Die Suchmaschine Qwant

Eine neue Suchmaschine namens Qwant ist in ihrem Ursprungsland Frankreich Anlass zu heißen Debatten. Sie wurde als  vollwertige Suchmaschine nach ganz neuen Verfahren eingeführt. Tester stellten aber fest, dass ihre Suchergebnisse sich wenig von denen von Bing unterscheiden. Qwant wurde von einem Unternehmen entwickelt, dass bisher spezialisierte (oder vertikale) Suchmaschinen für die Wirtschaft entwickelt hat.

Qwant liefert Suchergebnisse in fünf Spalten: Web, Live, Knowledge Graph, Social und Shopping, die mehr oder weniger selbsterklärend sind. Live scheint Presseartikel neueres Datums zu bedeuten, Social, Ergebnisse aus sozialen Medien wie Twitter und Facebook. Den sozialen Graph konnte ich nicht prüfen. Sogar für Suche nach dem Namen „François Hollande“ eines nicht ganz unbekannten Menschen und nach dem Begriff „chien“ (zu Deutsch „Hund“)  lieferte Qwant keinen Knowledge Graph. Immerhin die Suche nach „erlebt“ lieferte diesen Blog.

Qwant wurde in Presseberichte als französische Alternative zu Google angekündigt. Die ehrgeizige Behauptung kam schlecht an. Sie regte dazu an, nach Mängel zu suchdeen, die bei einer jungen Suchmaschine wohl zu erwarten waren. So geriet Qewant in die Defensive, wie der Blog-Post „Qwant?“ von Qwant selbst zeigt.

Ist überhaupt eine Suchmaschine möglich, die Google übertreffen würde? Im Prinzip spricht nichts dagegen. Allerdings wäre vielerlei nötig. Erstens ein neues Prinzip, das PageRank deutlich überlegen wäre. Seit Jahren haben Wissenschaftler unter – anderem eifrige Doktoranden –nach einem solchen Prinzip gesucht … und ihn nicht gefunden. Es wäre also eine ganz große Überraschung, wenn aus einem kleinen Unternehmen ohne Forschungsabteilung so etwas auftauchen würde. Zweitens wäre sehr viel Software-Entwicklung in Bereich der Sprach- und Bild-Verarbeitung nötig. Die besten Software-Entwickler würden auf diesem Gebiet die langjährige Erfahrung und die Programmierkraft von Google wohl kaum übertreffen können. Drittens wäre viel Zeit nötig, um Web, soziale Medien, Bildbestände, usw. ausreichend zu indizieren. Viertens wäre ein ausgeklugtes Geschäftsmodell nötig. Auch da ist Google schwer zu schlagen. Letztlich müsste die neue Suchmaschine unter genug Nutzer bekannt und beliebt werden.

Zum Geschäftsmodell von Qwant konnte ich nichts finden. Vermutlich liegt es in der Suchergebnis-Spalte Shopping von Qwant. In dem Fall wäre diese Spalte wohl ziemlich wertlos.

Meine Vermutung ist, dass spätestens in einem Jahr Qwant vergessen sein wird.

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5 Responses to “Die Suchmaschine Qwant”

  1. Oliver Baumann sagt:

    Fünftens wäre dringend eine Suchmaschine erforderlich, die die Mächtigkeit von Google mit der Idee des „Privacy by design“ verbindet. DuckDuckGo (http://duckduckgo.com/) bietet bereits eine Alternative, die jedoch noch nicht ganz die Qualität der Suchergebnisse von Google erreicht hat. Muss eine Suchmaschine die Anfragen ihrer Nutzer verfolgen, um effizient arbeiten zu können?

    Sechstens muss gewährleistet sein, dass die Suchergebnisse deterministisch geliefert werden; eine Suchmaschine sollte in jedem Land der Welt die selben Ergebnisse liefern.

    Ihre Vermutung, Herr Bry, mag sich bestätigen, allerdings sah sich DDG 2008 wohl mit ähnlichen Unkenrufen konfrontiert.
    Time will tell.

  2. dasuxullebt sagt:

    @Oliver Baumann: DDG hat aber wenigstens ein klares Modell, und verlinkt – wenn es mal nicht weiterkommt – auf Google und Bing. Und ich habe mal ein interview gelesen, dass sie sich auch nicht direkt als Konkurrenz zu Google sehen wollen. Ich denke, DDG hat seine Nische gefunden.

    Ansonsten frage ich mich momentan, warum sich noch keine verteilte kooperative Suchmaschine durchgesetzt hat. Ich bin mir recht sicher, dass man manch ein Unternehmen dazu überreden könnte, einen Crawler mit Indizierung auf ihrem Server laufen zu lassen, wenn sie dafür Indices ihrer eigenen Seiten einpflegen könnten.

  3. Qwant.com

    Qwant.com ist eine Mischung aus Suchmaschine und sozialem Netzwerk oder Newsaggregator. Anders als bei den klassischen Suchmaschinen filtert Qwant die Suchergebnisse in fünf Kategorien vor und gliedert diese in Spalten. Dieser Ansatz ist nicht neu…

  4. Andi sagt:

    Auch als Google an den Start ging gab es schon Suchtechnologien welche als nicht angreifbar gesehen wurden (Altavista, Yahoo..). Von vornherein als chancenlos zu bezeichnen ist kurzsichtig. Der Schreiber hat anscheinend den Wandel damals nicht live so wahr genommen. Wer den Suchschlitz von Google seinerzeit sah, dachte nicht, dass dies eine Erfolgsstory wird. Zudem die Gründer den Algorithmus nicht komplett selbst ersonnen haben. Die Entwicklung von Google war begünstigt von Zeitpunkt, Finanzierung, Ort sowie Partner. Der Suchmaschinenkonzern wäre nie soweit gekommen ohne einflussreiche Hinterleute. Die SERP’s von Qwant sind ernst zu nehmen. Das wenig SPAM drinnen ist mag an der Relevanz von Qwant liegen. Es wäre sinnvoll auf europäischer Forschung und Ebene agiler zu sein wenn man die Internethoheit nicht 5 US Konzernen überlassen will. Schon allein das vorinstallieren von Suchfunktionen könnte Wunder bewirken. Aber hier wäre wohl Google deutlich im Vorteil überzeugendere Argumente zu finden bei den wichtigen Entscheider, die halt dann einen persönlichen Vorteil haben.

  5. Blinkfeuer sagt:

    Wissenschaftlers Grübeleien. 2017 ist 2013 + ? sind doch Jahre.

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