Zur Internet-Nutzung in einer meinen Vorlesungen

In meinen Vorlesungen verwende ich das soziale Medium Backstage, womit Quizze durchgeführt werden können, die Hörer sofort mitteilen können, wenn sie etwas nicht verstehen, und anonymisierte Daten über die Aktivität der Hörer gesammelt werden können. Backstage ist ein Ergebnis und ein Bestandteil eines Forschungsprojekt im Bereich Educational Technology.  Mit den gesammelten Daten werden so genannte Learning Analytics erstellt. Learning Analytics dienen dazu, das Lernen und das Lehren zu verbessern.

Gestern, am 11.4.2016, in der ersten Bachelor-Vorlesung zur „Programmierung und Modellierung mit Haskell“ musste ich die Nutzung von Backstage aufgeben, weil das Internet kollabiert ist, nachdem ich meinen Hörern erklärt hatte, wie sie sich in Backstage einloggen können.

Heute erfahre ich, warum das Internet während meiner Vorlesung kollabiert ist. Diesen Grund teile ich hiermit meinen Studenten mit.

Im Hörsaal B101 sind derzeit 4 Access Points vorhanden, die je 60 bis 70 Geräte bedienen können – also insgesamt 240 bis 280 Geräte.

Gestern waren über 600 Hörer im Hörsaal B101 (mit 631 Plätzen). Ich schätze, dass unter diesen Hörern mindestens 400  ein Laptop und mindestens 500 ein Smartphone dabei hatten. Es haben also gestern während meiner Vorlesung  vermutlich 500 bis 900 Geräte gleichzeitig versucht, das Internet zu verwenden – weit mehr als die 240 bis 280 Geräte, die von den Access Points dieses Hörsaals bedient werden können. 

Die Nutzung von beiden Geräten in der Vorlesung ist sinnvoll:  Mit dem Laptop kann man Backstage nutzen oder relevante Webseiten nachschlagen, wenn man etwas nicht versteht. Mit dem Smartphone kann man Fotos machen und so Lehrinhalte festhalten. Die sofortige Übertragung von Fotos in die Cloud (über Dropbox, Google Foto oder ähnliche Dienste und natürlich dem Internet) ermöglicht, ein in einer Vorlesung aufgenommenes Foto sofort auf das Laptop mit Annotationen zu ergänzen. 

Ich versuche nun zu erörtern, ob der Hörsaal schnell nachgerüstet werden kann, damit Backstage in meiner Vorlesung bald benutzt werden kann. Wenn nicht, dann wird wohl nichts anderes übrig bleiben, als zu Lehren und Lernen wie in Vor-Internet-Zeiten. Nicht nur die Hörer würden darunter leiden. Auch ein Forschungsprojekt meines Lehrstuhls wäre schwer getroffen…

FB

8 Responses to “Zur Internet-Nutzung in einer meinen Vorlesungen”

  1. Viel spaß. Wifi für so viele Geräte in einem Raum ist technisch anspruchsvoll.

  2. Chikari sagt:

    Das ist schon heftig und sehr schade – die 600 Studenten würden vermutlich endlich mal Datensätze in brauchbarer Größe generieren…

    Es würde mich aber überraschen, wenn die LMU hier eine schnelle Lösung finden würde…

  3. HaskellBoy sagt:

    Sehr schade, dass es vermutlich nicht funktionieren wird. Ich habe vor 2 Jahren in Logik und Diskrete Strukturen bei Prof. Bry die Erfahrung gemacht, dass Backstage sehr hilfreich und motivierend ( Dank Quiz) war. Ich hoffe sehr, dass eine Lösung gefunden wird, denn Backstage ist eine tolle Sache.

  4. Avenged7X sagt:

    Welche Daten werden denn mit Backstage gesammelt? Darüber wurde ich in der Vorlesung leider nicht aufgeklärt…

  5. FB sagt:

    @Avenged7X: Über Backstage werden die folgenden Daten gesammelt:
    – Anzahl der Studenten, die an der Vorlesung unter Verwendung von Backstage teilnehmen,
    – Anzahl der Studenten, die an einem Quiz Teilnehmen,
    – Anzahl der Studenten, die die richtigen/falschen Antworte zu einem Quiz abgegeben haben,
    Damit kann man die Zeitpunkte und Inhalten ermitteln, die den Studenten besondere Schwierigkeiten bereiten.

    Darüber hinaus würden wir gerne in Zukunft
    – personalisierte Dienste entwickeln wie etwa Übungsaufgaben, die an den Kenntnissen von Studenten angepasst werden,
    – den guten sowie schlechten Stress messen, um darauf reagieren zu können.
    Die nötigen Daten für solche weiteren Dienste sammelt Backstage übrigens nicht.

    In der Vorlesung habe ich in der Tat nicht gründlich besprochen, welche Daten Backstage sammelt und warum. Ich habe nur erwähnt, dass die der Token, der bei der Registrierung angegeben wird, den Zweck hat, die Nutzer zu identifizieren. Ich hatte vor, beim ersten Quiz zu erläutern, welche Daten von einem Quiz gesammelt werden und warum sie gleichermaßen den Dozenten und den Studenten nützlich sind – für eine bessere Lehre bzw. für en besseres Lernen. Es kam leider nicht dazu, weil wegen der unzureichenden Bandbreite des WLANs im Hörsaal Backstage nicht verwendet werden konnte und dadurch kein Quiz gestartet werden konnte.

    Bei der Registrierung in Backstage gibt es, wenn ich mich Recht erinnere, einen klaren Hinweis darüber, dass Daten gesammelt werden.

    Jede Hochschule sammelt übrigens Daten über ihre Studenten und erstellt Statistiken – ohne Systeme wie Backstage zu verwenden. Darunter finden sich Statistiken über die Studiendauer. Ich persönlich bin der Auffassung, dass solche Statistiken veröffentlich werden sollten, was leider derzeit nicht der Fall ist. Wußte man z.B. wie viele Studenten pro Professor es in jedem Studiengang an jeder Universität es gibt (bei unserem Informatik-Studiengang schätzungsweise 90), so könnte man seinen Studiengang und seine Universität viel besser auswählen. Vielleicht deswegen wird es nicht veröffentlicht.

    Es ist also mit Hochschulen wie mit anderen Unternehmen oder Organisationen: Man sorgt sich um die Daten, die über Internet-Dienste – wie Google, Facebook und eben Backstage – gesammelt werden, dafür weniger – vielleicht sogar zu wenig – um die Daten, die traditionelle Dienste – wie Banken, Kreditkarten-Unternehmen und eben Hochschulen – sammeln.

  6. qAsh sagt:

    Ist ja nicht neu, dass ProMo eine „sehr beliebte“ Vorlesung ist.
    Aber dass das LRZ allgemein nicht aufrüstet finde ich sehr traurig.
    Die Problematik besteht doch nicht seit gestern. Seit knapp 2 Jahren gibt es täglich Probleme mit zu stark ausgelasteten AccessPoints.

    Hoffentlich klappt es noch….

  7. FB sagt:

    @qAsh: Es freut mich, dass die Vorlesung nicht nur sehr besucht ist, sondern auch sehr beliebt ist. Sorgen wir gemeinsam dafür, dass es so bleibt – und vielleicht sogar die Vorlesung noch beliebter wird! 🙂

    Das LRZ ist bereit aufzurüsten. Es kann und soll auch nicht alles zahlen. Da ist das Problem: Das LRZ möchte nachrüsten, die LMU gibt die Mitteln dafür leider nicht.

    Ich bemühe mich darum, den Verantwortlichen die problematische Internet-Lage an der LMU beizubringen. Ich nehme an, dass einige unter ihnen in den letzten Tagen verstanden haben, dass es ein großes Problem ist. Es wird wirken. Hoffentlich nicht zu spät. Hoffentlich werden die Massnahme auch so unzureichend sein, dass die technische Entwicklung und die Internet-Nutzung sie nicht schnell obsolet machen.

  8. crest sagt:

    Hallo und danke für das Feedback,
    bitte auch im 5Ghz Bereich aufrüsten. Obwohl eduroam-a kaum genutzt wird habe ich um die Faktor 10 höhere Latenzen als im 2,4Ghz Bereich. Konnte allerdings nicht genug debuggen um mein Notebook auszuschließen. Ggf. noch jemand Erfahrungen mit 5Ghz?

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