Wo fängt ein Selbstplagiat an?

Ein meiner ehemaligen Studenten, der für die Promotion an einer anderen Universität gezogen ist, schreibt an seiner Dissertation. Eine Sorge plagt ihn: „Fast alles, worüber meine Diss berichten soll, ist in Artikel bereits veröffentlicht worden. Ich fürchte mir vor der Kritik, meine Diss könnte als Slebstplagiat angesehen werden.“ So werden Arbeiten genannt, die nichts Neues enthalten, sondern Aufgewärmten auftischen.

In der Wissenschaft ist nichts gegen Veröffentlichungen einzuwenden, die frühere Ergebnisse erneut darstellen und darauf aufbauend Neues liefern – es sei denn, die Bedeutung des Neueren sei so gering, dass es als Vorwand angesehen wird, das Ältere in einer weiteren Veröffentlichung wieder zu veröffentlichen.

Ob eine Veröffentlichung ein Selbstplagiat ist, ist folglich nicht immer ganz einfach zu urteilen. Eine gewisse Wiederholung ist in einigen Fällen sinnvoll und wünschenswert: Um einer weiteren Fachgemeinschaft Ergebnisse aus einem anderen Bereich bekannt zu machen, um eine Arbeit zu verbessern.

Und auch, meine ich, um einzelne Ergebnisse in einer Dissertation oder in einem Buch zusammen zu behandeln, inhaltlich zu bündeln und ausführlicher zu beschreiben und erläutern. Eine Dissertation kann sehr wohl aus Kapitel bestehen, die jedes sehr nahe an früheren Veröffentlichungen sind. Sie soll aber die Bezüge zwischen diesen Veröffentlichungen erläutern und, wo es sinnvoll ist, ausführlicher beschreiben und erläutern. So werden meiner Meinung nach heutzutage die besten Informatik-Dissertationen verfasst. Wird eine Dissertation so verfasst, so ist sie meiner Meinung nach nicht als Selbstplagiat anzusehen.

FB

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