Tipps für Bewerbungen

Über die Kunst, gute Bewerbungen zu verfassen, gibt es eine große Literatur. Damit will ich nicht konkurrieren, sondern ein paar Hinweise geben, die insbesondere Informatik-Absolventen nützlich sein könnten.

Eine Bewerbung soll kurz sein. Bewerbungen lesen verlangt immer viel Zeit, weil der Leser bei jeder Bewerbung sich auf eine andere Darstellungsweise – eigentlich auf einen anderen Mensch – einstellen muss. Folglich ist von Zitaten und allgemeinen Bemerkungen abzuraten.

Eine Bewerbung muss vollständig sein. Es ist heute weder schwierig noch teuer – insbesondere, wenn die Bewerbung elektronisch eingereicht wird – Kopien von allen Arbeits- und Ausbildungszeugnisse zu liefen. Der Empfänger muss sie nicht alle sorgfältig lesen. Fehlt aber die Kopie eines Zeugnisses, so wirkt die Bewerbung nicht überzeugend.

Selbsteinschätzungen sind in Bewerbungen fehl am Platz. „Für Ihre Stelle bin ich bestens geeignet, weil …“ nervt. Einmal sagte mir am Telefon ein Bewerber, er konnte nicht verstehen, dass er für die Stelle nicht ausgewählt wurde. Mein Antwort war knapp: „Eben. Wer nicht versteht, dass manche Entscheidungen von anderen getroffen werden und werden müssen, ist für ungeeignet.

Selbstlob ist in einer Bewerbung fehl am Platz.Mein Studium habe ich sehr gut abgeschlossen“ liest man in manchen Bewerbungen. Es ist klüger, die Zeugnisse sprechen zu lassen.

Lücken in Lebensläufe und Zeugnissen sind zu vermeiden. Wer in einer Bewerbung soziales Engagement erwähnt, ist gut beraten die Kopie eines Zeugnisses darüber zu liefern. Hat man sich mit seinem Chef gestritten und ist das Arbeitszeugnis deswegen schlecht, so ist es kluger, dies zurückhaltend und kurz zu erwähnen. Eine Aussage wie „Meine Anstellung von 1998 bis 2001 bei N.N. war trotz meinen Bemühungen sowohl für meinen Vorgesetzten wie für mich enttäuschend“ erklärt das Fehlen eines Arbeitszeugnis und bietet die Gelegenheit, in einem Bewerbungsgespräch mehrt dazu zu sagen.

Eine Bewerbung muss präzis sein. Wird jemand mit bestimmten Kenntnissen (etwa in der Programmierung mit PHP) oder Erfahrungen gesucht, so muss die Bewerbung ganz genau darauf eingehen (es muss entweder PHP heißen oder erklärt werden, warum man PHP schnell lernen kann).

Die Bewerbung muss aus dem Standpunkt des Lesers verfasst werden. Viele Bewerbungen zeigen, dass der Bewerber ich zu wenig Gedanken über den Bedarf oder über die Erwartungen des Arbeitgebers gemacht hat. Ein Bewerber, der weit weg vom angestrebten Arbeitsplatz wohnt, sollte darauf in seiner Bewerbung eingehen: „Ein Umzug nach N.N. käme für mich in Frage“ oder „als Frühaufsteher, würde ich die Stoßzeiten vermeiden„. Auskünfte über den potenziellen Arbeitgeber sollte man sich auch aneignen. In Zeiten von Web, von Google und Wikipedia ist dies keine Kunst.

Zumindest für Informatiker muss die technische Gestaltung einer Bewerbung einwandfrei sein. Das Foto muss gut sein (mit einem guten Smartphone kann ein Freund ein Foto professioneller Qualität erstellen) und darf nicht zu viel Speicher verlangen. Der richtige Zeichensatz muss für ausländische Buchstaben verwendet werden. Eine elektronische Bewerbung muss selbstverständlich unterschrieben werden. Eine Datei mit einem nützlichen Namen soll verschickt werden, nicht mehrere mit Namen wie „Bewerbung“, die der Empfänger verändern muss.

Gutes Design aber keine Effekte. Eine Bewerbung soll ein gutes Design haben aber nicht des Designs wegen auffallen, es sei denn, man bewirbt sich als Designer.

FB

10 Responses to “Tipps für Bewerbungen”

  1. Chikari sagt:

    Was, wenn das Abiturzeugnis signifikant schlechter als das universitäre Abschlusszeugnis ist? Ist in diesem Fall der Effekt von nicht beilegen nicht weniger dramatisch?

  2. dasuxullebt sagt:

    >Selbsteinschätzungen sind in Bewerbungen fehl am Platz

    Es steht aber üblicherweise zumindest bei Promotionsausschreibungen immer, dass man angeben soll, warum man denkt, dass man für die Stelle geeignet ist. Es wird also explizit nach einer Selbsteinschätzung gefragt.

  3. Alex Boing sagt:

    Eine Bewerbung muss kurz sein, sodass sie nicht vollständig sein muss; bei Bedarf sollten alle Zeugnisse vorgelegt werden können. Die Email sollte nicht mehr als 2MB betragen.

    Selbsteinschätzungen die Argumentieren warum gerade der Bewerber ideal ist für die Position zeigen durchaus das Interesse, exaktes durchlesen der Stellenanzeige und Bezugnahme von sich selbst auf die Stelle.

    Telefonisches Nachfragen weshalb eine Bewerbung nicht angenommen wurde ist wichtig und kann Unklarheiten, Fehlkommunikation, Fehlinterpretationen der zugesandten Materialien ausschließen und ggf. beheben. – Sie zeigt nicht „die Unfähigkeit zu verstehen das jemand anderes Entscheidungen fällt“ – sondern besonderes Interesse an der Stelle, sowie die Eigenschaft sich selbst zu verbessern und aus seinen Fehlern zu lernen.

    Das Bewerbungsfoto ist nur anzuhängen wenn es explizit vom Arbeitgeber verlangt wird. Insbesondere internationale Konzerne verlangen explizit kein Foto. Das Bewerbungsfoto sollte immer von einem professionellen Fotographen angefertigt werden.

    Ein Designer bewirbt sich genauso wie alle anderen auch. Es werden jedoch meistens eine Arbeitsmappe oder Arbeitsproben an die Bewerbung angehängt.

  4. Alex Boing sagt:

    Selbstlob über seine guten Noten sind auch angebracht, insbesondere wenn man überdurchschnittlich sein Studium abgeschlossen hat, jedoch z.B. in Promo, Webinfo und Rechnernetze eine 4.0 hat.

    In allen 3 Fällen ist eine 4.0 überdurchschnittlich – aber eine 4.0 wird meist als knapp bestanden bewertet.

    Solche ungereimtheiten kann man aber dann auch im Bewerbungespräch klären.

  5. FB sagt:

    @Alex Boing: In einer Bewerbung ist es sinnvoll zu erklären, warum man sich für die angebotene Stelle als geeignet einschätzt. Ich halte aber für unangebracht, in einer Bewerbung sich als am besten geeignet zu schildern. Nachfragen sind auch in Ordnung aber nicht Kritiken der Entscheidung.

  6. FB sagt:

    @Alex Boing: Mit der passenden Bezugsmenge dürfte bei Programmierung und Modellierung und Web-Informationssysteme der Durchschnitt nicht bei 4.0 liegen!

  7. Alex Boing sagt:

    @FB: ja natürlich, wenn ich meine Statistik anpasse und einfach alle Studenten die nicht bestanden haben nicht mitzähle dann erhalte ich immer einen besseren Schnitt als 4.0.

    Es ist trotzdem seltsam, wenn man in den allen Fächern Noten im Bereich 1,0-2,3 hat und dann in den „banalen“ Web-Technologien urplötzlich eine 4.0 hat. Soetwas fällt Personalern auf und muss dann besprochen werden, da nimmt man nicht die offizielle geschönte statistik her.

  8. FB sagt:

    @Alex Boing: Statistiken dürfen natürlich nicht angepasst werden. Bei uns zumindest werden sie es nicht. Und es werden auch nicht Aussagen ohne jegliche Grundlage in die Welt gesetzt – etwa über Durchschnitte von Klausurnoten. Die Vorlesung Web-Informationssysteme, die ich alte, stelle in der Tat eine Hürde für nicht wenige Studierende dar. Dafür gibt es Gründe, die ich immer wieder untersuche und u.a. mit Studierenden bespreche. Ich lege auch vieles dazu offen – u.a. in diesem Blog – wie z.B. im Artikel „Vorlesungen im Vergleich„. Und eines wiederhole ich an dieser Stelle: Ich werde nicht – wie ein paar Mal vorgeschlagen wurde – einfach das Niveau heruntersetzen, weil diese Vorlesung am Ende des Studiums stattfindet. Das wäre unethisch. Das wäre ein Betrug. Viele Studierende haben – u.a. in Kommentare in Artikeln dieses Blogs – klargestellt, dass sie den Inhalt weder dieser Vorlesung noch der Klausuren dazu unpassend fanden. Sie vertreten eine Meinung, die bei weitem nicht die einzige ist.

  9. Alex Boing sagt:

    Also werden Studenten die durchgefallen sind für die Berechnung der Durchschnittsnote berücksichtigt oder nicht?

    Wenn sie nicht berücksichtigt werden, wird ist die Durchschnittsnote besser.

  10. FB sagt:

    @Alex Boing: In jeder Statisitk, die meine Arbeitsgruppe ertstellt, werden Studenten, die an einer Klausur teilgenommen hasben und diese Klausur nicht bestanden, berückichtigt.

    Wir haben an unserem Institut ein Problem: Eine Software wird zur Anmeldung zu Klausuren verwendet, der als in einer Klausur durchgefallen betrachtet, die an der Klausur nicht teilgenommen haben. Diese Software erstellt Statistiken nach diesem Ansatz. Dieser Ansatz ist bedenklich, weil man sich sehr lange vor einer Klausur anmelden muss, weil die Klausuren bei uns mehr oder weniger beliebig oft wiederholt werden können. Viele Studierende melden sich vorsichtshalber für viel mehr Klausuren an als sie tatsächlich mitschreiben. So sind die Statistik dieses Anmeldesystem verzehrt.

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