Symptom: Rückenschmerzen, Diagnose: Wiederbesetzungssperre

In seinem Buch Blink zitiert Malcolm Gladwell den Sohn vom Investor George Soros wie folgt:

My father will sit down and give you theories to explain why he does this or that.  But I remember seeing it as a kid and thinking, At least half of this is bull.  I mean, you know the reason he changes his position on the market or whatever is because his back starts killing him.  He literally goes into a spasm, and it’s this early warning sign.“

Es gibt Situationen im Beruf, wo der Körper deutlich mitteilt, was der Kopf nicht auszudrücken vermag oder vielleicht sogar verdrängt. So wie George Soros teilen mir Rückenschmerzen, wenn in meiner Arbeit etwas nicht stimmt – leider ohne die selbe Wirkung auf mein Einkommen.

Derzeit werden meine Rückenschmerzen ganz offensichtlich durch ein Problem verursacht, dass „Wiederbesetzungssperre“ heißt. Um Kosten einzusparen, hat die Bayerische Regierung entschieden, dass wenn eine Stelle im öffentlichen Dienst wieder besetzt werden muss – weil der Stelleninhaber kündigt oder in Rente geht – die Stelle sechs Monaten unbesetzt bleiben muss.

Die Regelung wird in den kommenden zwölf Monaten die Arbeitsgruppe schwer treffen, die ich leite: Die Sekretärin geht in Rente und zwei Doktoranden (auf so genannten „Landesstellen“) sollen promoviert werden und, wie es sich gehört ihre Karriere woanders fortsetzen.

Damit wird die Arbeitsfähigkeit der Gruppe dermaßen eingeschränkt sein, dass ich seit einigen Wochen jeden Tag mit Rückenschmerzen aufwache nach Nächte, während denen ich allerlei Katastrophen am Arbeitsplatz in Alpträume erlebe.

Meinen Alpträumen nach zu urteilen belastet mich offenbar nicht das Kernproblem, die bald extrem eingeschränkte Arbeitsfähigkeit der Arbeitsgruppe, der ich vorstehe, sondern dass ich mit dem Problem alleine gelassen werde: Wenn möglich ist nämlich jeder gerne bereit zu helfen; es ist ihm aber leider nicht möglich. Ich bettle also weiter herum – und mein Rücken teilt mir täglich mit, dass das Betteln höchstwahrscheinlich hoffnungslos ist, dass das Allein-Gelassen-Werden mir schwer erträglich ist.

FB

Post Scriptum: Eigentlich wäre der Titel „Symptom: Rückenschmerzen, Diagnose: Gleichgültigkeit“ passender gewesen, merke ich nachträglich.

2 Responses to “Symptom: Rückenschmerzen, Diagnose: Wiederbesetzungssperre”

  1. Clemens Cap sagt:

    Lieber FB.

    Einen Lösungsvorschlag habe ich nicht wirklich, aber ich habe die letzten 18 Monate meiner Arbeitsgruppe in Deiner Beschreibung sehr gut wiedererkannt. Wir kommen in wenigen Tagen an das Ende dieser Durststrecke, was Dir natürlich ebensowenig hilft, wie die Adressen zweier Physiotherapeutinnen, die zwar sehr gut aber auch 1000 km weiter nördlich sind.

    Kann das Wissen helfen, mit dem Problem nicht allein zu sein? Bei den konkreten Problemen nicht – aber vielleicht steht man es mit mehr Humor durch…

    Gruß
    Clemens

  2. FB sagt:

    @Clemens Cap: Vielen Dank! Es hilft! 🙂

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