Hätte wegen des Amoklaufes die Klausur verschoben werden sollen?

August 26th, 2016

Am Freitag, dem 22. Juli 2016, tötete ein Amokläufer in München neun Menschen und verletzte vier weiteren Personen. Weitere 32 Personen verletzten sich auf der Flucht oder bei Paniken, die in der Münchner Innenstadt ausbrachen. Ein paar Stunden lang war die Stadt in Ausnahmezustand. Am Dienstag, dem 26.7.2016, also vier Tage nach dem Amoklauf veranstalte meine Arbeitsgruppe eine Klausur. Hätten wir die Klausur verlegen sollen?

Es steht außer Frage, dass jemand wegen den schrecklichen Ereignissen vom
22. Juli 2016 in seiner Arbeits- und insbesondere Prüfungsfähigkeit eingeschränkt sein kann. Es ist auch durchaus möglich, dass jemand nicht in der Lage ist, ein paar Tage nach schrecklichen Ereignisse welcher Art auch eine Klausur zu bestehen. Jedoch bin ich der Meinung, dass es richtig und angebracht war, die Klausur am 26.7.2016 wie geplant zu veranstalten. Diese Meinung begründe ich wie folgt.

Erstens wäre ein Alleingang von meiner Arbeitsgruppe problematisch gewesen. Ob nach einem solchen Ereignis Klausuren verschoben werden sollten, sollten nicht die einzelne Dozenten entscheiden, sondern die Hochschule, weil sonst schnell Chaos herrschen konnte. In Ermangelung einer Anweisung der Universitätsleitung, Klausuren zu verschieben, mussten wir die Klausur veranstalten.

Zweitens ist es wichtig, dass nach einem solchen Ereignis das gesellschaftliche Leben so sich schnell wie möglich normalisiert. Es wäre vermutlich angebracht gewesen, eine Klausur am Samstag, also am Tag nach dem Amoklauf nicht zu veranstalten. Vier Tage danach wussten alle seit minderstens drei Tagen, dass in München keine besondere Gefahr mehr herrschte. Eine Klausur konnte also stattfinden.

Diejenigen, die wegen des Ereignisses an der Klausur nicht teilgenommen haben oder daran teilgenommen haben aber wegen des Ereignisses sie nicht bestehen haben, werden nicht im Stich gelassen: Sie können an der Nachholklausur teilnehmen. In begründeten Fällen wird jeder Prüfling, der wegen der Ereignissen die Klausur nicht bestehen konnte,auf Antrag beim Prüfungsamt das nötige zusätzliche Studiumssemester erhalten, um an der Nachholklausur teilnehmen zu können.

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Vorbereitung auf den Ernstfall: https statt http

August 25th, 2016

Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe empfiehlt auf der Webseite „Essen und Trinken bevorraten“ einen Vorrat an Lebensmitteln und Getränken für zwei Wochen in jedem Haushalt zu haben.

Darüber, ob der Ratschlag angebracht ist, wird gestritten. Unbemerkt ist aber, dass sämtliche Behörden und Ministerien ihre Empfehlung an die Bevölkerung in Webseiten veröffentlichen, deren Adressen mit http anfangen. So können geschickte Häcker die Inhalte verändern, bevor sie in den Browser der Bürger angezeigt werden. 

Behörden und Regierungen sollten Webseiten mit https- statt http-Adressen verwenden. https-Adressen sind daran erkennbar, dass sie im Browser mit einem Schloss angezeigt werden. https-Adresse stellen nicht nur sicher, dass die zwischen Browser und Server ausgetauschte Daten verschlüsselt werden, sondern auch erstens dass Browser eine Warnung statt eine abgeänderte Webseite anzeigen. Sowohl ganz oder teilweise abgeänderte Inhalte wie auch eine Umleitung auf einen anderen Server sind bei https-Adressen für alle erkennbar, bei http-Adressen jedoch nicht.

Im Ernstfall – bei einem Amoklauf, bei einer Umweltkatastrophe oder bei einem politisch oder sonst wie motivierten Angriff – ist es am wichtigsten, die Bevölkerung schnell und richtig zu informieren. Dafür ist heute das Internet das bestmögliche Medium, weil viele ein Smartphone in der Tasche haben, und nicht zuletzt, weil es für die Kriegsführung konzipiert wurde und somit äußerst Resistent auf den Ausfall von einigen Datenserver.

Daraus lässt sich ableiten, dass die Veränderung von Anweisungen und Ratschläge an die Bevölkerung eine der wahrscheinlichsten Angriffsformen, womit zu rechnen ist. Regierungen und Behörde, die ihre Verantwortung im Ernstfall ernst nehmen müssen nachrüsten: Mit einer Umstellung ihrer Servern von http auf https. Aus meiner Sicht wäre es dringender nötig, als Getränke und Lebensmittel für zwei Wochen zu Hause zu horten.

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Eine ehrliche Lehrevaluation

Juli 13th, 2016

Im Bus hört man ungewollt einiges, was man nicht hätte erfahren sollen:

Erste Studentin: „Kommt du auch in die Vorlesung N.N. von N.N. im Wintersemester?“

Zweite Studentin: „Ich weiss nicht.“

Erste Studentin:  „Die Prüfung gilt als sehr leicht.“

Zweite Studentin: „Wirklich?“

Erste Studentin: „Komm doch. Es wäre nett, zusammen zu sein.“

Zweite Studentin: „Vielleicht.“

Erste Studentin: „Komm, damit wir sprechen können. Der Dozent ist sehr langweilig. Ohne mich mit jemandem austauschen zu können, würde ich es nicht ertragen!“

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Muss ein Berufungsvortrag öffentlich sein?

Juli 12th, 2016

Neulich wurde ich gefragt, ob ein Berufungsvortrag öffentlich sein muss. An einer Hochschule nennt man „Berufungsvortrag“ der wissenschaftliche Vortrag, den jede/r Bewerber/in um eine Professur halten muss.

Ganz eindeutig ist der Brauch nicht nur in Deutschland, sondern auch im ganzen deutschsprachigen Raum, dass Berufungsvorträge öffentlich sind. Nur öffentliche Vorträge ermöglichen, dass wissenschaftliche Mitarbeiter und Studierenden sich eine Meinung über die Bewerber bilden können. Üblich ist auch, dass jede Berufungskommission bei ihrer Entscheidung diese Meinungen erfragt und berücksichtigt. (Man nennt „Berufungskommission“ das Gremium, die über die Besetzung einer Professur der Universitätsleitung eine Empfehlung gibt.)Ganz eindeutig ist auch, dass an meiner Universität, der Ludwig-Maximilians-Universität München Berufungsvorträge üblicherweise öffentlich sind.

Nach dieser Antwort wurde ich noch gefragt, ob an meiner Universität die Berufungsvorträge öffentlich sein müssen. Das bayerische Hochschulgesetz verlangt es nicht und meine Universität scheint keine Regelung über den Ablauf von Berufungen zu haben. Höchstwahrscheinlich lautet also die Antwort, dass an der Ludwig-Maximilians-Universität München ein Berufungsvortrag nicht öffentlich sein muss.

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Der Erfolgskultur die Stirn bieten

Juni 12th, 2016

Erfolg wird in der Kultur sehr hoch gewertet: Wir erwarten von uns selbst einigermaßen erfolgreich zu sein; das erwarten auch von uns unsere Partner, Freunden, Eltern, Kollegen und Arbeitgeber. Erfolg ist überall nötig: Um seiner Familien guten Lebensbedingungen zu geben; seinen Kindern Chancen im Leben; damit das Unternehmen, in dem man arbeitet, weiterhin Arbeitsplätze anbieten kann.

Vermutlich ist das Erfolgsglück beim Mensch und bei anderen Lebewesen angeboren und gehört zu den Tricks der Evolution, um das Überleben sicher stellen. Der Sammler und Jäger, der nach einer mehrstündigen Wanderung die Nüsse findet oder nach einem zweistündigen Rennen den Hasen erlegt, die seiner Gruppe und ihm ein paar Tage lang Nahrung gibt, erlebt zweifelsohne einen sehr starken Erfolgsgefühl. Ein Problem ist aber, dass die große Mehrheit der Menschen heute – zumindest in entwickelten Ländern – Erfolg mit Überleben gar nicht verbinden können. Den Erfolg, den wir noch erleben, betrifft unser Überleben nicht.

Die Erfolgskultur ist folglich weitgehend eine Täuschung: Der Finanzinvestor muss die Rendite immer steigern – über jeden vernünftigen Mass hinaus –, um als erfolgreich zu gelten. Das Autokonzern muss seine Technologie auch dann durchsetzen und verkaufen, wenn sie neue Umweltnormen nicht einhält. Der Wissenschaftler muss immer mehr Aufsätze veröffentlichen, immer mehr Fördergelder einwerben, seine Publikationen müssen immer mehr Zitate erhalten – über jeden vernünftigen Mass hinaus. Viele weitere Beispiele könnte man geben.

Ist es denn verwunderlich, dass es zu Betrügen führt, wie in der Finanzbranche vor zehn Jahren und in der Automotive-Industrie neulich bekannt wurde? Immer wieder werden hoch angesehene Wissenschaftler erwischt, die ihre Karriere zum Teil oder sogar ganz auf Betrug aufgebaut haben. Es ist davon auszugehen, dass früher oder später in der Wissenschaft ähnliches passiert wie in den Finanz- und Automotive-Branchen.

Der eigentliche Betrug, der selten wenn überhaupt angeprangert wird, ist die Erfolgskultur, die uns zu schweigenden Mittäter werden lässt. Die Liquididtätsproblemen der  Investmentbank Bear Stearns waren in Finanzkreisen höchstwahrscheinlich lange bekannt, bevor die beinahe-Pleite der Bank den Auftakt der Großen Rezession gab. (Die Pleite von Bear Stearns wurde künstlich durch u.a. die US-Zentralbank verhindert: „too big to fail“ hieß es damals.) Der Emissionsbetrug beim VW war zweifelsohne weltweit unter Ingenieuren bekannt, die nach dem angeblichen Erfolg von VW, die Emissionen eines Diesel-Motors wesentlich zu verringern, daran arbeiteten, die Technik zu verstehen und ähnliches zu meistern. Was bei Betrügen wie von Bear Stearns und VW eigentlich verwunderlich ist, ist wie lange so viele Menschen geschwiegen haben.

Der wahre Erfolg einer Investmentbank ist nicht die außergewöhnlich hohe Rendite, sondern die Beständigkeit der Rendite. Der wahre Erfolg eines Auto-Konzerns liegt nicht am außergewöhnlich langen Erfolg einer alten Technik, sondern an der rechtzeitigen Erschließung neuer Technologien. Und der wahre Erfolg einer wissenschaftlichen Institution und eines Landes liegt nicht an den außergewöhnlich hohen Zitatenzahlen und eingeworbenen Fördermitteln ihrer Wissenschaftler, sondern an der Fähigkeit Generation nach Generation, hoch kreative und gelegentlich außergewöhnlich produktiven Wissenschaftler auszubilden. Der wahre Erfolg lässt sich nur über Jahrzehnten erkennen.

Wir müssen der derzeitigen Erfolgskultur, die ein Selbstbetrug ist und den Betrug fördert, die Stirn bieten und uns darauf besinnen, was ein wahrer Erfolg ist. Welche Orte sind dafür besser geeignet als Hochschulen?

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Hochschulpolitische Veränderungen in Groß-Britannien

Juni 10th, 2016

Die Britische Regierung hat gerade ein Programm zur Veränderung der Hochschullandschaft in Groß-Britannien dem Parlament vorgestellt und veröffentlicht: „Success in a Knowledge Economy: Teaching Excellence, Social Mobility & Student Choice„.

Die Eckpunkte des langen und diskursiven Berichtes sind meiner Meinung nach wie folgt:

  1. Öffnung der Hochschullandschaft zu neuen Akteuren: „We will make it easier for new high quality challenger institutions to enter the market and award their own degrees.“ (Foreword, page 6)
  2. Bessere Information der (ankommenden) Studierenden über die Studienmöglichkeiten: „We need to address the lack of clear information available to university applicants and the variation in quality and outcomes experienced by some students.“ (Foreword, page 5)

Im Bericht ist es auch davon die Rede, die Forschung durch eine Umorganisation der Forschungsförderung zu stärken. In den angekündigten Maßnahmen erkenne aber nichts anderes als bürokratische Umstrukturierungen und Machtverschiebungen zwischen Behörden. Es lohnt sich also vermutlich nicht, diese Maßnahmen allzu ernst zu nehmen.

Die  angekündigte Öffnung der Hochschullandschaft wird nicht zufällig  mit einem Vokabular aus der Wirtschaft angekündigt: Wie der Minister im Vorwort schreibt, es geht um die Öffnung eines Marktes für neue Wettbewerber. Diese Entwicklung soll nicht überraschen: Die öffentlichen Hochschulen von Europa sind seit Jahrzehnten von hohen Studierendenzahlen, einem dramatischen Ressourcenmangel, eine erschütternde Ideenlosigkeit, und einer ineffizienten Verwaltung geplagt. In den USA sind neue Lerhrformen entstanden –  Stichwort „MOOCs“ – und weitere werden entwickelt und erprobt, eine Entwicklung, die Geld kostet und nun Absatz liefern soll. Dieser Druck entlädt sich zuerst ganz natürlich zuerst auf das große Englisch-sprechende Land.

Das Ziel, ankommende Studierenden besser über die Lehrangebote zu informieren ist gut. Die Britische Regierung will dafür eine neue Behörde schaffen: ein „Office for Student“. Das halte ich für ungut. Viel vernünftiger wäre es, jede Hochschule per Gesetz dazu zu verpflichten, brauchbaren Statistiken in einem festgelegten einfachen Format zu veröffentlichen – über Lehr- und Verwaltungspersonal, über die Studierenden Zahlen, über die zur Verfügung stehenden Infrastruktur wie Flächen,  über den Anteil der Studienabbrecher, über die Studiendauer, usw. Und all dies für die gesamte Hochschule, für jede Fakultät und für jeden Studiengang. Werden einmal solche Zahlen flächendeckend veröffentlicht, dann kann, wer es will, seinen eigenen Überblick nach eigenen Kriterien erstellen – u.a. frei von politischen Interesse.

Hoffentlich kommt es den EU-Verantwortlichen in den Sinn, eine solche Offenlegung zu verlangen. Das wäre gleichermaßen ein Beitrag zum Verbraucherschutz, zur europäischen Integration und zur Verbesserung der Qualität der Lehre.

Die Gesetzesnovellen aus Groß-Britannien, die mit dem Bericht „Success in a Knowledge Economy“ angekündigt werden,  werden nach und nach auf Europa wirken. Früher oder später wird jede europäische Regierung ebenfalls neue wirtschaftliche Wettbewerber in der Hochschulbildung zulassen. Dafür sprechen viele Argumente: Die hohe Kosten der Hochschulen, die Ineffizienz der öffentlichen Hochschulen, der steigende Anzahl an Studierenden, und die erschütternde partei-übergreifende Ideenlosigkeit, was die Bildungspolitik angeht.

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Bitte nicht weiter sagen! Darüber spricht man nicht…

Juni 9th, 2016

Wenn der Preis für einen Parkplatz, oder für eine Busfahrt, oder für ein Brot in der selben Bäckerei, oder die Einkommensteuer stark und ohne nachvollziehbaren Gründen variieren würden, dann gäbe es zweifelsohne Ärger.

Große Schwankungen in Prüfungsnoten gibt es in vielen – in den meisten? – Studiengängen, ohne dass sie irgend jemand dafür aufregt.

Es ist nichts dagegen einzuwenden, dass die Prüfungsnoten zu verschiedenen Lehrveranstaltungen verschiedenen verteilt sind. Es fällt zum Beispiel den meisten Informatik-Studierenden schwerer, eine Prüfung in Analysis als in Betriebssystemen zu bestehen. Die unterschiedlichen Schwierigkeiten von unterschiedlichen Prüfungen spiegeln sich ganz natürlich in den Prüfungsnoten.

Wenn aber zwei Lehrveranstaltungen mit ein paar Hundert Hörern im selben Studiengangs sich ausschließlich durch einen zeitlichen Abstand von wenigen Semestern und durch die Dozenten unterscheiden, dann darf man erwarten, dass ihre Prüfungen ähnliche Notenverteilungen liefern.

Interessanterweise ist nicht immer so. In nicht wenigen Studiengängen können gewaltigen Schwankungen in den Prüfungsnoten festgestellt werden: Mit einem Dozenten bestehen mancherorts über 80% der Studierenden die Prüfung, mit einem anderen Dozenten weniger als 20%.

Interessanterweise regt sich niemand darüber auf. Wieso nicht? Weil kaum Statistiken veröffentlich werden. Wieso veröffentlichen Hochschulen kaum Daten über ihren Betrieb – etwa wie die Bahn über die Pünktlichkeit ihrer Züge? Es würde sehr wenig Arbeit kosten. Und nichts würde besser zur Qualität der Lehre beitragen.

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Der Niedergang von Blablacar

Juni 8th, 2016

Die beliebte Webplattform Blablacar für Mitfahrgelegenheiten schränkt die Absprachemöglichkeiten zwischen Fahrer und Fahrgast ein: Vor  einer festen – und bezahlten Buchung ist die Kommunikation kaum noch möglich und in Zukunft soll nur noch online – über Kreditkarten, Paypal oder ähnliches – bezahlt werden.

Der Sinn der Einschränkung ist klar: Sie sollen sicher stellen, dass Fahrer und Fahrgast nicht länger unter Verwendung der Plattform aber ohne der Plattform einen Anteil abzugeben eine Fahrvereinbarung abschließen.

Wie verständlich es ist, dass Blablacar an seiner Webplattform verdienen möchte, mißachtet das Unternehmen eine eiserne Regel der Mitmachökonomie: Am wertvollsten sind die Nutzer, nicht die Software. Eine ähnliche Plattform kann schnell entstehen, auf die die derzeitige Blablacar-Nutzer wechseln können.

In der Mitmachökonomie gibt es zwei Geldquellen:

  • Die Nutzer-Daten
  • Zusätzliche Dienste über ein Freemium-Modell

Beide Quellen stehen Blablacar offen – noch. Bleibt  Blablacar bei seiner Entscheidung, dann wird es nur so lange weiterleben, bis ein Konkurrent auftaucht. Der Niedergang von Blablacar ist so also so gut wie sicher.

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Vorstrafe verhindert eine Promotion nicht unbedingt

Mai 31st, 2016

Wie im Wikipedia-Artikel „Doktor“ zu lesen ist, „den meisten Promotionsordnungen zufolge kann ein Promotionsverfahren nur dann eröffnet werden, wenn der Doktorand ein polizeiliches Führungszeugnis vorlegt oder Angestellter der Universität ist“. Heißt es also, dass vorbestrafte Personen nicht promoviert werden dürfen?

Das hatte ich zu meiner großen Überraschung erfahren und fand es unangebracht. Im Artikel „Muss die Zulassung zur Promotion geändert werden?“ habe ich 2011 die Meinung vertreten, dass „die Vergabe eines Doktor-Titels nichts im Geringsten damit zu tun haben sollte, ob jemand Straftaten begangen hat oder nicht, sondern ausschließlich mit wissenschaftlichen Leistungen“.

Das Bundesverwaltungsgericht hat sich neulich dieser Sichtweise angeschlossen: „Versagen darf die Universität die Promotion nur, wenn die strafrechtlichen Verfehlungen einen unmittelbaren Bezug zu der mit dem Doktorgrad verbundenen fachlich-wissenschaftlichen Qualifikation haben“ hat das Bundesverwaltungsgericht entschieden, wie im n-tv-Artikel „Gefährdet Straftat den Doktortitel?“ vom 30.09.2015 zu erfahren ist.

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Die Ethik ist keine Kirsche auf dem Kuchen

Mai 24th, 2016

Die Ethik ist keine Kirsche auf dem Kuchen. Entweder bemüht man sich um ein ethisches Handeln, was ein Durchdringen des ethischen  Denkens überall voraussetzt, oder man lässt es ganz. Ein bisschen Ethik als Opfergabe auf dem Altar der öffentlichen Meinung ist schlichtweg eine Lüge.

Gestern auf dem Weg in eine Vorlesung habe ich im Lichthof meiner Universität, der Ludwig-Maximilians-Universität München, an einer besonders sichtbaren Stelle einen Stand einer großen Schweizer Bank gesehen. Es fand nämlich gestern an meiner Universität die „Career Talk 2016“ statt – unter dem Motto  „Grenzenlose Karrieren zwischen Global Player und Local Hero“.

Die große Schweizer Bank, die UBS, deren Stand ich gestern sah,  wurde in den letzten Monaten als Hauptakteurin einer rechtswidrigen Anstiftung zur Steuerhinterziehung in der Europäischen Union insbesondere in Frankreich entlarvt. Ich sehe nicht, was eine dermaßen belastete Bank auf einer Informationsveranstaltung für Studierenden an einer Universität zu suchen hat. Soll denn eine Universität Studierenden die Botschaft vermitteln, dass rechtswidriges Handeln eines Unternehmens bei ihrer Stellenauswahl keine Rolle spielen soll? Bedeutet denn „grenzenlos“ im Motto der Informationsveranstaltung, dass die Ethik keine Grenzen setzt?

Die historische Bedeutung des Lichthofs der Ludwig-Maximilians-Universität München wäre übrigens ein weiterer Grund, die Veranstaltungen sorgfältig auszuwählen, die dort stattfinden.  Das mutige Handeln der Widerstandskämpfer der Weißen Rose sollte uns immer noch zum ethischen Handeln verpflichten.

Meine Universität ist zudem eine öffentliche Einrichtung, was heißt, dass sie weitgehend über Steuergelder finanziert wird. Ich sehe nicht ein, dass die Steuerzahler sowohl für die Bekämpfung der Steuerhinterziehung zahlen sollen, wie auch für eine Universität, die ihren Absolventen eine Bank als Arbeitgeber empfiehlt, die zur Steuerhinterziehung anstiftet.

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Zur Internet-Nutzung in einer meinen Vorlesungen

April 12th, 2016

In meinen Vorlesungen verwende ich das soziale Medium Backstage, womit Quizze durchgeführt werden können, die Hörer sofort mitteilen können, wenn sie etwas nicht verstehen, und anonymisierte Daten über die Aktivität der Hörer gesammelt werden können. Backstage ist ein Ergebnis und ein Bestandteil eines Forschungsprojekt im Bereich Educational Technology.  Mit den gesammelten Daten werden so genannte Learning Analytics erstellt. Learning Analytics dienen dazu, das Lernen und das Lehren zu verbessern.

Gestern, am 11.4.2016, in der ersten Bachelor-Vorlesung zur „Programmierung und Modellierung mit Haskell“ musste ich die Nutzung von Backstage aufgeben, weil das Internet kollabiert ist, nachdem ich meinen Hörern erklärt hatte, wie sie sich in Backstage einloggen können.

Heute erfahre ich, warum das Internet während meiner Vorlesung kollabiert ist. Diesen Grund teile ich hiermit meinen Studenten mit.

Im Hörsaal B101 sind derzeit 4 Access Points vorhanden, die je 60 bis 70 Geräte bedienen können – also insgesamt 240 bis 280 Geräte.

Gestern waren über 600 Hörer im Hörsaal B101 (mit 631 Plätzen). Ich schätze, dass unter diesen Hörern mindestens 400  ein Laptop und mindestens 500 ein Smartphone dabei hatten. Es haben also gestern während meiner Vorlesung  vermutlich 500 bis 900 Geräte gleichzeitig versucht, das Internet zu verwenden – weit mehr als die 240 bis 280 Geräte, die von den Access Points dieses Hörsaals bedient werden können. 

Die Nutzung von beiden Geräten in der Vorlesung ist sinnvoll:  Mit dem Laptop kann man Backstage nutzen oder relevante Webseiten nachschlagen, wenn man etwas nicht versteht. Mit dem Smartphone kann man Fotos machen und so Lehrinhalte festhalten. Die sofortige Übertragung von Fotos in die Cloud (über Dropbox, Google Foto oder ähnliche Dienste und natürlich dem Internet) ermöglicht, ein in einer Vorlesung aufgenommenes Foto sofort auf das Laptop mit Annotationen zu ergänzen. 

Ich versuche nun zu erörtern, ob der Hörsaal schnell nachgerüstet werden kann, damit Backstage in meiner Vorlesung bald benutzt werden kann. Wenn nicht, dann wird wohl nichts anderes übrig bleiben, als zu Lehren und Lernen wie in Vor-Internet-Zeiten. Nicht nur die Hörer würden darunter leiden. Auch ein Forschungsprojekt meines Lehrstuhls wäre schwer getroffen…

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Das BND-Gelände in Pullach sollte ein Universitäts-Campus werden

April 1st, 2016

Wenn Bund und Land es mit der Bildung und der Forschung ernst meinen, wie sie immer wieder beteuern, dann sollte das BND-Gelände in Pullach nach dem Umzug des Bundesnachrichtendienstes nach Berlin ein Universitäts-Campus werden.

Der Bedarf insbesondere am Universitätsstandort München ist nicht groß, sondern gewaltig: Unter anderem die Ludwig-Maximilians-Universität platzt seit Jahrzehnten aus allen Nähten und die Studierendenzahlen steigern Jahr für Jahr weiter.

Pullach ist mit den öffentlichen Verkehrsmitteln sehr gut erreichbar. Das BND-Gelände eignet sich sicherlich sehr gut für ein universitäts-Campus, wenn auch selbstverständlich umfassende Bauarbeiten nötig wären. Wegen der Nazi-Vergangenheit einiger Gebäude auf dem BND-Gelände wäre eine Umwidmung dieses Gelände in einen Universitäts-Campus besonders passend.

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Das Gefühl, fehl am Platz zu sein

Februar 14th, 2016

Wir kennen alle das komische Gefühl, Fehl am Platz zu sein. In einem Austausch erwidert man etwas, was man für vernünftig oder sogar offensichtlich hält. Unerwartet kommt der Austausch zum Stillstand. Man wird angeschaut, als ob man Dummes gesagt hätte.

Es ist mir neulich während eines Austausches über eine Umfrage zur Forschungszwecken von Studierenden zur Lehrevaluation passiert. Mein Vorschlag, die Fragebögen vom Dozent einzusammeln wurde mit der Bemerkung abgelehnt, der Dozent könnte die Fragebögen herausnehmen und vernichten, die zu kritisch seiner Lehre gegenüber sind.

„Wir sind aber alle Wissenschaftler und Beamte, mit einer solchen Fälschung ist folglich nicht zu rechnen“ habe ich gemeint und damit die oben beschriebenen Reaktion hervorgerufen.

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Wozu theoretische Informatik studieren?

Februar 14th, 2016

Eine häufige Kritik am Informatik-Studium ist die Last der theoretischen Informatik. „Wozu braucht man sie im Beruf?“ fragen sich viele Studierenden.

Ein ehemaliger Student hat mir gerade in einer email eine Antwort dazu geliefert:

gerade genieße ich meine (beschränkten) Kenntnisse in Automaten- und Komplexitäts-Theorie, die mir helfen, meinen Arbeitgeber sinnvoll davon zu überzeugen, warum man für die Lösung eines Problems sehr viel Geld sparen kann!

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Durchbruch: Eine künstliche intelligenz schlägt einen professionellen Go-Spieler

Januar 27th, 2016

Der Artikel „Mastering the game of Go with deep neural networks and tree search“ der morgigen Nature-Ausgabe (28.01.2016) berichtet über den Erfolg einer beim Google DeepMind entwickelten künstlichen Intelligenz, einen professionellen Go-Spieler zu schlagen:

The game of Go has long been viewed as the most challenging of classic games for artificial intelligence owing to its enormous search space and the difficulty of evaluating board positions and moves. Here we introduce a new approach to computer Go that uses ‘value networks’ to evaluate board positions and ‘policy networks’ to select moves. These deep neural networks are trained by a novel combination of supervised learning from human expert games, and reinforcement learning from games of self-play. Without any lookahead search, the neural networks play Go at the level of state-of-the-art Monte Carlo tree search programs that simulate thousands of random games of self-play.

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Schon gehört von Solu?

Oktober 17th, 2015

Schon gehört von Solu? Das könnte der PC der Zukunft sein.

Der Guardian berichtet über Solu im Artikel „Solu: the Finnish pocket computer that wants to take over the world„.

Das finnische Start-Up, welches Solu konzipiert hat, sammelt Mitteln auf und bietet an erste Solu-Computer auf Kickstarter: Solu: A new breed of computing.

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Plädoyer für eine virtuelle Transitzone für Asylbewerber

Oktober 16th, 2015

Die Flüchtlingskrise wird zur Bewährungsprobe nicht nur für Europas Regierungen, sondern auch für Europas Bürger. Verständlich sind sowohl der Vorschlag von Transitzonen an den Grenzen Europas oder Deutschlands wie auch die Ablehnung dieses Vorschlags: Für beides gibt es schlagkräftige Argumente. Ohne zu viel ins Politische zu geraten, wofür dieser Blog ungeeignet ist, möchte ich darauf hinweisen, dass virtuelle Transitzonen im Internet viele Vorteile hätten.

Muss aber überhaupt Europa Flüchtlinge aus dem nahen Osten und Afrika aufnehmen? Aus zwei Gründen gibt es keinen Weg darum herum. Ersten sind die Süd- und Ostgrenzen Europas einfach nicht dicht zu machen. Hunderte von Inseln in der Ägäis und zig Tausende Kilometer Mittelmeerküsten machen es leicht, illegal einzureisen. Flüchtlinge in Schlauchbooten sind leicht erkennbar, in Fischers- und Handelsschiffen jedoch nicht. Autoritäre Regime Geld und Anerkennung zu geben, damit sie ihre Grenzen zu Europa für Flüchtlinge dicht machen hat Nachteile: Europa macht sich dadurch erpressbar und Krisen in Ländern wie Marokko, Libyen, Ägypten, Libanon oder Iran können jederzeit aufbrechen und zur Massenflucht ihrer Bürger führen.

So viel zum Politischen. Kommen wir jetzt zu einer Möglichkeit, die das Internet bietet. Stellen wir uns eine Web-Plattform vor, womit Möchtegernflüchtlinge Asylanträge stellen könnten. In den meisten Fällen alles, in einigen Fällen das Meiste vom Nötigen zur Bearbeitung eines Asylantrages könnte hochgeladen werden und dadurch der Antrag bearbeitet bevor der Flüchtling über welchem Weg auch nach Europa ankommt. Verschlüsselung und VPN würden Nutzer der Plattform vor Repressalien ihrer Saaten ziemlich gut, wenn auch nicht perfekt, schützen. Asylbewerber, deren Anträge angenommen wurden, könnten über die Plattform fälschungssichere elektronische Sondervisen nach Europa erhalten, ohne in eine Botschaft gehen zu müssen. Die Asylbewerber mit solchen Sondervisen könnten sogar ihre Flugscheine nach Europa über die Plattform erwerben. Eine solche Plattform wäre eine virtuelle Transitzone. Sie wäre viel effektiver und viel billiger zu betreiben als eine traditionelle Transitzone. Eine solche virtuelle Transitzone hätte drei weitere Vorteile.

Der erste weitere Vorteil ist, dass mit einer solchen virtuellen Transitzone junge, männliche und abenteuerfähige Asylbewerber nicht wie derzeit bessere Chancen auf Asyl in Europa als andere Menschen hätten. Wenn Europa ihre Asyltradition bewahren möchte, die aus den schlimmen Erfahrungen von Religionskriegen sowie Nationalsozialismus und Kommunismus stammt, dann ist sowohl sinnvoll wie ethisch akzeptabel bei der Aufnahme von Asylbewerbern auf ihre Integration zu achten. Dazu gehört, dass unter Asylanten genug Frauen, Kinder, Familien und ausgebildete Menschen sind. Eine virtuelle Transitzone würde dieses Ziel besser als alle andere bisher vorgeschlagene Ansätze erreichen.

Ein weiterer Vorteil ist, dass eine virtuelle Transitzone die Früherkennung von Flüchtlingsströmen ermöglichen könnte. Eine relativ einfache Plattformsnützungsanalyse würde sehr früh darauf hinweisen, aus welchen Weltregionen Menschen überlegen zu fliehen. Eine solche Früherkennung gäbe Europas Regierungen die Möglichkeit, rechtzeitig aussenpolitisch aktiv zu werden, um die Fluchtgründe zu bekämpfen, sowie, falls dies nicht gelingt, sich auf den möglichen Ansturm von Asylbewerbern vorzubereiten. Man stelle sich vor, die Regierungen der Europäischen Union könnten nachweisen, dass mehrere Hundert Tausende Menschen aus einem Land fliehen möchten. Könnten sie mit dem Beleg davon bei den Vereinten Nationen nichts erreichen? Wohl kaum.

Ein weiterer und, wie ich meine, besonders wichtiger Vorteil ist, dass eine virtuelle Transitzone ermöglichen würde, Auskünfte an potenzielle Asylbewerber zu geben – etwa über Länder, deren Aufnahmekapazitäten vorübergehend erschöpft sind. Dies wäre, meine ich, ethisch nicht verwerflich: Wer hilft, darf und sogar muss darauf achten, sich nicht zu übernehmen, weil sonst die angestrebte Hilfe zu kurz kommt oder sogar keine mehr ist. Mit einer virtuellen Transitzone könnten die potenziellen Asylbewerber in ihrem eigenen Interesse sowie im Interesse der Länder gelenkt werden, die die virtuelle Transitzone betreiben.

Zugegeben könnte eine virtuelle Transitzone missbraucht werden, um potenzielle Asylbewerber abzuschrecken. Europas Bürger würden aber weiterhin den Umgang ihrer Regierungen mit dem Recht auf Asyl beobachten und bei Bedarf aktiv werden.

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Eine neoliberale Versuchung: Das Führerprinzip

Oktober 2nd, 2015

Wenn ich anlässlich des Abgasskandals von der Unternehmensführung beim Volkswagen erfahre, dann drängt sich bei mir der Begriff „Führerprinzip“ auf. Ich weiss, dass es schlecht ankommt, Bezeichnungen auf der NZ-Zeit zu verwenden. Wenn  aber „Volkswagen“ nicht stört, warum denn sollte „Führerprinzip“ stören?

Das Führerprinzip ist eine Versuchung, die sich seit den 90er Jahren wieder verbreitet hat – nebenbei bemerkt besonders in Frankreich. Eine neoliberale Vorstellung ist nämlich, dass eine starke Führung vorteilhaft ist, die den Weg zeigt ohne dabei infrage gestellt zu werden.

In der Tat gibt es Situationen, wo eine unangefochtene Führung notwendig ist. Bei einer Operation am offenen Herz muss zum Beispiel eine(r) leiten und ohne Palaver die nötige Entscheidungen schnell treffen. Während eines Feuerwehreinsatzes muss auch immer wieder schnell entschieden werden. Und der Offizier, der den Befehl zum Sprung aus den Gräbern und zum Angriff gibt, muss ungefragt gehorcht werden – sonst hat die ganze Sache keinen Sinn. (Ob das Gehorchen im Krieg zwangsläufig einen Sinn ergibt, ist eine andere Frage.)

Weitere Beispiele, die den Sinn des Führerprinzips belegen, gibt es. In den meisten Fällen aber führt das Führerprinzip zu Katastrophen – sowie wie neulich bei Volkswagen. Die Realität ist eben meist viel zu kompliziert und viel zu vielseitig, um von einem einzigen Mensch überblickt und verstanden zu werden – so schlau dieser Mensch auch sein mag und so viele kluge Berater er um sich haben mag.

Wer der neoliberalen Versuchung des Führerprinzips verfällt, schädigt Unternehmen, Organisationen und die Gesellschaft und findet letztendlich als potentielle Leiter nur noch solche, denen das Führerprinzip nicht unbehaglich ist. Das sind selten geeignete Leiter. Wären sie geeignet, so würden sie wohl kaum nach dem Führerprinzip handeln wollen.

Das bayerische Hochschulgesetz in seiner letzten Fassung von 1996 gibt den Universitätspräsidenten eine Macht, die von Professoren, wenn sie unter sich sind, als Neubelebung des Führerprinzips belächelt wird. Eine offene Frage ist, wann diese Übermacht zu ähnlichen Katastrophen wie beim Volkswagen führen wird.

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Post Scriptum: Ein Tag nach der Veröffentlichung dieses Artikels liest man im SZ-Artikel „Angst und Arroganz“ die folgende Bestätigung meiner Meinung:

Diskutieren sei zwecklos, das Eingestehen des Scheiterns ebenso, erzählen Leute aus dem Konzern: `Wer aufgemuckt hat, ist niedergebrüllt worden.´ Das sei die Kultur von Ex-Chef Martin Winterkorn gewesen – und die der Techniker. Sie sitzen über Jahre zusammen, ein Ziel vor Augen. Manche Ingenieure hätten sich dabei eine eigene Welt erschaffen.

Eine weitere Bestätigung der obigen Analyse liefert die SZ-Interview „Die Sowjetunion hat auch lange funktioniert“ vom 16.10.2015.

Der VW-Skandal und die vernetzten Autos

September 30th, 2015

Über den VW-Skandal und die Folgen, die er haben dürfte, wird viel geschrieben. Eines habe ich nicht gelesen: Er wird dazu beitragen, dass die Autos schneller vernetzt, ich meine einen mehr oder weniger ständigen internet-Zugang haben.

Wären die fraglichen Autos  aus dem VW-Konzern vernetzt, dann wäre der Ersatz der betrügerischen Software viel, sehr viel billiger und könnte innerhalb von nur Stunden durchgeführt werden.

Vernetzte Autos würden wiederum die Trickserei mit betrügerischen Software erleichtern.

Ergänzung am 3. Oktober 2015:

Vernetzte Autos würden nicht nur die Trickserei mit betrügerischen Software erleichtern, sondern auch die Aufdeckung solcher Praktiken. Die Kontrollbehörden könnten eben fordern, dass Daten aus von ihnen zufällig ausgewählten Autos an ihnen geschickt werden. Das wäre sehr einfach zu realisieren, würde höchsten ein paar Tausend Euro für die Software-Erstellung kosten, und höchstens einen ähnlichen Betrag für das Datensammeln.

 

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Studierende und Akademiker auf der Balkan-Route

September 26th, 2015

In den letzten Jahren bin ich regelmäßig mit Zug zwischen Wien und München gefahren. Dabei habe ich stets Flüchtlinge getroffen. In den letzten zwei Jahren war auffällig, dass unter den Flüchtlingen immer mehr gebildete Menschen zu treffen waren. Immer mehr sprachen ein gute, sehr gutes oder perfektes Englisch. Einiger konnten sogar Deutsch. Nicht wenige junge Flüchtlinge sind Studierende – oder eher waren Studierende, bevor sie die Flucht ergreifen haben.

Selbstverständlich erfährt man durch solche Begegnungen nicht viel und nur das, was mitgeteilt wird. Das Mitgeteilte kann ich natürlich nicht überprüfen.

Der Eindruck dürfte aber kaum täuschen. Ich erinnere mich sehr prägnant an ein paar Junge Menschen, die sich als Studenten ausgegeben haben. In ihrem Verhalten und wie sie verkleidet waren, waren sie nicht von den Studierenden zu unterscheiden, die ich beruflich an der Universität München begegne.

Die Anzahl der Flüchtlinge ist seit zwei oder drei Jahren stets gestiegen, der Anteil der gebildeten Menschen darunter ebenfalls. Einmal im letzten Juli sagte mir eine Schaffnerin, dass „die Flüchtlinge ein Viertel [ihres] Zuges ausmachen dürften„. „Haben sie Fahrkarten?“ habe ich gefragt. „Ja klar, war die Antwort.“ „Bereiten sie Ihnen Schwierigkeiten?“ wollte ich noch wissen. „Wieso denn?“ erwiderte die offensichtlich von meiner Frage überraschte Schaffnerin.

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