Schwierige externe Promotionen

Der Fall Guttenberg, dessen Dissertation abgesehen vom Plagiat offenbar die Anforderungen an einer wissenschaftlichen Arbeit nicht erfüllt, hat Licht auf eine problematische  deutsche Besonderheit geworfen: Die externe Promotion. Externe Promotionen sind, so meine persönliche Erfahrung, auch in der Informatik aus verschiedenen Gründen problematisch.

Formal, das heißt nach der Promotionsordnung, verpflichtet sich auf Antrag eines möchte-gerne Doktorand der Professor, ihn zu bertreuen und seine Dissertation zu begutachten. Der möchte-gern Doktorand sowie sein Arbeitgeber müssen gar keine Vrpflichtung über Forschungsthema, Dauer des Promotionsvorhaben oder Forschungsbedingungen des möchte-gern Doktorands eingehen.

Einmal kam eine türkische Studentin zu mir, die ein Stipendium von einer türkischen Universität erhalten würde, wenn ein Professor einer deutschen Universität ihr seine Betreuung zusichern würde. Er erwies sich als völlig unmöglich, Thema und voraussichtliche Dauer der Promotion zu vereinbaren, so dass ich meine Betreuung nicht zugesichert habe.

In einem anderen Fall, der mit einer gelungenen Promotion endete, verlangte der Arbeitgeber des Doktorands, dass ich mich zur Geheimhaltung aller Forscghungsarbeiten der Promotion verpflichtete. Ich verweis darauf, dass meine Betreuung auch in der Weitergabe von Ideen, Ansätze und wissenschaftlichen Ergebnisse bestehen mag, so dass für mich nur eine Geheimhaltung auf Gegenseitigkeit in Frage käme. Der Fall wurde zur Rechtsabteilung des Konzerns weitergeleitet, die weise genug war sich nie bei mir zu melden. So lief das Promotionsprojekt problemlos – jedoch unter dem Damokles-Schwert eines plötzlichen Einwands der Rechtsabteilung.

In einem dritten Fall hatte die möchte-gern Doktorandin eine zwei-jährige Promotionsstelle bei einem großen süddeutschen Konzern. Als ich mich erkundigte, was nach Ablauf der zwei Jahren passieren wurde, wurde mir gesagt, dass „die Doktorandin auch ohne Arbeitsvertrag für ein weiteres Jahr selbstverständlich beim Konzern würde arbeiten dürfen„. Meine Bemühungen um eine annehmbare Unterstützung des Promotionsprojektes für mindestens drei volle Jahre blieben ergewbnislos. Folglich weigerte ich meine Betreuung.

In allen mir bekannten Fälle von externen Informatik-Doktoranden, die im Rahmen einer Tätigkeiten in einem Unternehmen an einen Promotionspprojekt arbeiten, stellt die Betreuung eine schwierige Herausforderung: Das Unternehmen erwartet Ergebnisse von ihnen, die all zu oft von der weltweiten Forschung entfernt sind, ohne ihnen im Unternehmen die nötige Unterstützung zu geben. Als Betreuer komme ich mir oft wie ein ehrenamtlicher Mitarbeiter des Unternehmens vor, der wenig Einfluss hat. Meine Universität, Fakultät, Institut oder Lehrstuhl erhalten für meine Arbeit nichts. Würde ich übrigens selbst für die Betreuung von solchen Promotionen ein Entgeld vom Unternehmen erhalten, so würde ich es selbstverständlich meiner Arbeitsgruppe abgeben.

FB

Post Scriptum: Wer meint, der obige Artikel oder weitere Artikel in diesem Blog herabwürdigt die externen Doktoranden, irrt sich. Es ist nichts herabwürdigend daran, Schwierigkeiten offen zu nennen.

2 Responses to “Schwierige externe Promotionen”

  1. Steffen sagt:

    Wie auch gestern, so möchte ich doch heute wieder eine Anmerkung zum Thema liefern:

    Ich bin externer Doktorand an einer dt. Universität, aber wissenschaftlicher Mitarbeiter an einer Hochschule. Hochschulen (ehem. Fachhochschulen) haben in Deutschland kein eigenes Promotionsrecht. Möchte man die fähigen Leute dennoch an der Hochschule halten, müssen diese extern promovieren. Andernfalls gehen sie den Hochschulen verloren.

    Ich kenne übrigens genügend Fälle bei denen Mitarbeiter von Unternehmen und bspw. vom Fraunhofer-Institut über 3-5 Jahre nebenher promovieren können und auch Papers (ohne Geheimhaltung durch die Firma) mit direktem Nutzen für die Doktorarbeit veröffentlichen können.

    Eine reine Schwarzmalerei der externen Promotion halte ich daher nicht für berechtigt.

  2. @Steffen: Eine reine Schwarzmalerei der externen Promotion halte ich daher nicht für berechtigt.
    Ich auch nicht. Aus meiner Erfahrung als Informatik-Professor finde ich aber die externe Promotion, wie sie derzeit pratiziert wird, problematisch. Und von allem, was ich erfahre, ist sie in vielen anderen Fächer – wie etwa Jura – noch viel problematischer. Es ist Zeit, bessere Regeln für externe Promotionen zu überlegen, oder sie zu beseitigen.

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