Das Informatik-Studium ist nicht für jede, nicht für jeden

Der gesellschaftliche Auftrag, den Dozenten haben ist klar: Studenten ist kurzer Zeit mit Erfolg durch das Studium zu führen. Von diesem Auftrag sind alle, die um mich herum in der Informatik-Lehre arbeiten, sehr bewusst. Sie sind aber auch dessen bewusst, dass er nicht so zu erfüllen ist.

Der Grund ist, dass ein Informatik-Studium nicht für jede, nicht für jeden ist. Das liegt zum Teil an den Vorkenntnissen, die dafür nötig sind. Die Vorkenntnisse sind aber bei der großen Mehrheit der Studenten vorhanden. Diejenigen, die das Gymnasium in Deutschland absolviert haben, sind auf ein Informatik-Studium gut vorbereitet. Diejenigen, die dem Ausland kommen, verfügen entweder über ähnlich gute Vorkenntnisse wie ihre Kommilitonen aus Deutschland oder gleichen eine ungünstige Ausgangslage durch eine deutlich größere Motivation.

Motivation. Das Wort muss irgend wann fallen, wenn es um den Erfolg im Studium geht. Der Hauptgrund, warum manche ein Informatik-Studium nicht schaffen liegt, dessen bin ich überzeugt, an mangelnder Motivation. Die Studienzeit ist eine schöne Zeit der selbständigen Entdeckung von Gesellschaft und Welt. Sie ist auch eine anstrengende Zeit, die immer wieder verlangt, die Ziele im Auge zu behalten und dafür sich anzustrengen.

Ohne Anstrengung gelingt – auch für die Begabtesten – kein Informatik-Studium. Wer in Mathe ganz gut ist, muss dazu das Programmieren lernen. Wer ins Studium mit Programmier-Kenntnisse kommt, entdeckt schnell, dass er nur einen Bruchteil – wie wertvoll auch – kennt. Und jeder Informatik-Student wird mit überraschenden Techniken und Ideen konfrontiert, die auch nachdem er sie gelernt hat, befremdlich erscheinen. So ist halt das Fach, dass alle paar Jahre die Gesellschaft umkrempelt.

Wer sich damit abfindet und das Studium als Einladung zum Lesen, Nachdenken und zusätzlich zum Studienangebot lernt und übt, wird ein schönes Berufsleben haben – ohne nervende Stellensuche – und gut verdienen: Ein junger Informatiker mit Erfahrung in der Web-Programmierung und in der Datenanalyse erzählte mir neulich von den interessanten Stellenangeboten, die ihm gemacht wurden – bei jährlichen Gehälter von deutlich über 100.000 €.

FB

4 Responses to “Das Informatik-Studium ist nicht für jede, nicht für jeden”

  1. Leo sagt:

    Hallo

    > wird ein schönes Berufsleben haben –
    > ohne nervende Stellensuche – und gut verdienen:

    Das kann ich nach 7 Jahren Arbeitsleben bestätigen. Sowohl von mir, als auch von (fast allen) meinen ehemaligen Studienkollegen.

    > bei jährlichen Gehälter von deutlich über 100.000 €.
    Hier sollte man besser differenzieren. Deutlich über 100.00 € verdient man nur als Freiberufler. Z.B. 80.-€ Stunde (Ist mit „Erfahrung in der Web-Programmierung und in der Datenanalyse “ realistisch), dann bekommt man bei 8 Stunden am Tag und knapp 200 Arbeitstagen im Jahr 128.000€.

    Als Angestellter könnte man mit „Erfahrung in der Web-Programmierung und in der Datenanalyse“ bei 45.000€ – 50.000€ liegen (in München). Das ist gut vergleichbar mit den 80.-€/Stunde von oben als Freiberufler.

    Ohne die „Erfahrung in der Web-Programmierung und in der Datenanalyse“ dürfte man als Angestellter bei 40.000 – 45.000 liegen. Ob man dann auch vergleichbares 60.- – 70.- €/Stunde als Freiberufler bekommt, weiß ich nicht. Insbesondere die 8Stunden/Tag und 200Tage/Jahr dürften für „Neulinge“ schwer werden.

    Leo

  2. Hattori Hanzo sagt:

    „Die Studienzeit ist eine schöne Zeit der selbständigen Entdeckung von Gesellschaft und Welt. Sie ist auch eine anstrengende Zeit, die immer wieder verlangt, die Ziele im Auge zu behalten und dafür sich anzustrengen.“

    Welch romantische Ansicht. Für viele Studenten trifft das auch sicher zu. Ich kenne aber auch eine ganze Menge anderer Fälle, in denen das Familiengericht entdeckt werden wollte oder nach einigen Semestern die Doppelbelastung aus Studium und Erwerbstätigkeit einfach zu viel wurde.

    Sicherlich ist das nicht der Hauptgrund für Studienabbrüche und schlechte Leistungen, aber den Teil der Studierenden, die das ohne finanzielles Netz, auf Pump und mit wirtschaftlichem Druck im Nacken machen sollte man nicht einfach vergessen.

  3. FB sagt:

    @Hattori Hanzo: Romantisch? Ist das ein Witz? Wer als Student die Studienzeit anders erlebt, verpasst viel! Gab es oft in der Vergangenheit Zeiten, wo so viele Menschen das Studienzeit so erleben konnten? Überhaupt nicht! Denken Sie an die Generationen vor uns, die von Kriegen, Krisen, Diktaturen, größere Armut, und Hochschulen für wenigen geplagt waren. Wer die Studienzeit anders erlebt las ich sie schildere, sollte überlegen, was er oder sie falsch tut!

    Erfahrungen mit Familiengerichte, Doppelbelastung, Geldnot, Scheitern bei Prüfungen, usw. mögen für viele zur Studienzeit gehören. Sie hindern aber keineswegs daran, diese Zeit als Zeit der Entdeckung von Gesellschaft und Welt. Im Gegenteil: Das Leben ist eben für die meisten Menschen gar mnicht einfach – und jedoch für viele sehr schön.

    So habe ich meine eigene Studienzeit erlebt, wenn auch sie eine sehr schwierige Zeit war. Und so wünsche ich, dass meine Studenten ihre Studienzeit erleben – auch wenn sie große Schwierigkeiten erleben.

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