Die Programmierung lehren

27. Januar 2012

Es gibt verschiedene Ansätze, die Programmierung zu lehren. Bei uns am Institut für Informatik der Ludwig-Maximilians-Universität München wird derzeit im ersten Semester in die imperative und objekt-orientierte Programmierung mit Java und im zweiten Semester in die funktionale Programmierung mit SML eingeführt. Anschließend nimmt ein Teil der Studenten an einem Software-Entwicklungspraktikum teil.

Früher hat man ähnliche Lehrveranstaltungen in einer anderen Reihenfolge angeboten: Im ersten Semester eine Einführung in die funktionale Programmierung mit SML, im zweiten Semester eine Einführung in die imperative und objekt-orientierte Programmierung mit Java, dann ein Programmierpraktikum. (Ob unser derzeitiges Software-Entwicklungspraktikum etwas anderes ist als ein Programmierpraktikum ist übrigens fraglich.)

Für die derzeitige Reihenfolge – zuerst Java dann SML – spricht der Praxis-Bezug: Java ist derzeit eine unumgängliche Programmiersprache in der beruflichen Praxis. Für die frühere Reihenfolge – zuerst SML dann Java – sprechen zwei Argumente: Erstens werden erfahrungsgemäß allgemeine Prinzipien der Programmierung besser mit einer modernen funktionale Programmiersprache besser als mit einer industriellen Programmiersprache beigebracht; zweitens kennt kaum ein Anfänger SML oder eine ähnliche Programmiersprache, so dass alle Anfänger gleichgestellt werden. Letzteres ist auch für die Studenten förderlich, die bereits programmiert haben, weil sie neben einer wertvollen Erfahrung meist ziemlich falsche Vorstellungen sowohl der Programmierung im Allgemeinen wie auch der eigenen Programmierfähigkeiten haben.

An Java zur Vermittlung von Programmierprinzipien stört der Umfang und die Kompliziertheit der Sprache: Um ein Java-Programm ganz zu verstehen – nicht nur zu kopieren –, das nur “Hallo World!” anzeigt, sind schon viele Stunden nötig.

An unseren Einführungen in die Programmierung stört mich, dass die meisten Studenten die Prinzipien der Programmierung und die Merkmale der verschiedenen Programmierparadigma nicht ausreichend verinnerlichen. Fragt man zum Beispiel nach dem wesentlichen Unterchied zwischen Funktions- oder Prozeduraufruf einerseits und Nachrichtenweitergabe andererseits stehen die meisten unserer Studenten auf dem Schlauch. An unseren Einführungen in die Programmierung stört mich auch, dass kaum einer unserer Studenten einen guten Überblick über die ganze Bandbreite der Programmierparadigmen erhält.

Ein Alternativansatz könnte darin liegen, dass die Einführung in die Programmierung an Hand von so genannten Mini-Programmierpsrachen oder Mini-Sprachenstattfindet. Der Artikel “Mini-languages: A Way to Learn Programming Principles” von Peter Brusilovsky, Eduardo Calabrese, Jozef Hvorecky, Anatoly Kouchnirenko und Philip Miller (erschienen in der Zeitschrift “Information Technologies “, Band 2, Nummer 1, Seiten 65-83) führt in die Mini-Programmiersprachen ein und bespricht ihre Vorteile für die Lehre.

Die Einführung in die Programmierung mit Mini-Programmiersprachen dürfte ermöglichen, mit dem selben Arbeits- und Zeitaufwand in mehr als zwei Programmiersprachen und Programmierparadigmen einzuführen. Dies wäre wichtig in einer Zeit eines extrem schnellen technischen Wandels: Wer weiss denn, ob eine Programmiersprache nach einem bisher wenig verbreiteten Programmierparadigma in wenigen Jahren nicht für alle Informatiker nicht ein Muss werden wird?

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Eine Nichtregierungsorganisation mischt in der weltweiten Schulbildung mit

26. Januar 2012

Innovation for Learning, kurz IFL, ist eine Nichtregierungsorganisation aus den USA, die in der weltweiten Schulbildung mitmischen möchte. IFL setzt auf online Lehrmedien und setzt ein soziales Medium, um freiwillige Tutoren und Schüler zusammen zu bringen. Das Lehrmaterial umfasst interaktive Lehr- und Übungsbücher und ein Managementssystem für Klassen und Schulen.   IFL fokussiert derzeit auf das zweite Kindergartenjahr, in den USA K2 genannt, was mehr oder weniger die erste Klasse in deutschsprachigen Länder entspricht, also das Jahr in dem Kinder lesen, schreiben und rechnen lernen. IFL zielt auf Bildungsbenachteiligten sowohl in den USA und in Drittweltländer. IFL wird von der Universität Stanford unterstützt.

Die Bildung hat die selbe soziale und politische Relevanz wie in Europa vor einigen hundert Jahren die Religion. Die Bildung ist ein Vektor nicht nur von wirtschaftlichen Entwicklung und Wohlstand, sondern auch von Demokratie und Frieden – oder auch ein Mittel zur Befestigung einer politischen Macht.

Ich gehe davon aus, dass auch in Europa die politische Relevanz von Lehrangebote wie IFL anbietet erkannt werden wird – unter anderem als eine Verantwortung von Hochschulen von weltweiten Niveau, die sich auch im eigenen Land um Bildungsbenachteiligten sorgen. Das Experimentieren mit und die Entwicklung von sozialen Medien für die Lehre und von online Lehrwerkzeuge ist nicht nur ein Forschungsthema, sondern auch eine Perspektive für die Lehre – auch für die Hochschullehre.

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Ein Jahr Suche

25. Januar 2012

Die Suchanfragen des vergangenen Kalenderjahr zu “erlebt” geführt haben, verteilen sich wie folgt auf die verschiedenen Suchmaschinen. Die Dominanz der einen Suchmaschinen ist beeindruckend.

Google Search 4,369
Bing 50
Google Mobile 26
t-online.de 21
Google Image Search 20
Yahoo Search 13
search.babylon.com 8
Conduit.com Search 7
Ask.com 7
search-results.com 3
icq.com 2
search.softonic.com 1
aolsvc.de 1
sweetim.com 1
AOL 1

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Daten zur Qualitätsentwicklung an Hochschulen?

25. Januar 2012

Der Bundesregierung liegen keine Daten zur Qualitätsentwicklung an Hochschulen vor, die sich monokausal auf die Einführung von Studiengebühren zurückführen ließen.

So die Antwort des Bundesbildungsministeriums auf die folgende Anfrage der Grünen-Bundestagsfraktion:

Welche messbaren Qualitätsverbesserungen sind an den Hochschulen [...] durch die Einführung von Studiengebühren eingetreten?

Darüber berichtet heute der Spiegel im Artikel “Ratloses Bildungsministerium – Nützen Studiengebühren? Keine Ahnung“.

In den Hochschulen weiss es man es auch nicht viel besser. Hier und da wird zweifelsohne Nützliches aus den Studiengebühren bezahlt. Der Anteil und die Qualität davon ist niemandem bekannt. Eine Einschätzung davon wird auch wohl kaum angestrebt und Daten darüber werden wenig veröffentlicht.

Bildungspolitische Entscheidungen sind eben alternativlos, weil nach Alternativen nicht gesucht wird und weil Messungen ihrer positiven und negativen Wirkungen nicht ernsthaft angestrebt werden. Die Bildungspolitik ist wie die Mode: Mal lang, mal kurz; mal bunt, mal eintönig; und immer nur für eine Saison. Im Gegenteil zur Mode ist sie aber selten schön. Leider.

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“Let’s our kids to code. All of them”

25. Januar 2012

Der Artikel “Coding for Success” vom 23.1.2012 von Andy Young in The Kernel ist ein leidenschaftliches und überzeugendes Plädoyer für die Einführung der Programmierung schon in die Grundschulen.

Der folgende Ausschnitt aus diesem Artikel gefällt mir besonders:

Learning to code is learning to use logic and reason, and express your intent in a consistent, understandable, repeatable way. Learning to code is learning to get under the skin of a problem and reduce it to it’s simplest form. Learning to code is learning to harness power external to yourself and provide instructions to realise your ideas – whether that be directly to a computer, to delegate to one or more professional programmers or even a human team that work for and with you in any dicipline. Learning to code is ultimately a fantastic way to gain a multitude of transferrable skills.

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Kann der Staat Eliteuniversitäten schaffen?

25. Januar 2012

Neulich hat der bayerische Wissenschaftsminister Wolfgang Heubisch in einer Interview der Zeit, “Für keine Eliteuni eine rote Karte – Bayerns Wissenschaftsminister Wolfgang Heubisch über den Elitewettbewerb und die Zeit danach” die Meinung geäußert, dass die bereits als Eliteuniversitäten erkannten Hochschulen und folglich bereits mit Fördermittel der Exzellenzinitiative geförderten  in der nächsten Runde der Exzellenzinitiative sollen nicht leer ausgehen.

Der Minister meint: ”Es darf hier nicht um die Verteilung von Geldern nach Gutsherrenart gehen” und “die Exzellenzuniversitäten hatten im Grunde nur wenig Zeit, ihre Projekte umzusetzen. Dass die Politik sich angesichts der beträchtlichen Investitionen nun hinsetzt und sagt: „Du jetzt nicht mehr!“, das kann ich mir nicht vorstellen.

Im Interview geht es wenig darum, was eine Eliteuniversität ist und wie man eine solche schaffen kann. Es geht um Verteilung von Fördergelder vom Bund zwischen den Ländern – Berlin soll nach dem bayerischen Minister viel bekommen und er erhebt den Anspruch, dass sein Bundesland – eigentlich die Münchner Hochschulen – ebenfalls gefördert wird. Es ist sicherlich nichts dagegen einzuwenden, dass ein Landesminister im föderalen Deutschland sich um Gelder vom Bund für sein Land bemüht.

Ob dies aber zur Schaffung von Eliteuniversitäten führen mag, erscheint mir sehr fraglich. Eine Eliteuniversität kann weder vom Staat noch von einer Expertenkommission geschaffen werden. Es ist auch höchst fraglich, ob die Exzellenzinitiative zur Schaffung von Eliteuniversitäten führen kann. Dazu gehört mehr als das Gießen von ein bisschen mehr Fördermittel an ausgewählte Hochschulen.

Die Schaffung einer Eliteuniversitäte verlangt viel mehr Zeit als die knappe zwei Jahrzehnte der Exzellenzinitiative, einen auf das weltweite Hochschulumfeld gerichtete Blick und … eine sehr große Zurückhaltung vom Staat übrigens ganz im Sinne des politischen Liberalismus, den der bayerische Wissenschaftsminister vertritt. Eine Hochschule, die wie eine Behörde geführt wird, wird wohl kaum eine Eliteuniversität nach weltweitem Standard sein.

Weder der Staat noch irgend ein Hochschul-Ranking bestimmt die Eliteuniversitäten, sondern die gesamte Gesellschaft: Die Schüler, die eine Hochschule unter vielen auswählen, die Arbeitgeber, die Absolventen einer Hochschule vorziehe, die Unternehmen, die mit Wissenschaftlern aus einer Hochschule besonders gerne zusammenarbeiten. Nach einem Jahrzehnt Exzellenzinitiative in Deutschland stehen wir für solche Auswahlen nicht viel besser als zuvor: Verlässliche und verständliche Daten über die Leistungen von Hochschulen – etwa Studiendauer, Erfolgsquoten, usw. – sind nach wie vor den interessierten Bürger kaum zugänglich.

Der Statt kann sicherlich Eliteuniversitäten schaffen aber er sollte sich davor hüten, sie ernennen zu wollen. Und: Ohne Transparenz keine Exzellenz!

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Der LMU-Student als Faultier

24. Januar 2012

Heute stellt die Süddeutsche Zeitung in ihrer heutigen Gewissensfrage den LMU-Student als Faultier dar. Offenbar tut Öffentlichkeitsarbeit not!

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Das Semantic Web einfach erläutert

24. Januar 2012

Das Unternehmen Metaweb beschreibt im folgenden Video, was es entwickelt und bietet: Nichts anderes als eine Umsetzung der Vision “Semantic Web”.

Metaweb wurde übrigens im Juli 2010 von Google gekauft. Google möchte damit die Suche verbessern – siehe “Deeper understanding with Metaweb“.

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Gedanken über Bildungsreformen

24. Januar 2012

Ob eine Reform   – im Bildungsbereich oder sonst wo  – erfolgreich ist, dürfte ein wichtiger Indikator für zukünftige Reformen sein. Im Bildungsbereich hat man den Eindruck, dass dies nicht gilt. Auf mich wirken Bildungsreformen eher ideologisch als wissenschaftlich bestimmt. Wissenschaftliche Argumente werden wohl immer zur Begründung einer Bildungsreform gezogen. Nachgewiesene und nachvollziehbare Messungen liegen in der Regel nicht vor.

So war es bei der Bologna-Reform: Was sind die Belege dafür, dass Studenten im Fach X besser schneller und kürzer ausgebildet werden? Für mein Fach, die Informatik, habe ich solche Belege bisher nicht gesehen. Was sind die Belege dafür, dass ein Bachelor-Studiengang berufsqualifizierend ist? Dies ist eine Vorgabe, die lediglich durch eine dementsprechende Aussage im die Studien- und Prüfungsordnung “verwirklicht” wurde.

Die Bildung ist in einem modernen Staat von sehr großer politischer Relevanz. Sie wurde deswegen immer politisch instrumentalisiert – in der Vergangenheit in Deutschland und in Frankreich zum Beispiel, um den Krieg gegen das Nachbarland vorzubereiten. Die Bildung wurde auch für gute Zwecke instrumentalisiert – etwa für die Bekämpfung des politischen Extremismus.

Gegen eine Bildung mit politischen Zielen ist prinzipiell nichts einzuwenden. Die Debatte über diese Ziele lässt aber derzeit in Europa an Wünschen übrig. Ebenfalls das Messen der Wirkung von Bildungsreformen lässt zu wünschen übrig. Muss es so bleiben? Sicherlich nicht. Mit dem Internet hat eine Demokratie wie nie zuvor über die Mittel verfügt, um schwierige politische Themen wie die Bildung zu besprechen.

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Programmierung lernen und lehren

23. Januar 2012

Wert gut programmieren kann beherrscht noch lange nicht, was ein Informatiker können sollte. Wer aber nicht gut programmieren kann wird wohl nie als Informatiker Erfolg haben können. Ich zweifle, dass die Programmierung bei uns und in vielen weiteren Studiengängen in Informatik oder mit Informastik-Bezug gut genug gelernt wird. Ich frage mich, welche Lehrformen geeignet wären, die Programmierung Studenten besser beizubringen.

Sie wird derzeit meist wie folgt beigebracht. Zuerst werden die Konzepte von einem, zwei oder drei  Programmierparadigmen (objekt-orientiert, imperativ, funktional) in Vorlesungen beigebracht, die mit Übungen ergänzt werden, damit die Studenten das Erlernte selbst üben können. Anschließend  wird eine größere Programmieraufgabe in einem Programmierpraktikum meist in Teams erledigt. Leider allzu oft stellt man fest, dass einige Studenten zu wenig Ahnung von der Programmierung haben.

  • Liegt das an der Lehrformen, die ein passives Mitmachen geradezu fördern?
  • Wäre es nicht sinnvoll, statt einem selben Programmieraufgabe hundert oder mehr Studenten in einem Programmierpraktikum zu geben, von den Studenten selbst zu erwarten, dass sie ihr Programmier-Projekt selbst definieren?
  • Wäre es vielleicht dem Ziel gerechter, wenn zuerst programmiert wurde und anschließend die Programmierparadigma eingeführt wurden?

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Das elektronische Lehrbuch ist für europäische Hochschulen relevant

20. Januar 2012

Der Einstiege von Apple in den Handel mit Lehrbücher (Stichwort iBook) wird nicht nur ein Computer-Unternehmen stärken, sondern auch US-Verlage und -Hochschulen. Im weltweiten Wettbewerb der Hochschulen, der zweifelsohne noch intensiver werden wird, sind die Lehrbücher der Zukunft wichtige Multiplikatoren.

Werden denn die Lehrbücher in Zukunft elektronische Bücher sein? Dessen bin ich überzeugt aus mehreren Gründen.

Sie sind für ihre Nutzer praktischer wegen Textsuche, löschbare Annotationen und auch, was sicherlich sich verbreiten wird, weil sie prinzipiell aktualisierbar sind. Insbesondere für Lehr- und Fachbücher werden Aktualisierungen wegen des sich beschleunigenden Fortschrittes an Bedeutung gewinnen. Auf einem Tablett oder Laptop kann man eine Bibliothek speichern, mit Such-Software darin viel besser als in den meisten traditionellen Bibliotheken suchen.

Elektronische Bücher sind auch für die Verlage vom Vorteil. Sie sind leichter und billiger zu erstellen und zu verbreiten.

Zugegeben haben elektronische Bücher einen Nachteil für die Urheberrechts-Inhaber, weil sie kopierbar sind. Ausgerechnet für Lehr- und Fachbücher dürften aber Zusatzdienste wie Aktualisierungen, Zugang zur Software, welche den Buch-Inhalt ergänzt und Antwort-Dienst Kopien weniger attraktiv als das beim Verlag erworbene Buch machen. Solche Zusatzdienste werden wiederum zur Verbreitung der elektronischen Lehr- und Fachbücher wesentlich beitragen.

Europa ist auf dem Gebiet der elektronischen Lehr- und Fachbücher wenig sichtbar. Es liegt an strukturellen Gründe wie die Mehrsprachigkeit Europas, die die Märkte fragmentiert, und an der mangelnden Zusammenarbeit zwischen Verlage und Hochschulen, die Behörde sind und wenig Interesse an neuen Medien und neuen Lehrformen haben, an Hochschulbibliotheken, die elektronische Bücher nur nebenbei und zögerlich einführen und auch daran, dass die Hochschulen durch die Überwindung von Reformen zu sehr mit ihrer internen Organisation beschäftigt sind und zu wenig mit der Lehre im 21. Jahrhunderts.

Sind erfolgreiche Unternehmungen  mit elektronischen Lehrbücher aus Europa denkbar? Zweifelsohne. Die relative Leere auf dem Gebiet ist eine exzellente Voraussetzung dafür. Allerdings setze es ein sehr originelles und Europa-taugliches Konzept voraus.

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Schon gehört von Spielifizierung?

19. Januar 2012

Spielifizierung oder Gamification nennt man die Anwendung von Unterhaltungs- oder Belohnungsmechanismen, die für Spiele typisch sind, in Systemen, die keine Spiele sind. Die Spielifizierung ist eine wichtige Technik in sozialen Medien, um die Nutzer an der sozialen Plattform zu binden oder um sie dazu zu bewegen, Sachen zu tun, die für die beabsichtigte Entwicklung der Plattform wünschenswert sind. Eine verbreitete Form der Spielifizierung ist die Vergabe und Anzeige von Auszeichnungen bei den Nutzer-Avataren. So werden Nutzer für ihre Leistungen auf der Plattform öffentlich anerkannt.

Die Spielifizierung ist sehr ernst zu nehmen: Sie wirkt und beim Mensch wie bei jedem Säugetier auch ist der natürliche Zweck – oder die evolutionsbiologische Erklärung – von Spielen das Lernen.

Die Splielifizierung kann ein Mittel unter anderen, um eine Lern-Umgebung – sei sie Computer-gestützt oder nicht – effektiver zu machen. (Ob die Einführung von ECTS-Punkten im Hochschulstudium eine Form von Spielifizierung ist, möchte ich hier und jetzt lieber nicht untersuchen.)

Um mehr über die Spilifizierung zu erfahren , lohnt es sich, das Gamification Blog zu lesen.

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Online-Lehrmaterial

19. Januar 2012

Online-Lehrmaterial sind die Lehrbücher und Vorlesungsskripten der Zukunft. Um Online-Lehrmaterial stellt aber Herausforderungen:

  • Ein Format muss gut überlegt werden. Soll vom Dozent nur eine Stimme gehört werden oder soll er auch sichtbar sein? Wie lang soll ein Abschnitt sein? Soll es auch Übungen geben?
  • Eine Software muss ausgewählt oder entwickelt werden.
  • Soll die Plattform ihre Studenten in irgend einer Form versuchen, an sich zu binden?

Die Khan Academy bietet gut durchdachte und gut entwickelte Online-Lehrmaterial für die Schule an. Ein Blick darin zu werfen lohnt sich – auch für jemanden, der an einer Hochschule lehrt.

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Protest gegen das Stop Online Piracy Act

18. Januar 2012

Als Protest gegen das US-Gesetz SOPA, den “Stop Online Piracy Act”, ist heute das englischsprachige Wikipedia nicht verfügbar. Anstatt der abgerufenen Wikipedia-Seite erhält man den Hinweis:

Imagine a World Without Free Knowledge
For over a decade, we have spent millions of hours building the largest encyclopedia in human history. Right now, the U.S. Congress is considering legislation that could fatally damage the free and open internet. For 24 hours, to raise awareness, we are blacking out Wikipedia. Learn more.

Die Wikipedia-Seite über SOPA bleibt allerdings abrufbar. Google seinerseits hat heute seinen Dienst nicht eingestellt. Die Google.com-Seite enthält dafür den Hinweis:

“Tell Congress: Please don’t censor the web!

Bemerkenswert ist das wirtschaftliche Argument gegen SOPA, welches Google unter dem oben genannten Link verbreitet:

Millions of Americans oppose SOPA and PIPA because these bills would censor the Internet and slow economic growth in the U.S.

Bemerkenswert ist auch die Petition vor dem US-Kongress, die Google unter dem oben genannten Link betreibt.

Wird jemand die wirtschaftliche Kosten des Wikipedia-Proteste schätzen? Sie dürften USA- sowie weltweit nicht unerheblich sein, so sehr Wikipedia als Informationsquelle für allerlei berufliche Tätigkeiten unersetzlich geworden ist.

In der Wikipedia-Gemeinschaft ist die Entscheidung umstriten, die englischsprachigen Wikipedia-Seiten einen Tag lang zu sperren – siehe dazu auf NPR “Wikipedia Editors Question Site’s 24-Hour Blackout“.

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Flipped Teaching

18. Januar 2012

Das Format der traditionellen Lehre besteht aus den Unterricht und Hausaufgaben, die vom Dozent einzel korrigiert werden deren Lösungen  in Übungsstunden vorgestellt werden. Vieles spricht für dieses Format, das seit Jahrhunderte etabliert ist. Im Unterricht werden die Kenntnisse vermittelt, die zur Lösung der Hausaufgaben nötig sind. Die Hausaufgaben dienen sowohl der Aneignung von Fertigkeiten, de zur Verwendung des im Unterricht vermittelten Wissens nötig sind, wie auch zur Vertiefung von einigen Aspekten des Unterrichts. Die Übungsstunde ermöglicht, eine Rückmeldung über die Korrektur der einzelnen Lösungen hinaus. Einiges spricht aber gegen dieses traditionelle Format der Lehre: Er macht Studenten zu leicht, im Unterricht passiv zu bleiben und bei den Hausaufgaben überfordert zu sein.

In den Schulen der USA verbreitet sich derzeit ein anderes Format der Lehre; das die Namen “flipped teaching“, “reverse teaching“, “backwards classroom”, “reverse instruction”, and “inverted classroom” gegeben wurde. Flipped Teaching stellt die traditionelle Lehre kopfüber. Der Student eignet sich die Kenntnisse allein aus Bücher und online Lehrmaterial, die Hausaufgaben werden gemeinsam im Klassenraum gelöst, wobei die Studenten der Arbeitsablauf frei bestimmen und der Dozent Fragen beantwortet. Ein Arbeitsplan wird im Voraus festgelegt, so dass jeder weiss bis wann was erledigt werden muss.

‘Vermutlich eignet sich Flipped Teaching gut, eine Programmiersprache oder Wahrscheinlichkeitsberechnungen zu lernen, weniger gut, die Wahrscheinlichkeits- oder die Automatentheorie zu lernen. Vermutlich skaliert Flipped Teaching genau so wenig wie fast jedem erdenklichen Lehransatz: Mit 20 Studenten klappt alles gut, darüber hinaus nicht mehr. Flipped Teaching hat auf alle Fälle einen Vorteil: Er nimmt den Student in die Verantwortung, sich aktiv am Unterricht zu beteiligen. Vermutlich sit das der Hauptgrund, warum Flipped Teachinmg in den Schulen der USA sich derzeit verbreitet.

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Post Scriptum: Ich bedanke mich beim Leser Ingo für den Hinweis auf Flipped Teaching.

Wie kann man die Lehre verbessern?

17. Januar 2012

Wie kann man die Lehre verbessern? Wer Lehrer ist, stellt sich ständig diese Frage. Jeder Lehrer hat eine eigene Meinung dazu und er handelt dementsprechend. Oft genug aber erweist sich die Einführung von Verbesserungen als schwierig: Auch in der Lehre ist Stabilität nötig, damit gut gelernt und gelehrt wird und nicht jede erzielte Verbesserung erbringt die Vorteile, die man sich vorgestellt hat.

Daher möchte ich mich an meine Leser wenden, um die Frage zu beantworten: Wie kann man die Informatik-Lehre verbessern?

Es gibt vermutlich verschiedene Typen von Antworten wie die Folgenden:

  • Verbesserungen durch Umorganisation der Lehre etwa durch die Einführung von Kompakt- oder verlangsamte Kurse
  • Verbesserungen durch gesteigerte Betreuung
  • Verbesserungen durch Abänderung des Lehr-Paradigma etwa von Studenten selbst gesteuerten Projekten statt geleitete Praktika

Möglicherweise gibt es weitere wichtige Kategorien, die mir momentan nicht einfallen. Es gibt sicherlich Antworte, die im derzeitigen Hochschulsystem leicht umzusetzen sind und weitere, die wesentliche Änderungen dieses Systems verlangen. Alle Antworte sind relevant und sollten überlegt werden: Was heute nicht möglich erscheint kann morgen werden.

Eine bitte an meine Leser: Es geht hier nicht um eine Kritik von Dozent A oder B. Gegen eine Kritik von Dozenten habe ich überhaupt nichts: Ohne Kritik gedeiht keine gute Lehre. Es geht aber mit der Beantwortung der Frage “Wie kann man die Lehre verbessern?” nicht um Persönliches, sondern um Grundsätzliches.

Um konstruktive und kreative Beiträge freue ich mich im Voraus!

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Hinweise auf die Anfängerzahlen an Hochschulen?

16. Januar 2012

Crowd Sourcing ist oft ein erfolgreicher Ansatz, um Trends zu erkennen. So wird zum Beispiel am Kaufverhalten erkannt, wie es – in der “ersten Welt” – einem Land wirtschaftlich gut geht: Kaufen zum Beispiel Männer weniger Unterwäsche oder kaufen Frauen mehr Lippenstift und wenig Kleide, dann gilt es als sicheres Zeichen einer Rezession.

Ein großes Problem an Hochschulen ist die Vorhersage der Anfängerzahlen. Schön wäre es, wenn mindestens ein Semester im Voraus eine Schätzung vorliegen würde. So könnte man Hörsäle mit passender Kapazität versuchen zu bekommen und auch versuchen, das nötige Personal zur Betreuung der Anfänger einzuplanen.

Der traditionelle Ansatz, um solche Zahlen im Voraus zu ermitteln, ist die Befragung eines repräsentativen Teils der Bevölkerung. Dieser Ansatz ist viel tu teuer für eine Hochschule. Deswegen frage ich mich, ob ein Crowd-Sourcing-Ansatz wie der der Männerunterwäsche und des weiblichen Einkaufsdifferenziells Lippenstift-Kleide zur Schätzung der Anfängerzahlen in Informatik-Studiengänge gefunden werden könnte. Interessant wären natürlich auch solche Ansätze für beliebige Fächer sowie der Vergleich dazwischen, was für ein Fach verlässliche Zahlen liefert, für das andere nicht.

Mir fällt nur die Anzahl der Abrufe Webseiten, die gute Auskunft über Studiengänge geben. Damit diese TZahl an verlässliche Indikator der Bereitschaft sich in einen Studiengang des betroffenen Fachs anzumelden gelten kann, müssten die Webseiten gut besucht und folglich gut verfasst und aktuell sein. Somit könnte ein Indikator erzielt werden. Keins liegt aber meines Wissens für den Informatik-Studium im deutschsprachigem Raum derzeit vor.

Hat jemand weitere Ideen für denkbare Indikatoren der Studierbereitschaft in einem bestimmten Fach?

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Dialog?

13. Januar 2012

Der Dialog zwischen Studenten und Dozenten ist ein wichtiger Bestandteil der Lehre, der leider in der Massenuniversität zu untergehen neigt. Wenn über hundert Studenten eine Lehrveranstaltung besuchen und der Dozent mehrere Lehrveranstaltungen hält, dann fehlt einfach die Zeit für den Dialog.

Die soziale Medien sind eine hervorragende Möglichkeit, an einer Massenuniversität den Dialog zwischen Studenten und Dozenten zu ermöglichen. Allerdings der Umgang damit muss von allen gelernt werden. Wir, Studenten und Dozenten, sind dabei aber offenbar damit noch lange nicht fertig.

Auf einer Dozentenbewertungsplattform finde ich zufällig drei Kommentare über meine Vorlesung “Logik für Informatiker” des Sommersemesters 2010, die mir bisher unbekannt waren. Hierunter Auszüge daraus:

Der Dozent spricht leider nur ein sehr schlechtes, da stark akzentbehaftetes Deutsch. So ist es ein Ding der Unmöglichkeit, der dreistündigen Vorlesung aufmerksam und konstruktiv zu folgen. Darüber könnte man selbstverständlich hinwegsehen, wenn die anderen Aspekte dieser Veranstaltung von positiver Natur wären. Das ist jedoch nicht der Fall …

Kein Student hat während dieser Vorlesung dieses Problem erwähnt. Es nur nachträglich auf einem Forum zu veröffentlichen ist folglich unfair. Außerdem frage ich mich, ob der Verfasser dieser Kritik ein Österreicher oder Schweizer als Dozent ertragen würde.

Der Dozent erzählt in seiner Vorlesung viele Geschichten, deren Sinngehalt bezweifelt werden darf. Kostprobe: “Als ich noch ein junger Doktorand war, habe ich eine interessante Feststellung gemacht: wenn etwas nicht existiert, dann kann es jede beliebige Eigenschaft haben, denn es existiert nicht.

Es ging gar nicht um eine Geschichte, sondern um eine den All-Quantors, ein relevantes Thema für eine Einführung in die Logik: Wenn eine Menge leer ist, dann gilt es für jede Eigenschaft, dass alle Elemente dieser Menge diese Eigenschaft besitzen. Darüber stolpern gelegentlich Logik-Anfänger. Verwunderlich finde ich, dass der Autor vom Kommentar nicht mitgekriegt hat, worum es ging.

Die Klausur hatte nur sehr wenig mit den Übungsblättern zu tun und war deshalb kaum machbar. Die Nachholklausur war noch viel schwerer, weshalb noch mehr Studenten durchgefallen sind.

Ein Beleg für die erste Aussage kann sicherlich nicht erbracht werden! Die beiden Klausuren waren sehr nah an den Übungsblätter. Wäre es aber nicht der Fall gewesen, dann gehört eine solche Kritik vor dem Dekan und/oder dem Prüfungsausschuss vorgetragen.

“Er vermittelt in der Vorlesung einen studentenfreundlichen Eindruck und fordert die Studenten stets auf, bei Problemen jederzeit zu ihm zu kommen. Kommt man aber ins Büro, so zeigt er einem, dass man nicht willkommen ist und behandelt einen recht forsch und aggressiv.”

Ich erinnere mich an zwei Studenten, die mich kurz vor einer Vorlesung unangemeldet besucht haben, um sich über die Vorlesung zu beklagen und ganz empört waren, wenn ich ihnen sagte, dass wir dafür einen Termin vereinbaren sollten.

Mein Fazit: Dialog tut gut aber zu einem Dialog gehören zwei. Kommentare wie die obigen, die dem Dozent nicht mitgeteilt werden, sind kein Dialog. Wer solche Aussagen nur außerhalb der Hochschule verbreitet, ist, meine ich, nicht glaubwürdig.

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Die eingeschränkte Nutzbarkeit von Toiletten

12. Januar 2012

Jeder kennt eine solche Situation: Zur einer Frage erhält man als Antwort eine Aussage, die präzis und möglicherweise korrekt ist, jedoch nur eingeschränkt nutzbar oder sogar völlig nutzlos ist.

Gerade erhalten die Universitätsmitarbeitern, die im selben Gebäude wie ich ihre Arbeitszimmer haben, die folgende Mitteilung: “Momentan sind alle Toiletten nur eingeschränkt nutzbar.” Die Aussage ist präzis, höchstwahrscheinlich korrekt aber wie die Toiletten, worüber sie berichtet,  für mich nur eingeschränkt nutzbar. Es mag an einer meinen Eigenarten liegen: Meine eigene Toiletten-Nutzung ist immer uneingeschränkt.

Was ich gerne schon im Voraus und nicht erst in voller Aktion erfahren würde, ist das Folgende:

  • Erstens welche Nutzung die momentan eingeschränkten Toilette noch zulassen: Nur das Anschauen oder auch Produktiveres?
  • Zweitens wie die mehrere hundert Studenten und Mitarbeiter, die momentan im Gebäude weilen, die momentane eingeschränkte Nutzbarkeit der Toiletten überbrücken sollen: Im nahe liegenden Englischen Garten?

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Zum Umgang mit möglichen Interessenkonflikten

12. Januar 2012

Interessenkonflikte gibt es in vielen Berufen. Es gibt sie in der Politik, wie die derzeitige Bundespräsident-Affäre zeigt. Und es gibt sie in der Lehre und in der Wissenschaft. Interessenkonflikte zu erkennen, ist nicht immer leicht. Was ihre Erkennung erschwert, ist vor allem, dass über möglichen Interessenkonflikten viel zu wenig offen gesprochen wird, insbesondere was Politiker und Wissenschaftler betrifft.

Ein Interessenkonflikt kann vorliegen, wenn jemand einen Vorteil davon hat, zu handeln wie er handelt. “Kann vorliegen” oder nicht eher “liegt vor”? Ganz eindeutig “kann vorliegen” aber nicht “liegt vor”. Die Schwierigkeit mit möglichen Interessenkonflikten ist eben, dass es viele ethisch einwandfreien Handlungen, die einem einen Vorteil bringen. Bemühe ich mich in der Lehre meinen Studenten gut beizubringen, was ich in der Forschung mit-entwickelt habe, und bin ich darin erfolgreich, so trägt meine Lehre zum Erfolg meiner Forschung bei. Man kann mir dies aber wohl nicht als Interessenkonflikt vorwerfen! Soll ich etwa nur lehren, was ich wissenschaftlich nicht so gut kenne? Dieses Beispiel ist keineswegs rein rhetorisch, sondern tägliches Brot eines Hochschullehrers, wie die folgenden Beispiele belegen.

Anfang der 80er Jahren des 20. Jahrhunderts waren die relationalen Datenbanksysteme  in der Forschung gut etabliert, in der Praxis völlig unbedeutend. Nach und nach haben sie sich in der Praxis durchgesetzt, was vor allem daran lag, dass sie in Vorlesungen behandelt wurden. Das selbe gilt für die Finanzderivaten, einer der wichtigen Erscheinung der letzten drei Jahrzehnten. Weil darüber an Hochschulen unterrichtet wurde, haben sie sich verbreitet. Ähnliches gilt für Vieles, von der objekt-orientierten Programmierung bis hin zur Unix/Linux. Wohlgemerkt bei weitem nicht alles, was an Hochschulen in der Lehre verbreitet wird, ist so erfolgreich wie ihre Vertreter hoffen.

Man kann also nicht voreilig meinen, dass bei jeder Handlung, die einem einen Vorteil verschaffen mag, ein Interessenkonflikt vorliegt. Die Fragen sind also, wo die Grenze zu ziehen ist, wie man sich bei möglichen Interessenkonflikte verhalten soll. Gerade diese Frage wird derzeit in der Gesellschaft untersucht – in der Politik dank dem deutschen Bundespräsidenten Christian Wulff und in der Wissenschaft dank einigen Professoren, die als Experte vor Untersuchungskommissionen des US-Kongresses – über die Ursachen der Finanzkrise – ausgesagt haben.

Der Reuter-Bericht “For some professors, disclosure is academic” vom December 2010 mit dem Untertitel “They are presented as disinterested experts, but many scholars who testify at U.S. Congressional hearings have industry ties they don’t reveal” ist eine scharfe Anklage eines Verhaltens von Wirtschaftswissenschaftlern, das für die Gesellschaft sehr gefährliche folgen haben mag. Ein Finanz-Professor, der ein Neben-Einkommen als Berater für eine Investitionsbank verdient, kann wohl nicht als unabhängigen Experte auftreten, wenn er über die Praktiken von Investitionsbanken berichtet!

Die US-Fachwelt hatte sich bereits auf die Kritiken reagiert, die im oben genannten Reuters-Bericht erhoben wurden. Im Bericht “Financial Economists, Financial Interests  and Dark Corners of the Meltdown: It’s Time to set Ethical Standards for the Economics Profession“, der eine der Grundlagen für den oben erwähnten Reuters-Bericht war,  hatten schon im November 2010 die Politik-Wissenschaftler Gerald Epstein und Jessica Carrick-Hagenbarth die Alarm-Glocke geschlagen und konkrete Vorschläge gemacht, wie Interessenkonflikte von Finanz-Wissenschaftler gemieden werden sollen. Relativ schnell, am 5.1.29012, also nur dreizehn Monaten nach der Veröffentlichung dieses Berichtes, hat die American Economic Association, die Fachvertretung von Wirtschaftswissenschalfter in den USA, Richtlinie veröffentlicht, wie Wirtschaftsexperten Interessenkonflikte vermeiden sollen – siehe die Pressemitteilung “American Economic Association Adopts Extensions to Principles for Author Disclosure of Conflict of Interest“.

Diese Richtlinie weist den Weg. Interessenkonflikte sind in einigen berechtigten Fälle, wie in den oben geanannten Beispielen, überhaupt nicht zu vermeiden. Es geht also nicht darum, irgendwie Interessenkonflikte vermeiden zu wollen und  – wie der deutsche Bundespräsident – naiv zu glauben, davon frei zu sein. Es geht einfach darum offen zu legen, wo man steht, wofür man sich eingesetzt hat, was man dafür an Geld, Stellen oder sonstigen Vorteilen  erhalten hat, und somit seinen Mitmenschen die Möglichkeit zu geben, sich einer eigenen Meinung seiner Ab- oder Unabhängigkeit zu machen. Bei möglichen Interessenkonflikte geht also darum, seine Mitmenschen nicht zu manipulieren.

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