Archive for the ‘Allgemein’ Category

Betreibt Google Volksverhetzung?

Sonntag, Dezember 11th, 2016

Gestern habe ich berichtet, wie die Anfragevervollständigung von Google den Satz „Muslime sind“ derzeit wie folgt ergänzt:

  • „dumm“
  • „gefährlich“
  • „nicht integrierbar“
  • „Rassisten“
  • „böse“

Betreibt damit Google Volksverhetzung? Ich meine ja, wenn auch ich kein Jurist bin und folglich mich irren kann. Volksverhetzung ist im § 130 Absatz 1 des Strafgesetzbuchs wie folgt definiert:

Wer in einer Weise, die geeignet ist, den öffentlichen Frieden zu stören,

  • gegen eine nationale, rassische, religiöse oder durch ihre ethnische Herkunft bestimmte Gruppe, gegen Teile der Bevölkerung oder gegen einen Einzelnen wegen seiner Zugehörigkeit zu einer vorbezeichneten Gruppe oder zu einem Teil der Bevölkerung zum Hass aufstachelt, zu Gewalt- oder Willkürmaßnahmen auffordert oder
  • die Menschenwürde anderer dadurch angreift, dass er eine vorbezeichnete Gruppe, Teile der Bevölkerung oder einen Einzelnen wegen seiner Zugehörigkeit zu einer vorbezeichneten Gruppe oder zu einem Teil der Bevölkerung beschimpft, böswillig verächtlich macht oder verleumdet,

wird mit Freiheitsstrafe von drei Monaten bis zu fünf Jahren bestraft.

Bekanntlich beruht die Anfragevervollständigung von Google auf Anfragen von Google-Nutzern – siehe u.a. das folgende Zitat von Google aus dem Artikel vom 6. April 2011 „How Google Instant’s Autocomplete Suggestions Work“ in Search Engine Land:

We believe that Google should not be held liable for terms that appear in Autocomplete as these are predicted by computer algorithms based on searches from previous users, not by Google itself. 

Es ist nicht dagegen einzuwenden, dass niemand sich der Volksverhetzung schuldig macht, der einen Überblick über extremistische Meinungen ausarbeitet und veröffentlicht. Wer aber in Privatgespräche volksverhetzende Meinungen erfährt und sie dann als vertretbare Standpunkte veröffentlicht, kann zweifelsohne dadurch den öffentlichen Frieden stören.

Genau das scheint mir die Anfragevervollständigung von Google zu tun: Die Suchanfragen an Google, die Grundlagen der Anfragevervollständigung sind, hat Google nicht aus Veröffentlichtes gesammelt. Sie sind wie „Privatgespräche“ zwischen Google-Nutzern und der Suchmaschine. Die Veröffentlichung erfolgt erst durch Google mit der Veröffentlichung seiner daraus abgeleiteten Vorschlägen zur Anfragevervollständigung.

Die Tatsache, dass Google Algorithmen für die Anfragevervollständigung verwendet, ist irrelevant. Wenn es nicht so wäre, so würde sich niemand strafbar machen, der volksverhetzenden Aussagen aus Privatgespräche sammelt, mit Algorithmen irgend wie ausarbeitet – z.B. alphabetisch sortiert -, und dann als vertretbare Meinungen veröffentlicht.

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Ein Spiegel unserer Gesellschaft

Samstag, Dezember 10th, 2016

Die Autovervollständigung von Google beruht auf die meist-gestellten Suchanfragen. Sie liefert einen Spiegel unserer Gesellschaft.

Heute, dem 10. Dezember 2016, um 19:31 Uhr schlug die Autovervollständigung von Google den Satz „Muslime sind“ wie folgt zu ergänzen:

  • dumm
  • gefährlich
  • nicht integrierbar
  • Rassisten
  • böse

Ist es akzeptabel, dass eine Software solche Vorurteile verbreitet? Sicherlich nicht.

Kann das vermieden werden? Sicherlich ja. Eine Software, die wenn nicht alle zumindest viele fragliche Vervollständigungen aufspüren würde, wäre nicht schwierig zu realisieren. Google verfügt zweifelsohne über das Know-How dafür und die mittel dazu.

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Die richtigen Worte suchen oder unbedacht plappern?

Samstag, Dezember 3rd, 2016

Es ist oft schwierig, die richtigen Worte zu finden!

Neulich habe ich beim Festakt eines österreichischen Gymnasiums gehört,  wie „die Schüler jüdischen Glaubens unseres Gymnasiums, die in der Nazi-Zeit das Gymnasiums verlassen müssten„, erwähnt wurden.  Während der Veranstaltung, die eineinhalb Stunden lang gedauert hat, wurde über diese Schüler nichts Weiteres gesagt. Ob diese Gymnasiasten ausführlicher hätten erwähnt sollen, kann lange debattiert werden. Es steht aber außer Debatte, dass der oben erwähnte Satz unpassend war.

Erstens, mussten die erwähnten Schüler leider nicht nur das Gymnasium verlassen, sondern auch sterben, sogar in schrecklichen Weise sterben. Ob einige überlebt haben, ist mir unbekannt. Vermutlich wenn überhaupt nur sehr wenige, weil bekanntlich die zuständigen Behörden der österreichischen Stadt damals sehr „effizient“ waren. Nur einen im Vergleich harmlosen Teils eines schrecklichen Schicksals zu erwähnen, ist unpassend!

Zweitens waren nicht alle, vermutlich sogar die Mehrzahl der erwähnten Schüler, gar nicht „jüdischen Glaubens“. Haarsträubende Gesetze hatten sie zu „Juden“ gemacht und verneint, was einige von ihnen von sich selbst meinten. Mit Sicherheit sahen sich einige der vom Gymnasium verwiesenen Schüler nicht als „Juden“, sondern als „Katholiken“. Das üble am Rassismus ist eben, Menschen in Kategorien zu bringen, die für diese Menschen selbst nur teilweise oder gar nicht zutreffend oder relevant sind. Rassistische Kategorien sollten nicht übernommen werden, wenn Opfer des Rassismus gedacht werden!

Es ist zweifelsohne oft schwierig, die richtigen Worte zu finden. Deswegen sollten wir, Lehrer, uns bemühen, die richtige Worte zu suchen, statt unbedacht zu plappern.

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Vorbereitung auf den Ernstfall: https statt http

Donnerstag, August 25th, 2016

Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe empfiehlt auf der Webseite „Essen und Trinken bevorraten“ einen Vorrat an Lebensmitteln und Getränken für zwei Wochen in jedem Haushalt zu haben.

Darüber, ob der Ratschlag angebracht ist, wird gestritten. Unbemerkt ist aber, dass sämtliche Behörden und Ministerien ihre Empfehlung an die Bevölkerung in Webseiten veröffentlichen, deren Adressen mit http anfangen. So können geschickte Häcker die Inhalte verändern, bevor sie in den Browser der Bürger angezeigt werden. 

Behörden und Regierungen sollten Webseiten mit https- statt http-Adressen verwenden. https-Adressen sind daran erkennbar, dass sie im Browser mit einem Schloss angezeigt werden. https-Adresse stellen nicht nur sicher, dass die zwischen Browser und Server ausgetauschte Daten verschlüsselt werden, sondern auch erstens dass Browser eine Warnung statt eine abgeänderte Webseite anzeigen. Sowohl ganz oder teilweise abgeänderte Inhalte wie auch eine Umleitung auf einen anderen Server sind bei https-Adressen für alle erkennbar, bei http-Adressen jedoch nicht.

Im Ernstfall – bei einem Amoklauf, bei einer Umweltkatastrophe oder bei einem politisch oder sonst wie motivierten Angriff – ist es am wichtigsten, die Bevölkerung schnell und richtig zu informieren. Dafür ist heute das Internet das bestmögliche Medium, weil viele ein Smartphone in der Tasche haben, und nicht zuletzt, weil es für die Kriegsführung konzipiert wurde und somit äußerst Resistent auf den Ausfall von einigen Datenserver.

Daraus lässt sich ableiten, dass die Veränderung von Anweisungen und Ratschläge an die Bevölkerung eine der wahrscheinlichsten Angriffsformen, womit zu rechnen ist. Regierungen und Behörde, die ihre Verantwortung im Ernstfall ernst nehmen müssen nachrüsten: Mit einer Umstellung ihrer Servern von http auf https. Aus meiner Sicht wäre es dringender nötig, als Getränke und Lebensmittel für zwei Wochen zu Hause zu horten.

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Muss ein Berufungsvortrag öffentlich sein?

Dienstag, Juli 12th, 2016

Neulich wurde ich gefragt, ob ein Berufungsvortrag öffentlich sein muss. An einer Hochschule nennt man „Berufungsvortrag“ der wissenschaftliche Vortrag, den jede/r Bewerber/in um eine Professur halten muss.

Ganz eindeutig ist der Brauch nicht nur in Deutschland, sondern auch im ganzen deutschsprachigen Raum, dass Berufungsvorträge öffentlich sind. Nur öffentliche Vorträge ermöglichen, dass wissenschaftliche Mitarbeiter und Studierenden sich eine Meinung über die Bewerber bilden können. Üblich ist auch, dass jede Berufungskommission bei ihrer Entscheidung diese Meinungen erfragt und berücksichtigt. (Man nennt „Berufungskommission“ das Gremium, die über die Besetzung einer Professur der Universitätsleitung eine Empfehlung gibt.)Ganz eindeutig ist auch, dass an meiner Universität, der Ludwig-Maximilians-Universität München Berufungsvorträge üblicherweise öffentlich sind.

Nach dieser Antwort wurde ich noch gefragt, ob an meiner Universität die Berufungsvorträge öffentlich sein müssen. Das bayerische Hochschulgesetz verlangt es nicht und meine Universität scheint keine Regelung über den Ablauf von Berufungen zu haben. Höchstwahrscheinlich lautet also die Antwort, dass an der Ludwig-Maximilians-Universität München ein Berufungsvortrag nicht öffentlich sein muss.

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Der Erfolgskultur die Stirn bieten

Sonntag, Juni 12th, 2016

Erfolg wird in der Kultur sehr hoch gewertet: Wir erwarten von uns selbst einigermaßen erfolgreich zu sein; das erwarten auch von uns unsere Partner, Freunden, Eltern, Kollegen und Arbeitgeber. Erfolg ist überall nötig: Um seiner Familien guten Lebensbedingungen zu geben; seinen Kindern Chancen im Leben; damit das Unternehmen, in dem man arbeitet, weiterhin Arbeitsplätze anbieten kann.

Vermutlich ist das Erfolgsglück beim Mensch und bei anderen Lebewesen angeboren und gehört zu den Tricks der Evolution, um das Überleben sicher stellen. Der Sammler und Jäger, der nach einer mehrstündigen Wanderung die Nüsse findet oder nach einem zweistündigen Rennen den Hasen erlegt, die seiner Gruppe und ihm ein paar Tage lang Nahrung gibt, erlebt zweifelsohne einen sehr starken Erfolgsgefühl. Ein Problem ist aber, dass die große Mehrheit der Menschen heute – zumindest in entwickelten Ländern – Erfolg mit Überleben gar nicht verbinden können. Den Erfolg, den wir noch erleben, betrifft unser Überleben nicht.

Die Erfolgskultur ist folglich weitgehend eine Täuschung: Der Finanzinvestor muss die Rendite immer steigern – über jeden vernünftigen Mass hinaus –, um als erfolgreich zu gelten. Das Autokonzern muss seine Technologie auch dann durchsetzen und verkaufen, wenn sie neue Umweltnormen nicht einhält. Der Wissenschaftler muss immer mehr Aufsätze veröffentlichen, immer mehr Fördergelder einwerben, seine Publikationen müssen immer mehr Zitate erhalten – über jeden vernünftigen Mass hinaus. Viele weitere Beispiele könnte man geben.

Ist es denn verwunderlich, dass es zu Betrügen führt, wie in der Finanzbranche vor zehn Jahren und in der Automotive-Industrie neulich bekannt wurde? Immer wieder werden hoch angesehene Wissenschaftler erwischt, die ihre Karriere zum Teil oder sogar ganz auf Betrug aufgebaut haben. Es ist davon auszugehen, dass früher oder später in der Wissenschaft ähnliches passiert wie in den Finanz- und Automotive-Branchen.

Der eigentliche Betrug, der selten wenn überhaupt angeprangert wird, ist die Erfolgskultur, die uns zu schweigenden Mittäter werden lässt. Die Liquididtätsproblemen der  Investmentbank Bear Stearns waren in Finanzkreisen höchstwahrscheinlich lange bekannt, bevor die beinahe-Pleite der Bank den Auftakt der Großen Rezession gab. (Die Pleite von Bear Stearns wurde künstlich durch u.a. die US-Zentralbank verhindert: „too big to fail“ hieß es damals.) Der Emissionsbetrug beim VW war zweifelsohne weltweit unter Ingenieuren bekannt, die nach dem angeblichen Erfolg von VW, die Emissionen eines Diesel-Motors wesentlich zu verringern, daran arbeiteten, die Technik zu verstehen und ähnliches zu meistern. Was bei Betrügen wie von Bear Stearns und VW eigentlich verwunderlich ist, ist wie lange so viele Menschen geschwiegen haben.

Der wahre Erfolg einer Investmentbank ist nicht die außergewöhnlich hohe Rendite, sondern die Beständigkeit der Rendite. Der wahre Erfolg eines Auto-Konzerns liegt nicht am außergewöhnlich langen Erfolg einer alten Technik, sondern an der rechtzeitigen Erschließung neuer Technologien. Und der wahre Erfolg einer wissenschaftlichen Institution und eines Landes liegt nicht an den außergewöhnlich hohen Zitatenzahlen und eingeworbenen Fördermitteln ihrer Wissenschaftler, sondern an der Fähigkeit Generation nach Generation, hoch kreative und gelegentlich außergewöhnlich produktiven Wissenschaftler auszubilden. Der wahre Erfolg lässt sich nur über Jahrzehnten erkennen.

Wir müssen der derzeitigen Erfolgskultur, die ein Selbstbetrug ist und den Betrug fördert, die Stirn bieten und uns darauf besinnen, was ein wahrer Erfolg ist. Welche Orte sind dafür besser geeignet als Hochschulen?

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Der Niedergang von Blablacar

Mittwoch, Juni 8th, 2016

Die beliebte Webplattform Blablacar für Mitfahrgelegenheiten schränkt die Absprachemöglichkeiten zwischen Fahrer und Fahrgast ein: Vor  einer festen – und bezahlten Buchung ist die Kommunikation kaum noch möglich und in Zukunft soll nur noch online – über Kreditkarten, Paypal oder ähnliches – bezahlt werden.

Der Sinn der Einschränkung ist klar: Sie sollen sicher stellen, dass Fahrer und Fahrgast nicht länger unter Verwendung der Plattform aber ohne der Plattform einen Anteil abzugeben eine Fahrvereinbarung abschließen.

Wie verständlich es ist, dass Blablacar an seiner Webplattform verdienen möchte, mißachtet das Unternehmen eine eiserne Regel der Mitmachökonomie: Am wertvollsten sind die Nutzer, nicht die Software. Eine ähnliche Plattform kann schnell entstehen, auf die die derzeitige Blablacar-Nutzer wechseln können.

In der Mitmachökonomie gibt es zwei Geldquellen:

  • Die Nutzer-Daten
  • Zusätzliche Dienste über ein Freemium-Modell

Beide Quellen stehen Blablacar offen – noch. Bleibt  Blablacar bei seiner Entscheidung, dann wird es nur so lange weiterleben, bis ein Konkurrent auftaucht. Der Niedergang von Blablacar ist so also so gut wie sicher.

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Die Ethik ist keine Kirsche auf dem Kuchen

Dienstag, Mai 24th, 2016

Die Ethik ist keine Kirsche auf dem Kuchen. Entweder bemüht man sich um ein ethisches Handeln, was ein Durchdringen des ethischen  Denkens überall voraussetzt, oder man lässt es ganz. Ein bisschen Ethik als Opfergabe auf dem Altar der öffentlichen Meinung ist schlichtweg eine Lüge.

Gestern auf dem Weg in eine Vorlesung habe ich im Lichthof meiner Universität, der Ludwig-Maximilians-Universität München, an einer besonders sichtbaren Stelle einen Stand einer großen Schweizer Bank gesehen. Es fand nämlich gestern an meiner Universität die „Career Talk 2016“ statt – unter dem Motto  „Grenzenlose Karrieren zwischen Global Player und Local Hero“.

Die große Schweizer Bank, die UBS, deren Stand ich gestern sah,  wurde in den letzten Monaten als Hauptakteurin einer rechtswidrigen Anstiftung zur Steuerhinterziehung in der Europäischen Union insbesondere in Frankreich entlarvt. Ich sehe nicht, was eine dermaßen belastete Bank auf einer Informationsveranstaltung für Studierenden an einer Universität zu suchen hat. Soll denn eine Universität Studierenden die Botschaft vermitteln, dass rechtswidriges Handeln eines Unternehmens bei ihrer Stellenauswahl keine Rolle spielen soll? Bedeutet denn „grenzenlos“ im Motto der Informationsveranstaltung, dass die Ethik keine Grenzen setzt?

Die historische Bedeutung des Lichthofs der Ludwig-Maximilians-Universität München wäre übrigens ein weiterer Grund, die Veranstaltungen sorgfältig auszuwählen, die dort stattfinden.  Das mutige Handeln der Widerstandskämpfer der Weißen Rose sollte uns immer noch zum ethischen Handeln verpflichten.

Meine Universität ist zudem eine öffentliche Einrichtung, was heißt, dass sie weitgehend über Steuergelder finanziert wird. Ich sehe nicht ein, dass die Steuerzahler sowohl für die Bekämpfung der Steuerhinterziehung zahlen sollen, wie auch für eine Universität, die ihren Absolventen eine Bank als Arbeitgeber empfiehlt, die zur Steuerhinterziehung anstiftet.

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Das BND-Gelände in Pullach sollte ein Universitäts-Campus werden

Freitag, April 1st, 2016

Wenn Bund und Land es mit der Bildung und der Forschung ernst meinen, wie sie immer wieder beteuern, dann sollte das BND-Gelände in Pullach nach dem Umzug des Bundesnachrichtendienstes nach Berlin ein Universitäts-Campus werden.

Der Bedarf insbesondere am Universitätsstandort München ist nicht groß, sondern gewaltig: Unter anderem die Ludwig-Maximilians-Universität platzt seit Jahrzehnten aus allen Nähten und die Studierendenzahlen steigern Jahr für Jahr weiter.

Pullach ist mit den öffentlichen Verkehrsmitteln sehr gut erreichbar. Das BND-Gelände eignet sich sicherlich sehr gut für ein universitäts-Campus, wenn auch selbstverständlich umfassende Bauarbeiten nötig wären. Wegen der Nazi-Vergangenheit einiger Gebäude auf dem BND-Gelände wäre eine Umwidmung dieses Gelände in einen Universitäts-Campus besonders passend.

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Durchbruch: Eine künstliche intelligenz schlägt einen professionellen Go-Spieler

Mittwoch, Januar 27th, 2016

Der Artikel „Mastering the game of Go with deep neural networks and tree search“ der morgigen Nature-Ausgabe (28.01.2016) berichtet über den Erfolg einer beim Google DeepMind entwickelten künstlichen Intelligenz, einen professionellen Go-Spieler zu schlagen:

The game of Go has long been viewed as the most challenging of classic games for artificial intelligence owing to its enormous search space and the difficulty of evaluating board positions and moves. Here we introduce a new approach to computer Go that uses ‘value networks’ to evaluate board positions and ‘policy networks’ to select moves. These deep neural networks are trained by a novel combination of supervised learning from human expert games, and reinforcement learning from games of self-play. Without any lookahead search, the neural networks play Go at the level of state-of-the-art Monte Carlo tree search programs that simulate thousands of random games of self-play.

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Schon gehört von Solu?

Samstag, Oktober 17th, 2015

Schon gehört von Solu? Das könnte der PC der Zukunft sein.

Der Guardian berichtet über Solu im Artikel „Solu: the Finnish pocket computer that wants to take over the world„.

Das finnische Start-Up, welches Solu konzipiert hat, sammelt Mitteln auf und bietet an erste Solu-Computer auf Kickstarter: Solu: A new breed of computing.

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Plädoyer für eine virtuelle Transitzone für Asylbewerber

Freitag, Oktober 16th, 2015

Die Flüchtlingskrise wird zur Bewährungsprobe nicht nur für Europas Regierungen, sondern auch für Europas Bürger. Verständlich sind sowohl der Vorschlag von Transitzonen an den Grenzen Europas oder Deutschlands wie auch die Ablehnung dieses Vorschlags: Für beides gibt es schlagkräftige Argumente. Ohne zu viel ins Politische zu geraten, wofür dieser Blog ungeeignet ist, möchte ich darauf hinweisen, dass virtuelle Transitzonen im Internet viele Vorteile hätten.

Muss aber überhaupt Europa Flüchtlinge aus dem nahen Osten und Afrika aufnehmen? Aus zwei Gründen gibt es keinen Weg darum herum. Ersten sind die Süd- und Ostgrenzen Europas einfach nicht dicht zu machen. Hunderte von Inseln in der Ägäis und zig Tausende Kilometer Mittelmeerküsten machen es leicht, illegal einzureisen. Flüchtlinge in Schlauchbooten sind leicht erkennbar, in Fischers- und Handelsschiffen jedoch nicht. Autoritäre Regime Geld und Anerkennung zu geben, damit sie ihre Grenzen zu Europa für Flüchtlinge dicht machen hat Nachteile: Europa macht sich dadurch erpressbar und Krisen in Ländern wie Marokko, Libyen, Ägypten, Libanon oder Iran können jederzeit aufbrechen und zur Massenflucht ihrer Bürger führen.

So viel zum Politischen. Kommen wir jetzt zu einer Möglichkeit, die das Internet bietet. Stellen wir uns eine Web-Plattform vor, womit Möchtegernflüchtlinge Asylanträge stellen könnten. In den meisten Fällen alles, in einigen Fällen das Meiste vom Nötigen zur Bearbeitung eines Asylantrages könnte hochgeladen werden und dadurch der Antrag bearbeitet bevor der Flüchtling über welchem Weg auch nach Europa ankommt. Verschlüsselung und VPN würden Nutzer der Plattform vor Repressalien ihrer Saaten ziemlich gut, wenn auch nicht perfekt, schützen. Asylbewerber, deren Anträge angenommen wurden, könnten über die Plattform fälschungssichere elektronische Sondervisen nach Europa erhalten, ohne in eine Botschaft gehen zu müssen. Die Asylbewerber mit solchen Sondervisen könnten sogar ihre Flugscheine nach Europa über die Plattform erwerben. Eine solche Plattform wäre eine virtuelle Transitzone. Sie wäre viel effektiver und viel billiger zu betreiben als eine traditionelle Transitzone. Eine solche virtuelle Transitzone hätte drei weitere Vorteile.

Der erste weitere Vorteil ist, dass mit einer solchen virtuellen Transitzone junge, männliche und abenteuerfähige Asylbewerber nicht wie derzeit bessere Chancen auf Asyl in Europa als andere Menschen hätten. Wenn Europa ihre Asyltradition bewahren möchte, die aus den schlimmen Erfahrungen von Religionskriegen sowie Nationalsozialismus und Kommunismus stammt, dann ist sowohl sinnvoll wie ethisch akzeptabel bei der Aufnahme von Asylbewerbern auf ihre Integration zu achten. Dazu gehört, dass unter Asylanten genug Frauen, Kinder, Familien und ausgebildete Menschen sind. Eine virtuelle Transitzone würde dieses Ziel besser als alle andere bisher vorgeschlagene Ansätze erreichen.

Ein weiterer Vorteil ist, dass eine virtuelle Transitzone die Früherkennung von Flüchtlingsströmen ermöglichen könnte. Eine relativ einfache Plattformsnützungsanalyse würde sehr früh darauf hinweisen, aus welchen Weltregionen Menschen überlegen zu fliehen. Eine solche Früherkennung gäbe Europas Regierungen die Möglichkeit, rechtzeitig aussenpolitisch aktiv zu werden, um die Fluchtgründe zu bekämpfen, sowie, falls dies nicht gelingt, sich auf den möglichen Ansturm von Asylbewerbern vorzubereiten. Man stelle sich vor, die Regierungen der Europäischen Union könnten nachweisen, dass mehrere Hundert Tausende Menschen aus einem Land fliehen möchten. Könnten sie mit dem Beleg davon bei den Vereinten Nationen nichts erreichen? Wohl kaum.

Ein weiterer und, wie ich meine, besonders wichtiger Vorteil ist, dass eine virtuelle Transitzone ermöglichen würde, Auskünfte an potenzielle Asylbewerber zu geben – etwa über Länder, deren Aufnahmekapazitäten vorübergehend erschöpft sind. Dies wäre, meine ich, ethisch nicht verwerflich: Wer hilft, darf und sogar muss darauf achten, sich nicht zu übernehmen, weil sonst die angestrebte Hilfe zu kurz kommt oder sogar keine mehr ist. Mit einer virtuellen Transitzone könnten die potenziellen Asylbewerber in ihrem eigenen Interesse sowie im Interesse der Länder gelenkt werden, die die virtuelle Transitzone betreiben.

Zugegeben könnte eine virtuelle Transitzone missbraucht werden, um potenzielle Asylbewerber abzuschrecken. Europas Bürger würden aber weiterhin den Umgang ihrer Regierungen mit dem Recht auf Asyl beobachten und bei Bedarf aktiv werden.

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Eine neoliberale Versuchung: Das Führerprinzip

Freitag, Oktober 2nd, 2015

Wenn ich anlässlich des Abgasskandals von der Unternehmensführung beim Volkswagen erfahre, dann drängt sich bei mir der Begriff „Führerprinzip“ auf. Ich weiss, dass es schlecht ankommt, Bezeichnungen auf der NZ-Zeit zu verwenden. Wenn  aber „Volkswagen“ nicht stört, warum denn sollte „Führerprinzip“ stören?

Das Führerprinzip ist eine Versuchung, die sich seit den 90er Jahren wieder verbreitet hat – nebenbei bemerkt besonders in Frankreich. Eine neoliberale Vorstellung ist nämlich, dass eine starke Führung vorteilhaft ist, die den Weg zeigt ohne dabei infrage gestellt zu werden.

In der Tat gibt es Situationen, wo eine unangefochtene Führung notwendig ist. Bei einer Operation am offenen Herz muss zum Beispiel eine(r) leiten und ohne Palaver die nötige Entscheidungen schnell treffen. Während eines Feuerwehreinsatzes muss auch immer wieder schnell entschieden werden. Und der Offizier, der den Befehl zum Sprung aus den Gräbern und zum Angriff gibt, muss ungefragt gehorcht werden – sonst hat die ganze Sache keinen Sinn. (Ob das Gehorchen im Krieg zwangsläufig einen Sinn ergibt, ist eine andere Frage.)

Weitere Beispiele, die den Sinn des Führerprinzips belegen, gibt es. In den meisten Fällen aber führt das Führerprinzip zu Katastrophen – sowie wie neulich bei Volkswagen. Die Realität ist eben meist viel zu kompliziert und viel zu vielseitig, um von einem einzigen Mensch überblickt und verstanden zu werden – so schlau dieser Mensch auch sein mag und so viele kluge Berater er um sich haben mag.

Wer der neoliberalen Versuchung des Führerprinzips verfällt, schädigt Unternehmen, Organisationen und die Gesellschaft und findet letztendlich als potentielle Leiter nur noch solche, denen das Führerprinzip nicht unbehaglich ist. Das sind selten geeignete Leiter. Wären sie geeignet, so würden sie wohl kaum nach dem Führerprinzip handeln wollen.

Das bayerische Hochschulgesetz in seiner letzten Fassung von 1996 gibt den Universitätspräsidenten eine Macht, die von Professoren, wenn sie unter sich sind, als Neubelebung des Führerprinzips belächelt wird. Eine offene Frage ist, wann diese Übermacht zu ähnlichen Katastrophen wie beim Volkswagen führen wird.

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Post Scriptum: Ein Tag nach der Veröffentlichung dieses Artikels liest man im SZ-Artikel „Angst und Arroganz“ die folgende Bestätigung meiner Meinung:

Diskutieren sei zwecklos, das Eingestehen des Scheiterns ebenso, erzählen Leute aus dem Konzern: `Wer aufgemuckt hat, ist niedergebrüllt worden.´ Das sei die Kultur von Ex-Chef Martin Winterkorn gewesen – und die der Techniker. Sie sitzen über Jahre zusammen, ein Ziel vor Augen. Manche Ingenieure hätten sich dabei eine eigene Welt erschaffen.

Eine weitere Bestätigung der obigen Analyse liefert die SZ-Interview „Die Sowjetunion hat auch lange funktioniert“ vom 16.10.2015.

Der VW-Skandal und die vernetzten Autos

Mittwoch, September 30th, 2015

Über den VW-Skandal und die Folgen, die er haben dürfte, wird viel geschrieben. Eines habe ich nicht gelesen: Er wird dazu beitragen, dass die Autos schneller vernetzt, ich meine einen mehr oder weniger ständigen internet-Zugang haben.

Wären die fraglichen Autos  aus dem VW-Konzern vernetzt, dann wäre der Ersatz der betrügerischen Software viel, sehr viel billiger und könnte innerhalb von nur Stunden durchgeführt werden.

Vernetzte Autos würden wiederum die Trickserei mit betrügerischen Software erleichtern.

Ergänzung am 3. Oktober 2015:

Vernetzte Autos würden nicht nur die Trickserei mit betrügerischen Software erleichtern, sondern auch die Aufdeckung solcher Praktiken. Die Kontrollbehörden könnten eben fordern, dass Daten aus von ihnen zufällig ausgewählten Autos an ihnen geschickt werden. Das wäre sehr einfach zu realisieren, würde höchsten ein paar Tausend Euro für die Software-Erstellung kosten, und höchstens einen ähnlichen Betrag für das Datensammeln.

 

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Studierende und Akademiker auf der Balkan-Route

Samstag, September 26th, 2015

In den letzten Jahren bin ich regelmäßig mit Zug zwischen Wien und München gefahren. Dabei habe ich stets Flüchtlinge getroffen. In den letzten zwei Jahren war auffällig, dass unter den Flüchtlingen immer mehr gebildete Menschen zu treffen waren. Immer mehr sprachen ein gute, sehr gutes oder perfektes Englisch. Einiger konnten sogar Deutsch. Nicht wenige junge Flüchtlinge sind Studierende – oder eher waren Studierende, bevor sie die Flucht ergreifen haben.

Selbstverständlich erfährt man durch solche Begegnungen nicht viel und nur das, was mitgeteilt wird. Das Mitgeteilte kann ich natürlich nicht überprüfen.

Der Eindruck dürfte aber kaum täuschen. Ich erinnere mich sehr prägnant an ein paar Junge Menschen, die sich als Studenten ausgegeben haben. In ihrem Verhalten und wie sie verkleidet waren, waren sie nicht von den Studierenden zu unterscheiden, die ich beruflich an der Universität München begegne.

Die Anzahl der Flüchtlinge ist seit zwei oder drei Jahren stets gestiegen, der Anteil der gebildeten Menschen darunter ebenfalls. Einmal im letzten Juli sagte mir eine Schaffnerin, dass „die Flüchtlinge ein Viertel [ihres] Zuges ausmachen dürften„. „Haben sie Fahrkarten?“ habe ich gefragt. „Ja klar, war die Antwort.“ „Bereiten sie Ihnen Schwierigkeiten?“ wollte ich noch wissen. „Wieso denn?“ erwiderte die offensichtlich von meiner Frage überraschte Schaffnerin.

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Zur Akkreditierung von Studiengängen

Freitag, September 25th, 2015

Die Akkreditierung von Studiengängen ist in Europa unter Hochschullehrern unbeliebt, bemerkten neulich während einer Tagung Vertreter von beruflichen Verbänden, die sich dafür einsetzen. „Eine Akkreditierung verlangt doch keine zusätzliche Arbeit, wenn eine Hochschule über eine gut funktionierende Qualitätssicherung verfügt„, wunderte sich einer dieser Vertreter. Damit hatte er, ohne es wissen, das Problem erklärt. Nicht wenige Hochschulen Europas verfügen eben über keine „gut funktionierende Qualitätssicherung“. Mir sind sogar einige bekannt, die überhaupt keine Qualitätssicherung haben! Das scheint auf einige Hochschulen zuzutreffen, die über einen guten Ruf verfügen. „Wenn der Ruf schon gut ist, warum sollte man sich denn darum kümmern?“ scheint eine verbreitete Haltung zu sein.

Eine solche Haltung ist natürlich gefährlich, weil sie den Weg zu allerlei Fehler ebnet. Das Wir und die Lehre an einer Hochschule sind nämlich im ständigen Wandeln: Professoren gehen, andere kommen; jeder Einzelne setzt im Lauf der Zeit bewusst oder unbewusst andere Prioritäten; Studiengänge verändern sich oder doch nicht, wenn auch sich das Fach viel verändert; die Studierenden verändern sich genau so wie die Welt, in der sich leben und lernen.

Eine Qualitätssicherung ist aber nicht alles. Die Akkreditierung, wie sie derzeit in Europa stattfindet, ist alles andere als überzeugend.

Ein erster Mangel ist, dass die Daten, die für die Akkreditierung eines Studiengangs den Akkreditierungsagenturen vorgelegt werden, sowie die Berichte dieser Agenturen nicht in allen Ländern veröffentlicht werden. Wieso denn nicht? Open Data sollte der Ansatz sein. Damit wäre nicht nur Transparenz sichergestellt, sondern auch die Grundlage für Neugründungen von unternehmen: Vergleichsportale über die Lehrangebote und Studienbedingungen an verschiedenen europäischen Hochschulen.

Ein zweiter Mangel ist die Abhängigkeit der Agenturen, die in Europa die Studiengänge akkreditieren. In Spanien zum Beispiel ist es eine Behörde, die dem Ministerium unterstellt ist, welches für die Ausstattung der Hochschulen verantwortlich ist. Wird diese Behörde wohl bemängeln, dass es an Personal oder Gebäude fehlt? Wohl kaum. In Deutschland sind die Akkreditierungsagenturen keine Behörde. Allerdings sind sie keineswegs von den Hochschulen und von den Bildungsministerien unabhängig, weil ihre Existenz von dem Wohlwollen deren Wohlwollen abhängt. Wird denn eine Akkreditierungsegentur wagen, das Bildungsministerium eines Bundeslandes zu ärgern und die Gefahr eingehen, Aufträge der Hochschulen dieses Bundeslandandes zu verlieren? Wohl kaum. Deutsche Hochschulen versuchen übrigens, erfährt man, universitätsinterne Akkreditierungen („institutional accreditation“) durchzusetzen. Das wäre noch schlimmer als der spanische Ansatz!

Ein dritter Mangel ist die Wahrnehmung der Interessen der Studierenden. Abgesehen von ein paar Studenten, die von Professoren sorgfältig ausgewählt werden und niemanden sonst als sich selbst vertreten, spielen bei der Akkreditierung eines Studiengangs in Bayern die Studierenden keine Rolle. Es gäbe aber einiges, was in einer Akkreditierung berücksichtigt werden könnte (und derzeit nicht berücksichtigt wird): Zum Beispiel ob ein Studierende, der eine Note infrage stellt, Unterstützung von Studierendenvertreter dabei erhalten kann.

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Elfenbeinturm

Freitag, August 28th, 2015

Ein Universitäts-Blog wurde vorgeschlagen, in dem Fakultäten und Wissenschaftler ihre Arbeit und sich vorstellen könnten. Ein verantwortungsvoller Entscheidungsträger war aber besorgt, damit Rechtsextreme  eine Bühne zu geben, die sich zum Beispiel über den Beitrag eines Historikers über die Ukraine ärgern würden. Der Vorschlag eines Universitäts-Blogs wurde folglich abgelehnt.

Was lernt man davon?

Man lernt erstens, dass die freie Meinungsäußerung einige an Hochschulen Angst bereitet. In der Tat kann ein Thema wie die Geschichte der Ukraine viele, übrigens nicht nur Rechtsextreme, zu bedenkliche Äußerungen anregen.  Sollen sich Hochschullehrer mit bedenklichen Meinungen beschäftigen?

Zweitens lernt man, dass die neue Medien immer noch wenig bekannt sind. Ein Blog muss nicht Kommentare zulassen. Und ein Blog, der Kommentare zulässt, kann so eingestellt werden, dass jeder Kommentar einzel gelesen und genehmigt wird. Sollen sich Hochschullehrer für neue Medien interessieren?

Kurz gefasst lernt man, dass am Elfenbeinturm festgehalten wird.

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Land ohne Musik und ohne Wolke

Dienstag, Juni 30th, 2015

Als die griechische Regierung überstürzt Kapitalverkehrskontrolle eingeführt hat, hat sie höchstwahrscheinlich nicht daran gedacht, dass sie dadurch viele Bürger daran hindern Musik zuzuhören und viele Unternehmen ihre Daten zu verarbeiten.

Da aber Musik-Dienste wie (iTune von Apple oder Play von Google) und Cloud-Dienste wie (Dropbox oder Heroku) nicht in Griechenland abrechnen, sind sie nun für griechische Bürger und Unternehmen nicht bezahlbar: Auch wer die Gebühren bezahlen kann, kann sie nicht mehr ins Ausland überführen.

Die Regierung von Ministerpräsident Tsipras versteht offensichtlich wenig von der heutigen IT. Vermutlich wisst sie auch nicht, dass heute Computer überall eingesetzt werden.

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Chicken Game – παιχνίδι του κοτόπουλου

Montag, Mai 11th, 2015

There is widespread misunderstanding on what game theory is all about. It is not about games but about decision making.

The „chicken game“, for example, is a well-known game theoretic model of conflicts: Two drivers drive towards each other on a collision course. If none of them swerves, they both die – and both loose. If both drivers swerve, they also both loose – but less badly than in the former case. If only one driver swerves, he looses and the other wins. In this last case, the looser was a coward, or „chicken“, hence the game’s name.

The game illustrates a situation where, if each player fearing to lose prefers not to yield to the other, they both get the worst possible outcome. Minister Varoufakis, a maven not only in Marxist economy but also in game theory, must be well aware of the chicken game. But does the Syriza party realize that the Greek government is playing the chicken game riding a bike against 18 European governments each comfortably sitting on a bulldozer? We’ll soon enough know the answer.

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Post Scriptum: The Chicken Game could have been called Goat Game: The 17th century French fabulist Jean de la Fontaine wrote a poem on two stubborn goats facing each other while crossing a river on a log and not willing to give way to the other. He compared the goats with the kings of France and Spain,  and doing so, he warned them. The two kings eventually signed the Treaty of the Pyrenees – not on a log but on a Pheasant Island in the middle of a river demarcating their kingdoms.

Post Post Scriptum: Heute, dem 27. Juni 2015, bestätigt die Ablehnung des Vorschlags der „Institutionen“ durch die griechische Regierung die obige Analyse. Wieso ist es denn möglich, dass beide Verhandlungsparteien die Möglichkeit ausgewählt haben, die für beide am schlimmsten ist. Dafür sehe ich zwei Gründen. Erstens Menschen handeln nicht ganz rational, wie die Verhaltensökonomie lehrt (die übrigens Anpassungen der Spieltheorie an dieses menschliche Verhalten vorgeschlagen hat). Zweitens, wie Albert Einstein gesagt hat: “In theory, theory and practice are the same. In practice, they are not.” Ich gehe nach wie vor davon aus, dass mein Vergleich 18 Planierraupen gegen ein Fahrrad Bestand haben wird.

Was verdient man mit einem Master-Abschluss in Informatik?

Freitag, April 24th, 2015

Eine Frage, die mir immer wieder gestellt wird, lautet: „Was verdient man mit einem Master-Abschluss in Informatik?“ Auf die Auskünfte bezogen, die mir ehemalige Studierenden liefern, antworte ich wie folgt.

Wer eine Abschlussnote in der oberen Hälfte hat, bereits eine komplexe Software –vorzugsweise eine Web-Anwendung– programmiert hat, sich gut mündlich und schriftlich ausdrücken kann und einigermaßen neugierig und kreativ ist, kann mit einem jährlichen Einstiegsgehalt von 55.000 bis 60.000 € rechnen.

Wer zudem bereit ist viel beruflich zu reisen, kann jährlich mit zusätzlichen 10.000 € rechnen. Das viele Reisen wird übrigens schon nach sechs Monaten den meisten zu Belastung: Montags um 4 Uhr aufzustehen, um rechtzeitig beim Kunden in Paris oder London zu sein, und nicht mehr als ein Tag pro Woche in seiner Heimatstadt arbeiten zu können, ist nicht so einfach, wie man es sich vorstellt. Während einem Flug in die USA ein Programm zu debuggen, um es bei der Ankunft vorführen zu können, kann auch nicht jede(r).

Wer gut in der Datenanalyse (Stichwort „Big Data“) ist, kann ein noch höheres Einstiegsgehalt angeboten bekommen. Die Wirtschaft schreit nämlich derzeit nach solchen Informatiker. Gut in der Datenanalyse bedeutet einiges: Die Grundlagen der Statistik (im Umfang dessen, was man im Bachelor-Nebenfach lernt), Clustering-Algorithmen, etwas Netzwerkanalyse (wie Googles PageRank) und Methoden des Datenparallelismus. Zum letzten wird derzeit vor allem nach Informatiker gesucht, die MapReduce kennen (ein Verfahren, das in der funktionalen Programmierung wurzelt) und es mit Hadoop umsetzen können.

Geld ist aber nicht alles. Vier Bedingungen sollte meiner Meinung nach ein Arbeitsplatz noch erfüllen:

  1. Ein gutes Betriebsklima haben.
  2. Ein gutes Betriebsklima haben.
  3. Ein gutes Betriebsklima haben.
  4. Die Möglichkeit geben, sich beruflich weiter zu bilden.

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