Doppelanrechnung in konsekutiven Bachelor-Master-Studium

Setzt ein Studierender nach dem Erhalt eines Bachelor-Abschlusses sein Studium mit dem Ziel fort, einen Master-Abschluss zu erwerben, so stellt sich die Frage, ob die während seines Bachelor-Studiums bestandenen und für seinen Bachelor-Abschluss angerechneten Master-Prüfungen noch einmal für sein Master-Abschluss angerechnet werden sollen. Das Kultusministerium verlangt die Doppelanrechnung von den bayerischen Hochschulen, was in Bayern zu Master-Abschlüssen mit geringerem Leistungen – oder geringerem Wert – als an Hochschulen anderer Länder führt, wo eine solche Doppelanrechnung nicht möglich ist.

Der kurze Bericht „Anrechnungspraxis für BA/MA Module“ vom 28.11.2012, den der Fachausschuss Hochschule des CSU-Arbeitskreises Hochschule und Kultur verfasst hat, erklärt, warum die oben erwähnte Doppelanrechnung beim so genannten „konsekutiven Bachelor-Master-Studium“ bedenklich ist. Dieser Bericht erwähnt allerdings nicht, dass die Doppelanrechnung den Ruf der Hochschulabschlüsse aus Bayern schädigt: Wenn allgemein bekannt ist, dass in Bayern Master-Abschlüsse mit weniger Leistungen als in anderen europäischen Ländern oder Bundesländern erworben werden können, dann werden die bayerischen Master-Abschlüsse als minderwertig gelten.

Diese Gefahr bereitet Hochschullehrern und Studierenden an bayerischen Universität Sorgen. Kollegen und ich haben vergeblich versucht, Auswege zu suchen, die mit der Anweisung des Ministeriums verträglich wären. Es wäre zum Beispiel kontraproduktiv Bachelor-Studierenden den Besuch von Lehrveranstaltungen und die Teilnahme an Prüfungen von Master-Studiengängen zu verbieten, weil dies die Attraktivität der Bachelor-Studiengänge verringern würde.

Ich habe den bayerischen Kultusminister, Dr. Spaenle, gefragt, was zur Überwindung der oben geschilderten bedenklichen Lage sein Ministerium zu unternehmen beabsichtigt. Die Antwort aus dem Ministerium lautet sinngemäß „gar nichts„. Grund ist, dass die Bologna-Vereinbarung verlangt, „dass einmal erworbene Kompetenzen […] nicht nochmals nachgewiesen werden müssen.

Konkret heißt also, dass Master-Module nur von Master-Studierenden und Bachelor-Module nur von Bachelor-Studierenden belegt werden sollten. Laut Ministerium wird das übrigens vom Akkreditierungsrat verlangt, was heißt, dass die Doppelanrechnung in konsekutiven Bachelor-Master-Studium mit der Akkreditierung von Studiengängen nicht verträglich sein sollte.

FB

One Response to “Doppelanrechnung in konsekutiven Bachelor-Master-Studium”

  1. romue sagt:

    Dazu steht folgendes auf der Seite von Dr. Letz

    [01.09.14, last update: 01.03.15] Anrechnung von Leistungen aus dem Bachelor

    Auf Grund einer unklaren Rechtslage konnten bis zum letzten Jahr unter gewissen Voraussetzungen Leistungen, die bereits im Bachelor eingebracht wurden, nochmals im Master angerechnet werden, mit dem Resultat dass u.U. insgesamt weniger als 300 ECTS für die Studienabfolge Bachelor / Master erbracht wurden. Als eine der Auflagen für die Akkreditierung unserer Studiengänge ist eine Doppelanrechnung nicht mehr möglich. Die Regelung wird wirksam bei einem Bachelorabschluss nach dem 30.09.14 und einem Beginn des regulären Masters ab dem SS 15. Für Studierende, die den regulären Master spätestens zum WS 14/15 begonnen sowie den Bachelor vorher abgeschlossen haben, gilt die neue Regelung nicht.

    Quelle: http://www2.tcs.ifi.lmu.de/~letz/informationen-master.shtml

Leave a Reply