Archive for the ‘Lehre’ Category

Hätte wegen des Amoklaufes die Klausur verschoben werden sollen?

Freitag, August 26th, 2016

Am Freitag, dem 22. Juli 2016, tötete ein Amokläufer in München neun Menschen und verletzte vier weiteren Personen. Weitere 32 Personen verletzten sich auf der Flucht oder bei Paniken, die in der Münchner Innenstadt ausbrachen. Ein paar Stunden lang war die Stadt in Ausnahmezustand. Am Dienstag, dem 26.7.2016, also vier Tage nach dem Amoklauf veranstalte meine Arbeitsgruppe eine Klausur. Hätten wir die Klausur verlegen sollen?

Es steht außer Frage, dass jemand wegen den schrecklichen Ereignissen vom
22. Juli 2016 in seiner Arbeits- und insbesondere Prüfungsfähigkeit eingeschränkt sein kann. Es ist auch durchaus möglich, dass jemand nicht in der Lage ist, ein paar Tage nach schrecklichen Ereignisse welcher Art auch eine Klausur zu bestehen. Jedoch bin ich der Meinung, dass es richtig und angebracht war, die Klausur am 26.7.2016 wie geplant zu veranstalten. Diese Meinung begründe ich wie folgt.

Erstens wäre ein Alleingang von meiner Arbeitsgruppe problematisch gewesen. Ob nach einem solchen Ereignis Klausuren verschoben werden sollten, sollten nicht die einzelne Dozenten entscheiden, sondern die Hochschule, weil sonst schnell Chaos herrschen konnte. In Ermangelung einer Anweisung der Universitätsleitung, Klausuren zu verschieben, mussten wir die Klausur veranstalten.

Zweitens ist es wichtig, dass nach einem solchen Ereignis das gesellschaftliche Leben so sich schnell wie möglich normalisiert. Es wäre vermutlich angebracht gewesen, eine Klausur am Samstag, also am Tag nach dem Amoklauf nicht zu veranstalten. Vier Tage danach wussten alle seit minderstens drei Tagen, dass in München keine besondere Gefahr mehr herrschte. Eine Klausur konnte also stattfinden.

Diejenigen, die wegen des Ereignisses an der Klausur nicht teilgenommen haben oder daran teilgenommen haben aber wegen des Ereignisses sie nicht bestehen haben, werden nicht im Stich gelassen: Sie können an der Nachholklausur teilnehmen. In begründeten Fällen wird jeder Prüfling, der wegen der Ereignissen die Klausur nicht bestehen konnte,auf Antrag beim Prüfungsamt das nötige zusätzliche Studiumssemester erhalten, um an der Nachholklausur teilnehmen zu können.

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Eine ehrliche Lehrevaluation

Mittwoch, Juli 13th, 2016

Im Bus hört man ungewollt einiges, was man nicht hätte erfahren sollen:

Erste Studentin: „Kommt du auch in die Vorlesung N.N. von N.N. im Wintersemester?“

Zweite Studentin: „Ich weiss nicht.“

Erste Studentin:  „Die Prüfung gilt als sehr leicht.“

Zweite Studentin: „Wirklich?“

Erste Studentin: „Komm doch. Es wäre nett, zusammen zu sein.“

Zweite Studentin: „Vielleicht.“

Erste Studentin: „Komm, damit wir sprechen können. Der Dozent ist sehr langweilig. Ohne mich mit jemandem austauschen zu können, würde ich es nicht ertragen!“

FB

Der Erfolgskultur die Stirn bieten

Sonntag, Juni 12th, 2016

Erfolg wird in der Kultur sehr hoch gewertet: Wir erwarten von uns selbst einigermaßen erfolgreich zu sein; das erwarten auch von uns unsere Partner, Freunden, Eltern, Kollegen und Arbeitgeber. Erfolg ist überall nötig: Um seiner Familien guten Lebensbedingungen zu geben; seinen Kindern Chancen im Leben; damit das Unternehmen, in dem man arbeitet, weiterhin Arbeitsplätze anbieten kann.

Vermutlich ist das Erfolgsglück beim Mensch und bei anderen Lebewesen angeboren und gehört zu den Tricks der Evolution, um das Überleben sicher stellen. Der Sammler und Jäger, der nach einer mehrstündigen Wanderung die Nüsse findet oder nach einem zweistündigen Rennen den Hasen erlegt, die seiner Gruppe und ihm ein paar Tage lang Nahrung gibt, erlebt zweifelsohne einen sehr starken Erfolgsgefühl. Ein Problem ist aber, dass die große Mehrheit der Menschen heute – zumindest in entwickelten Ländern – Erfolg mit Überleben gar nicht verbinden können. Den Erfolg, den wir noch erleben, betrifft unser Überleben nicht.

Die Erfolgskultur ist folglich weitgehend eine Täuschung: Der Finanzinvestor muss die Rendite immer steigern – über jeden vernünftigen Mass hinaus –, um als erfolgreich zu gelten. Das Autokonzern muss seine Technologie auch dann durchsetzen und verkaufen, wenn sie neue Umweltnormen nicht einhält. Der Wissenschaftler muss immer mehr Aufsätze veröffentlichen, immer mehr Fördergelder einwerben, seine Publikationen müssen immer mehr Zitate erhalten – über jeden vernünftigen Mass hinaus. Viele weitere Beispiele könnte man geben.

Ist es denn verwunderlich, dass es zu Betrügen führt, wie in der Finanzbranche vor zehn Jahren und in der Automotive-Industrie neulich bekannt wurde? Immer wieder werden hoch angesehene Wissenschaftler erwischt, die ihre Karriere zum Teil oder sogar ganz auf Betrug aufgebaut haben. Es ist davon auszugehen, dass früher oder später in der Wissenschaft ähnliches passiert wie in den Finanz- und Automotive-Branchen.

Der eigentliche Betrug, der selten wenn überhaupt angeprangert wird, ist die Erfolgskultur, die uns zu schweigenden Mittäter werden lässt. Die Liquididtätsproblemen der  Investmentbank Bear Stearns waren in Finanzkreisen höchstwahrscheinlich lange bekannt, bevor die beinahe-Pleite der Bank den Auftakt der Großen Rezession gab. (Die Pleite von Bear Stearns wurde künstlich durch u.a. die US-Zentralbank verhindert: „too big to fail“ hieß es damals.) Der Emissionsbetrug beim VW war zweifelsohne weltweit unter Ingenieuren bekannt, die nach dem angeblichen Erfolg von VW, die Emissionen eines Diesel-Motors wesentlich zu verringern, daran arbeiteten, die Technik zu verstehen und ähnliches zu meistern. Was bei Betrügen wie von Bear Stearns und VW eigentlich verwunderlich ist, ist wie lange so viele Menschen geschwiegen haben.

Der wahre Erfolg einer Investmentbank ist nicht die außergewöhnlich hohe Rendite, sondern die Beständigkeit der Rendite. Der wahre Erfolg eines Auto-Konzerns liegt nicht am außergewöhnlich langen Erfolg einer alten Technik, sondern an der rechtzeitigen Erschließung neuer Technologien. Und der wahre Erfolg einer wissenschaftlichen Institution und eines Landes liegt nicht an den außergewöhnlich hohen Zitatenzahlen und eingeworbenen Fördermitteln ihrer Wissenschaftler, sondern an der Fähigkeit Generation nach Generation, hoch kreative und gelegentlich außergewöhnlich produktiven Wissenschaftler auszubilden. Der wahre Erfolg lässt sich nur über Jahrzehnten erkennen.

Wir müssen der derzeitigen Erfolgskultur, die ein Selbstbetrug ist und den Betrug fördert, die Stirn bieten und uns darauf besinnen, was ein wahrer Erfolg ist. Welche Orte sind dafür besser geeignet als Hochschulen?

FB

Hochschulpolitische Veränderungen in Groß-Britannien

Freitag, Juni 10th, 2016

Die Britische Regierung hat gerade ein Programm zur Veränderung der Hochschullandschaft in Groß-Britannien dem Parlament vorgestellt und veröffentlicht: „Success in a Knowledge Economy: Teaching Excellence, Social Mobility & Student Choice„.

Die Eckpunkte des langen und diskursiven Berichtes sind meiner Meinung nach wie folgt:

  1. Öffnung der Hochschullandschaft zu neuen Akteuren: „We will make it easier for new high quality challenger institutions to enter the market and award their own degrees.“ (Foreword, page 6)
  2. Bessere Information der (ankommenden) Studierenden über die Studienmöglichkeiten: „We need to address the lack of clear information available to university applicants and the variation in quality and outcomes experienced by some students.“ (Foreword, page 5)

Im Bericht ist es auch davon die Rede, die Forschung durch eine Umorganisation der Forschungsförderung zu stärken. In den angekündigten Maßnahmen erkenne aber nichts anderes als bürokratische Umstrukturierungen und Machtverschiebungen zwischen Behörden. Es lohnt sich also vermutlich nicht, diese Maßnahmen allzu ernst zu nehmen.

Die  angekündigte Öffnung der Hochschullandschaft wird nicht zufällig  mit einem Vokabular aus der Wirtschaft angekündigt: Wie der Minister im Vorwort schreibt, es geht um die Öffnung eines Marktes für neue Wettbewerber. Diese Entwicklung soll nicht überraschen: Die öffentlichen Hochschulen von Europa sind seit Jahrzehnten von hohen Studierendenzahlen, einem dramatischen Ressourcenmangel, eine erschütternde Ideenlosigkeit, und einer ineffizienten Verwaltung geplagt. In den USA sind neue Lerhrformen entstanden –  Stichwort „MOOCs“ – und weitere werden entwickelt und erprobt, eine Entwicklung, die Geld kostet und nun Absatz liefern soll. Dieser Druck entlädt sich zuerst ganz natürlich zuerst auf das große Englisch-sprechende Land.

Das Ziel, ankommende Studierenden besser über die Lehrangebote zu informieren ist gut. Die Britische Regierung will dafür eine neue Behörde schaffen: ein „Office for Student“. Das halte ich für ungut. Viel vernünftiger wäre es, jede Hochschule per Gesetz dazu zu verpflichten, brauchbaren Statistiken in einem festgelegten einfachen Format zu veröffentlichen – über Lehr- und Verwaltungspersonal, über die Studierenden Zahlen, über die zur Verfügung stehenden Infrastruktur wie Flächen,  über den Anteil der Studienabbrecher, über die Studiendauer, usw. Und all dies für die gesamte Hochschule, für jede Fakultät und für jeden Studiengang. Werden einmal solche Zahlen flächendeckend veröffentlicht, dann kann, wer es will, seinen eigenen Überblick nach eigenen Kriterien erstellen – u.a. frei von politischen Interesse.

Hoffentlich kommt es den EU-Verantwortlichen in den Sinn, eine solche Offenlegung zu verlangen. Das wäre gleichermaßen ein Beitrag zum Verbraucherschutz, zur europäischen Integration und zur Verbesserung der Qualität der Lehre.

Die Gesetzesnovellen aus Groß-Britannien, die mit dem Bericht „Success in a Knowledge Economy“ angekündigt werden,  werden nach und nach auf Europa wirken. Früher oder später wird jede europäische Regierung ebenfalls neue wirtschaftliche Wettbewerber in der Hochschulbildung zulassen. Dafür sprechen viele Argumente: Die hohe Kosten der Hochschulen, die Ineffizienz der öffentlichen Hochschulen, der steigende Anzahl an Studierenden, und die erschütternde partei-übergreifende Ideenlosigkeit, was die Bildungspolitik angeht.

FB

Bitte nicht weiter sagen! Darüber spricht man nicht…

Donnerstag, Juni 9th, 2016

Wenn der Preis für einen Parkplatz, oder für eine Busfahrt, oder für ein Brot in der selben Bäckerei, oder die Einkommensteuer stark und ohne nachvollziehbaren Gründen variieren würden, dann gäbe es zweifelsohne Ärger.

Große Schwankungen in Prüfungsnoten gibt es in vielen – in den meisten? – Studiengängen, ohne dass sie irgend jemand dafür aufregt.

Es ist nichts dagegen einzuwenden, dass die Prüfungsnoten zu verschiedenen Lehrveranstaltungen verschiedenen verteilt sind. Es fällt zum Beispiel den meisten Informatik-Studierenden schwerer, eine Prüfung in Analysis als in Betriebssystemen zu bestehen. Die unterschiedlichen Schwierigkeiten von unterschiedlichen Prüfungen spiegeln sich ganz natürlich in den Prüfungsnoten.

Wenn aber zwei Lehrveranstaltungen mit ein paar Hundert Hörern im selben Studiengangs sich ausschließlich durch einen zeitlichen Abstand von wenigen Semestern und durch die Dozenten unterscheiden, dann darf man erwarten, dass ihre Prüfungen ähnliche Notenverteilungen liefern.

Interessanterweise ist nicht immer so. In nicht wenigen Studiengängen können gewaltigen Schwankungen in den Prüfungsnoten festgestellt werden: Mit einem Dozenten bestehen mancherorts über 80% der Studierenden die Prüfung, mit einem anderen Dozenten weniger als 20%.

Interessanterweise regt sich niemand darüber auf. Wieso nicht? Weil kaum Statistiken veröffentlich werden. Wieso veröffentlichen Hochschulen kaum Daten über ihren Betrieb – etwa wie die Bahn über die Pünktlichkeit ihrer Züge? Es würde sehr wenig Arbeit kosten. Und nichts würde besser zur Qualität der Lehre beitragen.

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Vorstrafe verhindert eine Promotion nicht unbedingt

Dienstag, Mai 31st, 2016

Wie im Wikipedia-Artikel „Doktor“ zu lesen ist, „den meisten Promotionsordnungen zufolge kann ein Promotionsverfahren nur dann eröffnet werden, wenn der Doktorand ein polizeiliches Führungszeugnis vorlegt oder Angestellter der Universität ist“. Heißt es also, dass vorbestrafte Personen nicht promoviert werden dürfen?

Das hatte ich zu meiner großen Überraschung erfahren und fand es unangebracht. Im Artikel „Muss die Zulassung zur Promotion geändert werden?“ habe ich 2011 die Meinung vertreten, dass „die Vergabe eines Doktor-Titels nichts im Geringsten damit zu tun haben sollte, ob jemand Straftaten begangen hat oder nicht, sondern ausschließlich mit wissenschaftlichen Leistungen“.

Das Bundesverwaltungsgericht hat sich neulich dieser Sichtweise angeschlossen: „Versagen darf die Universität die Promotion nur, wenn die strafrechtlichen Verfehlungen einen unmittelbaren Bezug zu der mit dem Doktorgrad verbundenen fachlich-wissenschaftlichen Qualifikation haben“ hat das Bundesverwaltungsgericht entschieden, wie im n-tv-Artikel „Gefährdet Straftat den Doktortitel?“ vom 30.09.2015 zu erfahren ist.

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Zur Internet-Nutzung in einer meinen Vorlesungen

Dienstag, April 12th, 2016

In meinen Vorlesungen verwende ich das soziale Medium Backstage, womit Quizze durchgeführt werden können, die Hörer sofort mitteilen können, wenn sie etwas nicht verstehen, und anonymisierte Daten über die Aktivität der Hörer gesammelt werden können. Backstage ist ein Ergebnis und ein Bestandteil eines Forschungsprojekt im Bereich Educational Technology.  Mit den gesammelten Daten werden so genannte Learning Analytics erstellt. Learning Analytics dienen dazu, das Lernen und das Lehren zu verbessern.

Gestern, am 11.4.2016, in der ersten Bachelor-Vorlesung zur „Programmierung und Modellierung mit Haskell“ musste ich die Nutzung von Backstage aufgeben, weil das Internet kollabiert ist, nachdem ich meinen Hörern erklärt hatte, wie sie sich in Backstage einloggen können.

Heute erfahre ich, warum das Internet während meiner Vorlesung kollabiert ist. Diesen Grund teile ich hiermit meinen Studenten mit.

Im Hörsaal B101 sind derzeit 4 Access Points vorhanden, die je 60 bis 70 Geräte bedienen können – also insgesamt 240 bis 280 Geräte.

Gestern waren über 600 Hörer im Hörsaal B101 (mit 631 Plätzen). Ich schätze, dass unter diesen Hörern mindestens 400  ein Laptop und mindestens 500 ein Smartphone dabei hatten. Es haben also gestern während meiner Vorlesung  vermutlich 500 bis 900 Geräte gleichzeitig versucht, das Internet zu verwenden – weit mehr als die 240 bis 280 Geräte, die von den Access Points dieses Hörsaals bedient werden können. 

Die Nutzung von beiden Geräten in der Vorlesung ist sinnvoll:  Mit dem Laptop kann man Backstage nutzen oder relevante Webseiten nachschlagen, wenn man etwas nicht versteht. Mit dem Smartphone kann man Fotos machen und so Lehrinhalte festhalten. Die sofortige Übertragung von Fotos in die Cloud (über Dropbox, Google Foto oder ähnliche Dienste und natürlich dem Internet) ermöglicht, ein in einer Vorlesung aufgenommenes Foto sofort auf das Laptop mit Annotationen zu ergänzen. 

Ich versuche nun zu erörtern, ob der Hörsaal schnell nachgerüstet werden kann, damit Backstage in meiner Vorlesung bald benutzt werden kann. Wenn nicht, dann wird wohl nichts anderes übrig bleiben, als zu Lehren und Lernen wie in Vor-Internet-Zeiten. Nicht nur die Hörer würden darunter leiden. Auch ein Forschungsprojekt meines Lehrstuhls wäre schwer getroffen…

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Das Gefühl, fehl am Platz zu sein

Sonntag, Februar 14th, 2016

Wir kennen alle das komische Gefühl, Fehl am Platz zu sein. In einem Austausch erwidert man etwas, was man für vernünftig oder sogar offensichtlich hält. Unerwartet kommt der Austausch zum Stillstand. Man wird angeschaut, als ob man Dummes gesagt hätte.

Es ist mir neulich während eines Austausches über eine Umfrage zur Forschungszwecken von Studierenden zur Lehrevaluation passiert. Mein Vorschlag, die Fragebögen vom Dozent einzusammeln wurde mit der Bemerkung abgelehnt, der Dozent könnte die Fragebögen herausnehmen und vernichten, die zu kritisch seiner Lehre gegenüber sind.

„Wir sind aber alle Wissenschaftler und Beamte, mit einer solchen Fälschung ist folglich nicht zu rechnen“ habe ich gemeint und damit die oben beschriebenen Reaktion hervorgerufen.

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Wozu theoretische Informatik studieren?

Sonntag, Februar 14th, 2016

Eine häufige Kritik am Informatik-Studium ist die Last der theoretischen Informatik. „Wozu braucht man sie im Beruf?“ fragen sich viele Studierenden.

Ein ehemaliger Student hat mir gerade in einer email eine Antwort dazu geliefert:

gerade genieße ich meine (beschränkten) Kenntnisse in Automaten- und Komplexitäts-Theorie, die mir helfen, meinen Arbeitgeber sinnvoll davon zu überzeugen, warum man für die Lösung eines Problems sehr viel Geld sparen kann!

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Zur Akkreditierung von Studiengängen

Freitag, September 25th, 2015

Die Akkreditierung von Studiengängen ist in Europa unter Hochschullehrern unbeliebt, bemerkten neulich während einer Tagung Vertreter von beruflichen Verbänden, die sich dafür einsetzen. „Eine Akkreditierung verlangt doch keine zusätzliche Arbeit, wenn eine Hochschule über eine gut funktionierende Qualitätssicherung verfügt„, wunderte sich einer dieser Vertreter. Damit hatte er, ohne es wissen, das Problem erklärt. Nicht wenige Hochschulen Europas verfügen eben über keine „gut funktionierende Qualitätssicherung“. Mir sind sogar einige bekannt, die überhaupt keine Qualitätssicherung haben! Das scheint auf einige Hochschulen zuzutreffen, die über einen guten Ruf verfügen. „Wenn der Ruf schon gut ist, warum sollte man sich denn darum kümmern?“ scheint eine verbreitete Haltung zu sein.

Eine solche Haltung ist natürlich gefährlich, weil sie den Weg zu allerlei Fehler ebnet. Das Wir und die Lehre an einer Hochschule sind nämlich im ständigen Wandeln: Professoren gehen, andere kommen; jeder Einzelne setzt im Lauf der Zeit bewusst oder unbewusst andere Prioritäten; Studiengänge verändern sich oder doch nicht, wenn auch sich das Fach viel verändert; die Studierenden verändern sich genau so wie die Welt, in der sich leben und lernen.

Eine Qualitätssicherung ist aber nicht alles. Die Akkreditierung, wie sie derzeit in Europa stattfindet, ist alles andere als überzeugend.

Ein erster Mangel ist, dass die Daten, die für die Akkreditierung eines Studiengangs den Akkreditierungsagenturen vorgelegt werden, sowie die Berichte dieser Agenturen nicht in allen Ländern veröffentlicht werden. Wieso denn nicht? Open Data sollte der Ansatz sein. Damit wäre nicht nur Transparenz sichergestellt, sondern auch die Grundlage für Neugründungen von unternehmen: Vergleichsportale über die Lehrangebote und Studienbedingungen an verschiedenen europäischen Hochschulen.

Ein zweiter Mangel ist die Abhängigkeit der Agenturen, die in Europa die Studiengänge akkreditieren. In Spanien zum Beispiel ist es eine Behörde, die dem Ministerium unterstellt ist, welches für die Ausstattung der Hochschulen verantwortlich ist. Wird diese Behörde wohl bemängeln, dass es an Personal oder Gebäude fehlt? Wohl kaum. In Deutschland sind die Akkreditierungsagenturen keine Behörde. Allerdings sind sie keineswegs von den Hochschulen und von den Bildungsministerien unabhängig, weil ihre Existenz von dem Wohlwollen deren Wohlwollen abhängt. Wird denn eine Akkreditierungsegentur wagen, das Bildungsministerium eines Bundeslandes zu ärgern und die Gefahr eingehen, Aufträge der Hochschulen dieses Bundeslandandes zu verlieren? Wohl kaum. Deutsche Hochschulen versuchen übrigens, erfährt man, universitätsinterne Akkreditierungen („institutional accreditation“) durchzusetzen. Das wäre noch schlimmer als der spanische Ansatz!

Ein dritter Mangel ist die Wahrnehmung der Interessen der Studierenden. Abgesehen von ein paar Studenten, die von Professoren sorgfältig ausgewählt werden und niemanden sonst als sich selbst vertreten, spielen bei der Akkreditierung eines Studiengangs in Bayern die Studierenden keine Rolle. Es gäbe aber einiges, was in einer Akkreditierung berücksichtigt werden könnte (und derzeit nicht berücksichtigt wird): Zum Beispiel ob ein Studierende, der eine Note infrage stellt, Unterstützung von Studierendenvertreter dabei erhalten kann.

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Das menschliche Gehirn ist für Mathe nur bedingt geeignet

Mittwoch, Juni 3rd, 2015

Gestern habe ich in einer Vorlesung den Kalkül des natürlichen Schließens von Gerhard Gentzen eingeführt, der seinen Namen gut verdient: Die Beweismethode ist in der Tat natürlich und intuitiv. Trotzdem ist sie weder leicht gut zu verstehen noch leicht richtig zu verwenden.

Widerspreche ich mich nicht? Die Methode sei intuitiv und trotzdem schwierig? Nein, es ist kein Widerspruch. Vieles ist in der Mathematik und in Fächern wie der Informatik, die auf Mathematik aufbauen, so.

Der Grund dafür ist höchstwahrscheinlich, dass die Evolution die Zeit nicht gehabt hat, das menschliche Gehirn an die Mathematik anzupassen. Wobei Vorfahren des Menschen seit ca. 100.000 Jahren sprechen, erschien die Mathematik erst vor 12.000 bis 10.000 Jahren, als der Homo Sapiens sesshaft wurde, Landwirtschaft anfing zu betreiben – und politische Strukturen und eine Verwaltung für größere Siedlungen benötigte. Zudem ist es erst seit höchstens 150 Jahren, dass Kenntnisse der elementaren Mathematik, der Arithmetik, sich in den (reichen) Gesellschaften verbreitet haben.

Das menschliche Gehirn ist für Mathe nur bedingt geeignet. Wer ab und zu Schwierigkeiten hat, einiges Mathematisches oder Informatisches zu verstehen oder anzuwenden, sollte sich daran erinnern und daraus nicht nur Trost sondern Zuversicht schöpfen: Der Wille ist dafür wichtiger als eine bei kaum jemandem vorhandenen Eignung. Kurtz gefasst: Wer es will, schafft es.

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„Anspruchsvolle Vorlesungen und lange Vorlesungsstunden“

Mittwoch, Mai 13th, 2015

Ganz Europa hört andauernd von dem Umgang der  griechischen Regierung mit den Schulden des Landes. Über den Umgang der griechischen Regierung mit den Hochschulen des Landes erfährt man außerhalb Griechenlands wenig. Es ist bedauerlich, weil auch auf diesem Gebiet das kleine Land eigene Wege geht.

Neulich teilte zum Beispiel ein hoher Beamte des griechischen Bildungsministeriums mit, dass angesichts der „anspruchsvollen Vorlesungen und lange Vorlesungsstunden“ die Leistungen der Studierenden nicht länger durch Prüfungen, sondern einfach durch die Zeit, die sie bei dem Besuch von Lehrveranstaltungen verbringen. Die griechische Presse erklärt, dass der Beamte ernst zu nehmen ist: Er meint, was er sagt, meinen Journalisten.

Bildung und Kredit haben eines gemeinsam: Sie beruhen auf Vertrauen. Ohne Vertrauen werden weder Studien- und Arbeitsplätze bei der Vorlage von Zeugnissen noch Kredit bei der Vorlage von Schuldanerkennungen gewährt. Glück im Unglück haben die jungen Menschen von Griechenland: Sie können überall in Europa vertrauenswürdige Zeugnisse erhalten.

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Die Unternehmen sind mit der Mehrzahl der Bachelor-Absolventen unzufrieden

Donnerstag, April 23rd, 2015

Man heute, dass viele Unternehmen mit den Bachelor-Absolventen unzufrieden sind. Wie die Presse (zum Beispiel die Süddeutsche Zeitung im Artikel „Viele Unternehmen sind mit Bachelor-Absolventen unzufrieden„) teilt Eric Schweitzer, der Präsident der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) mit, dass über 50% der Unternehmen von Berufseinsteiger mit einem Bachelor-Abschluss enttäuscht sind.

Laut  Eric Schweitzer sei die Zahl der Studienplätze sei zu hoch, die die Abbruchquote unter Studienanfängern mit knapp 30 Prozent viel zu hoch, mehr „Praxisorientierung“ sei in den Studiengängen nötig, und man leide an einer „Überakademisierung“.

In der Art und Weise, wie sie in Deutschland umgesetzt wurde, ist die Bologna-Reform von den Wirtschaftsvertreter gewollt gewesen. Mit Regelstudienzeiten von sechs Semester kann man nicht viel lernen und noch weniger Erfahrungen sammeln. Sind zudem die Lehrveranstaltungen überfüllt (wie zum Beispiel Programmmierpraktika mit einem Dozent für 120 Studierenden), dann muss man sich nicht wundern, dass die meisten Bachelor-Absolventen die Unternehmen nicht überzeugen. Bedenkt man, dass seit einem Jahrzehnt ungefähr nur ein Drittel der Studierenden die Lehrveranstaltungen besuchen, dann drückt sich der Gedanke, dass die „Überakademisierung“ eine bequeme Ausrede sein könnte.

Die Klage über das Bachelor bestätoigt, was längst bekannt ist: Wer ein Hochschulabschluss erzielt, der etwas Wert ist, studiert für ein Master.

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Hörsaal überfüllt

Mittwoch, April 15th, 2015

Gestern fand die erste Sitzung einer Bachelor-Vorlesung statt, die ich halte. Weil höhere Studierendenzahlen erwartet wurden, wurde für diese Vorlesung einen größeren Hörsaal als im letzten Jahr beantragt (und erhalten). Dieser Hörsaal war leider zu klein: Die Gänge an beiden Seiten des Hörsaals und hinter den Sitzen war voll besetzt. Seitlich sassen die Studierenden auf die Stufen. Hinten standen sie, um sehen zu können und weil der Raum zu eng war.

Schon vor dem Ende der Vorlesung haben Mitarbeiter einen Antrag auf einen größeren Raum gestellt. Hoffentlich findet ich einen passenden Raum!

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Post Scriptum (16.4.2015): Ein Ersatzhörsaal wurde gefunden – in der Theresienstraße.

Die Arbeit eines Professors

Mittwoch, April 15th, 2015

Auf einem Gang treffe ich einen Kollegen. Schreibblock in der Hand hält er vor jeder Tür und notiert etwas.

Was machst du denn?“ frage ich ihn.

Ich suche Räume für weitere Übungen zu meiner Vorlesung. Es sind viel mehr Hörer als gedacht“ antwortet er.

Kannst du nicht einfach bei der Verwaltung die Räume beantragen?“ wundere ich mich, „es ist ja ihre Verantwortung.“

Ach was! So spare ich mir Mühe, Ärger und Zeit. Und ich bekomme auch wenn möglich die Räume viel schneller.

Kann zumindest eine Sekretärin dir nicht helfen?“ frage ich noch.

„Im Prinzip ja aber derzeit haben sie alle einfach zu viel Verwaltungsarbeit“ klärt er mich auf.

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Ärgerliche Geldspritze

Mittwoch, April 15th, 2015

Die abgeschaffte Studiengebühren gleicht die bayerische Regierung aus. Diese Geldspritze ist aber ärgerlich, weil damit dringend benötigte Investitionen unmöglich sind. Meine Universität sowie die meisten bayerischen Hochschulen benötigt zweierlei, um ordentlich lehren zu können: Lehrpersonal und Gebäude. Mit der jährlichen riesige Geldspritze, die die weggefallenen Studiengebühren ersetzt, können aber leider beides nicht angeschafft werden.

Statt qualifiziertes Lehrpersonal werden mit der jährlichen Geldspritze vorwiegend studentische Hilfskräfte und ein paar Mitarbeiter mit einjährigen Arbeitsverträge eingestellt. Studierende, die in der Lehre zum Beispiel als Übungsleiter tätig sind, sind wünschenswert. Es ist aber ungut, wenn die meisten Übungen einer Vorlesung in dieser Weise abgehalten werden. So gut ein Studierende sich einbringt und begabt ist, kann er nicht die Erfahrung von jemanden aufbringen, der bereits ein paar Semester lang gelehrt hat. Mitarbeiter mit einjährigen Arbeitsverträge sind kein Modell für eine gute Lehre. Warum soll denn ein qualifizierter Informatiker ein solches Prekariat ? Es gibt ja mehr als genug besser bezahlten Stellen in der Wirtschaft!

Statt  investiert wird als an bayerischen Hochschulen Geld verschwendet. Die Verschwendung wird damit begründet, dass es an bayerischen Hochschulen Geld fehlt. Wie lange noch?

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Selbstbild einer Universität

Montag, März 23rd, 2015

Gestern fand im Audimax der Universität Wien eine Eröffnungsvorlesung im Rahmen der „Kinderuni“ und anlässlich des 650. Jahrestags der Universitätsgründung statt. An der einstündigen Eröffnungsvorlesung, die als erste Familienvorlesung in der Geschichte der Universität angekündigt wurde, konnten 650 „Kinder im Alter von 7 bis 12 Jahren“ und „ihre Begleitpersonen“ teilnehmen. Thema der Vorlesung war „eine Entführung in die Welt der Chemie„.

Die Eröffnungsvorlesung, die auf der Webseite http://www.kinderuni.at als „fulminant“ bezeichnet wird, verlief wie folgt. Ein Chemie-Professor erzählte das Märchen eines Helds, der Prüfungen bestehen mußte, um an die Prinzessin Silizium zu gelangen. Jede Prüfung wurde begleitet von eindrucksvollen knallenden und Licht spendenden Chemie-Experimenten, die ein Assistententeam vorführte, während der Professor sprach oder an einer Flügel Musik spielte.

Ja, die Eröffnungsvorlesung war wortwörtlich blitzend. Geistesblitze vermittelte sie aber keine: Chemische Zusammenhänge und Bedeutung der Experimente wurden nicht angesprochen. Es gab sogar keinen Zusammenhang zwischen den Prüfungen (wie etwa das Klettern über eine Wand) und den begleitenden Chemie-Experimenten. „Geht es hier um Chemie oder Alchemie?„, habe ich mich gefragt. „Welche Vorstellung der Chemie und der Universität soll denn diese Vorlesung vermitteln?“ habe ich mich weiter gefragt.

Vor der Eröffnungsvorlesung sprach ein Historiker kurz über die Geschichte der Universität Wien. Unter anderem fragte er, woran man erkennen kann, dass die Universität Wien eine der ältesten der Welt ist. Eine Antwort auf diese und weitere gute Fragen gab er allerdings nicht. Ihm war offenbar ein ausreichender Beleg, dass drei oder vier Kinder im Hörsaal dieser Meinung waren.

Die Familienvorlesung war unterhaltsam. Lehrreich war sie insofern, dass sie ein paar Vorstellungen auf den Punkt brachte:

  • Ein Professor ist ein Star.
  • Eine Vorlesung ist eine eindrucksvolle Schau.
  • Verstehen, worum es bei einer Vorlesung geht, tut man wenn überhaupt außerhalb des Hörsaals.

Soll man sich darüber ärgern, dass ein solches Universitätsbild vermittelt wird? Oder soll man die zweifelsohne unbeabsichtigte Aufrichtigkeit loben?

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Doppelanrechnung in konsekutiven Bachelor-Master-Studium

Mittwoch, März 11th, 2015

Setzt ein Studierender nach dem Erhalt eines Bachelor-Abschlusses sein Studium mit dem Ziel fort, einen Master-Abschluss zu erwerben, so stellt sich die Frage, ob die während seines Bachelor-Studiums bestandenen und für seinen Bachelor-Abschluss angerechneten Master-Prüfungen noch einmal für sein Master-Abschluss angerechnet werden sollen. Das Kultusministerium verlangt die Doppelanrechnung von den bayerischen Hochschulen, was in Bayern zu Master-Abschlüssen mit geringerem Leistungen – oder geringerem Wert – als an Hochschulen anderer Länder führt, wo eine solche Doppelanrechnung nicht möglich ist.

Der kurze Bericht „Anrechnungspraxis für BA/MA Module“ vom 28.11.2012, den der Fachausschuss Hochschule des CSU-Arbeitskreises Hochschule und Kultur verfasst hat, erklärt, warum die oben erwähnte Doppelanrechnung beim so genannten „konsekutiven Bachelor-Master-Studium“ bedenklich ist. Dieser Bericht erwähnt allerdings nicht, dass die Doppelanrechnung den Ruf der Hochschulabschlüsse aus Bayern schädigt: Wenn allgemein bekannt ist, dass in Bayern Master-Abschlüsse mit weniger Leistungen als in anderen europäischen Ländern oder Bundesländern erworben werden können, dann werden die bayerischen Master-Abschlüsse als minderwertig gelten.

Diese Gefahr bereitet Hochschullehrern und Studierenden an bayerischen Universität Sorgen. Kollegen und ich haben vergeblich versucht, Auswege zu suchen, die mit der Anweisung des Ministeriums verträglich wären. Es wäre zum Beispiel kontraproduktiv Bachelor-Studierenden den Besuch von Lehrveranstaltungen und die Teilnahme an Prüfungen von Master-Studiengängen zu verbieten, weil dies die Attraktivität der Bachelor-Studiengänge verringern würde.

Ich habe den bayerischen Kultusminister, Dr. Spaenle, gefragt, was zur Überwindung der oben geschilderten bedenklichen Lage sein Ministerium zu unternehmen beabsichtigt. Die Antwort aus dem Ministerium lautet sinngemäß „gar nichts„. Grund ist, dass die Bologna-Vereinbarung verlangt, „dass einmal erworbene Kompetenzen […] nicht nochmals nachgewiesen werden müssen.

Konkret heißt also, dass Master-Module nur von Master-Studierenden und Bachelor-Module nur von Bachelor-Studierenden belegt werden sollten. Laut Ministerium wird das übrigens vom Akkreditierungsrat verlangt, was heißt, dass die Doppelanrechnung in konsekutiven Bachelor-Master-Studium mit der Akkreditierung von Studiengängen nicht verträglich sein sollte.

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Zwei verbreitete Missverständnisse um die Programmierung

Dienstag, Dezember 16th, 2014

Viele Menschen studieren Informatik als Haupt oder Nebenfach in der Hoffnung, einen interessanten, einstellungssicheren und gut bezahlten Beruf ausüben zu können. So ist es tatsächlich. Wer heute Informatik und programmieren lernt, wird zweifelsohne diese Hoffnung erfüllen – in Deutschland, anderswo in Europa oder in jedem entwickeltem Land. Informatiker, die programmieren können, sind überall willkommen.

Ein erstes verbreitetes Missverständnis um die Programmierung betrifft den Aufwand, der nötig ist, um Programmieren zu lernen. Programmieren und programmieren lernen ist nicht zeitaufwändig, sondern sehr zeitaufwändig. Schwierig ist es nicht wirklich. Bei jeder Programmiersprache gibt es Abstraktionen, wie die Informatiker es nennen, das heißt Sichtweisen, woran man sich gewöhnen muss, um sie einsetzen zu können. Das kostet Zeit, manchmal sogar viel Zeit. Im Unterricht wird meist alles nötige vermittelt. Das bringt aber wenig, wenn die Lernende nicht viel Zeit damit verbringen, das Vermittelte umzusetzen, was heißt, viel sehr viel zu programmieren. Das gilt für alle, junge, ältere, erprobte Programmierer und Anfänger – ohne Ausnahme.

Ein zweites verbreitetes Missverständnis um die Programmierung betrifft die Nachhaltigkeit des Erlernten. Die Welt der Informatiker ist wie eine Reise durch eine viel multikulturellen Galaxie, wo auf jedem Planet ein anderer Dialekt oder eine andere Sprache gesprochen wird. Das bisher erlernte hilft der neue Dialekt oder neue Sprache nur insofern, dass man erstens Erfahrung darin hat, Sprachen zu lernen, und zweitens, dass einiges immer wieder ähnlich erscheinen mag. Der Reisende in der Programmier-Galaxie muss aber ständig lernen, wenn er möchte seine Reise fortsetzen können – ein Leben lang.

Was dazu nicht bereit ist, viel Zeit – gelegentlich mehr oder sogar viel mehr als die ECTS-Normierung – vorsieht, ins Erlernen von Programmiersprachen zu investieren, sollte auf keinen Fall Informatik als Haupt- oder Nebenfach auswählen. Wer dazu aber bereit ist, wird eine schöne Lebensreise zur sich ständig weiter entwickelnder Programmiergalaxie anfangen – mit viel Überraschungen, keine Langweile, sehr interessante Tätigkeiten und keinerlei Sorgen um ein sicheres und ausreichendes Einkommen.

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Wissenschaftler-Stellen: „Unattraktiv, ausbeuterisch und zum Betrug verführend“

Donnerstag, Dezember 11th, 2014

Im SZ-Artikel „Hire-and-fire an der Universität“ berichten  Roland Preuß und Karin Janker wie „tausende befristete und oft kümmerlich bezahlte Stellen den Beruf Wissenschaftler an Hochschulen und Forschungsinstituten unattraktiv, ausbeuterisch machen – und zum Betrug verführen.

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