Die richtigen Worte suchen oder unbedacht plappern?

Es ist oft schwierig, die richtigen Worte zu finden!

Neulich habe ich beim Festakt eines österreichischen Gymnasiums gehört,  wie „die Schüler jüdischen Glaubens unseres Gymnasiums, die in der Nazi-Zeit das Gymnasiums verlassen müssten„, erwähnt wurden.  Während der Veranstaltung, die eineinhalb Stunden lang gedauert hat, wurde über diese Schüler nichts Weiteres gesagt. Ob diese Gymnasiasten ausführlicher hätten erwähnt sollen, kann lange debattiert werden. Es steht aber außer Debatte, dass der oben erwähnte Satz unpassend war.

Erstens, mussten die erwähnten Schüler leider nicht nur das Gymnasium verlassen, sondern auch sterben, sogar in schrecklichen Weise sterben. Ob einige überlebt haben, ist mir unbekannt. Vermutlich wenn überhaupt nur sehr wenige, weil bekanntlich die zuständigen Behörden der österreichischen Stadt damals sehr „effizient“ waren. Nur einen im Vergleich harmlosen Teils eines schrecklichen Schicksals zu erwähnen, ist unpassend!

Zweitens waren nicht alle, vermutlich sogar die Mehrzahl der erwähnten Schüler, gar nicht „jüdischen Glaubens“. Haarsträubende Gesetze hatten sie zu „Juden“ gemacht und verneint, was einige von ihnen von sich selbst meinten. Mit Sicherheit sahen sich einige der vom Gymnasium verwiesenen Schüler nicht als „Juden“, sondern als „Katholiken“. Das üble am Rassismus ist eben, Menschen in Kategorien zu bringen, die für diese Menschen selbst nur teilweise oder gar nicht zutreffend oder relevant sind. Rassistische Kategorien sollten nicht übernommen werden, wenn Opfer des Rassismus gedacht werden!

Es ist zweifelsohne oft schwierig, die richtigen Worte zu finden. Deswegen sollten wir, Lehrer, uns bemühen, die richtige Worte zu suchen, statt unbedacht zu plappern.

FB

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