzamt und berichte hier über die Antwort.

Ob die Perks sicherer als der Euro sind, ist eine weitere interessante Frage. 🙂

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Nicht normierende Massmedien

Donnerstag, September 8th, 2011

Soziale Medien sind Massmedien. Im Gegenteil zu den traditionellen Massmedien verlangen sie aber keine Einheitlichkeit und wirken nicvht unbedingt normierend. Das belegen unter anderem die Wikipedia-Versionen in italienischen Dialekten:

Diese Wikipedia-Versionen sind zwangsläufig viel kleiner als Italienisch-Wikipedia. Interessant ist, wie sie sich entwickeln werden und ob sie als Anziehungspunkt für die Sprache dienen werden, in denen sie geschrieben sind.

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Post Scriptum: Ich bedanke mich bei Thomas Krefeld für den Hinweis auf die oben zitierten Wikipedia-Versionen.

Eine Handvoll soziale Medien

Donnerstag, Juli 14th, 2011

Ein soziales Medium kann als Software-Plattform angesehen werden, welche Daten ihrer Nutzer sammelt, zusammenfügt und daraus einen Mehrwert für ihre Nutzer erzeugt: Jeder gibt etwas Preis und erhält dafür Nützliches zurück.

Ein gutes Beispiel stellt die Navigation von Google mit ihrer in Europa neulich eingeführten Umgehung von Verkehrstaus. Weil der Dienst die Position seiner Nutzer kennt, kann er die Staus erkennen: Fahren auf der selben Strecke viele Nutzer der Google Navigation langsam oder nicht mehr, so gibt es ein Stau auf dieser Strecke.

Viele soziale Medien können nach diesem Modell konzipiert werden. Geben viele Menschen die Frequenz ihrer Herzschläge einem sozialen Medium preis, so kann das Medium aus diesen Daten Ankündigungen von Herzinfarkte ausrechnen und seine Nutzer im Voraus von einem Herzinfarkt-Gefahr vorwarnen. Ich habe gerade von einem Kollegen erfahren, dass ein Startup-Unternehmen in den USA diesen Dienst anbietet.

Der selbe Ansatz kann auf viele weitere Bereiche angewandt werden:

  • Geben Nutzer Auskünfte über ihren Einkommen, Konsumverhalten und Schulden Preis, so können diese Daten aggregiert und analysiert werden, damit die Nutzer auf Gefahren wie Überschuldung gewarnt werden. Die Nutzer können Privathaushalte oder Unternehmen sein.
  • Aus Studenten könnten in der selben Weise wertvolle Auskünfte über ihre Erfolgschancen im Studium erhalten, wenn sie ihre Prüfungsergebnisse preisgeben für eine statistische Auswertung preisgeben würden.
  • Arbeitnehmer könnten in ähnlicher Weise Auskünfte über ihre Arbeitgeber sammeln um daraus die Wahrscheinlichkeit einer Kündigung ausrechnen lassen.

Zweifelsohne können noch viele Anwendungen des Ansatzes überlegt werden.

Gegen den Ansatz kann eingewendet werden, erstens dass er zur Verletzung der Privatssphere führen kann, zweitens dass statistische Werte für den Einzelnen nicht bindend sind. Sicherlich sind soziale Medien nach dem oben geschilderten Ansatz nur dann denkbar, wenn man sie vertraut. Fürchte ich, dass ein potenzieller Arbeitgeber von meiner Herzrythmusstörung über ein soziales Medium erfahren könnte, wenn ich mich bewerbe, so werde ich sicherlich mich am Medium nicht beteiligen. Und ich kann mich als schlauer als die Mehrheit meiner Mitmenschen ansehen, wenn es um die Vermeidung einer Pleite geht oder darum geht, mich aus einer verfahrenen Lage im Studium zu befreien.

Andererseits gäbe es gute Gründe, in manchen Fälle zur Preisgabe von Auskünfte zu zwingen: Der oben erwähnte Ansatz zur Frühwarnung vor Überschuldung hätte in der Finanzkrise von 2008–2009 sicherlich viel besser als jede – ausländische – Rating-Agentur gewirkt. Es wäre durchaus vorstellbar, dass Banken per Gesetz verpflichtet werden, sich an einem solchen soziale Medium zu beteiligen, weil dadurch die Allgemeinheit von einem größen Übel geschützt wäre.

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Sozial-beschleunigte Innovation

Freitag, Juli 8th, 2011

Chris Anderson, der Journalist, Autor von „The Long Tail – der lange Schwanz. Nischenprodukte statt Massenmarkt – Das Geschäft der Zukunft“ undFree − Kostenlos: Geschäftsmodelle für die Herausforderungen des Internets“ und Sozialmedia-Propagandist teilt seine Gedanken zur sozial-beschleunigte Innovation im Artikel „Crowd Accelerated Innovation„.

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Post Scriptum: Für den Hinweis auf den Artikel bedanke ich mich bei Raul Pinto.

Mind Starmind?

Dienstag, Juni 28th, 2011

Unsere Universitätsleitung hat den Start von Starmind für Wissenschaftler der LMU angekündigt. Ein Kollege berichtet wie folgt über seine Erfahrung damit:

Ich habe mich aus Neugierde mal angemeldet, u.a. mit dem Thema „Logik“. Zu diesem Thema haben ich auch sehr schnell Probleme geschickt bekommen, und zwar folgende:

  • Warum ist das Vektorprodukt senkrecht?
  • Wieviel Blech braucht man für eine 1L-Büchse?
  • Wie Scharfunktion berechnen?
  • Wie wahrscheinlich ist ein Ass?
  • Was ist die Bedeutung der 2. Ableitung im Zusammenhang mit dem Krümmungsverhalten?“
  • Was ist die Idee des Grenzwertbegriffes?

Jetzt frage ich mich, ob das ganze ernst zu nehmen ist, oder eine weitere Quelle von Spam.

Starmind ist zweifelsohne ein interessantes soziales Mediums. Ob es für Wissenschaftler ein nützliches Wertkzeug ist, wage ich zu bezweifeln – es sei denn, sie untersuchen soziale Medien.

Offenbar bemüht sich das Unternehmen um Nutzer unter Hochschulangehörigen. Muss man unbedingt mitmachen?

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Die einseitigen Beziehungen von Twitter tragen zur Informationsverbreitung bei

Dienstag, Juni 28th, 2011

In neulich im ACM SIGWEB Newsletter erschienenen Artikel „Novel Aspects Coming From the Directionality of Online Relationships: A Case Study of Twitter“ argumentieren seine Autoren, Haewoon Kwak, Changhyun Lee, Hosung Park, Hyunwoo Chun und Sue Moon, dass die einseitigen Beziehungen von Twitter, die „follow“-Funktion des Mikro-Blogs, zur Informationsverbreitung wesentlich beitragen.

Die These und die Befunde, die sie belegen, sind besonders interessant, weil die Einseitigkeit der Beziehungen auf Twitter eine ziemlich seltene Besonderheit dieses Mediums ist.

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Was macht ein soziales Medium aus?

Montag, Juni 20th, 2011

Was macht ein soziales Medium aus, habe ich mich bei der Arbeit an einem Forschungsförderantrag gefragt? Hier meine – vorläufige – Antwort.

Es ist, meine ich, ein Medium, welches

  1. ausgewählte Formen sozialer Interaktionen unterstützt und fördert, die weitgehend von der Nutzergemeinschaft selbst und dynamisch bestimmt werden und somit spezifische soziale Normen und ihre zeitliche Entwicklung wiederspiegeln können,
  2. ohne dazu zu zwingen jedem Nutzer eine wesentliche Erhöhung der Anzahl seiner Interaktionspartnern sowie eine wesentliche Steigerung seiner Wahrnehmung von Interaktionsmöglichkeiten ermöglicht,
  3. unter Verwendung des Cloud Computing vor allem die ortsverteilte aber auch im begrenzten Mass die asynchrone Zusammenarbeit ermöglicht,
  4. und in dem Sinne skaliert, dass eine wesentliche Steigerung der Nutzerzahl dank besonderer algorithmischen Verfahren mit wenn überhaupt nur einer sehr geringen Erhöhung des menschlichen Anteils an den Betriebsarbeiten bewältigt werden kann.

Alle vier Mekrmale sind für den Erfolg eines sozialen Mediums entscheidend.

Die Merkmale 1 und 2 entscheiden über die Annahme oder Ablehnung eines sozialen Mediums durch die Gemeinschaft seiner potentiellen Nutzern.

Das Merkmal 3 ist, was am meisten von sozialen Medien wahrgenommen wird.

Das Merkmal 4 ist entscheidend dafür, dass ein anfänglicher Erfolg eines sozialen Mediums nicht in ein Scheitern des Mediums mündet.

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Convention over Configuration

Mittwoch, Mai 18th, 2011

Den Brauch der sozialen Medien folgend habe ich das Twitter-Konto ifi_lmu eröffnet, um nach dem Motto „Convention over Configuration“ zu experimentieren.Der Ansatz hat den großen Vorteil, Regelungen zu vermeiden, die sich als doch unpassend erweisen, weil sie an zuerst unzureichend bekannten der Realität vorbei entwickelt wurden.

So habe ich keinen Institutsbeschluss abgewartet, um ifi_lmu zu verwenden. Das heißt noch lange nicht, dass Beschlüsse nicht nötig sind oder nachträglich getroffen werden können: „Convention“ kann durch eine Nachträgliche „Configuration“ präzisiert werden. So arbeitet unter anderem die Wikipedia-Autorengemeinschaft: Jede und jeder kann einen Artikel ertstellen und veröffentlichen. Erweist sich der Artzikel als bedenklich, so schalten sich die Selbstkontrolle-Gremien von Wikipedia. So wird schnell und realitätsnah gearbeitet.

Geht es wie hier nicht um Operationen am offenen Herz, dann ist der Ansatz „Convention over Configuration“ ungefährlich und folglich passend.

FB