Plädoyer für eine virtuelle Transitzone für Asylbewerber

Oktober 16th, 2015

Die Flüchtlingskrise wird zur Bewährungsprobe nicht nur für Europas Regierungen, sondern auch für Europas Bürger. Verständlich sind sowohl der Vorschlag von Transitzonen an den Grenzen Europas oder Deutschlands wie auch die Ablehnung dieses Vorschlags: Für beides gibt es schlagkräftige Argumente. Ohne zu viel ins Politische zu geraten, wofür dieser Blog ungeeignet ist, möchte ich darauf hinweisen, dass virtuelle Transitzonen im Internet viele Vorteile hätten.

Muss aber überhaupt Europa Flüchtlinge aus dem nahen Osten und Afrika aufnehmen? Aus zwei Gründen gibt es keinen Weg darum herum. Ersten sind die Süd- und Ostgrenzen Europas einfach nicht dicht zu machen. Hunderte von Inseln in der Ägäis und zig Tausende Kilometer Mittelmeerküsten machen es leicht, illegal einzureisen. Flüchtlinge in Schlauchbooten sind leicht erkennbar, in Fischers- und Handelsschiffen jedoch nicht. Autoritäre Regime Geld und Anerkennung zu geben, damit sie ihre Grenzen zu Europa für Flüchtlinge dicht machen hat Nachteile: Europa macht sich dadurch erpressbar und Krisen in Ländern wie Marokko, Libyen, Ägypten, Libanon oder Iran können jederzeit aufbrechen und zur Massenflucht ihrer Bürger führen.

So viel zum Politischen. Kommen wir jetzt zu einer Möglichkeit, die das Internet bietet. Stellen wir uns eine Web-Plattform vor, womit Möchtegernflüchtlinge Asylanträge stellen könnten. In den meisten Fällen alles, in einigen Fällen das Meiste vom Nötigen zur Bearbeitung eines Asylantrages könnte hochgeladen werden und dadurch der Antrag bearbeitet bevor der Flüchtling über welchem Weg auch nach Europa ankommt. Verschlüsselung und VPN würden Nutzer der Plattform vor Repressalien ihrer Saaten ziemlich gut, wenn auch nicht perfekt, schützen. Asylbewerber, deren Anträge angenommen wurden, könnten über die Plattform fälschungssichere elektronische Sondervisen nach Europa erhalten, ohne in eine Botschaft gehen zu müssen. Die Asylbewerber mit solchen Sondervisen könnten sogar ihre Flugscheine nach Europa über die Plattform erwerben. Eine solche Plattform wäre eine virtuelle Transitzone. Sie wäre viel effektiver und viel billiger zu betreiben als eine traditionelle Transitzone. Eine solche virtuelle Transitzone hätte drei weitere Vorteile.

Der erste weitere Vorteil ist, dass mit einer solchen virtuellen Transitzone junge, männliche und abenteuerfähige Asylbewerber nicht wie derzeit bessere Chancen auf Asyl in Europa als andere Menschen hätten. Wenn Europa ihre Asyltradition bewahren möchte, die aus den schlimmen Erfahrungen von Religionskriegen sowie Nationalsozialismus und Kommunismus stammt, dann ist sowohl sinnvoll wie ethisch akzeptabel bei der Aufnahme von Asylbewerbern auf ihre Integration zu achten. Dazu gehört, dass unter Asylanten genug Frauen, Kinder, Familien und ausgebildete Menschen sind. Eine virtuelle Transitzone würde dieses Ziel besser als alle andere bisher vorgeschlagene Ansätze erreichen.

Ein weiterer Vorteil ist, dass eine virtuelle Transitzone die Früherkennung von Flüchtlingsströmen ermöglichen könnte. Eine relativ einfache Plattformsnützungsanalyse würde sehr früh darauf hinweisen, aus welchen Weltregionen Menschen überlegen zu fliehen. Eine solche Früherkennung gäbe Europas Regierungen die Möglichkeit, rechtzeitig aussenpolitisch aktiv zu werden, um die Fluchtgründe zu bekämpfen, sowie, falls dies nicht gelingt, sich auf den möglichen Ansturm von Asylbewerbern vorzubereiten. Man stelle sich vor, die Regierungen der Europäischen Union könnten nachweisen, dass mehrere Hundert Tausende Menschen aus einem Land fliehen möchten. Könnten sie mit dem Beleg davon bei den Vereinten Nationen nichts erreichen? Wohl kaum.

Ein weiterer und, wie ich meine, besonders wichtiger Vorteil ist, dass eine virtuelle Transitzone ermöglichen würde, Auskünfte an potenzielle Asylbewerber zu geben – etwa über Länder, deren Aufnahmekapazitäten vorübergehend erschöpft sind. Dies wäre, meine ich, ethisch nicht verwerflich: Wer hilft, darf und sogar muss darauf achten, sich nicht zu übernehmen, weil sonst die angestrebte Hilfe zu kurz kommt oder sogar keine mehr ist. Mit einer virtuellen Transitzone könnten die potenziellen Asylbewerber in ihrem eigenen Interesse sowie im Interesse der Länder gelenkt werden, die die virtuelle Transitzone betreiben.

Zugegeben könnte eine virtuelle Transitzone missbraucht werden, um potenzielle Asylbewerber abzuschrecken. Europas Bürger würden aber weiterhin den Umgang ihrer Regierungen mit dem Recht auf Asyl beobachten und bei Bedarf aktiv werden.

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Eine neoliberale Versuchung: Das Führerprinzip

Oktober 2nd, 2015

Wenn ich anlässlich des Abgasskandals von der Unternehmensführung beim Volkswagen erfahre, dann drängt sich bei mir der Begriff „Führerprinzip“ auf. Ich weiss, dass es schlecht ankommt, Bezeichnungen auf der NZ-Zeit zu verwenden. Wenn  aber „Volkswagen“ nicht stört, warum denn sollte „Führerprinzip“ stören?

Das Führerprinzip ist eine Versuchung, die sich seit den 90er Jahren wieder verbreitet hat – nebenbei bemerkt besonders in Frankreich. Eine neoliberale Vorstellung ist nämlich, dass eine starke Führung vorteilhaft ist, die den Weg zeigt ohne dabei infrage gestellt zu werden.

In der Tat gibt es Situationen, wo eine unangefochtene Führung notwendig ist. Bei einer Operation am offenen Herz muss zum Beispiel eine(r) leiten und ohne Palaver die nötige Entscheidungen schnell treffen. Während eines Feuerwehreinsatzes muss auch immer wieder schnell entschieden werden. Und der Offizier, der den Befehl zum Sprung aus den Gräbern und zum Angriff gibt, muss ungefragt gehorcht werden – sonst hat die ganze Sache keinen Sinn. (Ob das Gehorchen im Krieg zwangsläufig einen Sinn ergibt, ist eine andere Frage.)

Weitere Beispiele, die den Sinn des Führerprinzips belegen, gibt es. In den meisten Fällen aber führt das Führerprinzip zu Katastrophen – sowie wie neulich bei Volkswagen. Die Realität ist eben meist viel zu kompliziert und viel zu vielseitig, um von einem einzigen Mensch überblickt und verstanden zu werden – so schlau dieser Mensch auch sein mag und so viele kluge Berater er um sich haben mag.

Wer der neoliberalen Versuchung des Führerprinzips verfällt, schädigt Unternehmen, Organisationen und die Gesellschaft und findet letztendlich als potentielle Leiter nur noch solche, denen das Führerprinzip nicht unbehaglich ist. Das sind selten geeignete Leiter. Wären sie geeignet, so würden sie wohl kaum nach dem Führerprinzip handeln wollen.

Das bayerische Hochschulgesetz in seiner letzten Fassung von 1996 gibt den Universitätspräsidenten eine Macht, die von Professoren, wenn sie unter sich sind, als Neubelebung des Führerprinzips belächelt wird. Eine offene Frage ist, wann diese Übermacht zu ähnlichen Katastrophen wie beim Volkswagen führen wird.

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Post Scriptum: Ein Tag nach der Veröffentlichung dieses Artikels liest man im SZ-Artikel „Angst und Arroganz“ die folgende Bestätigung meiner Meinung:

Diskutieren sei zwecklos, das Eingestehen des Scheiterns ebenso, erzählen Leute aus dem Konzern: `Wer aufgemuckt hat, ist niedergebrüllt worden.´ Das sei die Kultur von Ex-Chef Martin Winterkorn gewesen – und die der Techniker. Sie sitzen über Jahre zusammen, ein Ziel vor Augen. Manche Ingenieure hätten sich dabei eine eigene Welt erschaffen.

Eine weitere Bestätigung der obigen Analyse liefert die SZ-Interview „Die Sowjetunion hat auch lange funktioniert“ vom 16.10.2015.

Der VW-Skandal und die vernetzten Autos

September 30th, 2015

Über den VW-Skandal und die Folgen, die er haben dürfte, wird viel geschrieben. Eines habe ich nicht gelesen: Er wird dazu beitragen, dass die Autos schneller vernetzt, ich meine einen mehr oder weniger ständigen internet-Zugang haben.

Wären die fraglichen Autos  aus dem VW-Konzern vernetzt, dann wäre der Ersatz der betrügerischen Software viel, sehr viel billiger und könnte innerhalb von nur Stunden durchgeführt werden.

Vernetzte Autos würden wiederum die Trickserei mit betrügerischen Software erleichtern.

Ergänzung am 3. Oktober 2015:

Vernetzte Autos würden nicht nur die Trickserei mit betrügerischen Software erleichtern, sondern auch die Aufdeckung solcher Praktiken. Die Kontrollbehörden könnten eben fordern, dass Daten aus von ihnen zufällig ausgewählten Autos an ihnen geschickt werden. Das wäre sehr einfach zu realisieren, würde höchsten ein paar Tausend Euro für die Software-Erstellung kosten, und höchstens einen ähnlichen Betrag für das Datensammeln.

 

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Studierende und Akademiker auf der Balkan-Route

September 26th, 2015

In den letzten Jahren bin ich regelmäßig mit Zug zwischen Wien und München gefahren. Dabei habe ich stets Flüchtlinge getroffen. In den letzten zwei Jahren war auffällig, dass unter den Flüchtlingen immer mehr gebildete Menschen zu treffen waren. Immer mehr sprachen ein gute, sehr gutes oder perfektes Englisch. Einiger konnten sogar Deutsch. Nicht wenige junge Flüchtlinge sind Studierende – oder eher waren Studierende, bevor sie die Flucht ergreifen haben.

Selbstverständlich erfährt man durch solche Begegnungen nicht viel und nur das, was mitgeteilt wird. Das Mitgeteilte kann ich natürlich nicht überprüfen.

Der Eindruck dürfte aber kaum täuschen. Ich erinnere mich sehr prägnant an ein paar Junge Menschen, die sich als Studenten ausgegeben haben. In ihrem Verhalten und wie sie verkleidet waren, waren sie nicht von den Studierenden zu unterscheiden, die ich beruflich an der Universität München begegne.

Die Anzahl der Flüchtlinge ist seit zwei oder drei Jahren stets gestiegen, der Anteil der gebildeten Menschen darunter ebenfalls. Einmal im letzten Juli sagte mir eine Schaffnerin, dass „die Flüchtlinge ein Viertel [ihres] Zuges ausmachen dürften„. „Haben sie Fahrkarten?“ habe ich gefragt. „Ja klar, war die Antwort.“ „Bereiten sie Ihnen Schwierigkeiten?“ wollte ich noch wissen. „Wieso denn?“ erwiderte die offensichtlich von meiner Frage überraschte Schaffnerin.

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Zur Akkreditierung von Studiengängen

September 25th, 2015

Die Akkreditierung von Studiengängen ist in Europa unter Hochschullehrern unbeliebt, bemerkten neulich während einer Tagung Vertreter von beruflichen Verbänden, die sich dafür einsetzen. „Eine Akkreditierung verlangt doch keine zusätzliche Arbeit, wenn eine Hochschule über eine gut funktionierende Qualitätssicherung verfügt„, wunderte sich einer dieser Vertreter. Damit hatte er, ohne es wissen, das Problem erklärt. Nicht wenige Hochschulen Europas verfügen eben über keine „gut funktionierende Qualitätssicherung“. Mir sind sogar einige bekannt, die überhaupt keine Qualitätssicherung haben! Das scheint auf einige Hochschulen zuzutreffen, die über einen guten Ruf verfügen. „Wenn der Ruf schon gut ist, warum sollte man sich denn darum kümmern?“ scheint eine verbreitete Haltung zu sein.

Eine solche Haltung ist natürlich gefährlich, weil sie den Weg zu allerlei Fehler ebnet. Das Wir und die Lehre an einer Hochschule sind nämlich im ständigen Wandeln: Professoren gehen, andere kommen; jeder Einzelne setzt im Lauf der Zeit bewusst oder unbewusst andere Prioritäten; Studiengänge verändern sich oder doch nicht, wenn auch sich das Fach viel verändert; die Studierenden verändern sich genau so wie die Welt, in der sich leben und lernen.

Eine Qualitätssicherung ist aber nicht alles. Die Akkreditierung, wie sie derzeit in Europa stattfindet, ist alles andere als überzeugend.

Ein erster Mangel ist, dass die Daten, die für die Akkreditierung eines Studiengangs den Akkreditierungsagenturen vorgelegt werden, sowie die Berichte dieser Agenturen nicht in allen Ländern veröffentlicht werden. Wieso denn nicht? Open Data sollte der Ansatz sein. Damit wäre nicht nur Transparenz sichergestellt, sondern auch die Grundlage für Neugründungen von unternehmen: Vergleichsportale über die Lehrangebote und Studienbedingungen an verschiedenen europäischen Hochschulen.

Ein zweiter Mangel ist die Abhängigkeit der Agenturen, die in Europa die Studiengänge akkreditieren. In Spanien zum Beispiel ist es eine Behörde, die dem Ministerium unterstellt ist, welches für die Ausstattung der Hochschulen verantwortlich ist. Wird diese Behörde wohl bemängeln, dass es an Personal oder Gebäude fehlt? Wohl kaum. In Deutschland sind die Akkreditierungsagenturen keine Behörde. Allerdings sind sie keineswegs von den Hochschulen und von den Bildungsministerien unabhängig, weil ihre Existenz von dem Wohlwollen deren Wohlwollen abhängt. Wird denn eine Akkreditierungsegentur wagen, das Bildungsministerium eines Bundeslandes zu ärgern und die Gefahr eingehen, Aufträge der Hochschulen dieses Bundeslandandes zu verlieren? Wohl kaum. Deutsche Hochschulen versuchen übrigens, erfährt man, universitätsinterne Akkreditierungen („institutional accreditation“) durchzusetzen. Das wäre noch schlimmer als der spanische Ansatz!

Ein dritter Mangel ist die Wahrnehmung der Interessen der Studierenden. Abgesehen von ein paar Studenten, die von Professoren sorgfältig ausgewählt werden und niemanden sonst als sich selbst vertreten, spielen bei der Akkreditierung eines Studiengangs in Bayern die Studierenden keine Rolle. Es gäbe aber einiges, was in einer Akkreditierung berücksichtigt werden könnte (und derzeit nicht berücksichtigt wird): Zum Beispiel ob ein Studierende, der eine Note infrage stellt, Unterstützung von Studierendenvertreter dabei erhalten kann.

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Elfenbeinturm

August 28th, 2015

Ein Universitäts-Blog wurde vorgeschlagen, in dem Fakultäten und Wissenschaftler ihre Arbeit und sich vorstellen könnten. Ein verantwortungsvoller Entscheidungsträger war aber besorgt, damit Rechtsextreme  eine Bühne zu geben, die sich zum Beispiel über den Beitrag eines Historikers über die Ukraine ärgern würden. Der Vorschlag eines Universitäts-Blogs wurde folglich abgelehnt.

Was lernt man davon?

Man lernt erstens, dass die freie Meinungsäußerung einige an Hochschulen Angst bereitet. In der Tat kann ein Thema wie die Geschichte der Ukraine viele, übrigens nicht nur Rechtsextreme, zu bedenkliche Äußerungen anregen.  Sollen sich Hochschullehrer mit bedenklichen Meinungen beschäftigen?

Zweitens lernt man, dass die neue Medien immer noch wenig bekannt sind. Ein Blog muss nicht Kommentare zulassen. Und ein Blog, der Kommentare zulässt, kann so eingestellt werden, dass jeder Kommentar einzel gelesen und genehmigt wird. Sollen sich Hochschullehrer für neue Medien interessieren?

Kurz gefasst lernt man, dass am Elfenbeinturm festgehalten wird.

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Land ohne Musik und ohne Wolke

Juni 30th, 2015

Als die griechische Regierung überstürzt Kapitalverkehrskontrolle eingeführt hat, hat sie höchstwahrscheinlich nicht daran gedacht, dass sie dadurch viele Bürger daran hindern Musik zuzuhören und viele Unternehmen ihre Daten zu verarbeiten.

Da aber Musik-Dienste wie (iTune von Apple oder Play von Google) und Cloud-Dienste wie (Dropbox oder Heroku) nicht in Griechenland abrechnen, sind sie nun für griechische Bürger und Unternehmen nicht bezahlbar: Auch wer die Gebühren bezahlen kann, kann sie nicht mehr ins Ausland überführen.

Die Regierung von Ministerpräsident Tsipras versteht offensichtlich wenig von der heutigen IT. Vermutlich wisst sie auch nicht, dass heute Computer überall eingesetzt werden.

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Das menschliche Gehirn ist für Mathe nur bedingt geeignet

Juni 3rd, 2015

Gestern habe ich in einer Vorlesung den Kalkül des natürlichen Schließens von Gerhard Gentzen eingeführt, der seinen Namen gut verdient: Die Beweismethode ist in der Tat natürlich und intuitiv. Trotzdem ist sie weder leicht gut zu verstehen noch leicht richtig zu verwenden.

Widerspreche ich mich nicht? Die Methode sei intuitiv und trotzdem schwierig? Nein, es ist kein Widerspruch. Vieles ist in der Mathematik und in Fächern wie der Informatik, die auf Mathematik aufbauen, so.

Der Grund dafür ist höchstwahrscheinlich, dass die Evolution die Zeit nicht gehabt hat, das menschliche Gehirn an die Mathematik anzupassen. Wobei Vorfahren des Menschen seit ca. 100.000 Jahren sprechen, erschien die Mathematik erst vor 12.000 bis 10.000 Jahren, als der Homo Sapiens sesshaft wurde, Landwirtschaft anfing zu betreiben – und politische Strukturen und eine Verwaltung für größere Siedlungen benötigte. Zudem ist es erst seit höchstens 150 Jahren, dass Kenntnisse der elementaren Mathematik, der Arithmetik, sich in den (reichen) Gesellschaften verbreitet haben.

Das menschliche Gehirn ist für Mathe nur bedingt geeignet. Wer ab und zu Schwierigkeiten hat, einiges Mathematisches oder Informatisches zu verstehen oder anzuwenden, sollte sich daran erinnern und daraus nicht nur Trost sondern Zuversicht schöpfen: Der Wille ist dafür wichtiger als eine bei kaum jemandem vorhandenen Eignung. Kurtz gefasst: Wer es will, schafft es.

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Zur Büroklammer-Apokalypse von Professor Bostrom

Juni 1st, 2015

Der schwedische Philosophie-Professor Nick Bostrom, der an der Universität Oxford das „Future of Humanity Institute“ leitet, veranschaulicht in Interviews und Presseartikel die Gefahren der Künstlichen Intelligenz, kurz KI, wie folgt: Ist eine intelligente Software dafür entworfen worden, Büroklammern zu erzeugen, so könnte die Software ihr Ziel darin sehen, so viele Büroklammern wie möglich zu erzeugen – bis alle Ressourcen der Erde, eventuell auch weiteren Planeten, ausgeschöpft sind, was das sichere Ende der Menschheit wäre. Was soll man davon halten?

Nicht viel, meine ich. Sich Gedanken über die Gefahren der Technik im Allgemeinen und der KI insbesondere zu machen ist gut. Aus diesen Gedanken apokalyptische Gefahren zu schildern ist aber naiv. Was die Büroklammer-Gefahr angeht, sind wir weit davon. Der Unvollständigkeit-Satz von Gödel besagt nämlich, dass jede Software (ab einer gewissen eigentlich geringen Leistungsfähigkeit) nicht selbst wissen kann, ob manches gilt oder nicht. Außerhalb des Systems gilt diese Einschränkung jedoch nicht, was Menschen die Möglichkeit offen hält, die Software zu überlisten. Es gibt keinen Grund zu fürchten, dass eine Software bald erstellt werden könnte, für die Gödels Einschränkung nicht gelten würde.

Viel sinnvoller wäre es, sich über andere Gefahr Gedanken zu machen:

  • Die Gefahr der Hunderten von Atomkraftwerken, die jederzeit Pannen haben könnten und deren Sicherheit auch in entwickelten und politisch und sozial stabilen Ländern alles andere als gesichert ist.
  • Die Gefahren der Atomwaffen, die in vielen Ländern der Welt zu finden sind.

Die KI wurde immer in zwei widersprüchlichen Weise kritisiert. Sie bringe nichts oder sie sei zu gefährlich. Schon von Neumann und seine Kollegen des Institute of Advanced Studies, wo der Computer erfunden wurde, haben über die Gefahren der künstlichen Intelligenz nachgedacht. Der Computer, der Herr über seine Schöpfer wird, ist das Thema von mehreren Science Fiction-Erzählungen. Eine davon ist der Film „2001: Odyssee im Weltraum“ in dem zu den Klängen des blauen Donau von Strauß ein Wissenschaftler sich bemüht, einem eigenwilligen und gefährlichen Computer den Stecker herauszunehmen. Der Disney-Film „Big Hero“ (zu Deutsch „Baymax“) ist eine weitere solche Erzählung. Beide Filme sind unterhaltsamer als die Büroklammer-Apokalypse von Professor Bostrom.

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„Anspruchsvolle Vorlesungen und lange Vorlesungsstunden“

Mai 13th, 2015

Ganz Europa hört andauernd von dem Umgang der  griechischen Regierung mit den Schulden des Landes. Über den Umgang der griechischen Regierung mit den Hochschulen des Landes erfährt man außerhalb Griechenlands wenig. Es ist bedauerlich, weil auch auf diesem Gebiet das kleine Land eigene Wege geht.

Neulich teilte zum Beispiel ein hoher Beamte des griechischen Bildungsministeriums mit, dass angesichts der „anspruchsvollen Vorlesungen und lange Vorlesungsstunden“ die Leistungen der Studierenden nicht länger durch Prüfungen, sondern einfach durch die Zeit, die sie bei dem Besuch von Lehrveranstaltungen verbringen. Die griechische Presse erklärt, dass der Beamte ernst zu nehmen ist: Er meint, was er sagt, meinen Journalisten.

Bildung und Kredit haben eines gemeinsam: Sie beruhen auf Vertrauen. Ohne Vertrauen werden weder Studien- und Arbeitsplätze bei der Vorlage von Zeugnissen noch Kredit bei der Vorlage von Schuldanerkennungen gewährt. Glück im Unglück haben die jungen Menschen von Griechenland: Sie können überall in Europa vertrauenswürdige Zeugnisse erhalten.

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Chicken Game – παιχνίδι του κοτόπουλου

Mai 11th, 2015

There is widespread misunderstanding on what game theory is all about. It is not about games but about decision making.

The „chicken game“, for example, is a well-known game theoretic model of conflicts: Two drivers drive towards each other on a collision course. If none of them swerves, they both die – and both loose. If both drivers swerve, they also both loose – but less badly than in the former case. If only one driver swerves, he looses and the other wins. In this last case, the looser was a coward, or „chicken“, hence the game’s name.

The game illustrates a situation where, if each player fearing to lose prefers not to yield to the other, they both get the worst possible outcome. Minister Varoufakis, a maven not only in Marxist economy but also in game theory, must be well aware of the chicken game. But does the Syriza party realize that the Greek government is playing the chicken game riding a bike against 18 European governments each comfortably sitting on a bulldozer? We’ll soon enough know the answer.

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Post Scriptum: The Chicken Game could have been called Goat Game: The 17th century French fabulist Jean de la Fontaine wrote a poem on two stubborn goats facing each other while crossing a river on a log and not willing to give way to the other. He compared the goats with the kings of France and Spain,  and doing so, he warned them. The two kings eventually signed the Treaty of the Pyrenees – not on a log but on a Pheasant Island in the middle of a river demarcating their kingdoms.

Post Post Scriptum: Heute, dem 27. Juni 2015, bestätigt die Ablehnung des Vorschlags der „Institutionen“ durch die griechische Regierung die obige Analyse. Wieso ist es denn möglich, dass beide Verhandlungsparteien die Möglichkeit ausgewählt haben, die für beide am schlimmsten ist. Dafür sehe ich zwei Gründen. Erstens Menschen handeln nicht ganz rational, wie die Verhaltensökonomie lehrt (die übrigens Anpassungen der Spieltheorie an dieses menschliche Verhalten vorgeschlagen hat). Zweitens, wie Albert Einstein gesagt hat: “In theory, theory and practice are the same. In practice, they are not.” Ich gehe nach wie vor davon aus, dass mein Vergleich 18 Planierraupen gegen ein Fahrrad Bestand haben wird.

Was verdient man mit einem Master-Abschluss in Informatik?

April 24th, 2015

Eine Frage, die mir immer wieder gestellt wird, lautet: „Was verdient man mit einem Master-Abschluss in Informatik?“ Auf die Auskünfte bezogen, die mir ehemalige Studierenden liefern, antworte ich wie folgt.

Wer eine Abschlussnote in der oberen Hälfte hat, bereits eine komplexe Software –vorzugsweise eine Web-Anwendung– programmiert hat, sich gut mündlich und schriftlich ausdrücken kann und einigermaßen neugierig und kreativ ist, kann mit einem jährlichen Einstiegsgehalt von 55.000 bis 60.000 € rechnen.

Wer zudem bereit ist viel beruflich zu reisen, kann jährlich mit zusätzlichen 10.000 € rechnen. Das viele Reisen wird übrigens schon nach sechs Monaten den meisten zu Belastung: Montags um 4 Uhr aufzustehen, um rechtzeitig beim Kunden in Paris oder London zu sein, und nicht mehr als ein Tag pro Woche in seiner Heimatstadt arbeiten zu können, ist nicht so einfach, wie man es sich vorstellt. Während einem Flug in die USA ein Programm zu debuggen, um es bei der Ankunft vorführen zu können, kann auch nicht jede(r).

Wer gut in der Datenanalyse (Stichwort „Big Data“) ist, kann ein noch höheres Einstiegsgehalt angeboten bekommen. Die Wirtschaft schreit nämlich derzeit nach solchen Informatiker. Gut in der Datenanalyse bedeutet einiges: Die Grundlagen der Statistik (im Umfang dessen, was man im Bachelor-Nebenfach lernt), Clustering-Algorithmen, etwas Netzwerkanalyse (wie Googles PageRank) und Methoden des Datenparallelismus. Zum letzten wird derzeit vor allem nach Informatiker gesucht, die MapReduce kennen (ein Verfahren, das in der funktionalen Programmierung wurzelt) und es mit Hadoop umsetzen können.

Geld ist aber nicht alles. Vier Bedingungen sollte meiner Meinung nach ein Arbeitsplatz noch erfüllen:

  1. Ein gutes Betriebsklima haben.
  2. Ein gutes Betriebsklima haben.
  3. Ein gutes Betriebsklima haben.
  4. Die Möglichkeit geben, sich beruflich weiter zu bilden.

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Die Unternehmen sind mit der Mehrzahl der Bachelor-Absolventen unzufrieden

April 23rd, 2015

Man heute, dass viele Unternehmen mit den Bachelor-Absolventen unzufrieden sind. Wie die Presse (zum Beispiel die Süddeutsche Zeitung im Artikel „Viele Unternehmen sind mit Bachelor-Absolventen unzufrieden„) teilt Eric Schweitzer, der Präsident der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) mit, dass über 50% der Unternehmen von Berufseinsteiger mit einem Bachelor-Abschluss enttäuscht sind.

Laut  Eric Schweitzer sei die Zahl der Studienplätze sei zu hoch, die die Abbruchquote unter Studienanfängern mit knapp 30 Prozent viel zu hoch, mehr „Praxisorientierung“ sei in den Studiengängen nötig, und man leide an einer „Überakademisierung“.

In der Art und Weise, wie sie in Deutschland umgesetzt wurde, ist die Bologna-Reform von den Wirtschaftsvertreter gewollt gewesen. Mit Regelstudienzeiten von sechs Semester kann man nicht viel lernen und noch weniger Erfahrungen sammeln. Sind zudem die Lehrveranstaltungen überfüllt (wie zum Beispiel Programmmierpraktika mit einem Dozent für 120 Studierenden), dann muss man sich nicht wundern, dass die meisten Bachelor-Absolventen die Unternehmen nicht überzeugen. Bedenkt man, dass seit einem Jahrzehnt ungefähr nur ein Drittel der Studierenden die Lehrveranstaltungen besuchen, dann drückt sich der Gedanke, dass die „Überakademisierung“ eine bequeme Ausrede sein könnte.

Die Klage über das Bachelor bestätoigt, was längst bekannt ist: Wer ein Hochschulabschluss erzielt, der etwas Wert ist, studiert für ein Master.

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„EU vs. Google: Reichlich wenig Substanz“

April 16th, 2015

Gestern hat Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager der Europäischen Kommission in einer Pressekonferenz verkündet, dass die Kommission Google einen Missbrauch seiner marktbeherrschenden Stellung vorwirft. Was sind die Vorwürfe was haben sie auf sich?

Im Artikel „EU vs. Google: Reichlich wenig Substanz“ analysiert Andreas Proschofsky die Vorwürfe und kommt zu den Schlüssen, erstens, dass sie nicht haltbar sind, zweitens dass sie der Open Source-Bewegung schaden könnten, sollten sie nicht aufgegeben werden:

Bleibt noch ein letzter Vorwurf, und dieser ist auch der einzige, bei dem sich so etwas wie Substanz feststellen lässt. Google soll seine Partner in der Open Handset Alliance dazu verpflichten, keine Geräte mit Android-Forks fertigen oder ausliefern zu dürfen. […] Sollte sich der Vorwurf bewahrheiten, könnte man Google tatsächlich eine Behinderung des Wettbewerbs vorwerfen. Ob diese unzulässig ist, ist natürlich noch einmal etwas ganz anderes. Würde es sich bei Android nämlich nicht um ein Open-Source-Betriebssystem handeln, würde sich diese Frage gar nicht stellen. Google würde also ein Nachteil daraus entstehen, dass es Android samt des gesamten Quellcodes verschenkt – und das kann wohl kaum jene Message sein, die die EU senden will.

Google ist vielen in Europa ein Dorn im Auge. Die Frage, die die Existenz von Google uns Europäer stellt, wird aber kaum offen besprochen: Wieso denn ein Unternehmen aus den USA, einem Land, wo eine beschränkte Mehrsprachigkeit vorhanden ist aber bisher kaum Einzug in Bildung, Presse, Politik und Wirtschaft geschaffen hat, Europa bei der Mehrsprachigen Suche und bei Übersetzungsdiensten so dramatisch überholen konnte? Wäre es nicht sinnvoller, sich dieser Frage zu widmen statt unausgegorene Vorwürfe zu hegen?

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Post Scriptum: Der Standard ist übrigens einer der Zeitschriften weltweit, die die besten und aktuellsten Analysen in Sachen IT liefert.

Hörsaal überfüllt

April 15th, 2015

Gestern fand die erste Sitzung einer Bachelor-Vorlesung statt, die ich halte. Weil höhere Studierendenzahlen erwartet wurden, wurde für diese Vorlesung einen größeren Hörsaal als im letzten Jahr beantragt (und erhalten). Dieser Hörsaal war leider zu klein: Die Gänge an beiden Seiten des Hörsaals und hinter den Sitzen war voll besetzt. Seitlich sassen die Studierenden auf die Stufen. Hinten standen sie, um sehen zu können und weil der Raum zu eng war.

Schon vor dem Ende der Vorlesung haben Mitarbeiter einen Antrag auf einen größeren Raum gestellt. Hoffentlich findet ich einen passenden Raum!

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Post Scriptum (16.4.2015): Ein Ersatzhörsaal wurde gefunden – in der Theresienstraße.

Die Arbeit eines Professors

April 15th, 2015

Auf einem Gang treffe ich einen Kollegen. Schreibblock in der Hand hält er vor jeder Tür und notiert etwas.

Was machst du denn?“ frage ich ihn.

Ich suche Räume für weitere Übungen zu meiner Vorlesung. Es sind viel mehr Hörer als gedacht“ antwortet er.

Kannst du nicht einfach bei der Verwaltung die Räume beantragen?“ wundere ich mich, „es ist ja ihre Verantwortung.“

Ach was! So spare ich mir Mühe, Ärger und Zeit. Und ich bekomme auch wenn möglich die Räume viel schneller.

Kann zumindest eine Sekretärin dir nicht helfen?“ frage ich noch.

„Im Prinzip ja aber derzeit haben sie alle einfach zu viel Verwaltungsarbeit“ klärt er mich auf.

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Ärgerliche Geldspritze

April 15th, 2015

Die abgeschaffte Studiengebühren gleicht die bayerische Regierung aus. Diese Geldspritze ist aber ärgerlich, weil damit dringend benötigte Investitionen unmöglich sind. Meine Universität sowie die meisten bayerischen Hochschulen benötigt zweierlei, um ordentlich lehren zu können: Lehrpersonal und Gebäude. Mit der jährlichen riesige Geldspritze, die die weggefallenen Studiengebühren ersetzt, können aber leider beides nicht angeschafft werden.

Statt qualifiziertes Lehrpersonal werden mit der jährlichen Geldspritze vorwiegend studentische Hilfskräfte und ein paar Mitarbeiter mit einjährigen Arbeitsverträge eingestellt. Studierende, die in der Lehre zum Beispiel als Übungsleiter tätig sind, sind wünschenswert. Es ist aber ungut, wenn die meisten Übungen einer Vorlesung in dieser Weise abgehalten werden. So gut ein Studierende sich einbringt und begabt ist, kann er nicht die Erfahrung von jemanden aufbringen, der bereits ein paar Semester lang gelehrt hat. Mitarbeiter mit einjährigen Arbeitsverträge sind kein Modell für eine gute Lehre. Warum soll denn ein qualifizierter Informatiker ein solches Prekariat ? Es gibt ja mehr als genug besser bezahlten Stellen in der Wirtschaft!

Statt  investiert wird als an bayerischen Hochschulen Geld verschwendet. Die Verschwendung wird damit begründet, dass es an bayerischen Hochschulen Geld fehlt. Wie lange noch?

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Pokern seinen Kollegen und seine Universität gegenüber

März 31st, 2015

Ein Forschungsprojekt, das er bei einem Wechsel zu einer anderen Universität nicht mitnehmen könnte, ist genehmigt worden,“  berichtete ein Professor von einem Bewerber um eine Professur an seiner Fakultät. „Er wäre also nie zu uns gekommen.

Bewerbungen um Professuren haben in Deutschland zwei Zwecke. Für Wissenschaftler ohne Dauerstelle, sind sie beinahe die einzige Hoffnung auf einen Verbleib in der universitären Wissenschaft. Für Professoren sind sie die beinahe einzige Möglichkeit, ihre Arbeitsbedingungen zu verbessern. Wenn Bewerber ohne Professur sehr selten eine Professur ausschlagen, Bewerber mit Professuren neigen dazu, die Berufung auf eine andere Professur zu nutzen, um – durch so genannte Bleibeverhandlungen – ihr berufliches Dasein zu verbessern. Bewerber mit Professuren bewerben sich also oft nicht, um die Stelle zu wechseln. Dieser Brauch ist aus drei Gründen bedenklich.

Erstens bleiben dadurch viele Professuren lange unbesetzt. Berufungsverhandlungen dauern nicht selten ein Jahr und nie weniger als ein paar Monate. Nimmt einer oder mehrere der auf der Berufungsliste erstplatzierten Bewerber die Professur nicht an, so verstreichen ein, zwei, drei oder mehr Jahre, bevor die Professur wieder besetzt ist. Dies ist für die Lehre  schlecht, weil eine Lehrkraft fehlt.

Zweitens ist der Brauch für die Forschung ungut. Da die Besetzung von Professuren zur Stärkung der persönlichen Lage dienst, werden auf Professuren eher Wissenschaftler mit einer überzeugenden beruflichen Vergangenheit berufen als solche mit einer vielversprechenden beruflichen Zukunft. Da heute die Wissenschaft sich sehr schnell entwickelt, schlägt es sich sehr spürbar auf  die weltweiten wissenschaftlichen Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Universitäten nieder – in einigen Fächer wie der Informatik wirkt es auch negativ auf die wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit des Landes.

Drittens ist der Brauch ethisch bedenklich, weil es ein Pokern der Professoren ihrer Kollegen, Fakultäten und Universitäten gegenüber ist. Die Ehrlichkeit bleibt auf der Strecke, weil Pokern und Ehrlichkeit sich nicht vertragen. Der Brauch fördert weder die Kollegialität noch die Ethik in Forschung und Lehre.

Das Einzige, was für den Brauch spricht, ist dass es „immer“ so gewesen ist. Eine Begründung, meine ich, die Wissenschaftler und Lehrer nicht überzeugen sollte.

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Selbstbild einer Universität

März 23rd, 2015

Gestern fand im Audimax der Universität Wien eine Eröffnungsvorlesung im Rahmen der „Kinderuni“ und anlässlich des 650. Jahrestags der Universitätsgründung statt. An der einstündigen Eröffnungsvorlesung, die als erste Familienvorlesung in der Geschichte der Universität angekündigt wurde, konnten 650 „Kinder im Alter von 7 bis 12 Jahren“ und „ihre Begleitpersonen“ teilnehmen. Thema der Vorlesung war „eine Entführung in die Welt der Chemie„.

Die Eröffnungsvorlesung, die auf der Webseite http://www.kinderuni.at als „fulminant“ bezeichnet wird, verlief wie folgt. Ein Chemie-Professor erzählte das Märchen eines Helds, der Prüfungen bestehen mußte, um an die Prinzessin Silizium zu gelangen. Jede Prüfung wurde begleitet von eindrucksvollen knallenden und Licht spendenden Chemie-Experimenten, die ein Assistententeam vorführte, während der Professor sprach oder an einer Flügel Musik spielte.

Ja, die Eröffnungsvorlesung war wortwörtlich blitzend. Geistesblitze vermittelte sie aber keine: Chemische Zusammenhänge und Bedeutung der Experimente wurden nicht angesprochen. Es gab sogar keinen Zusammenhang zwischen den Prüfungen (wie etwa das Klettern über eine Wand) und den begleitenden Chemie-Experimenten. „Geht es hier um Chemie oder Alchemie?„, habe ich mich gefragt. „Welche Vorstellung der Chemie und der Universität soll denn diese Vorlesung vermitteln?“ habe ich mich weiter gefragt.

Vor der Eröffnungsvorlesung sprach ein Historiker kurz über die Geschichte der Universität Wien. Unter anderem fragte er, woran man erkennen kann, dass die Universität Wien eine der ältesten der Welt ist. Eine Antwort auf diese und weitere gute Fragen gab er allerdings nicht. Ihm war offenbar ein ausreichender Beleg, dass drei oder vier Kinder im Hörsaal dieser Meinung waren.

Die Familienvorlesung war unterhaltsam. Lehrreich war sie insofern, dass sie ein paar Vorstellungen auf den Punkt brachte:

  • Ein Professor ist ein Star.
  • Eine Vorlesung ist eine eindrucksvolle Schau.
  • Verstehen, worum es bei einer Vorlesung geht, tut man wenn überhaupt außerhalb des Hörsaals.

Soll man sich darüber ärgern, dass ein solches Universitätsbild vermittelt wird? Oder soll man die zweifelsohne unbeabsichtigte Aufrichtigkeit loben?

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Pi Day

März 14th, 2015

Das heutige Datum schreibt man in den USA 3/14/15: Es ist „pi day“ . Pi Day wurde selbstverständlich besonders um 9:26:53 Uhr gefeiert. Bewerber um einen Studienplatz am MIT erfahren im Web heute um 9:26 Uhr, ob ihre Bewerbung erfolgreich war oder nicht.

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