Posts Tagged ‘Datenschutz’

Wem gehören meine Daten?

Mittwoch, Oktober 18th, 2017

Als Auftakt der Ringvorlesung meiner Universität, der Ludwig-Maximilians-Universität München,  „Big Data and Data Ethics: Möglichkeiten und Gefahren“ fand Abend eine Podiumdiskussion zum Thema „Wem gehören meine Daten?“ statt. Unter der Moderation von Svea Eckert, NDR Journalistin und Autorin, sprachen Dr. Andreas Dewes, Datenanalyst und Gründer des Berliner Startups 7scientists GmbHDr. Shivaji Dasgupta, Datenanalyst bei der Versicherungskammer Bayern, Prof. Dr. Thomas Petri, der Bayerischer Landesbeauftragter für den Datenschutz (BayLfD) und Prof. Dr. Thomas Augustin vom Institut für Statistik der Ludwig-Maximilians-Universität München.

Die Sorge um den Datenschutz ist im deutschsprachigen Raum besonders ausgeprägt, was positive Aspekte hat. Ein negativer Aspekt davon ist allerdings die verbreitete Fixierung auf eine individuelle, personenbezogene Sicht des Datenschutzes. So war es gestern auch während der Podiumdiskussion. Es ging nur um „meine“ Daten und nie um „unsere“ Daten.

Die individuelle Sicht hindert daran, die soziale Dimension des Datenschutzes zu sehen. Man sieht die Bäume, die persönlichen Interessen. Der Wald, die Interessen der Gesellschaft, wird übersehen.

Wenn zum Beispiel aus Daten über den Verlauf „meiner“ Krankheit andere geheilt werden können, kann ich darauf beharren, alleine über die Auswertung „meiner“ Daten bestimmen zu dürfen? Ähnliche Beispiele gibt es zuhauf – und sie sind hochaktuell. Wie es mit den Daten über „meine“ Lernleistungen als Student? Oder über die Daten über „meine“ Fahrweise, deren Auswertung zu Vermeidung von Unfällen bei anderen Menschen führen kann? Gehören mir alleine meine Genom-Daten, deren Auswertung die Heilung von anderen ermöglicht? Ist es nicht einer Art unterlassene Hilfeleistung, wenn ich aus welchen Gründen auch darauf beharren, alleine über die Verwendungen solchen Datenentscheiden zu dürfen? Gehören mir also solche Daten?

Und wie steht es mit Daten über allgemeine Güter, wie etwa die Sprache, die eine Gesellschaft spricht? Derzeit wird aus der Verwendung von Sprachen durch Gesellschaften wertvolle private Güter, Software zur Spracherkennung und -Übersetzung, erstellt. Einerseits erscheint es als angebracht, dass diejenigen, die sich die Mühe machen, solche Software zu erstellen, Besitzer dieser Software sind und damit Geld verdienen. Andererseits werden solche Software dadurch erstellt, dass den Mitglieder einer Gesellschaft „über die Schulter“ geschaut werden. Konkret werden unter anderem Dokumente in verschiedenen Sprachen bei der Europäischen Kommission und beim Europäischen Patentamt von einem privaten US-Konzern dafür verwendet. Der Gedanke drängt sich auf, dass dies eine neue Form der Tragik der Allmende darstellt.

Gestern stellte die Moderatorin, Frau Eckert, die Frage, ob es nicht bedenklich ist, dass meine Universität, die Ludwig-Maximilians-Universität München, seine Video-Lehrangebote bei einem privaten Unternehmen, Coursera, stellt, so dass die Daten über die Lernleistungen ihrer Studierenden bei diesem Unternehmen landen und zum finanziellen Nutzen dieses Unternehmens ausgewertet werden. Damit gab Frau Eckert die Möglichkeit, die oben erwähnte neue Tragik der Allmende zu besprechen. Leider erkannte kein Teilnehmer an der Podiumdiskussion die Tragweite der Frage.

FB

Schon gehört von „Precision Marketing“?

Montag, November 10th, 2014

Am 28.10.2014 hat Mike Dano von der Electronic Frontier Foundation (EFF)- die berühmte US-Nichtregierungsorganisation, die sich für die Grundrechte der Informationsgesellschaft einsetzt– den Artikel „Electronic Frontier Foundation: Verizon’s Precision Market Insights profiling service raises concerns“ über eine neue Form der Verfolgung von Nützern mobilen Computern und Smartphone durch Verizon, den größten Internet- und Mobiltelefonieanbieter der USA.

Wenn ein privater Kunde von Verizon eine Webseite oder einen Webdienst abruft, ergänzt Verizon die abgerufene URL, die Internet-Adresse mit einer Code namens X-UIDH (IUDH steht für „Unique Identifier Header“). Verizon kann dann auf seinen Servern Nutzerprofile darüber speichern, wer was wann im Internet abruft, und unter Verwendung dieser Information sehr gezielt personalisierte Werbungen an seine Nutzer schicken. Bereits am 21.3.2014 hatte die Fachzeitschrift AdvertisingAge im Artikel „Verizon Looks to Target Its Mobile Subscribers With Ads“ über den Durchbruch von Verizon berichtet.Um einen Durchbricht handelt sich wahrlich – auf mehreren Gebieten.

Was die gezielte Werbung angeht meint zurecht AdvertisingAge im erwähnten Artikel, dass es sich um eine Revolution handelt:

Verizon is taking the biggest step yet of any telecom into the mobile ad world, one that will surely have reverberations across the industry.

Die Bezeichnung „precision“ ist nicht übertrieben, wie das weitere Zitat aus dem Artikel von AdvertisingAge zeigt:

PrecisionID was quietly tested with two brands during a trial run. For a branding campaign, Kraft, working with its agency Starcom MediaVest Group, aimed to target mother’s with children between the ages six and eleven. 1-800-Flowers used Precision for Valentine’s Day with an even more specified target: male Android users between 25 and 44, with household incomes over $75,000.

Auch was den Datenschutz angeht, handelt es sich um einen Durchbruch von gewaltiger Tragweite. Im Gegenteil zu Cookies –von Webseiten und diesnte in Browsern gespeicherten Daten zur Personalisierung von Webseiten und -diensten– werden die X-UIDH, die Verizon verwendet, nicht clientseitig auf die Computern und Smartphones der Nutzer sondern serverseitig beim Mobiltelefoniedienst gespeichert, was ihre Löschen durch die Nutzer unmöglich macht.

Interessant wäre zu erfahren, ob Internet- und Mobiltelefonieanbieter in Europa bereits Precision Marketing einsetzen der einzusetzen beabsichtigen.

Es gab mal ein Postgeheimnis, weswegen Briefträger und sonstige Mitarbeiter der Post Beamte waren. Private Kommunikationsunternehmen, die die Post-Unternehmen des Informationszeitalters sind,  mögen einen einen gesunden Wettbewerb ermöglichen. Wird kein Kommunikationsgeheimnisgesetzt im Stil der guten alten Regelung zur Postgeheimnis eingeführt, so werden nach und nach die Internet- und Mobiltelefonieanbieter den Ast absägen, worauf sie sitzen. Ein Europa-weites zeitgemäßes Kommunikationsgeheimnisgesetzt würde den europäischen Internet- und Mobiltelefonieanbietern einen weltweiten wirtschaftlichen Vorteil geben. Hoffentlich wird das in Brüssels schnell verstanden.

FB

Google gemahnt

Mittwoch, April 21st, 2010

Die Datenschutzbeauftragten von Kanada, Frankreich, Deutschland, Irland, Israel, Italien, den Niederlande, Neu-Zeland, Spanien, Groß-Britannien haben vor zwei Tagen in einem offenen Brief an Erich Schmidt, dem CEO von Google das Unternehmen gemahnt, den Datenschutz und die Privatsphäre in Zukunft besser zu respektieren.

Vor allem die Verwendung von persönlichen Daten aus Google Mail bei der Einführung des neuen Dienstes Google Buzz, welche aufbauend auf Google-Mail-Konten ein digitalen sozialen Netzwerk errichtet, war der Anlass zu dieser Mahnung.

Eine deutsch- oder english-sprachige Fassung des Briefes ist mir nicht bekannt.

FB