Nutzen gegen Gewissen: Das LMU-Präsidium bittet Frau Schavan, den Hochschulrat zu verlassen

Gestern an der Ludwig-Maximiinans-Universität München fanden ein Treffen des Präsidenten mit den Dekanen und eine Sitzung des erweiterten Hochschulrates (d.h., Senat und Hochschulrat) statt, um über die Zukunft von Frau Annette Schavan im Hochschulrat der LMU zu beraten.

Während dieser Sitzung hat der erweiterter Hochschulrat hat eine Mitteilung verfasst, die von der Universitätsleitung veröffentlicht wurde. Darin liest man:

Die Dekanen haben das Präsidium in seiner Auffassung gestärkt, Frau Schavan zu bitten, ihr Mandat im Hochschulrat der LMU niederzulegen, weil nach dem Urteil des Verwaltungsgerichtes Düsseldorf an der Universität vor allem die notwendige Akzeptanz für den Verbleib von Frau Schavan im Hochschulrat fehlt.

Ganz korrekt ist die Mitteilung nicht. Das Urteil des Verwaltungsgerichtes Düsseldorf zur Aberkennung des Doktortitels von Frau Annette Schavan hat nichts an der Akzeptanz für ihre Berufung in den Hochschulrat geändert. Die in einer Nacht- und Nebel-Aktion, ohne Beratung und ohne formale Wahl beschlossene Berufung fand von vorne herein keine Akzeptanz innerhalb der Universität. Lediglich ein paar Personen, die persönlich oder ihrer Karrieren wegen Frau Annette Schavan nahe stehen, hatten sich für die Berufung von Frau Schavan in den LMU-Hochschulrat ausgesprochen.

Die Entscheidung des Präsidiums war unvermeidlich. In den letzten Tagen haben viele Universitätsangehörige klargestellt, dass sie den Verbleib von Frau Schavan im Hochschulrat genauso  unangebracht finden wie ihre Berufung in dieses Gremiums.

Wie unvermeidlich sie war, ist die Entscheidung des Präsidiums ethisch nicht unbedenklich. Die Botschaft, die damit ausgestrahlt wird, lautet: „Sei nützlich oder wir lassen dich fallen.“ Diese Botschaft liefert einen Anlass, wieder einmal über Gewissen in der Bildung nachzudenken.

FB

2 Responses to “Nutzen gegen Gewissen: Das LMU-Präsidium bittet Frau Schavan, den Hochschulrat zu verlassen”

  1. RZ sagt:

    „Das Urteil des Verwaltungsgerichtes Düsseldorf zur Aberkennung des Doktortitels von Frau Annette Schavan hat nichts an der Akzeptanz für ihre Berufung in den Hochschulrat geändert. […] Lediglich ein paar Personen, die persönlich oder ihrer Karrieren wegen Frau Annette Schavan nahe standen, hatten sich für die Berufung von Frau Schavan in den LMU-Hochschulrat ausgesprochen.“ Haben Sie besten Dank, diesen Sachverhalt nochmals so klar formuliert zu haben. Ich fand es nicht schön, dass die ganze Universität wegen der Sache Schavan schief angeguckt wurde, obwohl ich, wie die meisten, für diese Fehlberufung nicht mitverantwortlich war.

    Irgendwie soll es als doch als beherzigend gesehen werden, dass gehäufte Peinlichkeiten Folgen haben können.

    Jetzt warten wir noch ab, wie herzlich oder nicht der Heilige Vater Franziskus die bekennende Katholikin im Vatikan empfangen wird. Ob das Deutschlandbild mit einer solchen Botschafterin verbessert wird… ,Gewissensforscherin‘ an einem Ort, wo Gewissen doch gefragt wäre…

    […] ethisch nicht unbedenklich […] „Sei nützlich oder wir lassen dich fallen.“ Hier habe ich wirklich kein Mitleid mit Frau Schavan. Sie hat anscheinend gar keine Bedenken dagegen, selbst Botschafterin usw. zu werden, wenn das für sie persönlich nützlich ist, während diese ganze bundesweite Affäre um ihre Doktorwürde gezeigt hat, dass sie nicht über viel diplomatisches Geschick verfügt.

  2. lars sagt:

    Die Botschafterberufung stinkt doch zum Himmel. Nicht nur dass Fr. Schavan die benötigte Qualifikation nicht vorweisen kann/konnte – offenbar bekommt sie diese nun aus zweifelhaften Quellen (HU Berlin, Uni Lübeck) in den A…. geschoben. Ich halte dies für eine Parteibuchpolitik sondergleichen. ( Hierzu sollte man sich mit der Rolle Schavans bei gewissen Gefälligkeiten gegenüber besagten Unis erkundigen. Ein Schelm wer böses dabei denkt – leider scheint dies gängige Praxis zu sein: Finanzspritze gegen Ehrendoktortitel.)

    Ich halte das Handeln von Fr. Schavan für anstandslos und unanständig. Die LMU täte gut daran eine möglichst große Distanz aufzubauen – notfalls indem hochmütige Führungsfiguren (siehe SZ) gehen müssen. (was allgemein üblich zu sein scheint).

    Hier noch ein Paar weiterführende Links:
    http://hogymag.wordpress.com/2013/01/23/befangenheit-prof-jan-hendrik-olbertz-als-verteidiger-von-schavan/

    http://www.danisch.de/blog/?s=schavan

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