Klausuren werden nicht durch blosses „trial and error“ bestanden

Zur Teilnahme an Klausuren verlangen wir eine Platzreservierung und die Frist dafür endet drei Wochen vor der Klausur. Dafür gibt es einen einfache, einen Grund: Weiss man nicht im Voraus, wie viel Studierende an einer Klausur teilnehmen, so kann man sie wohl kaum veranstalten.

Die Fachschaft, die die Studierende vertritt, hat neulich die Meinung geäußert, dass „es wohl viele (auch sehr gute) Studierende gibt, die nicht schon vier Wochen vor der Klausur entscheiden können ob Sie teilnehmen werden.“ Es geht nicht um vier sondern drei Wochen aber diese Richtigstellung dürfte die Meinung der Studierenden und er Fachschaft nicht verändern.

Was soll man von der obigen Meinung halten? Offen zugestanden: Nicht viel.

Erstens gibt es praktische Gründe, warum die Teilnehmer einer Klausur mehr als ein paar Tage vor der Klausur bekannt sein müssen. Diese Gründe liegen vor allem in der Zeit, die für die praktische Organisation von Klausuren (u.a. die Platzzuweisung) nötig ist. Wir, Lehrende, können diese Zeit nicht verringern so sehr wir es uns immer wieder wünschen! Übrigens: Die Räume für Klausuren müssen ungefähr sechs Monate im Voraus beantragt werden. Würde sich ein Klausurraum als zu klein erweisen, weil die Zahl der Klausurteilnehmer schlecht geschätzt worden wäre, so wären drei Wochen eine schon ziemlich knappe Zeit, um einen Ersatzraum zu beantragen, ihn zu bekommen und die Platzzuweisung im Ersatzraum rechtzeitig vorzunehmen.

Ein weiterer Gesichtspunkt ist, dass nicht wenige weitere Fächer unserer Universität viel längere Fristen verlangen. In der Psychologie müssen sich Studierende  drei Monate im Voraus zu Prüfungen anmelden. Dabei ist in diesem Fach der Zeitraum für die Anmeldung deutlich kürzer als bei uns in der Informatik.

Letztlich ist es meiner Meinung nach nicht unzumutbar von Studierenden zu verlangen, dass sie mehrere Wochen im Voraus wissen, welche Prüfungen sie antreten wollen. Das ist sogar wünschenswert, weil es dazu hilft, sich Lernziele zu geben und einzuhalten. Lernen verlangt Disziplin und Ausdauer. Klausuren werden nicht durch blosses „trial and error“ bestanden. Wer drei bis vier Wochen vor einer Klausur noch nicht weisst, ob er daran teilnehmen will, ist gut beraten, daran nicht teilzunehmen.

Eine Teilnahme an einer Klausur für jemanden, der zu spät merkt, dass er unzureichend vorbereitet, hat keine Folgen auf die Noten: Ein Studierender kann er immer die Entwertung seines Klausurheftes (auf diesem Heft) beantragen. Das Einzige, was für den Studierende daran unangenehm ist, ist dass man für die Entwertung dorthin gehen muss, wo die Klausur stattfindet. Diese Unannehmlichkeit ist sicherlich nicht größer als die, die zusätzliche Arbeit der Klausurveranstalter, die eine schlecht überlegte Klausurteilnahme verursacht.

FB

6 Responses to “Klausuren werden nicht durch blosses „trial and error“ bestanden”

  1. lars sagt:

    Sie vergessen einen Aspekt: Manchen Studierenden ist es aus verschiedensten Gründen erst kurzfristig möglich , sich für eine Klausur anzumelden, da sie erst sehr kurzfristig wissen ob sie mitschreiben können bzw werden. Alternativ melden sich diese Studenten im Zweifelsfall für eine Klausur an und erscheinen dann uU nicht – was meist nicht im Sinne der Anmeldung ist falls nur mit geringem Puffer Räume belegt werden.
    Konkrete Beispiele will ich dazu so offen nicht äußern.

    Desweiteren ist der Verweis auf andere Fächer kein sinnvolles Argument, da auch hundert mal etwas falsches noch nichts wahres ergibt.
    Analog könnte ich als Gegenbeispiel die Physik erwähnen, wo es so gut wie keine Anmeldungen für Klausuren gibt. (Dort wird die Zahl der Teilnehmender meist anhand der Anmeldungen zu den Übungen abgeschätzt + vermutlich Erfahrungswerte)

    Das Argument der Raumproblematik ist hingegen sehr überzeugend. Ein Mittel den Raumbelegungsproblemen zu entgehen wäre den Prüfungszeitraum von den derzeit meist üblichen 2 Wochen auszuweiten, da es dann problemlos möglich sein sollte, ausreichend viele Hörsäale belegen zu können. Für mich ideal wäre eine Streckung auf etwa 4 bis 6 Wochen.

    Ein Vorhaben das ich auch lerntechnisch für sinnvoll halte.
    Dummerweise scheitert dies vermutlich an vielen Studenten was ich sehr bedaure.

  2. FB sagt:

    @lars: Ich verstehe das Argument nicht: Von den Studierenden zu verlangen, dass 3 bis 4 Wochen im Voraus an einer Klausur teilnehmen ist aus meiner Sicht völlig zumutbar – und sogar gut fürs Lernen. Wir haben in der Informatik sehr viele, viel zu viele, Studierenden, die völlig unvorbereitet an Klausuren teilnehmen oder in der letzten Minuten teilnehmen oder nicht mehr teilnehmen möchten. Dagegen müssen wir aus sowohl praktischen wie pädagogischen Gründen wirken. Ich gebe Ihnen recht, dass der Vergleich mit anderen Fächer nicht viel bedeutet.

    Das Argument der Raumproblematik ist hingegen sehr überzeugend. Ein Mittel den Raumbelegungsproblemen zu entgehen wäre den Prüfungszeitraum von den derzeit meist üblichen 2 Wochen auszuweiten, da es dann problemlos möglich sein sollte, ausreichend viele Hörsäale belegen zu können. Für mich ideal wäre eine Streckung auf etwa 4 bis 6 Wochen.“ Dafür bin ich und dass habe ich bereits meinen Kollegen vorgeschlagen. Es würde übrigens das Raumproblem nicht wesentlich entschärfen. Während der ganzen Vorlesungsfreien Zeit mangelt es an unserer Universität an Räumen für Klausuren. In der Verwaltung wird deswegen immer wieder vorgeschlagen, dass so viel Klausuren wie möglich in den Hörsälen während der letzten zwei oder drei Wochen der Vorlesungszeit stattfinden, was natürlich unmöglich ist.

  3. lars sagt:

    Wieso würde eine Streckung nichts an der Raumproblematik ändern ? Sind die Hörsäale tatsächlich auch nach den Klausuren und vor den Nachklausuren in Nutzung ?
    Letztes Jahr (ich glaube zumindest dass es jetzt ein Jahr her ist) waren Umbauarbeiten in vielen Hörsäalen. Aber jetzt sollten die doch die meiste Zeit leerstehen.

    Wir haben in der Informatik sehr viele, viel zu viele, Studierenden, die völlig unvorbereitet an Klausuren teilnehmen oder in der letzten Minuten teilnehmen oder nicht mehr teilnehmen möchten. Dagegen müssen wir aus sowohl praktischen wie pädagogischen Gründen wirken.

    Da stimme ich ihnen zu. Allerdings ist mir nicht ganz klar, wie das zB Leuten mit Prüfungsängsten helfen soll und die sowieso noch nie mehr als eine Woche für etwas gelernt haben. Diese Leute lernen wenige Tage, und entscheiden dann je nach Tagesverfassung ob sie an einer Klausur teilnehmen oder nicht.
    Man kann natürlich argumentieren dass dies immer nur Einzelfälle sind – ich wage dies allerdings zu bezweifeln.

    Desweiteren verschieben sich doch einmal relativ kurzfristig Klausurtermine und ermöglichen dadurch das Mitschreiben einer Anderen. Dies ist zugegeben eher selten, aber geschieht doch immer wieder mal.

    Pädagogisch sinnvoll wäre es mMn in manchen, umfangreicheren Fächern mehrere Prüfungen im Semester abzuhalten sowie am besten noch Kurzprüfungen alle 2 Wochen.
    Ich halte das übliche Modell, eine Prüfung am Ende eines Semesters abzuhalten für verbesserungsfähig.

    Ein praktisches Beispiel wäre die Mathematik für Physiker Vorlesung (MfP) von Herrn Dr. Zenk.
    Bei ihm schreibt man übers Semester verteilt 4 Miniklausuren (diese machen Notenmäßig nur vernachlässigbar was aus, Bearbeitungszeit 10 min, 1 Aufgabe) + 2 Klausuren.
    Vorteil: ständiger Anreiz aktuellen Stoff zu lernen, etwa Halbierung des Stoffs pro Klausur (und damit etwas weniger stressig), regelmäßige Rückmeldung über eigenen Stand

    Nachteil: Aufwand

    Dazu sollte jeder Student am besten 1-2 mal im Semester im Tutorium eine Aufgabe lösen und erklären können. Zudem halte ich mittlerweile relativ viel davon, von Studenten einen gewissen Aufgabenzwang bei den Übungsblättern einzufordern.
    In MfP muss man beispielsweise mind. 35% der möglichen Übungsblattpunkte in Zweierteams erarbeiten.
    In anderen Fächern werden hingegen (wie sie sicher wissen) gerne Bonuspunkte als Anreiz verwendet.

    Ums zusammenzufassen: Häufigere Prüfungen, gewisser Zwang Übungsblätter zu bearbeiten, Prüfungszeitraum strecken (am besten sollte immer etwa eine Woche bis zur nächsten Prüfung Abstand sein).
    Ob dies allgemein sinnvoll ist, stelle ich hier gerne zur Diskussion. Letztendlich müssen sich sämtliche Überlegungen an der Umsetzbarkeit messen lassen und dort vermute ich die größten Probleme.

    Ich verstehe das Argument nicht: Von den Studierenden zu verlangen, dass 3 bis 4 Wochen im Voraus an einer Klausur teilnehmen ist aus meiner Sicht völlig zumutbar – und sogar gut fürs Lernen.

    Es ist auch zumutbar. Mein Argument macht auch nur dann Sinn, wenn mit der Anmeldung auch eine relativ verbindliche Verpflichtung besteht, an entsprechender Klausur teilzunehmen. (Davon bin ich jetzt mal ausgegangen, da es mir am sinnvollsten erschien.)
    Damit wäre eben die Möglichkeit genommen, kurzfristig noch an einer Klausur teilzunehmen. Zudem: aus Studentensicht ist größtmögliche Freiheit instinktiv erstmal die erste Forderung 😉

    Eine Kompromisslösung wäre es, die allgemeine Anmeldung zu einer gewissen Frist zu schließen und dann nur noch Einzelfälle nach Absprache mitschreiben zu lassen. Allerdings wird damit nur wieder ein neues Fass aufgemacht…

  4. FB sagt:

    @lars: Während der vorlesungsfreien Zeit werden seit längerer Zeit sämtliche Hörsäle renoviert und viele Fächer haben ganz andere Klausurzeiten. Derzeit und vermutlich für mehrere Semester noch wird es an der LMU mit Klausuren schwierig sein. Haben das ist kein Argument, die Informatik-Klausuren besser zu verteilen. Kurzprüfungen alle zwei Wochen sind ein interessantes Modell unter zwei Bedingungen: Die Ergebnisse dieser Prufngen fließen nicht in die Note und genug Studierenden machen mit. Die wöchentliche Übungsaufgaben, die zu Hause zu lösen oder zumindest vorzubereiten sind. Leider arbeiten zu viele zu wenig daran wenn überhaupt. Streng genommen sind Bonuspunkte nicht erlaubt. Ich habe ein Problem damit, wenn Bonuspunkte in ECTS umgewandelt werden, weil die Bonuspunkte nicht unter Prüfungsbedingungen erworben werden und ECTS die Zeugnisnote bestimmen.

    aus Studentensicht ist größtmögliche Freiheit instinktiv erstmal die erste Forderung„: So ist es. Und es schafft für die Lehrende ernsthafte Probleme – daher mein Artikel. Sonderfälle in begründeten Ernstfälle ht es immer gegeben und wird es immer geben. „Ernstfall“ darf aber nicht ins unendliche ausgedehnt werden.

  5. Enrico Caruso sagt:

    Noch ein Kommentar zum Thema „größtmögliche Freiheit“ bzw. unnötige Einschränkung derselben:

    Bei vielen Lehrstühlen darf nun wg. dem „Raummangel-Argument“ kein Student mehr eine Klausur mitschreiben, für die er nicht angemeldet ist: Er hätte ja dann schließlich nicht den Nachteil, auch kommen zu müssen.
    Dass er dafür auch nicht den Vorteil hat, garantiert einen Platz zu bekommen (wir erinnern uns an das ursprüngliche Argument), ist anscheinend nicht wichtig.

    Wenn man schon ein Zwangssystem einführt, soll es doch bitte auch in jedem Fall Zwang ausüben können! — Vielleicht verstehe ich auch nur den Fairnessgedanken dahinter nicht..?

  6. FB sagt:

    @Enrico Caruso: Jeder und jeder, die oder der sich zu einer Klausur anmeldet bekommt einen Platz. Es war immer so und wir werden uns selbstverständlich dafür einsetzen, dass es so bleibt. Es gibt überhaupt keinen (vernünftigen) Grund, daran zu zweifeln. Von „Zwangssystem“ zu sprechen ist völlig unangebracht. Denken Sie ein bisschen mehr nach!

Leave a Reply