Die Ethik ist keine Kirsche auf dem Kuchen

Die Ethik ist keine Kirsche auf dem Kuchen. Entweder bemüht man sich um ein ethisches Handeln, was ein Durchdringen des ethischen  Denkens überall voraussetzt, oder man lässt es ganz. Ein bisschen Ethik als Opfergabe auf dem Altar der öffentlichen Meinung ist schlichtweg eine Lüge.

Gestern auf dem Weg in eine Vorlesung habe ich im Lichthof meiner Universität, der Ludwig-Maximilians-Universität München, an einer besonders sichtbaren Stelle einen Stand einer großen Schweizer Bank gesehen. Es fand nämlich gestern an meiner Universität die „Career Talk 2016“ statt – unter dem Motto  „Grenzenlose Karrieren zwischen Global Player und Local Hero“.

Die große Schweizer Bank, die UBS, deren Stand ich gestern sah,  wurde in den letzten Monaten als Hauptakteurin einer rechtswidrigen Anstiftung zur Steuerhinterziehung in der Europäischen Union insbesondere in Frankreich entlarvt. Ich sehe nicht, was eine dermaßen belastete Bank auf einer Informationsveranstaltung für Studierenden an einer Universität zu suchen hat. Soll denn eine Universität Studierenden die Botschaft vermitteln, dass rechtswidriges Handeln eines Unternehmens bei ihrer Stellenauswahl keine Rolle spielen soll? Bedeutet denn „grenzenlos“ im Motto der Informationsveranstaltung, dass die Ethik keine Grenzen setzt?

Die historische Bedeutung des Lichthofs der Ludwig-Maximilians-Universität München wäre übrigens ein weiterer Grund, die Veranstaltungen sorgfältig auszuwählen, die dort stattfinden.  Das mutige Handeln der Widerstandskämpfer der Weißen Rose sollte uns immer noch zum ethischen Handeln verpflichten.

Meine Universität ist zudem eine öffentliche Einrichtung, was heißt, dass sie weitgehend über Steuergelder finanziert wird. Ich sehe nicht ein, dass die Steuerzahler sowohl für die Bekämpfung der Steuerhinterziehung zahlen sollen, wie auch für eine Universität, die ihren Absolventen eine Bank als Arbeitgeber empfiehlt, die zur Steuerhinterziehung anstiftet.

FB

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