Lehre aus dem Fall Schavan

Aus dem Doktortitelentzug der ehemaligen Bundesforschungsministerin Frau Annette Schavan ist viel zu lernen.

Erstens ist er ein Beleg von Nachlässigkeit Studierenden gegenüber. Eine junge Studentin ist als hochbegabt hochstilisiert worden. Ihr wurde angeboten, den gewöhnlichen Abschluss zu überspringen und sofort zu promovieren. Das Angebot stammte aber von Lehrpersonen, die offenbar die Studentin nicht nur schlecht beraten, sondern auch schlecht betreut haben. Vermutlich waren sie selbst keine gute Wissenschaftler. Die Tatsache, dass die Betroffene Studentin danach unter anderem, weil sie als hochbegabt hochstilisiert wurde, Karriere unter anderem im Wissenschaftsbetrieb gemacht hat, macht den ursprünglichen Fehler ihrer Betreuer noch schlimmer – für die betroffene Person, die nicht zu beneiden ist, und für den Wissenschaftsbetrieb.

Zweitens sind die Einwände von leitenden Personen des Wissenschaftsbetriebs (u.a. Ernst-Ludwig Winnacker mit  seinem Artikel „Wenn aus dem Plagiatsvorwurf eine Hetzjagd wird“ vom 13.2.2013) gegen die sachliche Feststellung, die Dissertation von Frau Schavan stelle einen „gravierenden Verstoß gegen die wissenschaftliche Redlichkeit„, wie die Vorsitzende Richterin Simone Feuerstein vom Düsseldorfer Verwaltungsgericht es zurecht ausgedruckt hat, der Beleg, dass dieser Wissenschaftsbetrieb sich unzureichend an der guten wissenschaftlichen Praxis hält. In der Wissenschaft ist keine Autorität über jede Kritik erhaben. Im Gegenteil gehört es zur guten wissenschaftlichen Praxis Autoritäten infrage zu stellen. Unser Wissenschaftsbetrieb muss sich also noch daran anpassen. Statt der Hochstilisierung von Einzelnen, die nicht mehr kritisiert werden dürfen und bessere Arbeitsbedingungen (u.a. Fördermittel) leichter als andere erhalten, muss die Autorität der Ideen die Autorität der Macht ersetzen.

Drittens ist die Ernennung von Frau Schavan im Hochschulrat der Ludwig-Maximilians-Universität der Beleg davon, wie tief in die Hochschule die schlechte wissenschaftliche Praxis reichen kann. Der Fall Schavan gibt unserer Universität die Gelegenheit, mit der schlechten wissenschaftlichen Praxis und mit der Autorität der Macht statt der Ideen aufzuräumen. Nur so kann sie nach dem Standard der internationalen Wissenschaft als gute Universität angesehen werden.

FB

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