Wie viel Betreuung verdient eine Bachelor-Arbeit?

Eine gute Bachelor-Arbeit kommt auch für die besten Studenten selten ohne gute und zeitaufwendige Betreuung zustande. Oft „kostet“ die Betreuung der Bachelor-Arbeiten von guten Studenten viel Zeit, weil solche Studenten Ideen haben, die besprochen und verfeinert werden müssen, damit daraus etwas wird. Dagegen ist nichts einzuwenden  im Gegenteil: Die Betreuung von engagierten und kreativen Studenten für ihre Bachelor-Arbeiten stellt eine der schönsten Seite des Berufes dar. So ist üblich in meiner Arbeitsgruppe, dass Mitarbeiter und(/oder Professor für die Betreuung einer Bachelor-Arbeit 2 Stunden pro Woche verbringen. Über eine Dauer von zehn Wochen und ein Gewicht von 12 ECTS kommt es zu 20 Betreuungsstunden oder deutlich mehr, wenn der Student seine Bachelor-Arbeit teilzeitig anfertigt. 

Das Betreuungssoll für eine Bachelor-Arbeit beträgt aber laut „Verordnung über die Lehrverpflichtung des wissenschaftlichen und künstlerischen Personals an Universitäten, Kunsthochschulen und Fachhochschulen (Lehrverpflichtungsverordnung – LUFV)“ … nur 5,2 akademische Stunden, das heißt, knappe 4 Stunden à 60 Minuten.

Die Diskrepanz zwischen den eigentlichen Betreuungsbedarf und die vom Ministerium vorgesehene Betreuungszeit stellt eine enorme Belastung für das Lehrpersonal dar, weil mit dem vorgesehenen Betreuungssoll  sich keine Qualitätslehre erzielen lässt. Diese Diskrepanz dürfte jeden Bildungspolitiker aufmerksam machen, jeden Bürger Sorge bereiten.

FB

3 Responses to “Wie viel Betreuung verdient eine Bachelor-Arbeit?”

  1. Oliver Baumann sagt:

    Hallo Herr Bry,
    bei einer solchen Kluft zwischen Ist und Soll hielt ich es für angebracht, Ihrem Verweis auf die LUFV zu folgen. Leider konnte ich nicht nachvollziehen, wie Sie auf die Summe von 5.2 akademischen Stunden kommen.

    Würden Sie das bitte elaborieren?

    mfG
    Oliver Baumann

  2. FB sagt:

    @Oliver Baumann: Die Zahl wurde von unserem Lehrstuhl-Experte in Sachen Lehrdeputatsberechnung wie folgt ermittelt:

    Deputatsstunden = Anrechnungsfaktor * Semesterwochenstunden

    Für eine Bachelorarbeit:
    Anrechnungsfaktor = 0,2 (laut Verordnung)
    Semesterwochenstunden = 2 (das ist unsere Praxis)
    Deputatsstunden = 0,4

    Eine Deputatsstunde bezieht sich auf eine Woche der Vorlesungszeit. Bei 13 Vorlesungswochen entspricht das für eine Bachelorarbeit einer anrechenbaren Betreuungszeit von insgesamt 13 * 0,4 = 5,2 (akademischen) Stunden, also 5,2 * 45 mn = 3,9 (echte) Stunden.

    Bemerkungen zu den Zahlen:

    1. Der Anrechnungsfaktor für eine Bachelorarbeit ist:
    in Naturwissenschaften 0,2
    in Ingeneieurwissenschaften 0,15
    Man kann darüber streiten, wie die Informatik klassifiziert ist.

    2. Was die Anzahl der Semesterwochenstunden ist (womit also der Anrechnungsfaktor multipliziert werden soll), ist unklar. Es geht ja hier (im Gegensatz zum Vorlesungsverzeichnis) nicht um die Arbeitszeit der Studenten, sondern um die durchschnittliche Betreuungszeit pro Woche.

  3. Sebastian Löhmann sagt:

    Ich kann den nötigen Aufwand für gute Ergebnisse in der BA nur bestätigen. Hier bei der Medieninformatik sind wöchentliche Treffen über den gesamten Zeitraum die Regel. Aufgrund des hohen Aufwands versucht man daher auch, beim Thema und der Lösung (technisch und theroretisch) Relevanz für die eigene Forschung einzustreuen. Dadurch kommen dem Betreuer positive Ergebnisse selbst zu gute, womit sich der Höhe Aufwand schon wieder lohnt.

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