Archive for the ‘Verwaltung’ Category

Muss ein Berufungsvortrag öffentlich sein?

Dienstag, Juli 12th, 2016

Neulich wurde ich gefragt, ob ein Berufungsvortrag öffentlich sein muss. An einer Hochschule nennt man „Berufungsvortrag“ der wissenschaftliche Vortrag, den jede/r Bewerber/in um eine Professur halten muss.

Ganz eindeutig ist der Brauch nicht nur in Deutschland, sondern auch im ganzen deutschsprachigen Raum, dass Berufungsvorträge öffentlich sind. Nur öffentliche Vorträge ermöglichen, dass wissenschaftliche Mitarbeiter und Studierenden sich eine Meinung über die Bewerber bilden können. Üblich ist auch, dass jede Berufungskommission bei ihrer Entscheidung diese Meinungen erfragt und berücksichtigt. (Man nennt „Berufungskommission“ das Gremium, die über die Besetzung einer Professur der Universitätsleitung eine Empfehlung gibt.)Ganz eindeutig ist auch, dass an meiner Universität, der Ludwig-Maximilians-Universität München Berufungsvorträge üblicherweise öffentlich sind.

Nach dieser Antwort wurde ich noch gefragt, ob an meiner Universität die Berufungsvorträge öffentlich sein müssen. Das bayerische Hochschulgesetz verlangt es nicht und meine Universität scheint keine Regelung über den Ablauf von Berufungen zu haben. Höchstwahrscheinlich lautet also die Antwort, dass an der Ludwig-Maximilians-Universität München ein Berufungsvortrag nicht öffentlich sein muss.

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Die Arbeit eines Professors

Mittwoch, April 15th, 2015

Auf einem Gang treffe ich einen Kollegen. Schreibblock in der Hand hält er vor jeder Tür und notiert etwas.

Was machst du denn?“ frage ich ihn.

Ich suche Räume für weitere Übungen zu meiner Vorlesung. Es sind viel mehr Hörer als gedacht“ antwortet er.

Kannst du nicht einfach bei der Verwaltung die Räume beantragen?“ wundere ich mich, „es ist ja ihre Verantwortung.“

Ach was! So spare ich mir Mühe, Ärger und Zeit. Und ich bekomme auch wenn möglich die Räume viel schneller.

Kann zumindest eine Sekretärin dir nicht helfen?“ frage ich noch.

„Im Prinzip ja aber derzeit haben sie alle einfach zu viel Verwaltungsarbeit“ klärt er mich auf.

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Die eindeutigen Gewinner des Hochschulsystems

Freitag, Januar 30th, 2015

Wissenschaftler und Dozenten meckern oft über die Hochschulverwaltungen. Ist es berechtigt? Liegt es nicht vor allem daran, dass Wissenschaftler und Dozenten sich für Verwaltungsangelegenheiten wenig interessieren?

Nein. Wenn auch die meisten Forscher und Lehrer  wenig Interesse für Verwaltungsangelegenheiten haben, hat ihre Kritik der Hochschulverwaltungen drei Hauptgründe. Der eine ist, dass sie in einer für Außenstehenden in einer unvorstellbar umständlich und altmodisch Weise arbeiten. Erfahrungsberichte darüber lesen sich wie schlechte Witze – siehe zum Beispiel den Artikel „Workflow“ aus diesem Blog. Sekretärinnen, die von einem Unternehmen in die Universität wechseln, staunen über eine umständliche Verwaltung, die andauernd unnötige und redundante Arbeit verursacht: Termine, die für eine ganze Fakultät gelten, müssen an jedem Lehrstuhl verwaltet werden; Mitteilungen werden in einer immer wieder unverständliche Amtssprache verfasst; Mitteilungen erreichen einen meist zufällig, weil sie ohne erkennbares System weitergeleitet werden: Manche Mitteilungen erhalte ich bis zu zehn Male, andere gar nicht. Ich habe einmal geschätzt, dass das Lesen, Verstehen und ordentliche Ablegen aller Mitteilungen, die mein Lehrstuhl als nicht-maschinell lesbaren eingescannten Papierbriefe erhält, im Durchschnitt der Sekretärin und mir zwei volle Arbeitstagen pro Woche kosten würden, wenn wir es uns leisten könnten.

Der zweite Grund ist, dass die Hochschulverwaltungen kaum zeitgemäße Software verwenden. Die Verwaltungssoftware von Hochschulen ist meist überholt und spiegelt Arbeitsabläufe wieder, die umständlich und Arbeitsintensiv sind. Zudem haben Hochschulverwaltungen eine ausgeprägte Vorliebe für zentrale Lösungen und zentrale Software, die zwangsläufig für wenig ihrer Nutzer wirklich passend sind.

Der dritte und möglicherweise Hauptgrund des Meckerns von Wissenschaftler und Dozenten über die Hochschulverwaltungen liegt darin, dass sie sich viele Stellen und meist Dauerstellen aneignet, wenn zum einen der Personalmangel in Forschung und Lehre nicht nur akut ist, sondern sich über die Jahre verschärft, zum anderen die meisten Forscher und Lehrer, das so genannte Mittelbau, prekär eingestellt ist. Im FAZ-Artikel „Wir flexibilisieren uns zu Tode“ vom 7. Januar 2015 liefern Björn Brembs (Universität Regensburg) und Axel Brennicke (Universität Ulm) dramatische Zahlen dazu:

Jeder vollzeitbeschäftigte Wissenschaftler einer deutschen Universität wird im Schnitt von 1,28 Personen verwaltet. Von diesen 182 255 Verwaltungsangestellten müssen lediglich 25 Prozent um ihre Fortbeschäftigung bangen, gegenüber mehr als fünfzig Prozent in Forschung und Lehre.

Beim Verwaltungspersonal wurde die Quote der unbefristet Beschäftigten sogar noch deutlich erhöht, von gut siebzig Prozent im Jahr 2012 auf sagenhafte 75 Prozent im Jahr 2015.

Von 2005 bis 2012 wurden für jede unbefristete Stelle in Forschung und Lehre durchschnittlich 3,7 unbefristete Verwaltungsstellen geschaffen. Entsprechend hat sich das Betreuungsverhältnis um sieben Studenten pro unbefristeter Wissenschaftlerstelle verschlechtert, aber lediglich um 2,7 Studenten pro Verwaltungsangestelltem. Da liegen Gewinner und Verlierer klar auf der Hand. Die deutlichsten Verlierer sind die Studenten, die weniger Betreuer haben als vorher. Dicht gefolgt von den Wissenschaftlern, die bei gesunkenen Aussichten auf einen festen Vertrag auch noch mehr Arbeiten korrigieren müssen. Eindeutige Gewinner sind die Verwaltungsangestellten.

An meiner Universität werden zudem eine beachtliche Anzahl an Stellen, die ihrer formalen Gruppierungen nach Wissenschaftlerstellen sind, für Verwaltungsaufgaben verwendet.

Was tun? Offenbar kann nur eines helfen: Wissenschaftler und Dozenten müssen wieder Herren in Hochschulen werden. Wenn dies nicht geschieht, dann ist es mit unserer internationalen  Wettbewerbsfähigkeit in Forschung und Lehre schlecht, sehr schlecht bestellt. Ein erster Schritt in diese Richtung wäre sehr leicht: Jedes Semester eine Evaluation der verschiedenen Verwaltungsstellen der Hochschule durch Studierenden, Dozenten und Wissenschaftler durchführen und deren Ergebnisse zumindest hochschulintern veröffentlichen.

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Post Scriptum: Für den Hinweis auf den in diesem Artikel erwähnten FAZ-Artikel bedanke ich mich bei Dieter Kranzlmüller.

Teilzeitstudium: Wieder eine unausgegorene Reform

Mittwoch, Juli 9th, 2014

Das lang ersehnte Teilzeitstudium kommt, weil die zuständigen Bildungspolitiker es endlich zulassen, erfährt man. Jedoch wird für eine verantwortungsvolle Hochschule seine Einführung auf unabsehbare Zeit vermutlich unmöglich sein.

Das Teilzeitstudium soll es Studierenden ermöglichen, die es benötigen oder möchten, jedes Semester nur einen Teil der vorgesehenen Lehrveranstaltungen und der dazu gehörigen Prüfungen zu besuchen, dafür länger zu studieren. Das Teilzeitstudium, wie es derzeit besprochen wird, soll kein berufsbegleitendes Studium sein. Insbesondere soll das Teilzeitstudium keinen Anspruch auf Lehrveranstaltungen geben, die zu Zeiten etwa abends stattfinden, die mit der Ausübung eines Berufes verträglich sind.

Das ist einerseits gut so, weil die bereits von einem akuten Mangel an Lehrpersonal geplagten Hochschulen nur in wenigen Ausnahmefälle in der Lage sind (oder aus Raummangel dazu genötigt werden), Lehrveranstaltungen abends anzubieten. Das ist andererseits bedenklich, weil für die meisten Studierenden, die ein Teilzeitstudium benötigen, ein Vormittag- oder Nachmittag oder Abendstudium wohl notwendig sein wird. „Informatiker können jederzeit arbeiten“ wurde meinen Kollegen und mir in einem Versuch gesagt, unsere Bedenken zu beseitigen. Überzeugt war ich nicht: Wer nachts von 22 bis 2 jobbt, kann schwer am nächsten Tag von 10 bis 12 und von 16 bis 18 Uhr Lehrveranstaltungen besuchen – insbesondere nicht, wenn sie zudem täglich  zwischen Fürstenfeldbruck und München pendeln muss.

Das Teilzeitstudium in der Form, die derzeit besprochen wird, kommt nicht unbedingt mit dem üblichen Studierendenstatus, erfährt man weiter. Es kann also teilzeitige Studierenden geben, die keinen Anspruch auf eine Krankenversicherung für Studierende haben. Der gute Menschenverstand lässt vermuten, dass nicht wenige solcher Studierenden berufstätig sein werden, was aus bereits erwähnten Gründen nicht unbedingt mit dem Teilzeitstudium verträglich ist. „Sie sollen sich irgendwie versichern“ wurde uns gesagt. Gibt es nicht genug Herausforderungen, die Studierende „irgendwie“ und ohne ausreichende Hilfe begegnen sollen?

Ob und wie genau ein Studierender ohne Studierendenstatus von einer Hochschule erfasst werden wird, bereitet dem mit Verwaltungsaufgaben bereits geplagten Lehrpersonal Sorgen: Wie wird man denn überprüfen können, ob ein teilzeitig Studierende an einer Prüfung teilnehmen darf. „Es wird irgend eine Lösung“ geben, wurde aus Kreisen der Universitätsleitung mitgeteilt, was die Sorgen des Lehrpersonal erhöht hat. Lösungen, die in dieser Weise angekündigt wurden, haben in der Vergangenheit immer die Arbeit der Lehrenden erhöht und erschwert.

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Die Berliner reisekostenrechtliche Problematik der sog. Arbeitgeberveranlassung

Freitag, Juni 6th, 2014

Ich erhalte eine Email von der Verwaltung meiner Universität. Es ist wie immer in solchen Fällen eine Matriochka-Email:

Die äußere Email ist ausnahmsweise mitteilungsgroßzügig und somit leserfreundlich: sie teilt kurz mit, worum es geht, statt  nur auf eine angehängte Email zu verweisen:

ich bitte das angehängte Schreiben zu beachten und die Mitarbeiter darüber zu informieren.
In Kürze: bei Hotelbuchungen in Berlin muss künftig immer das Institut als Rechnungsadresse angegeben werden, die sonst anfallende Steuer kann nicht erstattet werden.

Das angehängte Schreiben ist eine weitere Matriochka-Email:

als Anhang erhalten Sie ein Schreiben des Bayer. Staatsministeriums der Finanzen, für Landesentwicklung und Heimat vom 02. Mai 2014 mit der Bitte um Beachtung.

Der Anhang ist ein Scan eines papierenes Schreibens, welches in eine PDF-Datei eingebettet ist. Der Kern der zweiseitigen Mitteilung an sämtliche bayerische Ministerien und Behörden besteht in den folgenden Absätzen:

Auf entgeltliche Übernachtungen in Berlin wird seit dem 1. Januar 2014 eine Steuer in Höhe von 5% auf den Preis der Übernachtung exklusive Mahlzeiten erhoben. Nicht steuerbar sind Übernachtungen, die im Rahmen von Reisen mit dienstlichen Veranlassung anfallen, sofern die dienstliche Veranlassung glaubhaft gemacht wird.

Da die Glaubhaftmachung u. a. durch das Ausstellen der Rechnung auf den Arbeitgeber erfolgen kann, wird – auch mit Blick auf die im FMS vom 5. März 2010 (Az. 24 – P 1700 – 033 – 7253/09) angesprochene reisekostenrechtliche Problematik der sog.  Arbeitgeberveranlassung, welche auch nur bei einer auf den Dienstherrn bzw. auf die Beschäftigungsbehörde lautende Rechnung unterstellt werden kann – darum gebeten, von dieser Möglichkeit umfassend Gebrauch zu machen.

Wenn meine Mitarbeiter oder ich dienstlich reisen, dann buchen wir selbst unsere Hotelzimmer, zahlen selbst die Rechnungen und beantragen nachträglich eine Erstattung.

Mich wundert die Vorstellung, dass ein Hotelbetreiber oder sonst ein Unternehmen gebeten werden soll, auf eine Rechnung ein anderes Adressat zu vermerken als die (physische oder rechtliche) Person, die die Rechnung zahlt. Ist das überhaupt erlaubt? Ich bezweifle es sehr. Ersten würde es die Tür zu Steuerhinterziehung breit öffnen: Ein Unternehmen könnte ja auf seinen Namen erstellten Rechnung ja kaufen und zur Steuerminderung verwenden! Zweitens ist schwer einzusehen, warum Berliner Hotels ein Interesse darauf haben sollten, dass ihre Stadt weniger Steuer einsammelt – es sei denn, sie müssen dringend ihren Kunden entgegenkommen. Drittens könnte jeder Berlin-Reisende irgend einen Unternehmensnamen auf seine Berliner Hotelrechnung eintragen lassen und so die Berliner Hotelsteuer umgehen. Früher oder später würde der Berliner Finanzamt merken müssen, dass etwas mit der Hotelsteuer nicht stimmt.

Die Steuer ist nicht fällig, steht in der Mitteilung, „sofern die dienstliche Veranlassung glaubhaft gemacht wird.“ Für diese Glaubhaftmachung muss die Vorlage der Dienstreisegenehmigung ausreichen, sei es damit das Hotel die Steuer nicht erhebt, sei es damit die Universität oder das Finanzministerium eine zuerst erhobenen Steuer erstattet bekommt.

Mir wäre es natürlich recht, dass meine Universität an meiner Stelle mein Hotelzimmer für Dienstreise bucht und bezahlt. So wäre der steuergünstige Adressat auf der Rechnung. Und so müsste ich mich nicht den oft weltfremden Kostenbegrenzungen beschäftigen, Formulare ausfüllen, Rechnungen vorlegen und wochen- oder gar monatelang auf Erstattungen warten.

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Zur Personalstatistik meiner Universität

Samstag, Mai 3rd, 2014

Meine Universität, die Ludwig-Maximilians-Universität München, veröffentlicht auf der Webseite „Zahlen und Fakten“ die folgenden Personalzahlen:

  • Professorinnen und Professoren: 737
  • Sonst. wissenschaftliches Personal (Vollzeitäquivalente, ohne Professoren und ohne Klinik):  2.816
  • Nicht-wissenschaftliches Personal (Vollzeitäquivalente, ohne Klinik): 2.405

Ist das viel nicht-wissenschaftliches Personal?

Diese Frage ist vor allem deswegen schwierig zu beantworten, weil das technische Personal vom Verwaltungspersonal nicht unterschieden wird. Auch eine Unterscheidung des technisches Personal nach Tätigkeiten für die Forschung, für die Lehre und für Aufgaben außerhalb der Forschung und Lehre wäre nötig, um die Frage zu beantworten.

Auf mich wirkt jedoch die Anzahl der vollzeitäquivalenten Stellen für nicht-wissenschaftliches Personal sehr hoch. Diese Einschätzung ist natürlich von meiner Erfahrung – und Enttäuschung –, dass viele Verwaltungsvorgänge an meiner Universität kaum wenn überhaupt mit Software unterstützt werden und zudem nach sehr aufwendigen Prozesse ablaufen. Eine weitere Erfahrung ist, dass einige der wissenschaftlichen Stellen für Aufgaben außerhalb von Forschung und Lehre vergeben werden.

Ich wünsche mir also verständlichere Statistiken. Solche Statistiken würden entweder von der derzeitigen Verwaltung überzeugen oder zu deren Verbesserung beitragen.

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Kann in Bayern eine Habilitationsprüfung entgleisen?

Dienstag, April 15th, 2014

Um Universitätsprofessor werden zu können, müssen in der Regel zwei Zeugnisse erhalten werden: Die Promotion, womit der Doktortitel verliehen wird, und die Habilitation, die üblicherweise zum tragen des Doktortitels „Dr. habil“ berechtigt. In einigen seltenen Fällen wird auf die Habilitation verzichtet, wenn „vergleichbare Leistungen“ in der Forschung vorhanden sind. In der Informatik werden vor allem promovierte Wissenschaftler ohne Habilitation zum Professor berufen, die aus der Industrie kommen und dort in der Forschung tätig waren. Sie sind jedoch Ausnahmen.

Die Promotionsprüfung besteht in zwei bis drei Gutachten, wobei gut angesehen wird, wenn mindestens ein Gutachten von einem auswärtigen Gutachter stammt, also von jemandem, der nicht zur Fakultät vom Doktorand (dem Kandidaten zur Promotion) und seinem Betreuer (der noch mit der altmodischen Bezeichnung „Doktorvater“ oder „-mutter“ genannt wird). Anschließend berät der „erweiterte Fakultätsrat“ (die Versammlung der Professoren der Fakultät)  über die Dissertation (die Schrift des Doktoranden über seine wissenschaftliche Arbeit) und lässt die Fortsetzung der Promotionsprüfung zu – oder nicht, wenn er die wissenschaftliche Arbeit als unzureichend einschätzt. Anschließend findet einen öffentlichen Vortrag und eine kurze Prüfung statt.

Bisher verlief die Habilitationsprüfung ähnlich wie eine Promotionsprüfung. Gestern hat der Dekan meiner Fakultät im erweiterten Fakultätsrat mitgeteilt, dass nach Auffassung des Ministeriums und der Rechtsabteilung der Universität im Gegenteil zur Promotionsprüfung der erweiterte Fakultätsrat nicht über eine Habilitationsprüfung zu bestimmen hat. Es heißt also nach Ministerium und Universitätsrechtsabteilung, dass ausschließlich drei Gutachter und ein weiteres Mitglied des Fachmentorats, der kein Gutachten liefern muss, über eine Habilitationsprüfung entscheiden.

Ist das gut?

Es ist sicherlich fragwürdig, dass niemand in meiner Fakultät (und ich wage zu vermuten, in den meisten Fakultäten an bayerischen Universitäten!) die Habilitationsordnungen ganz anders verstanden hatten. In der Habilitationsordnung meiner Fakultät liest man (§ 15 Absatz 3 Satz 1): „Der erweiterte Fachbereichsrat [eine alte Bezeichnung für den Fakultätsrat] beschließt über die förmliche Feststellung der wissenschaftlichen und pädagogischen Eignung des Habilitanden zum Professor […]“ Darin soll das Wort „förmlich“ bedeuten, dass der Fakultätsrat lediglich die Entscheidung der Gutachter festhält. „So wie ein Notar“ war die Erklärung vom Ministerium und von der Rechtsabteilung, die der Dekan gestern weitergegeben hat.

Da ich nicht wußte, dass das Wort „förmlich“ juristisch eine solche herausragende Bedeutung haben kann, habe ich danach gegoogelt und … nichts gefunden, was diese Auslegung bestätigen würde. Ich habe also Zweifel an der Auslegung vom Ministerium und Rechtsabteilung. Könnten sie eher eine Wunschvorstellung als eine juristische Realität propagieren?

Was auch die Rechtslage sein mag, stellt sich die Frage, ob es überhaupt sinnvoll, dass lediglich drei oder vier Gutachter ohne Kontrolle des erweiterten Fakultätsrats über Habilitationsprüfungen entscheiden?

Ich halte das für sehr gefährlich, weil vier eine kleine Zahl ist. Auch (oder vielleicht insbesondere) Professoren und Wissenschaftler können seltene und sehr eigene Vorstellungen pflegen. In der Wissenschaft gilt der breite Konsens als Massstab. Entscheidungen von nur wenigen werden aus guten Gründen in der Wissenschaft immer gemieden. Ein verantwortungsvolle Wissenschaftler würde nie in einem sehr kleinen Gremium Entscheidungen treffen, die den „Wissenschaftsbetrieb“ beeinflussen könnten. Es wäre äußerst gefährlich, wenn in Bayern die „Befähigung zum Professor“ sich nicht an den weltweiten wissenschaftliche Bräuche halten würde. Die Glaubwürdigkeit der bayerischen Universitäten könnte schnell darunter leiden. Es wäre zum Beispiel der Fall, wenn wenige Professoren aus welchem Grund immer jemanden für eine Arbeit habilitieren würden, die nach breitem Konsens als unzureichend, nicht wissenschaftlich oder sogar fachfremd angesehen werden würde.

Wenn also die Auslegung der Habilitationsordnung durch Ministerium und Rechtsabteilung stimmig ist, dann ist nur eine Handlung möglich: Die Habilitationsordnung sehr schnell ändern. Und vor dieser Änderung wären alle, Ministerium, Rechtsabteilungen, Fakultäten, Universitäten und nicht zuletzt Habilitanden und ihre Betreuer, gut beraten, sich den Konsens der Mehrheit des erweiterten Fakultätsrat auch dann zu sichern, wenn es formal nicht erforderlich wäre. Sonst könnte später eine Habilitation durch die Öffentlichkeit genauso hinterfragt werden, wie in den letzten Jahren manche Promotionen, die nicht hätten stattfinden sollen. Die Folgen für das Ministerium, die betroffenen Universitäten, Fakultäten und Habilitanden wären verheerend.

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Der langwieriger und aufwendiger Weg in die Rechtsfreiheit

Dienstag, März 18th, 2014

An meiner Universität sind Anpassungen von Studien- und Prüfungsordnungen nicht schwierig, sondern beinahe unmöglich. Sie werden so lange verschoben, dass in manchen Studiengängen „rechtsfrei“, das heißt ohne gültige Studien- und Prüfungsordnung studiert wird. Über den langwierigen und aufwendigen Weg der LMU zu rechtsfreien Studiengängen hat neulich die Süddeutsche Zeitung im Artikel „Studieren im rechtsfreien Raum“ berichtet.

Wie es aussieht, ist zu fürchten, dass sich die Lage sich in den kommenden Monaten und Jahren kaum verbessern wird. Der Grund ist, dass nach einer besonders mühsam durchgeführten Bologna-Reform viele Studiengänge dringend Anpassungen ihrer Studien- und Prüfungsordnungen benötigen, was zu erwarten war. Erst aus der Erfahrung, die bisher gefehlt hat, können passende Regelungen ausgedacht werden. Die ersten Akkreditierungen, die gerade an der LMU stattgefunden haben, haben nicht unwesentlichen Änderungen der Studien- und Prüfungsordnungen verlangt. Werden diese Änderungen nicht durchgeführt, dann ist der Ärger mit der Akkreditierungsagentur sicher. Wird es dazu kommen?

Dringend nötig ist also, dass Änderungen von Studien- und Prüfungsordnungen schnell und sachlich besprechen und durchgeführt werden. Dafür müssen nicht nur Rechtsvorstellungen berücksichtigt werden, die – bei jedem Respekt für ihre Autoren – nicht selten realitätsfern sind, sondern auch die tägliche Lehre erschweren. Wir können uns nicht leisten, dass die Straßen- und Verkehrsordnung ohne ausreichende Rücksicht auf die Realität auf den Straßen entsteht. Nicht anders ist es an einer Hochschule mit ihren Studien- und Prüfungsordnungen.

Wie begabt und erfahren die Juristen der LMU-Rechtsabteilung sind, werden sie den riesigen Stau an Änderungen von Studien- und Prüfungsordnungen erst dann bewältigen können, wenn sie ihre Arbeitsweise ändern. Zu aller erst müssen sie kooperativ mit den Lehrenden arbeiten, die in den letzten 8 bis 10 Jahren immer wieder konstruktive Vorschläge gemacht haben aber bisher unzureichend gehört wurden. Kommt es zu einem solchen Paradigmenwechsel nicht oder kommt es zu spät dazu, dann wird die LMU-eigene Studien- und Prüfungsordnungs-Blockade noch mindestens ein Jahrzehnt andauern. Wollen wir das?

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Raumknappheit und Gleichgültigkeit

Mittwoch, November 20th, 2013

In einem Übungsraum, in dem ein Mitarbeiter meines Lehrstuhls eine wöchentliche Übung von 18 bis 20 Uhr hält, war die Beleuchtung kaputt, so dass nicht alle anwesenden Studierenden die Schrift an der Tafel gut lesen konnten. Der Lehrstuhlmitarbeiter meldet am Tag der ersten Übungsstunde, dem 23.11.2013, den Reparaturbedarf auf den Anrufbeantworter eines Universitätsmitarbeiters, der für die Elektrotechnik verantwortlich ist. Bei der nächsten Übungsstunde am 30.11.2013 ist die Lage unverändert. Der Lehrstuhlmitarbeiter ruft am selben Tag jemanden vom technischen Jourdienst, der zusagt, sich um die Reparatur zu kümmern. Eine Woche später, am 6.11.2013, wurde die Beleuchtung immer noch nicht repariert. Der Lehrstuhlmitarbeiter ruft am selben Tag wieder einmal den technischen Jourdienst. Wieder einmal wird ihm mitgeteilt, dass die Reparatur eingeleitet werden wird. Eine weitere Woche später, am 13.11.2013, ist die Beleuchtung immer noch im selben kaputten Zustand. Der Lehrstuhlmitarbeiter informiert mich erstmal in einer kurzen Email von der schwierigen Lage in seiner Übung.

Ich suche in den Webseiten der Universität, wer dafür zuständig sein könnte und hoch genug in der Hierarchie wäre, um etwas bewirken zu können. Ich leite die Email des Lehrstuhlmitarbeiters an den stellvertretenden Leiter des Referats V.1 (Betriebstechnik Stammgelände, Zentralwerkstatt) mit der Bitte um Stellungnahme. Am  nächsten Tag, einem Donnerstag, habe ich keine Antwort erhalten. Da die Reparatur lieber vor dem Wochenende eingeleitet werden sollte, damit die nächste Übungsstunde ungestört stattfinden kann, formatiere ich meine Email an den selben stellvertretenden Referatsleiter auf meinem Briefpapier. Ich bitte die Lehrstuhlsekretärin, diesen Brief zuzufaxen. Sie berichtet am Tagesende wie folgt:

  • Fax (2180-…): Vergeblicher Versuch seit 07:50 Uhr (besetzt/keine Antwort)
  • Anruf bei Herrn A (2180-…): Mitteilung auf Mailbox
  • Übergabe Fax an Herrn  B (09:30 Uhr), der heute (14.11.13) Herrn B persönlich treffen wird im Rahmen einer Techniker-Besprechung. Herr B hatte selbst schon mehrmals auf den Reparaturbedarf in einem anderen Raum hingewiesen. 

Ich erfahre auch, dass das Faxgerät seit langem nicht funktioniert. Ich erhalte vom stellvertretenden Referatsleiter A die folgende Email:

die defekte Hörsaalbeleuchtung ist in Zentralwerkstätte bekannt.  Wie mir der Elektromeister Hr. C. berichtet, wurden mittlerweile bereits 3 Versuche unternommen, die Beseitigung des Problems anzugehen. Offensichtlich stimmt die an der Tür angebrachte Raumbelegungsliste nicht unbedingt mit der wirklichen Raumbelegung überein, da zu den eigentlich freien Zeiten jeweils Betrieb im Raum herrschte und somit Reparaturarbeiten nicht möglich waren. Der Raum wurde nun bei der Hörsaalvergabe für kommenden Montag, d. 18.11. von 07:00  – 10:00 Uhr für Reparaturarbeiten geblockt. Ich bin zuversichtlich, dass die Lichtsteuerung danach wieder funktionieren wird.

Gestern meldete der Lehrstuhlmitarbeiter:

heute hat das Licht im Raum funktioniert (außer dass ich es nach der Übung nicht mehr ausschalten konnte, aber das war vielleicht meine Schuld). Deine Intervention hat also gewirkt. Es ist nur schade, dass so ein Routineproblem erst dann gelöst werden konnte, nachdem du und jemand wie Herr A eingeschaltet wurden.

Dieser Erfahrungsbericht ist ein Beleg der extremen Raumknappheit an meiner Universität, die universitätsintern nicht zu beheben ist. Die Universität München benötigt dringend neue Gebäude und das gehört bekannt. Hoffentlich nimmt die bayerische Regierung den akuten Raumbedarf an der Universität München zur Kenntnis – und handelt.

Der obige Erfahrungsbericht ist auch ein Beleg der Gleichgültigkeit sowohl Problemen wie Menschen gegenüber, die universitätsintern herrscht und Studierende und  Universitätspersonal sehr belastet. Dagegen kann universitätsintern einiges unternommen werden. Auch das gehört bekannt. Hoffentlich nimmt die Universitätsleitung das zur Kenntnis – und gibt das Vorbild eines anderen Verhaltens.

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Chronik einer Klausurraumreservierung

Dienstag, August 20th, 2013

Räume für eine Klausur müssen an meiner Universität sechs Monate im Voraus reserviert werden. Zu diesem Zeitpunkt kann man nur schätzen, wie viele Studierenden an der Klausur teilnehmen werden. So haben meine Mitarbeiter und ich für die Klausur des Sommersemesters 2013 zu meiner Vorlesung „Programmierung und Modellierung“ Räume für 415 Klausurteilnehmer beantragt.

Am Anfang der Vorlesungszeit ein paar Wochen danach sind 280 Studierende in der Vorlesung und Übungen erschienen, so dass wir davon ausgingen, dass die beantragten Klausurräume ausreichen würden.

Die Frist zur Anmeldung zur Klausur endete im August drei Wochen vor der Klausur, die am 30.8. stattfinden wird. Grund für eine solche Frist, die vielen studierenden früh erscheint, ist, dass mindestens zwei bis drei Wochen nötig wären, um wenn überhaupt möglich mehr oder größere Räume zu bekommen, falls sich mehr Studierenden als von uns geschätzt sich zur Klausur anmelden würden. Es war nicht der Fall. Zum Glück haben sich in diesem Semester „nur“ 410 Studierenden zur Klausur angemeldet.

Der Mitarbeiter, der für die Veranstaltung der Klausur hauptverantwortlich ist, wollte kein Risiko eingehen. Unmittelbar nach Ablauf der Anmeldefrist überprüfte er, wie viele Plätze in den für die Klausur zugewiesenen Räume tatsächlich vorhanden waren. Er stellte fest und meldete sofort, dass zehn Plätze kaputt und folglich nicht zu nutzen waren. Zwei Wochen vor der Klausur überprüfte er, ob die nötige Reparatur eingeleitet worden war, was unglücklicherweise nicht der Fall war. Eine Notlösung musste also überlegt werden.

Das Obige zeigt, wie zeitaufwendig die reine organisatorische Veranstaltung einer Klausur ist. Viele Stunden werden für Aufgaben benötigt, die nicht Teil der Lehre und der Studierendenbetreuung sind. Die Kosten einer nicht gut genug funktionierenden Verwaltung sind an Hochschulen gewaltig – und werden meines Wissens gar nicht erfasst.Das Obige zeigt auch, dass ohne rechtzeitige Klausuranmeldung keine Klausur ordentlich durchzuführen ist.

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Kosten der Bürokratie

Donnerstag, Juni 6th, 2013

Während wissenschaftliche Informatik-Tagungen findet oft ein spezielles Abendessen statt, das „Banquet“ oder „Social Event“ genannt wird. Dabei wird  besser gegessen als üblich in einem meist kulturell interessanten Rahmen wie ein Museum, auf ein Schiff, oder während einem Spaziergang durch eine Altstadt. Der Zweck von solchen Veranstaltungen ist es, die Menschen miteinander zu bringen. Nicht selten werden Einstellungen, gemeinsame Drittmittelanträge, die Mitwirkung an Promotionsprüfungen, usw. während solchen Abenden besprochen. Es kommt auch vor, dass das Essen zu Seite geschoben wird und eine wissenschaftliche Frage Stunden lang besprochen wird!

Solche Veranstaltungen sind in der Informatik nicht luxuriös – zumindest habe ich keine selbst erlebt, die es war, undvon keiner gehört, die es gewesen wäre. Sie sind sehr weit weg davon, womit viele Unternehmen (etwa zu Weihnachten) sich bei ihrem Personal bedanken.

Neulich konnte sich ein meiner Doktoranden für eine Tagung entweder als Student für 340 $ oder als Berufstätige für 840 $ anmelden. Die Anmeldung als Student beinhaltet allerdings das spezielle Abendessen nicht, so dass dafür weitere 100 $ (Essen, Besichtigung, Bus-Transfer) fällig gewesen wären (für Bus-Transfer (ca. 30 $), die Besichtigung eines Stadiums (ca. 15 $) und ein Abendessen (ca. 55 $)). Dem Doktorand sind von der zuständigen Verwaltungsstelle die Übernahme durch den Lehrstuhl dieser weiteren Kosten verweigert worden. Folglich hat er sich als Berufstätige angemeldet.

Es geht der Reisestelle offenbar nicht darum, 400$ zu sparen“ sagte es mir enttäuscht, „sondern nur darum Regeln einzuhalten.

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„Auch die Papierfarbe ist zu beachten“

Donnerstag, Mai 16th, 2013

Gestern bekam ich  mit einer E-Mail Anweisungen für einen universitätsinternen Vorgang, darunter den folgenden Hinweis:

Es werden nur ordnungsgemäß und _*komplett *_ ausgefüllten (auch die Papierfarbe ist zu beachten, alle Unterschriften müssen vorhanden sein) und fristgerecht eingereichten Anträge […] weiter geleitet.

Auf das Wesentliche muss ja geachtet werden. Am wichtigsten scheint die Papierfarbe zu sein, die zuerst erwähnt wird.

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„Das will das Ministerium so“ – Eine Ausrede?

Dienstag, April 30th, 2013

Seminare sind in der Informatik entweder schrecklich oder begeisternd. Sind sind schrecklich, wenn die Studierende über etwas referieren, was sie nicht interessiert oder wenn niemand außer der Lehrende die Vorträgen der Studierenden zuhört. Sie sind begeisternd, wenn sich die Vortragenden für ihre Vortragsthemen interessieren und dieses Interesse ihren Kommilitonen vermitteln können, weil diese anwesend sind.

Seminare sind für Informatiker deswegen besonders wichtig, weil die meisten Informatiker keine begnadete Redner sind. Die Rednerkunst ist aber im Informatiker-Beruf wichtig: In der Vermittlung von Softwareprojekten bei den Kunden, vor den Vorgesetzten und auch in der Leitung eines Teams von Software-Entwickler.

Handelt man nach einer neuen Anweisungen meiner Universität, so werden Seminare nur noch schrecklich sein.

Ein „Merkblatt“ vom Dezernat I – Rechtzur Umsetzung der neuen Vollzugshinweise des Bayerischen Staatsministeriums für Wissenschaft Forschung und Kunst (WFKM) für die Konzeptionierung von Studiengängen“ vom März 2013, das vor zwei Wochen die Informatik-Professoren erreicht hat,  bestimmt nämlich Folgendes (die Hervorhebungen sind von mir):

Teilnahmepflichten dürfen die in Art. 3 Abs. 4 Bayerisches Hochschulgesetz (BayHSchG) festgeschriebenen Freiheit des Studiums nur dann einschränken, wenn der Kompetenzerwerb des Einzelnen von der Abwesenheit aller abhängt (z.B. Orchester) […]. Anderenfalls verbietet die Eigenverantwortung der mündigen Studierenden Teilnahmepflichten.

Dies gilt auch für Seminare. Hier ist zu begründen, warum die Anwesenheit der bzw. des Dozierenden und einer bzw. eines einzigen Studierenden nicht ausreicht, um das Kompetenzziel zu erreichen. Dass Seminare auf einem gemeinsamen Wissenserwerb, auf die Selbstpräsentation der Teilnehmenden in der Gruppe und die Diskussion zielen, genügt als Begründung nicht.

Diese Anweisung ist ziemlich naiv,

  • erstens weil für die Studierende ein Seminarvortag, den nur der Lehrende zuhört, eine mündliche Prüfung ohne jegliche Unterstützung der weiteren Seminarteilnehmer gleichkommt,
  • zweitens weil sie zur Folge hat, dass in Zukunft kein Lehrender allein ein Seminar anbieten soll, damit der Prüfling und Prüfer nicht allein sind. Hat aber unsere Universität genug Lehrpersonal dafür?

Aus Präsidiumskreisen habe ich erfahren, dass „das Ministerium es so will“. Das glaube ich kaum. Ich halte für sehr unwahrscheinlich, dass ein Ministerialbeamter überhaupt wagt, so präzis zu bestimmen, wie Seminare ablaufen sollen. Das wäre eine klare Einmischung in die Lehre. Das wäre eine Form von staatlicher Dirigismus, der schwer mit dem Liberalismus des Ministers zu vereinbaren wäre, der FDP-Mitglied ist. Das wäre ausgerechnet in einem Wahljahr sehr unvorsichtig. Wenn aber tatsächlich die obige Anweisung aus dem Ministerium stammt, dann sollten sich meiner Meinung nach die Hochschulen dagegen wehren.

Viel Wahrscheinlicher erscheint mir aber, dass in vorauseilender Gehorsam das Rechtsdezernat einen berechtigten Hinweis des Ministeriums, die Anwesenheitspflicht bei Lehrveranstaltungen soll die Ausnahme sein, ad absurdum verschärft hat.

Bedauerlich aber leider typisch ist, dass die oben erwähnte Anweisung aus dem Rechtsdezernat ohne Rücksprache mit Lehrenden – und natürlich auch ohne Rücksprache mit Studierenden – erlassen wurde.

Die Folge ist, dass die Lehrenden sich fragen, wie eine Qualitätslehre an unserer Universität möglich ist – oder einfach eine weitere unüberlegte Anweisung mit Kopfschütteln ignorieren.

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Erstatten oder Umbuchen?

Donnerstag, April 25th, 2013

Seit Januar versucht unsere Sekretärin den Finanz-Abschluss eines Drittmittel zu erreichen. Es ist mühsam und sie versteht nicht so genau, warum es nicht schneller voran geht.

Vorgestern zeigte sie mir einen Brief, der mich in den Notstand versetzte: Uns, also der Arbeitsgruppe, wurden angeordnet, 118.000 € sofort zu „erstatten“ und auf das Konto soundso zu überweisen. So lange dies nicht geleistet wurde, würden Unterlagen der Universität, die der Drittmittelgeber von uns erwartet, nicht geliefert.

Über so viel Geld verfügen wird nicht – privat auch nicht. So blieb nichts anderes übrig, als das ich herum frage. Erfahrungsgemäß ist es eine mühsame Prozedur. Die Ansprechpartner in der Universitätsverwaltung sind zwar (fast) immer freundlich und hilfsbereit aber man wird von den einen zum anderen geschickt und selbstverständlich haben sie auch etwas anderes zu tun als zu warten, dass Wissenschaftler ihnen Fragen stellen. Manche sind abwesend, andere nicht sofort erreichbar.

Es ging in dem Fall sehr schnell. Ich musste nur mit zwei Abteilungen sprechen. Schnell bekam ich Zugang zu den Abteilungsleiter, die mir Zeit schenkten. Vier Minuten vor meiner Vorlesung konnte ich ablegen und in den Hörsaal laufen – den Kopf voll mit Verwaltungsinformationen.

Es stellte sich heraus, dass keine „Erstattung“ sondern eine „Umbuchung“ der 118.000 € nötig war, was heißt, dass rückwirkend für die letzten drei Jahren, dieser Betrag woanders in den Büchern der Universität eingetragen werden muss – oder, so würde vermutlich ein Informatiker sagen, dem Betrag ein anderer Typ gegeben werden muss.

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Schwierige Prüfungen: Sind die Richter daran schuld?

Mittwoch, April 24th, 2013

Prüfungen sind nicht nur für Prüflinge, sondern auch für Prüfer schwierig – zumindest an meiner Universität. Der Grund dafür sind mangelhafte Prüfungsordnungen, die mit einen unverständlichen Paragraph 17 mehrdeutige und kaum einzuhaltenden Regeln für Multiple-Choice-Aufgaben verhängen – siehe die  Prüfungs- und Studienordnung der Ludwig-Maximilians-Universität München für den Bachelorstudiengang Informatik vom 20. Oktober 2010 sowie die meisten Studien- und Prüfungsordnungen der selben Universität für Bachelor-Studiengänge.

Die Unverständlichkeit des Paragraphen 17 wurde in den folgenden Artikel besprochen:

Warum dieser Paragraph kaum einzuhalten ist, wurde im folgenden Artikel erklärt:

Ist aber der fragliche Paragraph 17 nicht wegen der Jurisprudenz notwendig?fragen viele „sind vielleicht die Richter an den Regeln für Multiple-Choice-Prüfungen schuld?“ 

Nein, das sind sie nicht.

Prüfungsrecht“ von Niehues und Fischer (Verlag Beck, 5. Auflage, 2010) scheint keine besondere Regelung nötig für Multiple-Choice-Aufgaben in Klausuren nötig, die nicht ausschließlich (oder überwiegend) aus Multiple-Choice-Aufgaben bestehen.

Zudem verlangt die Jurisprudenz keine Bestehensgrenzen von 50% oder 60%, die für alle Fächer, alle Studienabschnitte und alle Prüfungen identisch sind.

Bedauerlich und schwer nachvollziehbar ist zudem, dass die Begründung für den Ausschluss schulischer Prüfungen von den durch die Jurisprudenz verhängten Bedingungen für Multiple-Choise-Prüfungen (ibid., Seite 214, Randnummer 601)  von den Verfassern des Paragraphen 17 außer Acht gelassen wurde:

Eine Regelung bedarf es auch nicht für schulische Klassenarbeiten, da deren Bewertung im Unterschied zu Hochschulprüfungen nicht unmittelbar und nicht ausschließlich darauf abziehen, die spezielle berufliche Befähigung der Prüflinge festzustellen, vielmehr spielt bei schulischen Prüfungen ein pädagogisches Element eine Rolle.

Niemand dürfte wagen zu behaupten, hoffe ich, dass bei den studienbegleitenden Hochschulprüfungen der Bachelor- und Master-Studiengängen, die die Bologna-Reform eingeführt hat, kein pädagogisches Element eine Rolle spielt!

Es dürfte auch für alle klar sein, dass studienbegleitende Prüfungen insbesondere in Bachelor-Studiengängen genauso wie Klassenarbeiten im Gymnasium nicht „ausschließlich darauf abziehen“ können, „die spezielle berufliche Befähigung der Prüflinge festzustellen“. Sollten die Klausuren insbesondere der ersten Semester eines Bachelor-Studiums in Informatik (und vermutlich auch in den meisten weiteren Fächern) „ausschließlich“ dazu dienen, „die spezielle berufliche Befähigung der Prüflinge festzustellen“, so würde kaum ein Studierender diese Klausuren bestehen!

Der Paragraph 17 ist nicht durch die Jurisprudenz zu rechtfertigen. Er ist kaum verständlich. Er missachtet die Pädagogik. Er ist in der Praxis kaum einzuhalten. Er erreicht sein Ziel nicht immer, neben einer absoluten Bestehensgrenze auch eine relative Bestehensgrenze zu spezifizieren (siehe Problematische Prüfungsordnung: Erstteilnehmer). Mein Fazit ist, dass er durch eine bessere Regelung ersetzt werden muss – möglichst schnell.

FB

Prüfungsaufgaben und Prüfungsfragen

Dienstag, April 23rd, 2013

Zu einer guten Spezifikation gehört,

  • dass sie die Begriffe definiert, die sie verwendet,
  • die Beziehung zwischen nahen stehenden Begriffe klärt.

Das gilt gleichermaßen für Software-Spezifikationen und juristische Regelungen.

Der Paragraph 17 der Prüfungs- und Studienordnung der Ludwig-Maximilians-Universität München für den Bachelorstudiengang Informatik vom 20. Oktober 2010 über „Klausuren und sonstige Aufsichtsarbeiten“ bezieht sich im Absatz 3  auf Prüfungsaufgaben und in den Absätze 4 und 5 sowohl auf Prüfungsaufgaben wie auch auf Prüfungsfragen. Leider klärt er nicht, was die Beziehung zwischen Prüfungsaufgaben und Prüfungsfragen ist.

Da die Absätze 3, 4 und 5 dieses Paragraphen das „Antwortwahl- oder „Multiple-Choice-Verfahren“ betreffen, liegt es nahe anzunehmen, dass eine „Prüfungsaufgabe“ eine Sammlung von mehreren Prüfungsfragen ist, die inhaltlich verbunden sind. Dies ist aber offensichtlich nicht der Fall, weil die Absätze 3 und 4, die Multiple-Choice-Verfahren der Art „Einfachwahlaufgabben (genau einer von insgesamt n Antwortvorschlägen ist richtig – 1 aus n)“ regelt, nur den Begriff „Prüfungsaufgaben“ verwenden.

Der Begriff „Prüfungsfragen“ taucht erst im Absatz 5 auf, der die Mutliple-Choice-Verfahren der Art „Mehrfachauswahlaufgaben (eine unbekannte Anzahl x, die zwischen null und n liegt, von insgesamt n Antwortvorschlägen ist richtig – „x aus n“)“ auf. Dieser Absatz scheint aber beide Begriffe willkürlich zu verwenden. Eine Logik in der Verwendung der beiden Begriffe erkenne ich leider nicht.

FB

Keine Exzellenz in Lehre und Forschung ohne gute Verwaltung

Freitag, April 19th, 2013

Um Geld zu sparen, hat die bayerische Regierung eine Wiederbesetzungssperre auf Stelle des öffentlichen Dienstes verhängt: Kündigt oder geht ein Stelleninhaber in Rente, so bleibt seine Stelle ein paar Monate lang unbesetzt. Während dieser Zeit wird das Gehalt gespart.

Eine Wiederbesetzungssperre ermöglicht es zu sparren ohne nachzudenken, wo gesparrt werden soll. Dieses Nachdenken wird dort delegiert, wo die Arbeit erledigt wird. Diese Form des Sparrens trifft Wissenschaftler an Hochschulen aus verschiedenen Gründen hart. Der große Personalmangel in der Lehre wird durch Wiederbestzungssperren von wissenschaftlichen Stellen so verschärft, dass die Verantwortlichen nur noch zweifeln, wie die Lehre noch durchzuführen ist. In der Technik führen Wiederbesetzungsperren dazu, dass die nötige Infrastruktur oft eine Zeit lang nicht ordentlich gepflegt wird. In der Verwaltung, die in den Fakultäten stattfindet, führen Wiederbesetzungsperren von Sekretariatsstellen zu Katastrophen: Plötzlich ist niemand mehr da, der die komplexe und zeitaufwendige Zusammenarbeit mit der zentralen Universitätsverwaltung durchführen kann. Diese Zusammenarbeit ist komplex und zeitaufwendig unter anderem deswegen, weil die Verwaltungsabläufe abenteuerlich veraltet sind und kaum mit Software unterstützt werden. Es gibt natürlich auch Aufgaben, die auch mit guten Verwaltungsabläufe und zeitgemäßer Verwaltungssoftware komplex blieben.

Derzeit herrscht an meiner Universität eine Wiederbesetzungssperre von sechs Monaten für Techniker und Sekretariatsstellen, von zwei Monaten für wissenschaftliche Stellen. Die meisten Hochschulen in Bayern haben deutlich kürzere Wiederbesetzungssperren. Werden sie also von der bayerischen Regierung bevorzugt?

Nein. Sie handeln vernünftig. Mit oder ohne Wiederbesetzungssperren werden viele Stellen nicht so schnell wieder besetzt, wie man es sich wünscht. Eine Professur bleibt typischerweise ein oder mehrere Jahre lang unbesetzt. Wird Buch über solche ungewollten Ersparnisse universitätsintern geführt, so können sie für Kürzungen von Wiederbesetzungsperren verwendet. Bleibt zum Beispiel eine Professur ein Jahr lang unbesetzt, so können bis zu sechs sechsmonatigen Wiederbesetzungssperren von Sekretariatstellen ausgegliechen werden: Die Universität erfüllt ihr Soll an Ersparnisse, ohne dass eine der Sekretariatstellen unbesetzt bleiben muss. Im Verwaltungsjargon sagt man, das die ersparten Personalmittel von der Hochschule kapitalisiert werden.

Viele fragen sich, wieso meine Universität, die Ludwig-Maximilians-Universität München, die ersparten Personalmittel nicht  kapitalisiert. Darüber informieren weder Universitätsleitung noch Universitätsverwaltung, obwohl das Interesse sehr groß ist.

Aus Präsidiumskreisen erfährt man, dass wegen des außerordentlich großen Erfolgs der Ludwig-Maximilians-Universität München bei der Exzellenzinitiative, die Universität besonders viele Stellen aus eigenen Mitteln finanzieren muss, nachdem die Förderungen der Exzellenzinitiative abgelaufen sind. Das erklärt aber keineswegs, wieso die Universität die ersparten Personalmittel nicht kapitalisiert. Eine Verwendung der kapitalisierten Mittel zur Finanzierung von Stellen, die durch die Exzellenzinitiative geschaffen wurden, löst das Problem ihrer Finanzierung nicht, sondern verschiebt es bestenfalls um ein paar Monate … und schafft weitere Probleme. Aus Senatskreisen erfährt man, dass unsere Universität die ersparten Personalmittel nicht kapitalisiert, einfach weil sie zur dazu nötigen Buchführung nicht fähig ist. Ob das stimmt, weiss ich nicht. Und ob diese Vermutung im Senat für heftige Debatte gesorgt hat, ist mir ebenfalls unbekannt. Senatsmitglieder informieren ihre Wähler darüber kaum, wofür sie sich einsetzen – falls sie sich einsetzen.

Wie dem auch sei. Es wird darüber in der Universität viel spekuliert. Das wissenschaftliche Personal muss für Technik und Verwaltung sorgen, wenn technische oder Sekretariatsstellen unbesetzt bleiben. Die Lehre, die wegen des großem Mangels an Lehrpersonal bereits problematisch ist, wird noch problematischer. Eines lernen wir dadurch: Es gibt keine Exzellenz in Lehre und Forschung ohne gute Verwaltung.

FB

Deutsche Hochschulen ersticken unter Bürokratie

Mittwoch, April 17th, 2013

Hochschulen in Deutschland ersticken unter Bürokratie und bürokratische Willkür und Unfähigkeit. Ein Kollege, der von seiner Fakultät beauftragt wurde, Ansprechpartner der Universitätsverwaltung bei „Bologna-Prozess“ – so nennt man die Durchführung der Bologna-Reform – zu sein, berichtet wie folgt:

Die ersten Sitzungen zur Bologna Reform liefen 2006/2007. Da ging es um grundlegende Fragen wie 3-ECTS Raster oder 5-ECTS Raster. Am Ende stellte sich aber heraus, dass die Beteiligten aus den Fakultäten kaum Einflussmöglichkeiten hatten. Uns wurden die Bedingungen diktiert, und die Bologna-Stelle, damals Herr Haarbusch, hatten da sehr strenge Vorstellungen. Da wir aber auch noch keine Erfahrung und kein richtiges Gefühl für die Sache hatten, mussten wir mitspielen.

Seit nun fast einem Jahr ist die Informatik der LMU ist der selbe Kollege mit der Akkreditierung beschäftigt. Offiziell dient eine Akkreditierung von einem Studiengang der Sicherung der Qualität und der „berufsqualifizierenden“ Natur des Studiengangs.

Die Realität ist sehr weit davon. Eine Akkreditierung entpuppt sich in als einen rein bürokratischen Vorgang. Lehrveranstaltungen müssen dabei beschrieben werden, wobei die Form Vorrang vor dem Inhalt hat. Die schiere Masse an Unterlagen, die von meinem Institut erzeugt wurden, vernichten jede Hoffnung, dass ein Hochschullehrer, ein Studierender oder sonst jemand sie liest, versteht und daraus sich eine Meinung über den Inhalt von den Studiengängen bildet. Es sind schon deutlich über tausend Seiten. Außer der für ihre Erstellung beauftragte Kollege, liest sie kein Hochschullehrer unseres Instituts mehr. Dafür fehlt die Zeit. Hätte jemand genug Zeit, um sich damit auseinander zu setzen, so wäre die Erstellung einer Alternativfassung, die aus den geforderten Details Nützliches extrahiert und zusammenfasst, eine gewaltige Aufgabe. Kritische Auskünfte etwa über die technische Ausstattung von Hörsälen, was im der Informatik-Lehre zur Qualität – oder Nicht-Qualität – der Lehre wesentlich beiträgt, sind selbstverständlich in diesen tausend Seiten nicht zu finden. Die Akkreditierung wird als Verwaltungsangelegenheit verstanden und so durchgeführt. Alles, was für die Universitätsverwaltung als Kritik gesehen werden könnte – und in der Hinsicht hat unsere Universitätsverwaltung einen scharfen Blick und legt sehr breit aus – taucht in den Akkreditierungsunterlagen nicht auf.

Ich habe mich oft gefragt, wieso Hochschullehrer, die mit Lehre und Forschung besseres zu tun haben, die Rolle von Gutachtern bei Akkreditierungen übernehmen. Meine Vermutung ist, dass die einen noch Illusionen haben und die anderen, die ihre Illusionen schon verloren haben, durch eine gute Bezahlung angelockt werden.

Nun berichtet das Gutachten „Qualitätssicherung an Hochschulen: von der Akkreditierung zur Auditierung„, welches vom vbw, der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft e. V., der Landesverteung der BDA (Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände e. V.) und des BDI (Bundesverbandes der Deutschen Industrie e. V.), im Auftrag gegeben wurde, über die erstickende Akkreditierungsbürokratie:

[…] nach den zurückliegenden Jahren der Erfahrung mit dem neuen System der Akkreditierung von Studiengängen, das die vormalige Praxis der zwischen Hochschulrektorenkonferenz (HRK) und Kultusministerkonferenz (KMK)  ausgehandelten Rahmenprüfungsordnungen abgelöst hat, [sind] bei der überwiegenden Zahl der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, den Dekanaten und bei den Hochschulleitungen erhebliche Zweifel an der Eignung des neuen Instruments als Garant für eine Qualitätssicherung entstanden. Auch Studierendenvertretungen berichten nicht von einer spürbaren Qualitätsverbesserung der Lehre, sondern beklagen Überkomplexität und Rigorismus bei der Gestaltung von Studium und Prüfungen.“ (Seite 9)

Das ist eine erstaunliche klare Mitteilung. Dieses Gutachten erkennt auch eine Ursache der Bürokratisierung, die die Bologna-Reform und die Akrreditierung prägt:

Der vorhochschulische Entscheidungsprozess zeigt, abgesehen von seinem hohen Determinierungs- und Bürokratiegrad, eine Eigenart, die bei unkundigen politischen Akteuren nicht selten ist: Vertreter aus Politik und Administration hatten im Fall des Bologna-Prozesses sowie der Einführung des Akkreditierungssystems die Vorstellung, dass es tatsächlich möglich sein könnte, aus obersten, sehr allgemeinen Normen (den verschiedenen Bologna- bzw. Bologna-Nachfolge-Deklarationen) zwingend weitere Konkretisierungsschritte, am ende bis auf die Ebene der Genehmigung eines einzelnen Studiengangs, abzuleiten.“ (Seite 44)

Wenn auch ein bisschen verklausuliert, ist auch dies eine klare Mitteilung: Die Bologna-Reform und die Akkreditierung sind von den Vorstellungen von Personen geprägt worden, die wenig Ahnung hatten.

Das Gutachten enthält auch Empfehlungen, die auf den Seiten 13 und 14 zusammengefasst werden. Die Hauptempfehlung, die sich auch im Titel des Gutachtens niedergeschlagen hat, ist, die Akkreditierung durch eine Auditierung zu ersetzen, die ziemlich anders als die Akkreditierung  wäre. Der eigentlicher Vorschlag des Gutachtens ist aber – diplomatisch formuliert – die Beseitigung der Akkrediterung. Wegen der Bundestagswahl im September 2013 und einer bayerischen und einer Bundesregierung, die die Nähe zu den Arbeitgeberverbänden pflegen, dürfte diese Empfehlung Folgen haben.

Eines muss allen klar sein: Die gewaltige Arbeitszeit, die Hochschullehrer zur Erledigung von bürokratischen Aufgaben aufbringen müssen, ist für Lehre und Forschung verloren. Alle, die an Hochschule in Lehre und Forschung tätig sind und die Hochschulverwalter, die über den Verwaltungsstellerrand schauen – es gibt sie! – wissen, dass die Bologna- und Akkreditierungsbürokratie die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Hochschulen verringert.

FB

Post Scriptum: Sollte jemand im obigen Zitat eine Kritik an Herrn Dr. Haarbusch (damals an der Stabsstelle Strategie und Entwicklung der LMU München tätig) irrtümlich sehen, so sei hier klargestellt, das dieses Zitat selbstverständlich ein Lob ist: Er hat ja seinen Auftrag gründlich durchgeführt.

„Glücklich ist, wer vergisst, was doch nicht zu ändern ist“

Mittwoch, April 10th, 2013

Am letzten Samstag habe ich in der Wiener Volksoper die Fledermaus gesehen. So habe ich an den Reim „glücklich ist, wer vergisst, was doch nicht zu ändern ist“ gedacht, als mich heute ein Mitarbeiter vom Stand der Klausurterminierung informiert hat.

Obwohl schon am 11.2.2013 die nötigen Räume für die Klausur der Vorlesung „Programmierung und Modellierung“ beantragt worden sind, wissen wir immer noch nicht, wann und wo diese Klausur wird stattfinden können. Im Hauptgebäude wird sie sicherlich nicht stattfinden, weil dieses Gebäude ab dem Ende der Vorlesungszeit wegen Renovierung wieder einmal gesperrt sein wird. Im Gebäude in der Theresienstraße wird sie vermutlich auch nicht stattfinden können, weil es längerer Zeit für Staatsexamens benutzt werden wird.

Ich hätte gerne spätestens am kommenden Montag während der ersten Stunde der Vorlesung den Klausurtermin mitgeteilt. Das wird vermutlich unmöglich sein.

Ich selbst bin der Auffassung, dass alle Klausurtermine spätestens ein Jahr im Voraus bekannt werden sollten. Das dürfte, meine ich, die Verwaltung einer Hochschule nicht überfordern. Diese Meinung sollte ich aber lieber vergessen: „Glücklich ist, wer vergisst, was doch nicht zu ändern ist!

FB

Post Scriptum: Noch vor der ersten Vorlesungstunde wurde der Klausurtermin mitgeteilt: Freitag 30.8.2013 von 9 bbis 12 Uhr.

Muss das Ende der Studiengebühren bedauert werden?

Donnerstag, Februar 28th, 2013

in einem „Nachruf auf die Studiengebühren„, der gestern in der Süddeutsche Zeitung erschienen ist, schreibt Philipp Gassert, Professor für transatlantische Geschichte an der Universität Augsburg, das Folgende, was meiner Erfahrung nach nicht zutrifft:

Viertens eröffnen Studienbeiträge autonome Spielräume ohne staatliche Gängelung: Über den sinnvollen Einsatz der Beiträge entscheiden Lehrende und Studierende gemeinsam. Das geschieht vor Ort, „ganz nah beim Kunden“ und nur im Rahmen der allgemeinen Bestimmung, dass Studienbeiträge zur Verbesserung der Lehre dienen. Keine ferne Kultusbürokratie redet uns hier hinein. Diese Freiräume werden Studierende, Lehrende und Hochschulleitungen noch vermissen.

Die Verwendung der Studiengebühren wurde vom Bayerischen Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst und den Hochschulleitungen nicht nur bürokratisch, sondern in einer Weise festgelegt, die meist einer Verbesserung der Hochschullehre im Weg steht. So müssen aus Studiengebühren bezahlten Arbeitsverträge an meiner Universität sehr kurz –1 bis höchstens 2 Jahre– sein und zu so viel Lehre verpflichten, dass damit weder ein ausreichend qualifiziertes Lehrpersonal noch ein Personal, der lange genug an der Hochschule bleibt, um genug Lehrerfahrung zu sammeln, eingestellt werden kann.

Philipp Gassert, mit dem ich mich gestern über seinen Artikel ausgetauscht habe, hat  mir gestern mitgeteilt, dass an seiner Universität ein paar Junior-Professuren – also auf 6 Jahre begrenzte Stellen für ein qualifiziertes Lehrpersonal. Offenbar war die Leitung seiner Universität geschickter als die Leitungen anderer bayerischen Universitäten. Die kontraproduktiven bürokratischen Hürden bei der Verwendung der Studiengebühren galten aber auch an der Universität Augsburg.

Darin liegt der Hauptgründe, warum die Fakultäten in Bayern die Studiengebühren in der Vergangenheit zuerst nicht ganz ausgegeben haben. Die Drohung, es könnte zu Mittelkürzungen kommen, hat dann dazu geführt, dass mit dem stillschweigenden Einverständnis von vielen Studentenvertreter Studiengebühren für allerlei, darunter ziemlich fraglichen Dingen, ausgegeben wurden.

Was meine Universität sowie die meisten Hochschulen in Deutschland uns insbesondere in Bayern dringend benötigen ist wie folgt:

  • Mehr qualifiziertes Personal, das heißt, nicht nur promoviertes oder habilitiertes Lehrpersonal, sondern auch Personal, das Erfahrung in der Lehre haben (oder bekommen können) und zu guten Bedingungen (wettbewerbsfähige Bezahlung und nicht übertriebene Lehrverpflichtung)
  • Deutlich mehr Platz (Räume, Gebäude)
  • Verwaltung-Software vor allem für die Lehre aber auch für die sonstige Verwaltung. Ein Beispiel belegt den Bedarf: Die Verwaltung von Abwesenheiten wegen Urlaub müssen wir auf Karteien einer bestimmten Größe und einer bestimmten Farbe erledigen; Excel-Tabelle dafür zu verwenden ist … unzulässig.

Einige der Argumente, die Philipp Gassert in seinem Artikel zur Verteidigung der Studiengebühren nennt, sind aus meiner Sicht zutreffend. Ich selbst bin mit der Zeit Gegner der Studiengebühren geworden, weil sie nicht vernünftig verwendet werden können.

Geld ist nicht gleich Geld. Geld, dass nicht vernünftig verwendet werden darf, benötigt keine Hochschule. Deswegen bedauere ich nicht das Ende des Experiments Studiengebühren.

FB