Akademische Schwarzarbeit

Öffentliche Forschungs- und Bildungseinrichtungen können Ausnahmen des Arbeitsrechtes ausnützen. Dies tun sie aber nicht immer ganz korrekt. Die Folge ist, dass die Frage sich oft stellt, ob Schwarzarbeit an Forschungs- und Bildungseinrichtungen gedeiht.

Die Frankfurter Allgemeine Zeitung berichtete gestern im Artikel „Schwarzarbeit in der Max-Planck-Gesellschaft?“ über Doktoranden, die mit Promotionsstipendien genauso arbeiten müssen wie mit Promotionsstellen. Promotionsstipendien sind billiger, weil mit ihnen keine soziale Leistungen wie Rente zu zahlen sind. Im Gegenteil zu Promotionsstellen lassen sie aber eine  weisungsgebundene Arbeit nicht zu.

Es gibt weitere ähnliche Fälle überall an Hochschulen und in Forschungseinrichtungen. Promotions- und Habilitationsstellen sind deswegen meist zeitlich begrenzt, weil sie so genannte Qualitfikationsstellen sind: Als Gegenleistung dafür, dass der Arbeitnehmer sich weiter qualifizieren kann, darf die Einstellung zeitlich begrenzt werden. Dies ist für die Hochschulen und Forschungseinrichtungen nicht nur günstig, sondern auch notwendig. Dauerhaft eingestellte Wissenschaftler könnten nach einiger Zeit nicht länger aktiv wissenschaftlich tätig werden. Sie würden auch Stellen dauerhaft besetzen, die für Doktoranden gedacht sind. Ist aber die Möglichkeit zur Qualifikation nicht gegeben oder nur eingeschränkt gegeben, dann liegt ein Missbrauch des Arbeitsrechtes – also Schwarzarbeit – vor.

Vor allem unabdingbare Verwaltungsaufgaben drohen oft die Möglichkeit von Doktoranden und Habilitanden zu promovieren. Wenn etwa der Erhalt von passenden Räumen zur Veranstaltung einer Klausur eine schwierige und langwierige Verhandlungen verlangt, dann leidet die wissenschaftliche Arbeit. Eine ineffektive Verwaltung führt in der Tat oft dazu, dass in der Tat Qualifikationsstellen nur eingeschränkt als solche anzusehen sind. Darüber wird kaum gesprochen, dagegen wird selten gehandelt, weil kein Wissenschaftler weiss, was getan werden könnte. Und in der Verwaltung ist der Sinn für solche Probleme meist wenig ausgeprägt.

Weitere oft problematische Arbeitsverträge sind die an Hochschulen verbreiteten Werkverträge. Sie setzen die Ausübung der Tätigkeit außerhalb der Hochschule und eine weisungsfreie Arbeit voraus. Allzu oft arbeiten Studenten mit Werkverträge in der Verwaltung und Lehre in Hochschulräume und zudem weisungsgebunden. Dies wird geduldet, weil man nicht weiss, sich besser zu helfen.

Schön sind also manche Arbeitsverhältnisse nicht. Besonders problematisch ist, meine ich, dass auch durch ihre Arbeitsrechtspraxis Hochschulen und Forschungseinrichtungen lehren – mit dem Arbeitsrecht kreativ statt ethisch umzugehen und darüber zu schweigen. Niemand darf glauben, dass eine solche Lehre ohne Folgen bleibt.

FB

One Response to “Akademische Schwarzarbeit”

  1. Danke für den wichtigen Beitrag. Es handelt sich hier m.E. um eine der größten Belastungen beim wissenschaftlichen Arbeiten; insbesondere führt der allgemein erwartete — und durch die Arbeitssituation oft wirklich notwendige — Verzicht auf die eigentlich rechtlich garantierten Sicherheiten zu einer zusätzlichen Abhängigkeit der Nachwuchswissenschaftler.

    Im Umfeld der Studienbeiträge hat sich dieses Problem in einer besonders absurden Form gezeigt: Da die Studienbeiträge für die Verbesserung der Studienbedingungen eingesetzt werden sollen, müßten die aus ihnen bezahlten Stellen eigentlich ganz für die Lehre zur Verfügung stehen. Weil aber der Wegfall der Studienbeiträge jederzeit droht, können die Stellen nur befristet eingerichtet werden; der drohende Wegfall der Mittel ist aber kein legaler Befristungsgrund. Also werden stattdessen begründet befristete Qualifikationsstellen geschaffen.

    Wer auf einer solchen Stelle sitzt, steht dann regelmäßig unter Druck, für eine Qualifikationsstelle unerträglich hohe Lehrdeputate und weitere Betreuungsaufgaben zu akzeptieren. Tut er es nicht, sind die Studienbeiträge in der Tat falsch ausgegeben, und die Studierenden leiden sichtbar. Tut er es, wird er mit dem Ende seines Vertrags für die mangelnde Qualifikation bestraft: Er kann nicht direkt weiter beschäftigt werden, und durch die die 12-Jahres-Regelung kommt er häufig auch für weitere Stellen an der Universität dann nicht mehr in Frage.

    Die Tendenz gib es bei fast allen Qualifikationsstellen; bei denen aus Studienbeiträgen aber sind sie eine notwendige Folge des Systems.

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