Wie wird das Internet in Zukunft aussehen?

Anlässlich des 20. Geburtstages des Internets, bitte ich Sie um ein Interview zum Thema ‚Wie sieht das Internet in 20 Jahren aus?‘“ So die Frage, die mir neulich eine Journalistin gestellt hat. Ich erklärte mich zum Interview bereit und überlegte kurz, was ich dazu sagen könnte.  Im Folgenden meine Notizen dazu:

Das Internet ist 35 oder sogar 36, nicht 20, Jahre alt! Die TCP-Protokolle sind eben 1973 von Vinton Cerf und Robert Kahn konzipiert und in Dezember 1974 im Bericht RFC 675 mit dem Titel „SPECIFICATION OF INTERNET TRANSMISSION CONTROL PROGRAM“ von Vinton Cerf, Yogen Dalal und Carl Sunshine veröffentlicht worden. Im Bericht RFC 675 wurde der Namen Internet erstmal verwendet.

Prognosen der Art sind sehr schwierig! Vorsicht ist geboten! In der Vergangegenheit lagen die meisten Informatiker bei solchen Prognosen sehr falsch. Die Bedeutung des Internet, der E-Mail, von Unix, von Linux, von der Maus-Window-Oberfläche und von dem Web sind von den meisten Infornatikern falsch eingeschätzt worden. Das Wesentliche wird uns alle überraschen. Internet ist aber wichtig, weil in Zukunft werden die Computer zweifelsohne vernetzt bleiben.

Wie das Internet in 20 Jahren aussehen mag? Ich weiss es nicht. Die Zeitspanne ist zu groß. Eines steht fest: Was wir noch erfahren werden, wird alles übertreffen, was wir bisher kennen. Und auf alle Fälle wird das Folgende früher oder später stattfinden:

  • Das Internet in Gebäuden, Wohnungen und üge und Flugzeuge wird genauso selbstverständlich sein wie Strom und Wasser. Computer werden in immer mehr Räume wie Lampen zu finden sein, die man nicht mit sich tragen muss.
  • Das kostenlose Internet wird sich in (Teilen der) reichen Städten verbreiten und für diese Städte ein wichtiger Faktor wirtschaftlicher Entwicklung werden.
  • Die Zahlungsmöglichkeiten über das Internet werden sich verbreiten.
  • Engere Verbindungen zwischen Internet und Geräte – wie Auto und Telefon – werden sich verbreiten.
  • Die traditionelle Presse wird nicht mehr lange Bestand haben, sondern über neuere Internet-basierte Dienste sich neu erfinden müssen. Ein Beispiel wäre die thematische Suche oder Nachrichtendienste, die den Zugang zu Nachrichten anbieten, wie schon heute für Musikstücke und Filmen möglich ist.
  • Die elektronischen Bibliotheken werden sich verbreiten – und die alten zum Großteil ersetzen. Wenige traditionelle Bibliotheken werden als Nischenerscheinungen erhalten bleiben.
  • Die mobilen Computer werden – endlich! – Einzug in die Schulen (Laptops schon ab der ersten Klasse), in die Hochschulen (auch Smartphones, Tablets, usw.) finden.
  • Die wohlhabenden und gebildeten Senioren werden noch aktivere mobile sowie nicht-mobile Internet-Nutzer werden.
  • Die digitale Ausgrenzung wird aber in den entwickelten Ländern und zwischen den reichen und armen Ländern zunehmen. Es wird als großes Gesellschaftsproblem unter anderem in der Bildung, in den Schulen wahrgenommen werden, was Regierungen und die Vereinten Nationen zum handeln zwingen wird.
  • Die Internet-Nutzung unter anderem über die sozialen Medien wird die Politik im Stil von der Protesten gegen Stuttgart 21 und des Guttenbergschen Plagiatskandal weiter verändern in die Richtung einer „Liquid Democratie“ führen.

Weitere Entwicklungen, die bereits eingeleitet worden sind, die sich höchstwahrscheinlich durchsetzen werden, und das Internet der Zukunft prägen werden:

In der Technik:

  • Fortschreitung der Virtualisierung: Der Browser übernimmt die Rolle des Betriebssystems, der Cloud die Rolle des Computers. Persönliche E-Mail, Kalendar, Musik und Fotos werden immer häufiger im Cloud statt auf einem bestimmten Computer sein.
  • Ein interaktiveres Web mit „besserem“ Browser und Web-Seiten wird sich verbreiten. Mit „besser“ meine ich einfacher zu programmieren und mit leichterem Zugang zu Medien wie Film und Ton. Der Anfang davon ist mit HTML 5 eingeleitet worden.
  • Das Internet wird zum Träger der verteilten und sogenannten daten-parallele Programmierung verwendet werden und die Realisierung von neueren Anwendungen erleichtern.

In den Anwendungen:

  • Die sozialen Medien werden weiter wachsen, sich am Arbeitsplatz (etwa für die ortsverteilte und asynchrone Arbeit‘) insbesondere für kreative Tätigkeiten (unter anderem in der wissenschaftlichen Forschung) und im Alltagsleben (etwa beim Autofahren) verbreiten. Beispiele: Nachbarschaftshilfe, Nothilfe, Notfall-Management, usw.
  • Die automatische Übersetzung und die gesprochene Sprache werden sich im Internet verbreiten. Die gesprochene Sprache und die Gestik werden sich zur Daten-Eingabe verbreiten. Gefühle werden automatisch erkannt und zur Personalisierung von Diensten verwendet werden.
  • Durch Sensoren und Positionierungssystemen wird die physische Welt mit dem Internet verbunden sein: Wo bin ich, was für physische Dinge gibt es um mich herum, usw. Anwendungen davon werden Älteren Menschen ein längeres selbstständiges Leben ermöglichen, im Notfall-Management und in der Logistik eingesetzt werden.

FB

3 Responses to “Wie wird das Internet in Zukunft aussehen?”

  1. Chikari sagt:

    @Zahlungsmöglichkeiten: Kennen Sie eigentlich schon Bitcoins und was halten Sie davon?

  2. @Chikari: Ich habe über verschiedenen Zahlungsmöglichkeiten übers Internet gelesen und verwende selbst eine einzige. Von Bitcoins weiss ich bisher sehr wenig.

  3. Benedikt sagt:

    Mir leuchtet die von Sascha Lobo entworfene Extrapolation ziemlich ein, siehe Link.

    Ob in Hinsicht Liquid Democracy was vorangeht, da bin ich mal gespannt. Wünschenswert wäre es sicher.

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