Hochschulpolitische Veränderungen in Groß-Britannien

Die Britische Regierung hat gerade ein Programm zur Veränderung der Hochschullandschaft in Groß-Britannien dem Parlament vorgestellt und veröffentlicht: „Success in a Knowledge Economy: Teaching Excellence, Social Mobility & Student Choice„.

Die Eckpunkte des langen und diskursiven Berichtes sind meiner Meinung nach wie folgt:

  1. Öffnung der Hochschullandschaft zu neuen Akteuren: „We will make it easier for new high quality challenger institutions to enter the market and award their own degrees.“ (Foreword, page 6)
  2. Bessere Information der (ankommenden) Studierenden über die Studienmöglichkeiten: „We need to address the lack of clear information available to university applicants and the variation in quality and outcomes experienced by some students.“ (Foreword, page 5)

Im Bericht ist es auch davon die Rede, die Forschung durch eine Umorganisation der Forschungsförderung zu stärken. In den angekündigten Maßnahmen erkenne aber nichts anderes als bürokratische Umstrukturierungen und Machtverschiebungen zwischen Behörden. Es lohnt sich also vermutlich nicht, diese Maßnahmen allzu ernst zu nehmen.

Die  angekündigte Öffnung der Hochschullandschaft wird nicht zufällig  mit einem Vokabular aus der Wirtschaft angekündigt: Wie der Minister im Vorwort schreibt, es geht um die Öffnung eines Marktes für neue Wettbewerber. Diese Entwicklung soll nicht überraschen: Die öffentlichen Hochschulen von Europa sind seit Jahrzehnten von hohen Studierendenzahlen, einem dramatischen Ressourcenmangel, eine erschütternde Ideenlosigkeit, und einer ineffizienten Verwaltung geplagt. In den USA sind neue Lerhrformen entstanden –  Stichwort „MOOCs“ – und weitere werden entwickelt und erprobt, eine Entwicklung, die Geld kostet und nun Absatz liefern soll. Dieser Druck entlädt sich zuerst ganz natürlich zuerst auf das große Englisch-sprechende Land.

Das Ziel, ankommende Studierenden besser über die Lehrangebote zu informieren ist gut. Die Britische Regierung will dafür eine neue Behörde schaffen: ein „Office for Student“. Das halte ich für ungut. Viel vernünftiger wäre es, jede Hochschule per Gesetz dazu zu verpflichten, brauchbaren Statistiken in einem festgelegten einfachen Format zu veröffentlichen – über Lehr- und Verwaltungspersonal, über die Studierenden Zahlen, über die zur Verfügung stehenden Infrastruktur wie Flächen,  über den Anteil der Studienabbrecher, über die Studiendauer, usw. Und all dies für die gesamte Hochschule, für jede Fakultät und für jeden Studiengang. Werden einmal solche Zahlen flächendeckend veröffentlicht, dann kann, wer es will, seinen eigenen Überblick nach eigenen Kriterien erstellen – u.a. frei von politischen Interesse.

Hoffentlich kommt es den EU-Verantwortlichen in den Sinn, eine solche Offenlegung zu verlangen. Das wäre gleichermaßen ein Beitrag zum Verbraucherschutz, zur europäischen Integration und zur Verbesserung der Qualität der Lehre.

Die Gesetzesnovellen aus Groß-Britannien, die mit dem Bericht „Success in a Knowledge Economy“ angekündigt werden,  werden nach und nach auf Europa wirken. Früher oder später wird jede europäische Regierung ebenfalls neue wirtschaftliche Wettbewerber in der Hochschulbildung zulassen. Dafür sprechen viele Argumente: Die hohe Kosten der Hochschulen, die Ineffizienz der öffentlichen Hochschulen, der steigende Anzahl an Studierenden, und die erschütternde partei-übergreifende Ideenlosigkeit, was die Bildungspolitik angeht.

FB

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